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Zwischen Siegel und Story: Wie Bio-Marken sichtbar werden

Online-Seminar betrachtet Markenstrategien

Zwischen Siegel und Story: Wie Bio-Marken sichtbar werden © Verrano
Das Startup Verrano will in der Verpackung möglichst viel vom Produkt zeigen, das optisch an Räucherschinken erinnert.

Wie können Bio-Marken im aktuellen Marktgeschehen ihre Werte glaubwürdig vermitteln und ihre Zielgruppe erfolgreich ansprechen? Diese Frage stand im Fokus eines zweitägigen Online-Seminars Anfang Juli, das im Rahmen der ‚Bio verarbeiten – Praxis-Workshops‘ stattfand und vom Büro für Lebensmittelkunde und Qualität (BLQ) veranstaltet wurde. Dabei wurde die Rolle von Authentizität, Partnerschaften und einer Positionierung jenseits des Bio-Siegels hervorgehoben. Elf Unternehmen nahmen am Workshop teil.

Zu Beginn des Seminars informierte Isabell Gerr von der Assoziation ökologischer Lebensmittelherstellerinnen und -hersteller (AöL) darüber, wie sich der Markt und die Zielgruppen aktuell und künftig verändern. Bio-Marken konkurrierten heute nicht mehr nur mit konventionellen Lebensmitteln, sondern auch mit Eigenmarken von Discountern, Online-Anbietern oder den Herstellern proteinreicher Lebensmittel. Mehrere Entwicklungen hob Gerr hervor: Gesundheit gewinne gegenüber Nachhaltigkeit für die Konsumenten an Bedeutung, Vertrauen in Marken werde wichtiger als klassische Werbung und Kaufentscheidungen würden zunehmend durch Convenience, personalisierte KI-Empfehlungen und Social Media beeinflusst.

Bio-Marken profitieren von Authentizität

Paul-Werner Hildebrand von organic Marken-Kommunikation betonte, dass Konsumenten von Bio-Marken eine ehrliche und transparente Kommunikation erwarten. Gleichzeitig könnten Leichtigkeit und Humor positive Emotionen schaffen und Marken von der Konkurrenz abheben. Gerade angesichts der wachsenden Menge austauschbarer KI-generierter Inhalte seien Authentizität und kreative Ideen wichtig.

Samuel Kümmel von der Agentur Lichtsignale riet dazu, sich als kleines Unternehmen nicht von Perfektionismus und vom Vergleich mit großen Playern ausbremsen zu lassen. Persönliche Geschichten und die Menschen hinter einer Marke könnten genauso punkten. „Ein gutes Beispiel ist Social Media. Einblicke in den Arbeitsalltag oder Bilder von Mitarbeitenden schaffen Nähe und Vertrauen. Gerade kleine Unternehmen haben hier einen Vorteil: Sie sind nah am Geschehen und können unkompliziert zeigen, wie sie arbeiten“, so Kümmel.

Eine Teilnehmerin mit eigener Bio-Bäckerei bestätigte, dass besonders persönliche Inhalte auf Social Media gut funktionieren. Bei inhabergeführten Betrieben seien dafür keine großen Abstimmungsschleifen, beispielsweise mit der Marketingabteilung nötig. Eine andere Teilnehmerin erzählte, dass Kunden ihr Unternehmen und die Produkte ungefragt bei Social Media bewerben, etwa durch das Teilen von Fotos.

Food-Start-Up Verrano setzt auf Kooperationen

Aus der Marketing-Praxis berichtete Manuel Siskowski, einer der Gründer vom Frankfurter Food-Startup Verrano. Das Unternehmen produziert gereiftes Wurzelgemüse in Bio-Feinkostqualität und stellt in seiner Kommunikation Qualität und Genuss in den Mittelpunkt. Das beginne bereits beim reduzierten Verpackungsdesign, das möglichst viel vom Produkt zeigt, welches optisch an Räucherschinken erinnert. In Fotos präsentiert Verrano seine Produkte vor allem in fertigen Gerichten oder im Einsatz in der gehobenen Gastronomie. Begriffe wie ‚vegan‘ oder ‚bio‘ würden dagegen bewusst nicht in den Vordergrund gerückt. „Unsere Zielgruppe sind nicht nur Veganer*innen und Flexitarier*innen, sondern Personen, für die hochwertige Produkte im Mittelpunkt stehen“, so Siskowski.

Eine wichtige Rolle spielen für Verrano Kooperationen mit Partnern wie Zeit für Brot, BioKaiser oder sogar die Deutsche Bahn, die dem noch jungen Produkt Reichweite und Absatzwege verschaffen. Nach Einschätzung von Siskowski können auch Kooperationen außerhalb der Bio-Branche sinnvoll sein, wenn sie zur eigenen Positionierung passen. Für den Markenaufbau setzt Verrano außerdem auf Storytelling: Die Gründer erzählen bewusst ihre Geschichte und zeigen die Menschen hinter dem Unternehmen – „auch wenn bei uns nicht alle gern im Rampenlicht stehen“.

Im interaktiven Teil des Workshops stellten sich die Teilnehmer gegenseitig ihre Marken und Unternehmen vor und berichteten von Marketingerfolgen oder geplanten Schritten. Anschließend konnten sie im Format ‚Problem-Solution-Slam‘ konkrete Fragestellungen bearbeiten. Samuel Kümmel bot dabei für jede Frage ein kurzes Live-Coaching an und gab den Teilnehmern Tipps an die Hand.

Das Online-Seminar fand im Rahmen der ‚Bio verarbeiten – Praxis-Workshops‘ statt. Die Reihe richtet sich an alle, die ökologische Lebensmittel verarbeiten oder neu in die Bio-Verarbeitung einsteigen wollen. Sie will Fachwissen vermitteln und Raum zum Lernen und Ausprobieren bieten. Jährlich werden im Rahmen des Projekts rund 50 Termine angeboten. Die Veranstaltungen werden finanziert vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) mit Mitteln des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH).

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