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Bewegte Bio-Eier aus Brandenburg

Eine junge Erzeugergemeinschaft bringt frischen Wind in die mobile Hühnerhaltung

Bewegte Bio-Eier aus Brandenburg © Brandenburger Bio-Ei GmbH

Weniger Stickstoff, gesunde Böden und gesunde Tiere: Die mobile Hühnerhaltung bietet Vorteile sowohl für Umwelt als auch Produktqualität. Aus einem Förderprojekt entstanden, hat sich die Brandenburger Bio-Ei GmbH der Aufgabe verschrieben, gemeinsam die regionale Vermarktung ‚bewegter Bio-Eier‘ zu stemmen. Zwei Millionen Bio-Eier wandern nun jährlich von der Erzeugergemeinschaft in Wustermark in Märkte, Läden und Kitas der Hauptstadt. 

Lasse Brandt wollte schon als kleiner Junge Bauer werden – ohne familiäre Wurzeln in der Landwirtschaft zu haben. An der Uni Kassel-Witzenhausen studierte er Ökologische Agrarwissenschaften, sammelte erste Erfahrungen bei der bayerischen ‚Die Biohennen AG‘ und setzte anschließend einen Master in Öko-Agrarmanagement in Eberswalde sowie für die Praxis eine landwirtschaftliche Ausbildung oben drauf. 

Über Kommilitonen erfuhr er vom Projekt ‚Aufbau einer Bio-Erzeugergemeinschaft für mobile Hühnerhaltung in Brandenburg‘ und meldete sich freiwillig für den Leitungsposten. Das Projekt wurde federführend von der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg e.V. (FÖL) entwickelt und mit Mitteln des europäischen Landwirtschaftsfonds sowie des Landes Brandenburg unterstützt. Auch die Naturland-Marktgesell- schaft war als Kooperationspartner beteiligt.

Vom FÖL-Projekt zur GmbH

Ziel war es, die Mobilstallhaltung von Legehennen weiterzuentwickeln, den Vermarktungsaufwand zu bündeln und dabei das Beste für die Landwirte rauszuholen. „Die mobile Hühnerhaltung ist im Osten wenig verbreitet“, erklärt Brandt. Dabei sei Brandenburg ein Flächenland mit viel Platz für mobile Ställe. Im Jahr 2021 haben sich vier Bio-Betriebe mit der Regionalwert AG Berlin-Brandenburg zusammengetan und die Brandenburger Bio-Ei GmbH gegründet, deren Geschäftsführung Brandt übernommen hat.

Küken und Futter besorgt jeder für sich. Aufgabe der GmbH ist es, die erzeugten Eier zu erfassen, sortieren, verpacken und vermarkten. Das geschieht in Wustermark, wenige Kilometer westlich von den Toren Berlins. Die Eier-Schachtel dient der Erzeugergemeinschaft als Informationsträger. Unter dem Markennamen ‚Das bewegte Bio-Ei‘ ist ein Mobilstall abgebildet, am Schachtelrand gibt es einen kurzen Erklärtext zur „besten Form der Hühnerhaltung“. Weiteres Hintergrundwissen können Verbraucher auf der eigens dafür aufgesetzten Homepage erhalten. 

Umzug mit Mehrwert

Das Prinzip der Mobilstallhaltung: Statt in einem großen Feststall leben die Hühner in mobilen Einheiten, die sich mit einem Traktor verziehen lassen. Dadurch verteilt sich der Hühnerkot auf einer größeren Fläche, der Nitrateintrag sinkt und eine Überdüngung des Bodens wird vermieden. Auch die Belastung des Auslaufs durch Parasiten geht zurück und die Infektionsgefahr der Tiere wird geringer. Nicht zuletzt haben die Hühner einen abwechslungsreichen Auslauf mit Grünaufwuchs, was der Eiqualität und dem Geschmack zugutekommt. „Das Huhn bleibt ein Monogastrier“, stellt Brandt klar. Es verwertet kein Gras, sondern Getreide und der Grünauslauf dient nur der Beschäftigung. Als weiterer Pluspunkt im Tierwohl-Paket werden die Bruderhähne der Betriebe mit aufgezogen.

Alle vier bis sechs Wochen werden die Ställe verschoben. „Der ideale Zeitpunkt ist von verschiedenen Faktoren abhängig“, so Brandt: etwa von der Bodenart, der Niederschlagsmenge und dem Zustand des Bodens. Dabei können die Ställe ganz unterschiedlich aussehen: analog oder sehr technisch, auf Kufen oder Rädern. „Bei Ersterem haben die Hühner einen flacheren Ein- und Ausstieg, dafür ist das Verschieben weniger flexibel“, berichtet Brandt. Insgesamt seien die Ställe sehr modern: mit automatischer Lüftung, Temperaturüberwachung, Fütterung, Mehretagensystemen und Sammelbändern für die Eier. Circa 1.000 Hühner werden in einer Einheit gehalten.

Ihre Futtermühle wählen die Landwirte der Erzeugergemeinschaft individuell aus: etwa CeraGreen oder die Bio-Eichenmühle aus Mecklenburg-Vorpommern. Zur abgestimmten Futtermischung kommen betriebseigene Komponenten wie Weizen, Triticale und Körnermais. Kräuterzusätze sollen zur Darmgesundheit beitragen. Im Sommer wird Vitamin C gegen den Hitzestress beigemengt. 

Etwa ab einem Alter von 21 Wochen beginnen die Junghennen mit dem Eierlegen. Zwei Mal die Woche wird sortiert, wobei die Ausbeute der GmbH bei rund 30.000 bis 40.000 Eiern liegt. Im Jahr verlassen rund zwei Millionen Eier die Packstation. 

Mauser stärkt Schalenstabilität

Geschlachtet werden die Tiere nach anderthalb bis zwei Jahren. Ziel sei es, den Zeitpunkt möglichst weit nach hinten zu schieben, sodass eine längere Haltung bis zum nächsten Junghennenkauf möglich ist. „Ein Thema dabei ist die Schalenstabilität“, erklärt Brandt. Irgendwann kippe die Zahl an vermarktungsfähigen Eiern wirtschaftlich. Dünnschalige müssen per Hand aussortiert werden. Um die Schalenstabilität wieder zu verbessern, lassen die Betriebe die Hühner mausern. Das heißt, über eine Futter- und Lichtumstellung sowie eine Unterbrechung vom Grünauslauf wird die Mauser eingeleitet, bei der die Tiere ihr Gefieder erneuern und eine Legepause einlegen. Dann wird das Licht nach und nach wieder hochgefahren, bis die Hühner wieder mit dem Eierlegen beginnen. 

Was die Althennenschlachtung angeht, ist Brandenburg relativ strukturschwach, sodass die Tiere nach Niedersachsen transportiert werden müssen. Dabei könne man schon zufrieden sein, wenn der Erlös der Hennen die Kosten für den Abtransport übersteigt. „Die Wertschätzung für ein Bio-Tier, das zwei Jahre lang unter besten Bedingungen gefüttert und gehalten wurde, ist nicht da“, bedauert Brandt. 

Kreativ gegen Beutegreifer

Insgesamt seien die Kosten in den letzten Jahren deutlich nach oben gegangen. Lagen die ersten Ställe noch bei 120 Euro pro Tierplatz, insgesamt mit Solarzellen vielleicht 135.000 Euro, so betrage der Preis inzwischen eher 170.000 bis 180.000 Euro. 20 bis 30 Prozent der Summe könne über Fördergelder für Stallneubauten ausgeglichen werden.

Auch das Futter ist laut Brandt sehr teuer und der Arbeitsaufwand für die Mobilstallhaltung groß. Zur momentan wieder akuten Gefahr der Vogelgrippe kommt die Gefährdung der Hennen durch Beutegreifer. Maschendrahtnetze sind für Mobile Ställe nicht praktikabel, da sie schwer mitverschoben werden können. Brandt kennt aber viele andere Schutzmaßnahmen: ob Windkraft als Abschreckung, ein Hahn oder Ziegen als Wächter, Krähen, die ihr Revier verteidigen, oder Herdenschutzhunde. „Man muss kreativ bleiben und ausprobieren, was funktioniert“, so der Geschäftsführer.

Vom Hof ins Regal – direkt und regional

Entsprechend des hohen Aufwands hat die Qualität der Eier auch ihren Preis: Je nach Verpackungsart (6er, 10er oder lose) zahlt der Verbraucher zwischen 65 und 73 Cent pro Ei. Mittlere und große Eier werden einheitlich verkauft, nur die Kleinen werden separat vermarktet. Drei Viertel des Verkaufspreises gehen nachher an die Erzeuger, ein Viertel wird für Verpackung und Logistik aufgewendet. 

Zur GmbH gehört ein Team von sieben Leuten, die allerdings fast alle in Teilzeit oder als Minijobber angestellt sind. Verteilt werden die Eier bislang über einen Auslieferungsdienstleister sowie Speditionen, ein eigener Fuhrpark sei momentan in Planung.

Die meisten Eier gehen nach Berlin. Selbstständige Rewes und Edekas werden direkt beliefert, ein Teil landet in der Bio Company. Außerdem versorgt die Brandenburger Bio-Ei GmbH Lieferdienste, Feinkost-, Hof- und Unverpacktläden sowie Kitas und Restaurants. „Wir sind offen für alle, die gute Bio-Eier mögen“, so Brandt. 

Lena Renner

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