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Dinosaurier auf der Biofach: Fleisch-Branche im Wandel

Gespräch mit Jan Militzer, Biopark Markt Erzeuger- und Vermarktungsgesellschaft mbH

Dinosaurier auf der Biofach: Fleisch-Branche im Wandel © Biopark e.V.
Jan Militzer, Vertriebsleiter bei der Biopark Markt Erzeuger- und Vermarktungsgesellschaft

Die Nachfrage nach Bio-Fleisch wächst – gleichzeitig stehen auf der Biofach pflanzliche Produkte mehr und mehr im Mittelpunkt. Der Anbauverband Biopark bespielte 2026 die Fleischtheke auf dem Meetingpoint BIOimSEH. Über Qualitätsfleisch, die ‚Verramschung‘ im Discounter und aktuelle Herausforderungen der Fleisch-Branche hat bioPress mit Jan Militzer, Vertriebsleiter bei der Biopark Markt Erzeuger- und Vermarktungsgesellschaft mbH, gesprochen.

bioPress: Herr Militzer, wie läuft es dieses Jahr auf der Biofach?

Jan Militzer: Auf der Biofach ist die Fleisch-Branche eine Art Dinosaurier. Wir werden zwar nicht nach draußen gedrängt, aber so richtig beachtet auch nicht mehr. Der gepushte Hype für vegane Produkte oder Nahrungsergänzungsmittel ist spürbar. Der Bio-Fleisch-Absatz steigt zwar, aber die Kunden, für die wir ja hier sind, kommen aufgrund des mangelnden Angebots nicht hierher – beziehungsweise nur wenige. Ich bin jetzt das 18. Jahr hier. Früher sind wesentlich mehr Metzger, Feinkosthändler und Großhändler auf die Biofach gekommen. Heute betreiben wir hier hauptsächlich Bestandskundenpflege.

bioPress: Die Nachfrage nach Bio-Fleisch ist momentan hoch. Erleben Sie Versorgungsengpässe?

Militzer: Ja, im Bereich von Rindfleisch gibt es extreme Engpässe in der Versorgung. Das hängt mit zwei Faktoren zusammen: Einmal hatten wir letztes Jahr den Ausbruch der Blauzungenkrankheit. Dadurch sind weniger Kälber geboren, die wiederum für die Zucht gebraucht wurden.

Zweitens finden die Landwirte einfach keine Leute mehr, die in der Viehhaltung arbeiten wollen. Sie wollen sich nicht dazu verpflichten, rund um die Uhr für die Tiere da zu sein. Diese Arbeit kennt keinen Urlaub und nur wenig Freizeit, das mag natürlich nicht jeder. Das Problem ist in vielen Bereichen in Deutschland spürbar – nicht nur in der Bio-Branche. 

bioPress: Welche Produkte im Bereich Bio-Fleisch und -Wurst sind gerade besonders gefragt?

Militzer: Hochwertiges Rindfleisch ist sehr gefragt. Wir vermarkten ja hochwertiges Ochsen- und Färsenfleisch, mit dem wir auch international ein paar Preise gewonnen haben. Das liegt qualitativ weit über dem Durchschnitt.

bioPress: Biopark hat seinen Sitz in Mecklenburg-Vorpommern. Sind dort immer noch die meisten Biopark-Landwirte ansässig? Und wie viele Mitglieder gibt es insgesamt?

Militzer: Unser Schwerpunkt liegt in Nord- und Ostdeutschland. Dazu kommen ein paar einzelne Landwirte in Bayern und Baden-Württemberg. Insgesamt gibt es momentan circa 450 landwirtschaftliche Mitgliedsbetriebe. 

bioPress: In der Vermarktung arbeitet Biopark schon lange eng mit dem Fleischwerk der Edeka Nord zusammen. Gibt es noch andere Kooperationen mit dem LEH oder sind gerade neue geplant?

Militzer: Stimmt, die Kooperation besteht schon seit den 90er Jahren. Ansonsten liefern wir aber weniger in den LEH, sondern sind mehr die Zulieferer für Verarbeiter. Unsere Kunden sind Gastronomie, Großhändler, Fleischereien und Fachhändler… wir sind da möglichst breit aufgestellt. Einzelne Rewe- und Edeka-Kaufleute gehören auch dazu.

bioPress: Wie stehen Sie zur Belieferung von Discountern?

Militzer: Schwierig – ich selbst halte nichts davon, kann uns aber auch nicht davon freisprechen, dass unsere Ware irgendwie über Umwege dort landet. Um der breiten Bevölkerung Bio-Produkte zugänglich zu machen, ist es wahrscheinlich auch keine schlechte Sache. Die Frage ist nur, auf wessen Rücken man es austrägt. Am Ende geht es immer zu Lasten der Erzeuger.

Mit Blick aufs Fleisch vermarkten die Discounter auch anders als Metzger nicht alle Teile des Tieres. Sie verkaufen vielleicht Roastbeef, Entrecôte, Filet, eventuell noch Rouladen und Gulasch und der Rest geht alles ins billige Hackfleisch – an die 60 Prozent. Auf diese Weise kann ich keinen fairen Preis für den Landwirt erzielen.

In Deutschland haben wir – oder die Masse der Bevölkerung – noch nicht den Bezug zu guten Lebensmitteln wie etwa in Italien oder Frankreich, wo ein schönes Essen einen ganz anderen Stellenwert hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass man im Discount ein 0815 Stück Rindfleisch bekommt – egal ob Bio oder konventionell – ist sehr hoch. Da kann man sich beim Grillen anstrengen, wie man will – es wird nicht besonders schmecken. Dann doch lieber weniger Fleisch kaufen und dafür ein Stück, von dem man noch eine Woche später begeistert ist – und bei dem man sich im besten Fall noch auf die Herkunft und gute Haltung verlassen kann.

Interview: Lena Renner

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