Großhandel
Rhein-Main Bio bringt Bio-Marken in den Mainstream
Bio-Großhändler optimiert LEH-Belieferung
Die zur Claus-Gruppe gehörende Rhein-Main BIO GmbH unterstützt die Öffnung von Bio-Marken für den Lebensmitteleinzelhandel. Mit der Umbenennung des Gruppen-Unternehmens Rhein-Main-Reformwaren in ‚Rhein-Main Bio‘ wird auch die strategische Ausrichtung geschärft. Ein breites Sortiment, eine effiziente Logistik und die enge Zusammenarbeit mit Herstellern und Handelspartnern sollen dabei helfen, Bio-Produkte im Mainstream zu verankern. Neu verfügbar ist die Eigenmarke ‚Pur Planet‘ und auch der eigene Webshop wurde neu aufgestellt.
Im Dezember 2019 wurde der Großhändler Rhein-Main-Reformwaren von der Claus-Gruppe übernommen und ist dort seither speziell für die Belieferung des LEHs zuständig. Anfang 2025 wurde der Vertriebskanal in ‚Rhein-Main Bio‘ umbenannt. „98 Prozent der dort vermarkteten Artikel sind Bio-zertifiziert“, erklärt die Vertriebsleiterin Ulrike Claus den Schritt. Insgesamt würden momentan um die 100 Bio-Marken aktiv verkauft, wobei etwa 15 als Fokus-Marken besondere Aufmerksamkeit erhalten. Die Rhein-Main Bio Vertriebs GmbH ist für sechs Prozent der Umsätze der Claus-Gruppe verantwortlich.
„Fast alle Marken gehen heute den Schritt in den LEH und wollen dort neue Kunden erreichen“, weiß Claus. Das habe sich teilweise auch aus wirtschaftlichen Gründen so ergeben. Während des Bio-Booms in der Corona-Pandemie hätten die Hersteller hohe Produktionskapazitäten aufgebaut, die nun weiter ausgelastet werden wollten.
Sortimentsvielfalt trifft flexible Strukturen
Als Alleinstellungsmerkmal betrachtet der Großhändler sein breites Portfolio – und die Fähigkeit, trotz dieser Größe flexibel zu bleiben und immer wieder neu auf Veränderungen zu reagieren. Bis zu 23.000 Artikel gibt es im Sortiment: von Trockenware über Mopro und Convenience-Produkte bis hin zu Nahrungsergänzungsmitteln, Naturkosmetik und Non-Food mit Nachhaltigkeitsanspruch.
Die Claus-Gruppe hat viel Erfahrung in den verschiedenen Märkten, die bedient werden: ob Reformhäuser, Bio-Fachhandel, LEH oder auch der französische, österreichische und Schweizer Markt. Eine gute Warenverfügbarkeit könne ebenso gewährleistet werden wie die schnelle Listung innovativer Produkte. „Wir arbeiten mit vielversprechenden neuen Marken zusammen“, betont Ulrike Claus.
Das 14.600 Quadratmeter große Zentrallager in Baden-Baden so-wie weitere Lager in Fürstenfeldbruck (bei München) und Dortmund stellen eine effiziente Logistik ohne Lieferengpässe sicher. Ein digitales Lagerverwaltungssystem sorgt für optimierte Prozesse. Die Flexibilität wird auch durch einen eigenen Fuhrpark mit 50 Fahrzeugen unterstützt, die einen anderen Service als Speditionen ermöglichen. Den ganzen Süden und Westen Deutschlands kann Rhein-Main Bio mit Direktlieferungen abdecken.
In Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg wird mit Agenturen zusammengearbeitet, die mittlerweile eine hohe Bio-Affinität an den Tag legten. „Das funktioniert sehr gut“, freut sich Key Account-Manager Uwe Lohrke. Die Agentur Ganter ist etwa bereits seit über zehn Jahren ein Rhein-Main Bio-Partner. Insgesamt stünden bei den Agenturen 45 Personen als Ansprechpartner zur Verfügung. Die könnten Kaufleute bei Problemen ohne lange Wartezeiten erreichen – oder sie treffen die Außendienstler persönlich, wenn sie alle paar Wochen zu Marktbesuchen vorbeikommen. Von Rhein-Main Bio werden die Agenturen mit Infoblättern zu Sortimenten gefüttert, die genaue Angaben dazu enthielten, was im Moment läuft – etwa im Winter zu Tees, im Sommer zu Bowls. „Wir sind immer am Puls der Zeit“, betont Lohrke.
Trends erkennen und bedienen
Als „immer noch voll im Trend“, gerade bei jungen Leuten, identifiziert der Großhändler Proteinprodukte. Auch das Thema ‚Longevity‘ – das gesunde Älterwerden mit der passenden Ernährung wie Chiasamen oder Vollkornprodukten – stehe weiterhin hoch im Kurs. Während im Reformwarenhandel Nahrungsergänzungsmittel gefragt seien, fehle dafür im LEH die Beratung. Hier stünden eher diätetische Lebensmittel wie laktose- oder glutenfrei im Fokus.
Rhein-Main Bio unterstützt den Handel dabei, die Produkte mit der richtigen Kommunikation ins Regal zu bringen. Zur Markenbildung werde mit Displays gearbeitet; neue Produkte sollen durch das Verteilen von Mustern Bekanntheit erlangen. Der Distributionsaufbau, die Aktivierung der Produkte im Warenwirtschaftssystem und die hybride Zusammenarbeit mit dem Außendienst der Hersteller gehören zum Aufgabenspektrum des Großhändlers. Außerdem finden für die Agenturen und eigenen Mitarbeiter Schulungen statt, um ein Verständnis für die Produkte zu vermitteln.
Orientierung im Markendschungel
„Die Kaufleute werden von Produkten und Marken überrannt“, stellt Claus fest. „Wir sind verantwortlich dafür, die Flut von Artikeln vorab zu steuern.“ Der Großhändler spricht Empfehlungen aus und engagiert sich darin, neue Bio-Hersteller zu Bio-affinen Lebensmitteleinzelhändlern zu führen. Dabei arbeite das Unternehmen sowohl mit Kaufleuten mit bereits großer Bio-Expertise zusammen als auch mit ‚Neulingen‘, die sich ganz auf die Expertise von Rhein-Main Bio verlassen.
„Die bekanntesten Bio-Marken sind Alnatura und Rapunzel“, berichtet Lohrke auf Basis eines Studienergebnisses. Auch im LEH kenne jeder zweite Kunde die Bio-Hersteller. Demgegenüber liege der Bekanntheitsgrad weiterer Bio-Marken im einstelligen Prozentbereich. Insofern ist es keine einfache Aufgabe, die Hersteller in den konventionellen Einzelhandel zu begleiten. „Die Nachfrage von Seiten des Handels ist aber da“, erklärt Claus.
Neue Wege mit Pur Planet
Mit ‚Pur Planet‘ hat der Großhändler eine eigene Marke gestartet, die sich auf Bio-Monoprodukte im Bereich ‚besondere Ernährung‘ konzentriert. Hafergrütze, zweierlei Quinoa und gerösteter Buchweizen werden bereits angeboten – die Produktentwicklung für weitere Artikel sei am Laufen.
Erneuert und moderner gestaltet wurde auch der Webshop, der das komplette Sortiment des Unternehmens abbildet. Kunden können Suchergebnisse nun etwa nach besonderen Ernährungsformen filtern.
„Der Bio-Markt wächst – allerdings auch in anderen Betriebssträngen als denen, die wir historisch bedienen“, sagt Ulrike Claus. So spiele sich das Wachstum besonders in Drogerie-Märkten und im Bereich von Eigenmarken ab. Gleichzeitig bleibe Bio insgesamt gefragt – auch wenn die Preise und das Preisbewusstsein angesichts der geopolitischen Lage wahrscheinlich wieder nach oben gehen würden. „In den nächsten Monaten wird es schwierig bleiben. Wenn der Diesel zu teuer ist, sparen die Leute bei der Ernährung“, prognostiziert die Vertriebsleiterin. Mit Effizienz, Vielfalt und Flexibilität will sich Rhein-Main Bio auch künftig am Bio-Markt behaupten.
Lena Renner







