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Editorial Ausgabe 128/Juli 2026, 3. Quartal

Liebe Leserinnen, liebe Leser.

Sustainability – das Schlagwort des, man kann schon sagen, Jahrzehnts. Das gilt auch für den Handel und Einzelhandel. Rewe oder Alnatura bemühen sich, mit ihren wirklich gut ökologisch ausgerichteten Neubauten, ihre Nachhaltigkeitsbilanz aufzubessern. Selbst Bayer – man bedenke das gründlich – hatte die Parole ausgegeben, bis 2050 eine Netto-Null-Emission erreichen zu wollen, und hat jetzt per Gericht die Werbung mit dieser Aussage verboten bekommen! Greenwashing! Wie soll das auch gehen, wenn deren Geschäftsmodell aus der Herstellung und dem Verkauf von Glyphosat und vielen weiteren Pestiziden besteht?

Die Pharma-Industrie kämpft immer noch um die Deutungshoheit bei diesen Stoffen und lobbyiert mit immensem Aufwand. Sie seien nicht schädlich für Menschen! Die Obergrenzen würden eingehalten. Allein die Einführung von Obergrenzen, die auch regelmäßig gesenkt wurden, zeigt doch, worum es geht. Stoffe, die begrenzt werden müssen, sind nicht gut für uns, sie machen krank. Und genau diese Einschätzung wird seit Jahren mit vielen medizinischen Untersuchungen und Studien zu den Folgen immer deutlicher. Niemand bezweifelt heute in der medizinischen Welt mehr die damit verursachten Gesundheits-Schäden, die auf viele Milliarden Euro beziffert werden.

Die Bevölkerungsmehrheit befürchtet Auswirkungen der Agro-Chemie auf ihre Gesundheit und will die Eindämmung, weil klar wird, dass Schädlingsbekämpfung über Lebensmittel am Ende auch die Verbraucher selbst betrifft. Das verursacht Ängste. 

Die Menschen flüchten, wenn sie es sich leisten können, in sichere Bio-Lebensmittel. Ein nachhaltiger Kreislauf, wie es scheint. Mit dem Glaubwürdigkeits-Plus Bio sind die Kaufleute täglich konfrontiert, weshalb sie Bio-Angebote in ihren Supermärkten platzieren und damit die Regale füllen.
Langsam wird erkannt, dass die Besorgnis der Kunden auch ein Problem für die Kaufleute darstellt. Sie verkaufen die Lebensmittel, sie sind die letzten in der Kette, sie werden zuerst gebissen. 

Wer Nachhaltigkeit auch in Verbindung mit Bio-Angeboten auf seine Fahnen schreibt, muss sich fragen: Was essen die Menschen? Neben vielen Lebensmitteln aus Tüten bis zu 60 Prozent Frische-Anteil, je nach Standort. Wäre es da nicht erfolgversprechend,  dieser Erfahrung auch im Bio-Angebot gerecht zu werden? Davon sind die Supermärkte auch mit mehreren Tausend Bio-Artikeln noch weit entfernt. Der Bio-Kunde bleibt auf langen Strecken der noch unbekannte Verbraucher. Er kauft, was angeboten wird. Die wichtigsten Lebensmittel fehlen aber! Bei Bio-Fleisch, -Wurst, -Schinken, -Käse, -Brot und ja auch im Bio-O+G-Angebot gibt es noch viel Nachholbedarf. 

Der Handel ist zu einfach ausgewichen auf Regionalprodukte und hat damit die Anpassung an die Entwicklung nur weiter in die Zukunft verschoben. Die Nachhaltigkeitsfrage wird dabei auf Transportwege verkürzt. Die Heimat soll allein durch die Nähe nachhaltig werden? Die Agrochemie beherrscht doch auch diese Böden. Regional-Marketing wäre zielführend beim Sustainability-Versprechen. Aber mit der Agrochemie-Landwirtschaft bleiben das leere Worte. Was sagen die Kaufleute? Bio und Regional sei der Königsweg! 

Das Wissen um die Zusammenhänge verbreitet sich unaufhaltsam und damit auch das Bio-Wachstum. Kaufleute waren immer einen Schritt voraus. Sie sollten wissen, was die Kunden kaufen wollen. Warum sollte diese alte Weisheit heute nicht mehr stimmen? 

Vor 60 Jahren war die wichtigste Aufgabe der Lebensmittelkaufleute die Zentralisierung der Beschaffung. Wer nicht mitzog, konnte nicht mithalten. Heute bestimmt die aktive Begleitung der Ernährungs-Transformation die Zukunft. Die Zentralisierung treibt zusammen mit der Industrialisierung der Landwirtschaft Blüten, die jetzt aufgeräumt werden. Die Menschen wollen wieder gesund und natürlich essen. Unsere Bauern können zusammen mit den Kaufleuten diese Aufgabe schaffen. Die Menschheit verhungert nicht, wenn wir auf Bio umstellen! Das ist eine billige und verantwortungslose Propagandalüge. Die Natur schafft das!

Bio-Vollsortimente wie in den Bio-Läden  sind für Kaufleute machbar! Es fehlen aber noch viele Wege dorthin. Vielleicht würde eine eigene Bio-Vorstufe helfen, mit ähnlichen Funktionen wie die Vorstufen der Supermärkte. Ein Ansprechpartner mit vielen vernetzten Kümmerern. Eine Plattform für Bestellungen, eine Bezahlung. Die Logistik dazwischen zentral organisiert. Dann würden kleine lokale und auch mittlere oder größere Anbieter aus der Region, und für was es dort nicht gibt, von weiter her, für die Kaufleute nicht mehr Aufwand bedeuten als der mit ihrer heutigen Vorstufe.

Erich Margrander 
Herausgeber

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