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Biofach 2026: zwischen Vision und Marktrealität

Weltleitmesse setzt Impulse – und will auch künftig Bio bleiben

Biofach 2026: zwischen Vision und Marktrealität © NürnbergMesse / Thomas Geiger

Produktinnovationen, junge Perspektiven und Herausforderungen mit Blick auf politische Rahmenbedingungen und die Bio-Markt-Entwicklung: Vom 10. bis 13. Februar wurde die Biofach in Nürnberg erneut zum Treffpunkt der internationalen Bio-Community. 2.200 Aussteller aus fast 90 Ländern trafen auf knapp 32.000 Fachbesucher – womit die Teilnehmer-Zahlen erneut zurückgingen. Jeder zweite Besucher reiste aus dem Ausland an. Ein Fazit der Messeleitung: Auch in der Weiterentwicklung soll die Biofach nicht verwässert werden.

„Die Biofach hat eindrucksvoll gezeigt, wie stark und energiegeladen die Bio‑Branche ist. Dieser Spirit war in allen Hallen spürbar“, zieht Biofach-Leiter Dominik Dietz als Resümee. Zu den stärksten internationalen Beteiligungen zählten neben Deutschland unter anderem Italien, die Niederlande, Indien, Österreich und Spanien. Für 2027 seien über zwei Drittel der Fläche bereits gebucht.

„Es ist schön zu sehen, wie Bio wächst – die politischen Botschaften für eine weiterhin starke Entwicklung wurden hier auf der Biofach gesetzt. Sie ist die unabdingbare Plattform für Einordnung, Begegnung, Innovation und Politik“, ergänzt Tina Andres, Vorstandsvorsitzende des Bunds Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW).

Kongress als strategischer Kompass

Unter dem Leitthema ‚Growing Tomorrow: Young Voices, Bold Visions‘ (‚Zukunft gestalten: Junge Stimmen, mutige Visionen‘) rückte der Kongress die nächste Generation und den generationenübergreifenden Dialog in den Mittelpunkt. In acht Fachforen und 169 Einzelsessions wurde über die Weiterentwicklung der Bio-Branche, aktuelle Fragen und Herausforderungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette diskutiert. Am besten besucht waren laut Messeleitung zwei Veranstaltungen zum EU-Bio-Recht, die zusammen 415 Teilnehmer anzogen.

Auch das Sustainable Future Lab, veranstaltet vom Good Food Collective, fand wieder regen Zuspruch. Hier stand unter anderem die Frage ‚Wem gehört Bio?‘ im Fokus. Ist die Bio-Vision der New School noch so kühn wie die Old School?, wurde diskutiert. Und: Ist nachhaltiges Essen ein ‚(s)low profit business‘?

  • © NuernbergMesse / Frank Boxler
Klimaaktivistin Luisa Neubauer

Viel Applaus für ihre Keynote erhielt die Klimaaktivistin Luisa Neubauer bei der Biofach-Eröffnung. „Wir dürfen nicht vergessen, dass in diesen Tagen nachhaltig Bio anzubauen, übersetzt vor allem das gelebte Ja ist, das Ja zur Welt“, sagte sie.

Passend zum Leitthema richtete die Biofach 2026 mit Indien als Land des Jahres den Blick auf einen Bio-Markt, der von jungen Akteuren, neuen Initiativen und starkem Wachstum geprägt ist. Am Gemeinschaftsstand der indischen Exportförderbehörde Apeda präsentierten 95 Aussteller ihre Produkte – von Reis und Gewürzen bis zu Hülsenfrüchten und Hirse.

Kaufleute-Treffpunkt bietet Raum für Diskussion

Einen Akzent für den selbstständigen Einzelhandel setzte die Messe mit dem Meetingpoint BIOimSEH, der 2026 erstmals als Sonderfläche gelistet war. Wie gewohnt bot der Treffpunkt eine Produktschau zur Inspiration für mehr Bio-Markenvielfalt für Kaufleute. Gut 30 verschiedene Unternehmen nahmen dieses Jahr teil. Blickfänge waren die Bio-Bäckerei-Auslagen von Slottke sowie eine Bio-Fleisch-Theke von Biopark. Besucher konnten außerdem die ganze Messe über den Koffein-Kakao des Unternehmens KolaKao mit dem Kraftspender Kolanuss verkosten.

  • © LT / bioPress
Meetingpoint BIOimSEH mit KolaKao-Ausschank und Matchmaking-Fläche

Ein Highlight in der zugehörigen Experten Lounge waren die Gespräche zwischen Edmund Pillekamp, dem Geschäftsführer des Symposiums Essen und Trinken (SET), und bioPress-Herausgeber Erich Margrander. Wie lassen sich die Kräfte für Bio im SEH bündeln und die Marktentwicklung moderieren?, wurde dort gefragt. Wie bringt man mehr Bio in die Frischetheken der Kaufleute? Und wie schafft man es, dass Kunden wieder mehr zu Bio-Markenprodukten greifen? Viel Leben auf den Meetingpoint brachte außerdem die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), die einen Besuch samt Verkostungen mit einer Gruppe aus Herstellung und Handel organisierte.

Bürokratie im LEH als Bio-Schranke

Welche Rolle können Naturkostgroßhändler bei der flächendeckenden Bio-Versorgung durch den SEH spielen? „Wo bei Edeka- oder Rewe-Händlern ein Bio-Herz schlägt, möchten wir auch präsent sein“, sagte Meinrad Schmitt, Geschäftsführer von Terra Naturkost, in einer Podiumsdiskussion im Kongress. Auch der Bio-Großhändler Bodan beliefert laut Geschäftsführer Sascha Damaschun bereits eine Handvoll gute Einzelhändler – allerdings werde es in letzter Zeit tendenziell schwieriger, in die entsprechenden Märkte zu kommen. Die Zentralen übten zunehmend Druck auf Kaufleute aus und die LEH-Bürokratie stehe der Streckenlieferung im Wege. „Wir müssen uns zusammentun und den Markt von unten aufrollen“, so Damaschun.

'Fake Food' im Blick: mit (v.l.n.r.) Nachhaltigkeitsexperte Franz-Theo Gottwald, SAG-Geschäftsleiterin Claudia Vaderna, bioPress-Herausgeber Erich Margrander und Journalist Bernward Geier (Moderation)

Eine Lanze für natürliche Ernährung wurde bei einer Kongress-Veranstaltung rund um ‚Fake Fleisch‘ gebrochen. „Müssen wir alles, was wir können, auch umsetzen?“, fragte bioPress-Herausgeber Erich Margrander. Dass rein pflanzliche Produkte in puncto Umweltfreundlichkeit oft besser abschneiden als Reaktorprodukte, erklärte Claudia Vaderna, Geschäftsleiterin der Schweizer Allianz Gentechfrei (SAG). Statt Reaktorfleisch brauche es mehr Diversifizierung mit Blick auf alternative Proteine. Für lebendige Tiere in lebendigen Landschaften plädierte der Nachhaltigkeitsexperte Franz-Theo Gottwald und warnte allgemein vor ‚Performance Food‘ als Teil eines neuen mechanistischen Paradigmas. „Die Produktion hat die Leute dazu gebracht, mehr Fleisch zu essen – nicht umgekehrt“, brachte sich Agrarwissenschaftler Hardy Vogtmann aus dem Publikum in die Diskussion ein und sprach sich für die flächengebundene Tierhaltung aus.

Von radikaler Einfachheit bis Darmgesundheit

Als Branchentrend identifizierte die Biofach-Trendjury dieses Jahr das Thema ‚Reframing Organic‘ (‚Bio neu definieren‘), bei dem es angesichts der zunehmenden ‚Mainstreamisierung‘ des Sektors darum gehe, ursprüngliche Branchenwerte zu bewahren und in die Zukunft zu tragen, bei neuen Entwicklungen mitzunehmen. Zweitens hebt der Trend ‚Perfectly simple‘ eine radikale Einfachheit mit kurzen Zutatenlisten und möglichst wenigen Zusatzstoffen hervor.

Daneben hat die Jury vier Produkttrends definiert. Das Schlagwort ‚Colourful by nature‘ rückt bunte Produkte auf Basis von natürlichen Stoffen und auch Marken, die sich bunt präsentieren, in den Mittelpunkt. Die ExpertInnen erkennen eine neue Relevanz moderner Fermentations- und Präzisionsverfahren (‚Precision meets tradition‘). Außerdem stünden unter dem Motto ‚Wellbeing in a bottle‘ Getränke vom Immunshot bis zur Trinknahrung im Fokus, während sich unter der Parole ‚Oh my gut!‘ alles um Darmgesundheit, ballaststoffreiche Ernährung, Probiotika und das Mikrobiom dreht.

  • © NürnbergMesse / Thomas Geiger
Neuheitenstand und Innovation Stage

480 Produkte konnten Besucher dieses Jahr am Neuheitenstand entdecken. Wie gewohnt wurde aus diesen Kandidaten per Besuchervoting der Best New Product Award ermittelt, in zwölf verschiedenen Kategorien.

Wiederum gehörte Biovegan zu den Publikumslieblingen und konnte sich gleich in zwei Kategorien durchsetzen: bei ‚Kochen und Backen‘ mit ‚Meine vegane Jägersauce‘ und bei den Getränken mit der veganen Trinkmahlzeit ‚Real Meal Berry‘. Auch Followfood wurde als Wiederholungstäter erneut ausgezeichnet, in der Kategorie TK-Produkte für sein Figgo-Eis Himbeere Vanille, das vom Comedian Teddy Teclebrhan beworben wird. Bei den Frischeprodukten gewannen Hermann Bio mit seinem ‚Fungi Pad Mare‘, einer Fleischalternative auf Basis von Kräuterseitlingen, sowie Complete Organics mit seinem Mediterranen Kimchi auf Weißkohl-Basis. Weitere Sieger waren etwa Genusskoarl mit Shiitake Miso (‚Kochen und Backen‘) und Biostyle mit einem Low Carb-Himbeerriegel (‚Snacks und Süßigkeiten‘).

31 junge Unternehmen stellten auf der Innovation Stage im Rahmen der Start-up Pitches ihre Ideen und Geschäftsmodelle vor. Im Finale konnte sich der Hersteller ‚pack & satt‘ durchsetzen, der mit seinem ‚einpott‘ bio-vegane Fertiggerichte in Papierverpackung auf den Markt bringt.

„Die Biofach bleibt Bio“

Im Vorfeld der Biofach 2026 hatte die Messeleitung angekündigt, sich ab 2027 in einer eigens dafür vorgesehenen Halle auch für Aussteller ohne Bio-Zertifikat zu öffnen, sofern diese bestimmte Kriterien erfüllen, die zum Bio-Kern-Gedanken passen. Nach Gesprächen rund um diese Weiterentwicklung auf der Biofach rudern die Organisatoren nun wieder zurück. „Wir haben verstanden: Die Biofach wird nicht verwässert. Die Biofach bleibt Bio“, so Biofach-Leiter Dominik Dietz. Wie die Messe und das Themenfeld nachhaltige Ernährung zukunftsfest aufzustellen ist, soll in den kommenden Wochen gemeinsam mit der Branche besprochen werden. Erste moderierte Dialogformate sind fürs Frühjahr angekündigt.

Die nächste Biofach findet vom 16. bis 19. Februar 2027 in Nürnberg statt.

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