Landwirtschaft
Bäuerliche Verbände warnen vor EU-Gesetz zu Neuer Gentechnik
Offener Brief an EU-Parlament veröffentlicht
In wenigen Wochen soll im Europaparlament final über den Gesetzesentwurf zur Deregulierung Neuer Gentechnik (NGT) abgestimmt werden. Aus Sicht von Landwirtschaft und Verbrauchern sei der aktuelle Vorschlag inakzeptabel, sagen vier bäuerliche Verbände. In einem offenen Brief fordern sie die Abgeordneten auf, den Gesetzestext grundlegend zu verbessern oder abzulehnen.
Der aktuelle Gesetzesvorschlag würde das Vorsorgeprinzip, den Verbraucherschutz, die Koexistenz gentechnikfreier Bewirtschaftungssysteme und die Wahlfreiheit aushebeln, schreiben die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM), die Interessengemeinschaft Nachbau und die Katholische Landvolkbewegung (KLB) Deutschland in dem Brief. Er könne zu einer Flut von Patenten mit erheblichen negativen Folgen für europäische Züchtungsunternehmen und damit die Ernährungssicherung führen.
Die Abschaffung europäischer Sicherheits- und Schutzstandards würde die deutschen und europäischen Landwirte zu austauschbaren Rohstofflieferanten machen – und damit Märkte und Existenzen zerstören. Verunreinigungen im Saatgut könnten am Ende den Landwirten in Rechnung gestellt werden und so das Verursacherprinzip konterkarieren.
Nach aktuellen Umfragen forderten 79 Prozent der Verbraucher eine Kennzeichnungspflicht bis zum Endprodukt auch bei Neuer Gentechnik – unterstützt von Unternehmen wie Aldi, Rewe, dm, Alnatura, Dennree und Rapunzel. Wissenschaftler von nationalen Behörden aus Deutschland (BfN), Österreich (UBA Wien) und Frankreich (ANSES) forderten außerdem eine umfassende Risikoprüfung für alle mit NGT erzeugten Pflanzen, um das Vorsorgeprinzip zu gewährleisten.
Die Verbände appellieren daher an die Abgeordneten, den Gesetzesentwurf grundlegend zu überarbeiten oder abzulehnen. „Sorgen Sie für Entscheidungsfreiheit und die Sicherung unserer Lebensgrundlagen, gerade auch für zukünftige Generationen“, so die Unterzeichner.







