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Lebensmittelbranche

Monopolkommission warnt vor wachsender Machtkonzentration im LEH

Sondergutachten an Wirtschafts- und Landwirtschaftsministerium übergeben

Angesichts einer zunehmenden Marktkonzentration im Lebensmitteleinzelhandel und in Teilen der Lebensmittelindustrie schlägt die Monopolkommission Alarm. In ihrem heute veröffentlichten Sondergutachten zur Wettbewerbssituation entlang der Lebensmittellieferkette kommt das unabhängige Beratungsgremium der Bundesregierung zu dem Schluss, dass die Marktmacht sich immer mehr bei wenigen großen Handelsketten und einigen Herstellern bündelt – zulasten von Verbrauchern sowie landwirtschaftlichen Betrieben.

„Die Macht des Lebensmitteleinzelhandels und teilweise der Hersteller ist deutlich gestiegen, während die Landwirtschaft oft den Weltmarktrisiken ausgesetzt ist“, sagte Tomaso Duso, Vorsitzender der Monopolkommission. Hintergrund der Untersuchung sind unter anderem die Bauernproteste von 2024 sowie anhaltend hohe Lebensmittelpreise.

Nach Angaben der Kommission kontrollieren Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe (Lidl) und Aldi inzwischen rund 85 Prozent des deutschen Lebensmitteleinzelhandels. Grund dafür seien die Fusionen der letzten Jahre. Zudem dehnen die Handelsunternehmen ihre Aktivitäten immer weiter auf die vorgelagerte Marktstufe der Lebensmittelproduktion aus. Diese vertikale Integration verschärfe ihre Verhandlungsmacht gegenüber Herstellern. Bei manchen Produkten treten sie auch in direkte Verhandlungen mit der Landwirtschaft.

Auch in der verarbeitenden Lebensmittelindustrie beobachtet die Kommission eine bedenkliche Marktkonzentration. In manchen Segmenten verfügten einzelne Hersteller bereits über erhebliche Marktmacht. Damit sich dieser Trend nicht weiter fortsetzt, fordert das Gremium strengere Fusionskontrollen entlang der gesamten Lieferkette.

Um die Auswirkungen vergangener Zusammenschlüsse besser einschätzen zu können, plädiert die Monopolkommission für systematische Ex-post-Evaluationen. So ließe sich nachweisen, wie sich frühere Fusionen tatsächlich auf Wettbewerb, Preise und Marktstrukturen ausgewirkt haben.

Die Kommission mahnt zudem wirksamere Maßnahmen gegen Machtmissbrauch und unfaire Handelspraktiken an. Obwohl entsprechende gesetzliche Regelungen existieren, scheuten Landwirte häufig davor zurück, Verstöße zu melden. Die Durchsetzung müsse daher durch die zuständigen Behörden – insbesondere die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung sowie das Bundeskartellamt – verbessert werden.

Empirische Analysen im Gutachten zeigen, dass Gewinnmargen im Handel und bei Herstellern seit über einem Jahrzehnt stetig wachsen. Gleichzeitig seien Lebensmittelpreise in Deutschland stärker gestiegen als in vielen anderen EU-Staaten. Die Preisschere zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen öffne sich immer weiter. Während Händler und Hersteller von höheren Margen profitierten, seien die Gewinne der Landwirtschaft – insbesondere in der Milch- und Fleischwirtschaft – langfristig kaum gestiegen.

Angesichts eines fortschreitenden Strukturwandels fordert die Kommission bessere Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft. Wichtig seien eine Senkung der Bürokratielast, eine kosteneffizientere Produktion sowie eine Reform der Agrarförderung. Künftig sollten Subventionen stärker an Produktivität, Innovation und Nachhaltigkeit gekoppelt werden statt an die reine Flächengröße. Dies könne auch kleineren Betrieben helfen, wirtschaftlich zu bestehen.

Landwirtschaftliche Betriebe seien ohnehin vielfältigen Belastungen ausgesetzt – von steigenden gesellschaftlichen Anforderungen an Nachhaltigkeit über volatile Weltmarktpreise bis hin zu wachsenden Klima- und Wetterrisiken. Die Kommission sieht daher dringenden politischen Handlungsbedarf.

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