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Bio-Frühstück mit Rapunzel
Vom Badewannen-Müsli zur Hightech-Produktion im Allgäu
Was improvisiert in einer WG-Küche begann, ist heute zu einer hochmodernen Bio-Produktion geworden. In Legau im Allgäu verbindet der Bio-Pionier Rapunzel Naturkost seine handwerklichen Wurzeln mit automatisierten Prozessen – vom Müsli über Nussmus bis zum fair gehandelten Kaffee. Dabei stehen natürliche Zutaten, kurze Rezepturen und enge Partnerschaften mit Erzeugern im Mittelpunkt.
Die Müsli-Kompetenz Rapunzels reicht bis in die Anfangszeit des Unternehmens in den 70er Jahren zurück. Damals wuchs die Nachfrage nach einer Mischung aus ausschließlich natürlichen Zutaten so schnell, dass zeitweise improvisiert – und in einer Badewanne gemischt – wurde. Heute entstehen die Müsli-Mischungen in Legau im Allgäu unter professionellen Bedingungen. Die Basis bilden Haferflocken, die je nach Sorte durch variierende Zutaten ergänzt werden: ob Beeren, Früchte, Nüsse oder Schokolade. Zehn Artikel gibt es aktuell im Sortiment. Attraktiv für Kinder sind etwa das ‚Mond & Sterne‘- oder das Schmetterlings-Müsli. Dazu kommen verschiedene Porridges für Fans eines warmen Frühstücks.
Pioniergeist im Glas
Auch Rapunzels Nussmuse wurden bereits in den Pionierjahren des Unternehmens selbst hergestellt – damals eine Besonderheit am Markt. Heute werden die Haselnüsse dafür im Infrarot-Röster schonend von innen erwärmt, sodass sie ihr Aroma entfalten, ohne außen zu verbrennen. Ziel ist ein gleichmäßiges Röstergebnis bei reduziertem Rohwarenverlust.
Anschließend werden die gerösteten Nüsse in Steinmühlen schrittweise vermahlen, bis eine feine, homogene Konsistenz erzielt wird. Schon in den 70er Jahren hat Rapunzel-Gründer Joseph Wilhelm Kontakte zu türkischen Landwirten geknüpft und noch heute bezieht Rapunzel seine Haselnüsse aus eigenen Anbauprojekten in Aserbaidschan und der Türkei.
Die Abfüllung erfolgt vollautomatisiert auf drei Produktionsstraßen: Ein Roboter setzt bis zu 128 Gläser gleichzeitig auf das Förderband. Per Luftstrahl werden sie ausgeblasen, um jegliche Fremdkörper ausschließen zu können. Pro Achtstundenschicht können auf einer Produktionsstraße rund 47.000 Gläser Nussmus abgefüllt werden. Vakuumsensoren kontrollieren die Verschlüsse und mehrere Prüfstationen sortieren fehlerhafte Gläser aus.
Vor jedem Produktwechsel wird die Anlage gründlich gereinigt. Dazu wird ein Silikon-‚Molch‘ mit Druckluft durch die Leitungen geschoben, bevor eine Spülung mit Speiseöl erfolgt. Dieser Reinigungszyklus kann bis zu anderthalb Schichten in Anspruch nehmen.
45 verschiedene Nussmuse und Brotaufstriche aus eigener Produktion hat Rapunzel im Programm: von der bekannten Nussnougatcreme Bionella, die als Solitärmarke seit 2010 im LEH vertrieben wird, über Crunchy Erdnuss-Mus bis zur Mandel-Tonka-Creme. Dabei zeichnen sich die Nussmuse als Gegenpol zum Convenience-Trend durch ihre kurzen Zutatenlisten aus.
Fairer Kaffee-Genuss als Finish
Zur Abrundung des Rapunzel-Frühstücks darf der sogenannte Heldenkaffee nicht fehlen. In der Gläsernen Rösterei in Legau werden dafür die Bohnen im Trommelröster der Firma Probat im schonenden Langzeitverfahren veredelt. Die notwendige Hitze wird mit Bio-Gas erzeugt, während laut Unternehmensangaben bis zu 40 Prozent der bei einem Standardröster nötigen Energie durch rezirkulierende Röstgase eingespart werden können. Durch die Abwärme des Kaffeerösters kann zudem das Besucherzentrum Rapunzel Welt beheizt werden.
Die Rohkaffees stammen aus Rapunzels Hand in Hand-Fairhandelsprogramm, das sich durch eine besonders enge sowie langfristige Kooperation mit den Erzeugern auszeichnet. Der Bio-Pionier übernimmt die Kosten für Inspektion und Zertifizierung und garantiert faire Produktpreise über dem durchschnittlichen Marktniveau plus einer Prämie. Angebaut wird der Kaffee in Mischkultur und unter Schattenbäumen, beispielsweise in Honduras oder Guatemala. Zum Portfolio gehören Herkunftskaffees mit ganzer Bohne oder gemahlen, Arabica, Caffè Crema, Espresso oder auch Instantkaffee und koffeinfreier Kinderkaffee aus Getreide und Früchten.
Einen hohen Stellenwert nimmt für Rapunzel die Qualitätssicherung ein. Jede Charge werde intern auf ihre sensorischen und physikalischen Qualitäten hin geprüft, ergänzt von externen Analysen auf Rückstände wie Pestizide oder Aflatoxine. Erst danach gehe die Ware in die Weiterverarbeitung. Nach der Produktion folgen die Verkostung und der Vergleich mit mehreren Musterchargen.
Trotz der Automatisierung hebt das Unternehmen die Schlüsselrolle von Mitarbeitern und Handwerk hervor. „Unsere Anlagen prüfen, unsere Leute veredeln – Handwerk bleibt Handarbeit, auch wenn Technik hilft“, sagt Felix Grosch, Teamleiter Öffentlichkeitsarbeit bei Rapunzel. „Ob Müsli, Nussmus oder Kaffee: Am Ende soll es einfach gut schmecken – ohne Schnickschnack.“
Lena Renner







