Bio-Banane boomt

Die krumme Frucht zählt zu den Gewinnern im grünen Sortiment

Bananen zählen innerhalb des Bio-Obstsortiments zu den Rennern. Während Bio-Obst 2005 einen Absatzanteil von 2,2 Prozent am Gesamt-Frischobstabsatz hatte, lag der Bio-Anteil bei Bananen bei 3,6, wie die ZMP meldete. Bereits 2005 war beim Absatz der Südfrucht in Deutschland laut GfK-Haushaltspanel eine enorme Steigerungsrate von 172 Prozent zu beobachten. In der Bio-Hitliste des Obstes dürfte Bananen die Äpfel inzwischen auf Platz zwei verdrängt haben.

Das Marktforschungsinstitut CIMS in Costa Rica schätzt die derzeitige Bio-Bananen-Produktion in Mittel- und Südamerika auf 409.000 Tonnen. Davon sind 273.00 Tonnen Tafelware. Rund ein Drittel wird zu Püree, Pulver oder Trockenfrüchte verarbeitet. Mit rund 171.000 Tonnen ist Ecuador der weltweit größte Erzeuger. Die Dominikanische Republik folgt mit 164.000 Tonnen dicht dahinter. Beide Länder zusammen ernten etwas mehr als 80 Prozent der Bio-Bananen in Lateinamerika. Peru, derzeit mit einem Produktionsanteil von acht Prozent, könnte in den nächsten Jahren seine Position ausbauen. Weitere Erzeugerländer sind Costa Rica, Kolumbien und Brasilien. CIMS hat die Anbau-Flächen anhand der Durchschnittserträge auf 31.700 Hektar geschätzt. Die Dominikanische Republik steht dabei mit 10.600 Hektar an erster Stelle, dicht gefolgt von Ecuador mit 9.700.

Der Bananen-Boom wurde ausgelöst durch den Einstieg der Discounter von Aldi über Lidl bis Penny und Plus. Wie schon zuvor bei Kartoffeln und Karotten erwies sich diese Vertriebsschiene als Motor. Aber auch die Vollsortimenter führen die Banane als Aufsteiger. Die Südfrucht macht dem Handel Spaß.

„Die Banane läuft gut momentan. Mit 50 bis 60 Prozent Zuwachs war sie 2005 ein Aufsteiger. Sie wird auch 2006 ein Gewinner sein und das bedeutet noch nicht das Ende des Wachstums", ist Abteilungsleiter Klaus Haak von Edeka-Fruchtkontor optimistisch. Der lose Verkauf hat der tropischen Frucht einen Schub gegeben. Das Fruchtkontor lässt sie im Ursprungsland mit Bio-Wertkost labeln. Den Import aus den drei Ländern Dom Rep., Ecuador und Peru (Fairtrade) übernehmen Dole Fresh Fruits Europe mit Sitz in Deutschland und andere Importeure.

Durch den Wegfall des Flow Pack kann sie günstiger angeboten werden. Zwei-Euro sind momentan die Obergrenze, während vor einem Jahr mancher Vollsortimenter noch bei 2,50 Euro oder mehr lag. Die Discounter sind schon bei 1,49 Euro angelangt. Bei Preisen von weniger als einem Euro/Kilo ab Reiferei ist das immer noch eine lukrative Spanne. Die Bio-Banane ist nicht teurer als die konventionelle Chiquita.

Im Sommer ist der Absatz rückläufig. Da buhlen Stein-, Beerenobst und Melonen um die Gunst des Publikums. Aber der nächste Winter kommt bestimmt.

Aus grün mach gelb

Grün und ungenießbar kommt die Frucht aus Übersee per Dampfer in Europa an. Importeure und Reifereien im Hintergrund sorgen dafür, dass die Frucht gelb und süß wird. Einige Fruchthändler betreiben eigene Reifereien. Andere Importeure und Großhändler kaufen die Dienstleistung ein. Die Banane ist eine empfindlichen Diva und will behutsam behandelt sein. Kälte mag die Südfrucht überhaupt nicht. Ein sorgfältiges Handling ist nötig, um appetitliche Früchte an den POS zu bringen. Durch den sprunghaften Anstieg des Verkaufs musste der Fruchthandel vor allem die Anstrengungen in der Beschaffung verstärken.

Bananen bilden den Schwerpunkt im Bio-Sortiment von Atlanta aus Bremen, dem größten deutschen Fruchthändler mit einem Umsatz von 1,5 Milliarden Euro pro Jahr und 1.700 Mitarbeitern verteilt auf 19 Standorte in Deutschland und Österreich. Fast alle Unternehmen im deutschen LEH sind Kunden bei der Chiquita-Tochter. Auch Großhändler beschaffen ihre Bananen über Atlanta.

Die Atlanta Trade-Marketing Abteilung unterstützt die Kunden im LEH mit Ideen und Aktionen. Die hauseigene Fruchtakademie bietet Produktschulungs- und Fortbildungsseminare für die Mitarbeiter des Handels zum Thema Bio an. Zusammen mit den Kunden erarbeitet der Lieferant individuelle Vermarktungskonzepte.

Kompetenter Partner des Handels

Atlanta bietet alles aus einer Hand. Die Früchte werden in den Ursprungsländern über die eigene Agentur Direkt Fruit Marketing direkt beschafft. Der Mutterkonzern Chiquita wird auch selbst in den Anbau von Bio-Bananen einsteigen. Verpackung in den eigenen zertifizierten Betriebsstätten und Distribution gehören ebenfalls zum Dienstleistungspaket.

Fruchtakademie und Trade-Marketing flankieren die eigenen Aktivitäten im Handel. Dabei geht es den Bremern darum, ein zuverlässiger und kompetenter Partner zu sein. Wichtig ist, die Biokompetenz im LEH zu stärken als eine Vorraussetzung für die Nachhaltigkeit des Marktes. Nur durch die Lieferung von Produkten mit gleichbleibender Qualität wird sich das Biosegment weiterentwickeln.

Port International importiert zweimal in der Woche Bananen über Hamburg oder Antwerpen. Mit vier Ursprungsländern aus Peru, Ecuador, Kolumbien und der Dominikanische Republik kann der Artikel ganzjährig geführt werden. Das Hauptprodukt wird ergänzt durch ausgewählte Übersee-Artikel: Äpfel aus Chile, Argentinien und Neuseeland, Kiwis Green und Gold aus Neuseeland, Trauben aus Südafrika, Steinobst aus Argentinien und Mangos aus Peru. Port hat an den LEH, den Discount, den Naturkostfachhandel und Großhändler als Kunden. Klaus Rehberg, der das Bio-Sortiment betreut, ist in allen Vertriebskanälen mit seiner Ware präsent. Die Hanseaten unterstützen den Handel mit Flyern, Promotion, Sponsoring-Aktivitäten und maßgeschneiderten Konzepten zur Absatzförderung.

Port führt die Marke „Golden Bio". Der Handel bietet Bio-Früchte jedoch meist unter seiner Eigenmarke an. Marken haben es bei O+G schwer. Chiquita ist eine der wenigen starken Frucht-Marken, auch Dole hat noch einen gewissen Bekanntheitsgrad.

„Unsere Vorzüge sind langjährige Partnerschaften mit den Produzenten, kurze Kommunikationswege auf die Plantagen, straffe, effiziente Logistik auf dem modernsten Niveau und strenge Kontrollen der Biozertifizierung einschließlich Laboruntersuchungen", stellt Tobias Siesmayer, Assistent des Geschäftsführers heraus. Über Inter- netseiten können die Konsumenten Wissenswertes über die jeweiligen Produkte erfahren.

Port will Kostenführerschaft

„Der Bioabsatz ist in der Tat überproportional angestiegen. Dies ist jedoch in erster Linie dadurch verursacht worden, dass der Discount sich dieser Schiene angenommen hat. Neben der erforderlichen Zertifizierung wird die zuverlässige Beschaffung sowie die Kostenführerschaft bis zum Point of Sale eine wichtige Rolle spielen", meint Siesmayer. Bei der Erzeugung darf es aber keinen Kostendruck geben: „Eine deutliche Abgrenzung zu herkömmlichen Bananen darf dabei nicht außer Acht gelassen werden, nur so kann Produktsicherheit und Qualität langfristig gewährleistet werden."

Für den Großhändler VanWylick aus Düsseldorf ist die Banane das wichtigste Produkt. Rund 40 Prozent des Umsatzes von 300 Millionen werden mit der Südfrucht getätigt. Seit 2004 sind auch Bio-Bananen im Sortiment. Sie waren sofort ein Renner und machen am Bananen-Umsatz bereits fünf Prozent aus, wie Geschäftsführer Dirk Allerding mitteilt. „Die Tendenz beim Bio-Bananen-Absatz ist stark steigend", betont Allerding. Im Vergleichszeitraum zu 2005 hat sich das Volumen verdoppelt. Beschafft wird die Ware von Importeuren wie Bonita aus Ecuador oder Dole Fresh Fruit Europe mit Sitz in Hamburg. Diese Unternehmen betreiben eigene Plantagen. Nach sechsjähriger Vorarbeit hat Dole in der Dominikanischen Republik, in Ecuador, Peru und Honduras ein Programm für biologische Bananen gestartet.

„Wir reifen die Bannen in der geforderten Qualität. Dazu braucht man einiges an Know how," so Allerding. Auf den Punkt muss sie in den Kammern bei exakter Temperaturführung mit Ethylen gereift werden. Ist sie zu grün fehlt die Süße, ist sie zu gelb, wird sie braun und unansehnlich. Allerdings bietet sie erst mit leichten Zuckerflecken vollen Genuss.

Beschaffung wieder einfacher

Abnehmer sind Vollsortimenter wie Dohle aus Siegburg in Nordrhein-Westfalen oder Discounter wie Plus. Auch Alnatura, mit 24 Verkaufsstellen größter Bio-Filialist, zählt zu den Kunden. „Zu Beginn des Jahres haben die Discounter den Absatz gepuscht. Da war die Beschaffung schwierig. Inzwischen hat sich die Lage entspannt. Im Sommer sinkt die Nachfrage immer", so der Geschäftsführer. Damals war Bio preisgleich mit konventioneller Ware. Eine Bio-Bilanz mag Allerding noch nicht ziehen: „Es ist noch zu früh. Man muss abwarten, wie nachhaltig das Engagement insbesondere der Discounter ist". Die Banane ist zwar ein Ganzjahresartikel, aber im Sommer wird nur die Hälfte im Vergleich mit den Spitzenmonaten abgesetzt. Manchen Discounter könnte das zum Aussteigen bewegen, befürchtet Allerding.

Entscheidender Erfolgsfaktor ist für VanWylick die Zufriedenheit aller Beteiligten auf Dauer: der Erzeuger, Importeure, Reifereien, des Handels und der Verbraucher. Aktuell ist der Bio-Fruchtsektor ein Nachfragemarkt: „Wir sind froh, wenn wir Ware bekommen".

Demeter-Bananen von Biodynamiska

Der Importeur Biodynamiska Produkter aus Handeloh bei Hamburg beliefert Bio-Großhändler in Nord- und Süddeutschland, zum Beispiel Grell, Naturkost Nord, Willmann, Pax An und Weiling mit Bananen, Mango, Limetten, Kokosnüssen und Ingwer. Biodynamiska ist in Schweden beheimatet und betreibt in Deutschland eine Niederlassung.

Der Importeur vermarktet die Produkte einer eigenen Demeter-Plantage auf der dominikanischen Republik, die Bananen und Mangos erzeugt und von einer anderen Cooperative Fairtrade-Bananen, Limetten und Ingwer zukauft. 80 Prozent des Umsatzes wird mit der Banane getätigt.

„Haupterntezeit der Demeter-Bananen ist von Mai bis Oktober. Gerade wenn der Absatz in Deutschland schwächer ist, darunter leiden wir etwas", erzählt Niederlassungsleiter Ralf Kolm. Mit Kunden- und Messebesuchen sowie Aktionen mit den Großhändlern wird der Verkauf gefördert.

Die Demeter-Plantage unterstützt einen Rudolf-Steiner Kindergarten und eine Schule auf der dominikanischen Republik. Die Arbeiter erhalten eine gerechte Entlohung, wie Biodynamiska betont. Es besteht auch Interesse, die Demeter-Früchte über den konventionellen Handel anzubieten. Die Mengen sind allerdings begrenzt.

Auch für regionale Bio-Obst- und Gemüse-Großhändler wie Martin Haußer vom Stuttgarter Großmarkt ist die Banane ein Pflichtprodukt. Haußer vertreibt unter anderem Bonita aus Ecuador und Golden Bio von Port aus der Dominikanischen Republik. Im Winter kommt mehr Ware aus Ecuador von der Südhalbkugel und im Sommer mehr von der Dominikanichen Republik auf der Nordhalbkugel. Bei Willy van der Hamm oder Andretta in Stuttgart lässt er die Frucht reifen und bedient damit Wochenmärkte, Hofläden und Naturkostgeschäfte in ganz Deutschland.

Der regionale Großhändler Ecofit aus Stuttgart bezieht die krummen Früchte von der Reiferei Andretta auf dem benachbarten Großmarkt. Bereits 1934 baute Andretta seine erste Reifeanlage und blickt auf lange Erfahrung zurück. „Bio-Bananen braucht jeder, ob Abokiste, Markthändler, Bioladen oder Supermarkt. Und das über das ganze Jahr", drückt es Ecofit aus.

Anton Großkinsky

 

Banafair und Fairnando

Das Kolonialprodukt Banane gibt es auch fair gehandelt in Bio-Qualität. In Deutschland bieten unter anderen Port International und Banafair aus Gelnhausen in Hessen Fairtrade Bio-Bananen an. Banafair widmet sich wie der Name schon sagt ganz dem gerechten Handeln. Geschäftsführer Rudi Pfeifer bezieht die Früchte aus Projekten in Peru, Kolumbien, Costa Rica und Ghana.

Banafair lässt bei Fruchtring-Mitglied Bratzler in Karlsruhe reifen. Im Naturkostfachhandel (50 Prozent), in Weltläden (40 Prozent) und im LEH (10 Prozent) wird Banafair abgesetzt. Im LEH beziehen Famila und Wasgau Ware von Pfeifer. Die faire Banane hat ihren Preis: für 1,30 bis 1,40 Euro verlässt sie die Reiferei. Im NFH liegt sie bei 2,29 bis 2,49 Euro, während für die Bio-Banane ohne Fairtrade-Siegel bei 1,99 die Obergrenze liegt. Darin sieht Pfeifer keine Absatz-Bremse: „Eine Banane wird nicht nach Preis gekauft, sondern weil sie verlockend aussieht. Im Hochsommer geht die Kurve immer nach unten. Da hilft auch kein Angebot." Die Fairtrade Banane ist nach wie vor ein Aufsteiger 15 bis 20 Prozent jährlich Zuwachsraten melden die Gelnhausener.

Port International bietet mit Fairnando-Bio eine fair gehandelte eigene Marke. Die faire Banane wird auch in die Schweiz importiert. Das Nachbarland hat einen im internationalen Vergleich hohen Fairrade-Anteil. Die Ursprungsländer sind Peru, Ecuador und Kolumbien. AgroFair aus Barendrecht in den Niederlanden ist auf Fairtrade-Obst spezialisiert und exportiert die Frucht zum Beispiel zu Kaiser’s Tengelmann. Auch Dole unterhält in Peru Plantagen, die nach dem Prinzip des fairen Handels arbeiten. Der Fairtrade ist inzwischen bei den Discountern angekommen: Lidl aus Neckarsulm bietet faire Bananen.


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