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Bio-Reis für Europa

bioPress im Gespräch mit AKC Commodities

Bio-Reis für Europa © Anabela Foods
Hassieb Kadeer, AKC Commodities

Das Bio-Unternehmen Taj Food, gegründet 1993, ist heute Europas größter Bio-Lieferant aus Pakistan. Hassieb Kadeer verantwortet mit seinem Unternehmen AKC Commodities den Export in die USA. Für bioPress gab er einen Einblick in die aktuelle Marktentwicklung, Herausforderungen und neue Nachhaltigkeitsprojekte. 

bioPress: Herr Kadeer, in Deutschland geht es mit dem Bio-Markt weiter aufwärts. Wie ist die Situation in den USA und in Pakistan?

Hassieb Kadeer: Der Bio-Markt wächst in den USA dank der starken Nachfrage der Verbraucher und der Akzeptanz im Mainstream-Einzelhandel weiterhin stetig. In Pakistan entwickelt sich die ökologische Landwirtschaft langsam von einer kleineren Basis aus und ist in erster Linie exportorientiert.

bioPress: Wie hoch ist der Anteil der ökologischen Anbaufläche?

Kadeer: In den USA macht die ökologische Landwirtschaft etwa ein Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche aus und hat sich weitgehend stabilisiert. In Pakistan liegt der Anteil international zertifizierter Bio-Flächen weiterhin unter 0,3 Prozent, wobei durch exportorientierte Initiativen ein allmähliches Wachstum zu verzeichnen ist.

bioPress: Wie sieht es mit der Zahl der Umsteller aus?

Kadeer: Während die Umstellung der Landwirte in Deutschland derzeit stagniert, befindet sich Pakistan noch in einer Entwicklungsphase. Das Wachstum wird durch Zertifizierungskosten und technische Anforderungen begrenzt, aber das Interesse steigt dort, wo eine langfristige Exportnachfrage besteht.

bioPress: Welche politischen Maßnahmen gibt es in den USA und Pakistan, um den Ökolandbau und den Bio-Absatz voranzubringen?

Kadeer: Die USA unterstützen den ökologischen Landbau durch USDA-Umstellungsprogramme und finanzielle Anreize. In Pakistan wird die ökologische Entwicklung hauptsächlich durch Initiativen der Provinzen, Exportprogramme und Partnerschaften mit dem privaten Sektor unterstützt und nicht durch eine einheitliche nationale Politik.

bioPress: Welche Absatzkanäle sind in den USA am relevantesten für den Verkauf von Bio?

Kadeer: Supermärkte und Großhandelsketten dominieren den Verkauf von Bio-Produkten, gefolgt von Naturkostläden und Fachgeschäften, wobei der Online-Handel weiter an Bedeutung gewinnt.

bioPress: Was sind Pakistans wichtigste Bio-Export-Artikel?

Kadeer: Pakistans stärkstes Bio-Exportprodukt ist Basmatireis. Weitere international exportierte Bio-Produkte sind Sesam, Gewürze, Hülsenfrüchte, Datteln, Trockenfrüchte und ausgewählte Nüsse. Europa – insbesondere Deutschland – und die USA bleiben wichtige Zielmärkte.

bioPress: Was gibt es Neues bei Taj Food?

Kadeer: Wir erweitern unsere Rückverfolgbarkeitssysteme, Labortests, Schulungen für Landwirte und Private-Label-Kapazitäten, um den steigenden Compliance- und Qualitätsanforderungen der EU und der USA gerecht zu werden. Außerdem entwickeln wir neue Produktlinien auf Reisbasis, darunter glutenfreie Snacks, Cerealien und andere Mehrwert-Produkte. 

bioPress: Was sind Ihre logistischen Herausforderungen beim Export?

Kadeer: Pakistan profitiert im Rahmen des APS+ von einem präferenziellen Marktzugang zur EU. Zu den größten Herausforderungen zählen die weltweite Volatilität der Frachtkosten, längere Transitzeiten und steigende Logistikkosten.

bioPress: Hat Sie die Anwendung der neuen EU-Öko-Verordnung in Drittländern vor Probleme gestellt? 

Kadeer: Die neue EU-Öko-Verordnung hat die Anforderungen an die Einhaltung, Dokumentation und Überprüfung für Drittländer erhöht, was sich insbesondere auf Gruppenzertifizierungsstrukturen auswirkt. Eine unserer größten Herausforderungen bleibt es, unseren Landwirten diese regulatorischen Änderungen zu vermitteln, sodass sie nicht nur die neuen Anforderungen verstehen, sondern auch die langfristigen Vorteile der Einhaltung für ihren Lebensunterhalt und Marktzugang sehen.

bioPress: Wie entwickeln sich die klimatischen Bedingungen in Pakistan?

Kadeer: Pakistan ist mit höheren Temperaturen, unregelmäßigen Monsunregenfällen und einem erhöhten Hochwasserrisiko konfrontiert, was eine größere Widerstandsfähigkeit in der land- wirtschaftlichen Planung und den Lieferketten erfordert.

bioPress: Was gibt es Neues in puncto Nachhaltigkeit bei Taj Food?

Kadeer: Wir engagieren uns für faire und sichere Arbeitsbedingungen, Mitarbeiterschulungen, medizinische Versorgung, die Finanzierung von Landwirten, Bildungssponsoring, Projekte für sauberes Wasser und tägliche Nahrungsmittelhilfe.

Darüber hinaus ist unsere Fabrik auf dem besten Weg, bis 2027 zu 100 Prozent mit Solarenergie betrieben zu werden, was unser langfristiges Engagement für ökologische Nachhaltigkeit unterstreicht.

bioPress: Der erste Biofach-Tag ist vorüber. Wie ist Ihre erste Zwischenbilanz?

Kadeer: Der erste Tag verlief sehr positiv, mit großem Besucherinteresse und hochkarätigen Diskussionen zu den Themen Rückverfolgbarkeit, Compliance und zuverlässige Lieferungen.

bioPress: Haben Sie Anregungen für die Messeleitung?

Kadeer: Eine verbesserte Vermittlung zwischen Käufern und Lieferanten, eine übersichtlichere Hallennavigation und mehr praktische Veranstaltungen zur Einhaltung der EU-Bio-Vorschriften für Drittländer würden die Veranstaltung weiter aufwerten.

Interview: Marita Sentz

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