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Deutscher Bio-Markt setzt Wachstum fort

Ökolandbau-Fläche stagniert weiterhin

Deutscher Bio-Markt setzt Wachstum fort © NuernbergMesse / Frank Boxler
AMI-Expertin Diana Schaack präsentiert neue Marktzahlen bei der Branchenbilanzpressekonferenz der Biofach.

Der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln in Deutschland steigerte sich 2025 gegenüber dem – nach oben korrigierten – Vorjahr um 6,7 Prozent auf 18,2 Milliarden Euro. Dabei wuchsen Drogeriemärkte zweistellig, aber auch die Vollsortimenter legten überdurchschnittlich zu. Währenddessen stagniert das Wachstum der Ökolandbau-Fläche mit +1,1 Prozent weiterhin. Die neuen Zahlen präsentierten die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) und der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) im Februar auf der Biofach in Nürnberg.

Auf mehr als 18 Milliarden Euro ist der deutsche Bio-Markt 2025 angewachsen. Dabei fungierte der Lebensmitteleinzelhandel mit +8,7 Prozent erneut als wichtigster Wachstumstreiber. Am meisten legten mit weitem Abstand wiederum die Drogeriemärkte zu (+14,4 Prozent), gefolgt von den Vollsortimentern mit +8,6 Prozent und den Discountern mit +6,7 Prozent. Ein geringeres Wachstum verzeichneten der Naturkostfachhandel (+2,3 Prozent) und sonstige Einkaufsstätten wie Bäckereien, Hofläden und Reformhäuser (+2,1 Prozent). Insgesamt erreicht der LEH nun einen Bio-Marktanteil von 70 Prozent: Davon entfallen 31 Prozent auf die Vollsortimenter, 28 Prozent auf Discounter und elf Prozent auf Drogeriemärkte. 

Eigenmarken dominieren, E-Commerce boomt

Die Eigenmarken gewinnen weitere Marktanteile und erreichten 2025 einen neuen Höchststand von 67 Prozent bei verpackten Bio-Produkten im LEH. Demgegenüber liegt der Eigenmarkenanteil im Fachhandel lediglich bei rund zwölf Prozent. Über 62 Prozent der Umsätze des Fachhandels werden mit frischen Lebensmitteln wie Obst und Gemüse sowie Milch- und Fleischprodukten erwirtschaftet. 

Erstmals ermittelte der BÖLW dieses Jahr die Anteile von Bio im Online-Lieferservice. Demnach liegt der Bio-Umsatzanteil von tegut im E-Commerce bei 28 Prozent, der von Rewe bei 20 Prozent. Demgegenüber beläuft sich der Bio-Anteil am gesamten Lebensmittelmarkt auf nur 6,5 Prozent. Die höchsten Bio-Marktanteile halten weiterhin die Pflanzendrinks (über 65 Prozent), Fleischersatzprodukte (mehr als 25 Prozent) und das Mehl (über 21 Prozent).

Umsatzsteigerung durch höhere Verkaufsmengen

BÖLW und AMI berichten für 2025 von einer abgeschwächten Inflation – sowohl bei Bio als auch im konventionellen Bereich stiegen Verbraucherpreise kaum noch. Laut BÖLW blieben die Preise für das Bio-Trockensortiment stabil, bei den Preisen für Bio-Frische ist ein Anstieg von gut zwei Prozent zu verzeichnen. (Ein Ausreißer ist Rindfleisch, das um fast 13 Prozent teurer wurde.) Wie schon im Vorjahr trieben daher höhere Verkaufsmengen den Bio-Umsatz nach oben.

Besonders stark wuchsen die Warengruppen Geflügel (+16,7 Prozent), Mehl und Joghurt (gut 13 Prozent) sowie Pflanzliche Drinks und Fleischersatz (rund 13 Prozent). Dagegen ging die verkaufte Menge von Bio-Rotfleisch um 7,4 Prozent zurück, was die AMI-Expertin Diana Schaack auf zu wenig Rohware im Angebot zurückführt. Insgesamt lässt sich für die Bio-Frische ein Mengenwachstum von 7,3 Prozent und ein Umsatzwachstum von acht Prozent verzeichnen.

Steigende Nachfrage, knappes Angebot

Gleichzeitig führt die steigende Nachfrage zu Knappheiten bei Bio aus Deutschland. Sogar die Erzeugung der gängigsten Feldgemüsearten reicht laut BÖLW nicht für die Inlandsversorgung: Rund 40 Prozent der Bio-Möhren und 25 Prozent der Bio-Zwiebeln wurden 2024 importiert. Auch bei tierischen Erzeugnissen – Milch, Butter, Fleisch – steigen die Importe. Gut ein Drittel des Bio-Schweinefleischs stammte 2024 aus Nachbarländern. 

Wie schon 2024 hat die Bio-Fläche im Vorjahr nicht mit der Nachfrage mitgezogen – ihr Wachstum von 2024 auf 2025 stagniert nach Angaben des BÖLW bei +1,1 Prozent. Insgesamt werden damit aktuell 1,93 Millionen Hektar biologisch bewirtschaftet. Zwei Drittel davon sind nach Standards der Bio-Verbände zertifiziert. Der Bio-Anteil an der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche liegt bei 11,7 Prozent – und damit noch weit entfernt vom 30-Prozent-Ziel der Bundesrepublik. Auch 2025 ging die Anzahl der Bio-Landwirtschaftsbetriebe leicht zurück und liegt nun bei rund 35.600 Höfen. Als Gründe nennen die ExpertInnen den Strukturwandel, Betriebsschließungen aufgrund des Generationswechsels sowie etwa (besonders in Südwestdeutschland) auch die Weidehaltungspflicht.

Signal von der Politik gefragt 

„Bio ist ein Leuchtturm im deutschen Lebensmittelmarkt“, kommentierte Tina Andres, Vorstandsvorsitzende des Bunds Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), die Entwicklung. „Die Verbraucher wissen, was sie wollen.“ Mit Blick auf die hinterherhinkende Umstellungsrate und den Import von Bio-Ware aus dem Ausland sieht sie allerdings eine „fatal vertane Chance für Deutschland“. Es sei ein Affront, dass die Politik Bio nicht ernst nehme. Für Landwirte sei die Bio-Umstellung eine Generationenentscheidung, ein lebenslanges Commitment, das mit riesigen Investitionen und einem großen Risiko verbunden sei. 

Von der Bundesregierung forderte Andres daher ein deutliches Signal, mehr Planungssicherheit und die Umsetzung der Bio-Strategie zusammen mit Ländern und Kommunen: insbesondere die Förderung von Bio in Kantinen und Kindergärten, die Unterstützung und regulatorische Entlastung des mittelständischen Lebensmittelhandwerks und die Stärkung der Forschung für die Bio-Wertschöpfungskette.

Weitere aktuelle Zahlen und Fakten zum deutschen Bio-Markt finden Sie im BÖLW-Branchenreport 2026.

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