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Bio-Teigwaren: Pasta satt

Viel Abwechslung im kräftig steigenden Bioangebot

Ob der Erfinder der Nudel je mit Sicherheit feststeht, ist fraglich. Wahrscheinlich kamen Menschen in mehreren Regionen auf die gleiche Idee. Die älteste Nudel wird allerdings meist China zugerechnet, von wo aus sie Marco Polo im 13. Jhahrhundert nach Europa gebracht haben soll. Sicher ist: Nudeln mag fast jeder.

Mit rund 70 Prozent Kohlenhydraten stellen die vielseitigen Teigwaren eine lang anhaltende, fettarme Energiequelle dar. Das Eiweiß (zirka zwölf Prozent) verwertet der Körper in Kombination mit anderen eiweißhaltigen Zutaten wie Käse oder Hülsenfrüchten besonders gut. Auch wenn sich die eingesetzten Rohstoffe unterscheiden, ist das Grundrezept für Teigwaren immer ähnlich: Mehl und Wasser gut kneten, schneiden oder pressen und formen, dann trocknen. Das Besondere an diesen Pasta secca ist, dass sie ohne einen Gär- oder Backprozess ungekühlt mehrere Jahre haltbar sind.

Laut Teigwaren-Verordnung darf der Restfeuchtegehalt maximal 13 Prozent betragen. Die Art, wie der Teig getrocknet wird, hat einen wesentlichen Einfluss auf die Qualität der Nudeln.Bei Hochtemperaturtrocknung (140 Grad Celsius) sind sie nach drei bis vier Stunden trocken genug; Bio-Nudeln werden dagegen in der Regel schonend bei 40 bis 60 Grad Celsius getrocknet. Das dauert zwar mit etwa zehn Stunden deutlich länger, doch trocknen die Nudeln dabei von innen heraus und werden nicht rissig. Zudem schont die Methode die enthaltenen Nährstoffe. Je nachdem, welche Düsen oder Schnittwerkzeuge nun eingesetzt werden, entstehen die unterschiedlichsten Längen und Formen, seien es schmetterlingsförmige Farfalle, Tagliatelle-Bandnester, plattenförmige Lasagne oder gerippte Rigatoni-Röhrchen.

Bestes Getreide

Die typischen italienischen Pasta bestehen aus dem frostempfindlichen Hartweizen, der vor allem im Mittelmeerraum gedeiht. Vorteil des meist zu grobem Mehl vermahlenen Durumweizens ist sein hoher Klebergehalt. Mit Kleber bezeichnet man das Eiweiß Gluten, das für eine elastische und zugleich formstabile Konsistenz des Teiges sorgt. Durch das Anteigen mit Wasser umhüllt es die Stärke, so dass sie nicht ins Kochwasser übergeht oder die Nudeln zusammenkleben. Außerdem zeichnen sich die Pasta durch ihre Bissfestigkeit aus. Häufig kommen aber auch Weichweizen und Dinkel zum Einsatz; eher für Spezialnudeln dagegen Mais, Reis, Soja oder Buchweizen. Im Gegensatz zu den konventionellen Billignudeln aus Weißmehl, verwenden Bio-Hersteller oft weniger ausgemahlenes und damit nährstoffreicheres Mehl, Grieß oder Vollkornmehl. Für letzteres vermahlen sie das ganze Korn, wodurch in der Schale sitzende Nährstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe erhalten bleiben. Hartweizengrieß ist dagegen kein richtiges Vollkorn, da beim Mahlen ein Teil der Schale ausgesiebt wird.

Um die Kocheigenschaften zu verbessern, werden Nudeln aus Weichweizen in der Regel Eier zugesetzt, entweder Vollei, Eigelb, Eiklar, tiefgefrorene oder getrocknete Produkte. Bio-Betriebe verwenden für die Pasta all’uovo meist Frisch-Ei. Entsprechend der Ei-Menge unterscheidet man Nudeln mit normalem Eigehalt (mindestens 100 Gramm Vollei/Kilo Mehl), mit hohem Eigehalt (mindestens 200 Gramm/Kilo) und mit besonders hohem Eigehalt (mindestens 300 Gramm/Kilo, zum Beispiel Eierteigwaren mit sechs Eiern). Das Eigelb sorgt zugleich für eine goldgelbe Farbe der Nudeln. Für andere Farbtöne setzen die Nudelmacher dem Teig färbende Lebensmittel zu, etwa Tomatenpulver, Brennessel oder Spinat, zudem manchmal auch würzende Zutaten wie Pilze, Chilli oder Kräuter. Hausgemachte italienische Nudeln enthalten oft ebenfalls Ei, auch wenn sie aus Hartweizen bestehen.

„Dinkel macht die Seele froh und gutes Blut"

…das sind zwei der vielen positiven Eigenschaften, die Hildegard von Bingen dem Dinkel zusprach. Nachdem der ertragreichere Weizen nach und nach die traditionelle Kulturpflanze verdrängt hatte, erlebt er derzeit eine berechtigte Renaissance. Dinkel wird überwiegend in Süddeutschland angebaut und zeichnet sich durch seinen Nährstoffreichtum (z.B. Eisen, Magnesium, Zink) und gute Verdaulichkeit aus. Zudem hat er als Verwandter des Hartweizens den Vorteil, dass sich mit ihm ebenfalls eifreie Produkte herstellen lassen. Allerdings schützt sich das Dinkelkorn durch eine festsitzende Spelze, die vor dem Vermahlen in einem gesonderten Arbeitsgang entfernt werden muss. Dadurch und durch die immer noch begrenzte Anbaumenge sind Dinkelerzeugnisse meist etwas teurer. Doch die leckeren und gesunden Nudeln lohnen die Investition der Hersteller und der Verbraucher.

Der steigenden Nachfrage nach Dinkelnudeln kommt unter anderem die BZ Bio-Zentrale entgegen, bei denen Teigwaren in diversen Variationen zum Stamm-Sortiment gehören. Aus wertvollem Dinkelmehl bestehen die hellgelben Bandnudeln, Spaghetti und Vollkorn-Spirelli (gemischt mit Vollkornweizen). Die attraktive und frische rote Aufmachung der Gut & Gerne Dinkel-Produkte ist displaystark und wird vom Verbraucher gut aufgenommen, heißt es bei der Bio-Zentrale. Daneben führt das Stubenberger Unternehmen Nudeln aus Hartweizengrieß, teilweise mit dem deutlich dunklerem Vollkorn-Weizen, zwei Sorten auch mit Ei. Als deutsch-italienische Freundschaft bezeichnet die Bio-Zentrale ihre Hartweizen-Spätzle ohne Ei, typisch deutsch und typisch italienisch zugleich. Aus Vollkorn-Grünkernmehl und Vollkorn-Hartweizenmehl werden Grünkern Spiralen hergestellt. Farbige Abwechslung auf den Teller bringen grüne Spinat- und die im Trend liegenden leicht würzigen Bärlauch-Bandnudeln. Zu den ausgefallenen Sorten gehören auch die Soja-Nudeln, eine Mischung aus Hartweizengrieß und Sojamehl. Vorteil von Bio-Ware: das Sojamehl ist garantiert GVO-frei.

Tradition und Erfahrung

So wie die Bio-Zentrale bieten auch die meisten anderen Hersteller getrockneter Nudeln mehr oder weniger das komplette Sortiment inklusive Saucen an und sind neben der Bio-Qualifizierung nach DIN ISO 9001 und IFS zertifiziert. Die Teigwaren von Byodo gibt es ausschließlich im Fachhandel, doch werden an ihrem Beispiel weitere Besonderheiten vieler Öko-Verarbeiter deutlich. Beispielsweise stellt Byodo die Nudeln mit traditionellen Bronze-Matrizen her, den „Porsche-Formen" für bissfeste Nudeln. Denn durch die erzeugte rauere Oberfläche können die Nudeln Saucen besonders gut aufnehmen.

Generell sollte die Nudelformen je nach dem geplanten Gericht ausgewählt werden: So wie gerillte Pasta den „Sugo" besser aufsaugt, vertragen sich mit langen Formen eher tomatige Saucen. Spaghetti werden in Italien zum Beispiel selten mit hellen Saucen wie Sahne-Gorgonzola oder mit Broccoli-Gemüse gegessen.


Neben der Qualität der eingesetzten Hartweizengrieße nennt Byodo das Wasser als entscheidend für den guten Geschmack der Produkte. Sie arbeiten mit reinem Brunnenwasser, andere Hersteller etwa BioGourmet mit frischem Quellwasser, das regelmäßigen Analysen unterliegt. BioGourmet aus Bad Grönenbach hat Dinkel-Penne, Spaghetti semola, Penne semola, Spirelli semola und Vollkorn Spaghetti im Angebot. „Vollkorn Dinkel-Penne werden in einer Steinmühle zu grobem Grieß vermahlen und im Unterschied zu semola (Grieß-Type zwischen 805 – 1050) nicht ausgesiebt.

Für die Pasta integrale wird der Grieß stattdessen mit den Schalenbestandteilen zu feinem Grieß weiter vermahlen", geht Christina Görres von der Marketingabteilung auf das Vokabular ein. Um beispielsweise Spaghetti zu bekommen, werde der feine Grieß anschließend sofort in Vakuumbehältern mit Wasser vermischt. Nach 17 bis 20 Minuten Knetzeit könne man den glatten und geschmeidigen Teig durch Düsen zur typischen länglichen Spaghetti-Form pressen und auf die gewünschte Länge kürzen. Die schonende Arbeitsweise spiegele sich in sehr guten Kocheigenschaften und Bissfestigkeit der Nudeln, sagt sie und ergänzt: „Spaghetti heißt übersetzt übrigens Schnürchen und ist die Urform der italienischen Pasta."

Auch Rila Feinkost Importe, Hersteller von Bio-Vollwertkost, bietet Teigwaren an. Bei dem im konventionellen LEH mit der Marke Rinatura vertretenen Unternehmen war die Entwicklung umgekehrt: Bestand das Sortiment zunächst aus Spezial-Bio-Teigwaren mit Vollkorn-, Soja- und Dinkelmehl, ergänzen es jetzt Spaghetti und Spiralen aus Hartweizenmehl. Die Einführung der neuen Bärlauch-Spätzle aus Hartweizengrieß habe mit seinem typischen, würzigen Geschmack den Gusto der Verbraucher ebenfalls gut getroffen, heißt es bei Rila.


Insbesondere seien es aber die Vollkorn-, Soja- und Dinkelteigwaren, die es dem LEH ermöglichten, sich im Bio-Segment zu profilieren. Die Rinatura-Sojateigwaren aus 85 Prozent Hartweizengrieß und 15 Prozent Soja-Vollmehl gibt es als Spaghetti, Spiralen und Bandnudeln, die Dinkelteigwaren aus reinem Dinkel-Vollkornmehl zusätzlich als Spätzle.

Alle Teigwaren sind ohne Ei hergestellt und milcheiweiß- und lactosefrei. Wie die Bio-Nudeln kommen aus ihrem Produktionsunternehmen in Kaltenkirchen auch die neuen culinarischen Bio-Spezialitäten wie Tomaten Passata, Pestos oder Sauce Aioli, eine Knoblauchsauce mit frischer Sahne und pikant gewürzt, womit das Feinschmecker Menü quasi komplett wäre.

Alb-Gold, Trochtelfingen, beliefert zahlreiche selbstständige Lebensmittelhändler sowie Feinkostbetriebe, unter anderem mit über 30 Bio-Produkten, und ist auch bei dem Naturkost-Großhändler Pax An gelistet. Für die Nudeln verwendet Alb-Gold Hartweizengrieß und Schwäbischen Alb-Dinkel, dazu kommen täglich frisch im Betrieb aufgeschlagene Bio-Eier. Im Trockenteigwarensortiment sind aktuell zur Fußballweltmeisterschaft die eifreien Bio-WM-Nudeln auf den Markt gekommen, eine ‚feine Fankost’ aus Pokal, Fußballschuh, Trillerpfeife und Ball. Mit den ausgefallenen Formen habe man den Geschmack der Konsumenten voll getroffen, meint der Marketing-Experte Matthias Klumpp.

Ebenfalls neu sind Kaiserspätzle und bandförmige acht Millimeter-Walznudeln. Auch zukünftig will das mittelständische Unternehmen an Neuheiten im Bereich Bio-Teigwaren arbeiten. Die Produktion von Eigenmarken schließe man dabei nicht aus. Einen direkten Zusatznutzen der Bio-Produkte kommunizieren die Schwaben nicht. „Letztendlich muss der Händler oder Verbraucher selbst entscheiden." Mit dem bundeseinheitlichen Bio-Siegel setze man ein Zeichen ein, das von den Verbrauchern erkannt wird.

Regelmäßige interne und externe Kontrollen stehen für die Qualität. Außerdem soll die sogenannte gläserne Produktion die Herstellung der Bio-Dinkelteigwaren vom Dinkelfeld bis zur fertig verpackten Nudel für den Verbraucher nachvollziehbar machen. .„Wir merken in unserem Kundenzentrum, dass das Interesse an einer gesunden Ernährung in der Bevölkerung wieder wächst. Dieser Sinneswandel kommt sicherlich der ganzen Biobranche zugute", sagt Matthias Klumpp.

Gerade Bio-Pasta, sowohl trocken als auch frisch, habe sich in den letzten Monaten zu einer sehr starken Produktlinie entwickelt. Matthias Klumpp hofft, dass sich der Handel jetzt eindeutig zu Bio und regionalen Qualitätsprodukten bekennt. Denn die Verbraucher schätzten die Produkte und seien gerne bereit, einen etwas höheren Preis zu zahlen.

Wie hausgemacht

Oliver Volker Tress von Berisa und Beer aus Nördlingen (ehemals Beer) rechnet ebenfalls damit, dass sich der Bio-Nudelmarkt in Zukunft noch weiter entwickeln wird. Die Nudeln des erfahrenen Unternehmens sind über dieverse Vertriebsschienen in ganz Deutschland gut vertreten und verzeichnen zweistellige Zuwachsraten. Der Qualitätsmanager ergänzt: „Zusammen mit unseren Kunden planen wir Neuentwicklungen, die diese am Markt forcieren."

Berisa und Beer verarbeitet sowohl Hartweizen als auch heimischen Bio-Dinkel und Dinkelvollkorn, bis auf einige Artikel für den regionalen Handel, zu Eigenmarken des Handels. Die Partner können insgesamt aus über 70 Formaten frei wählen, unter anderem Spaghetti, Nudel-Nestern, Kurzwaren oder die beliebten Spätzle. Letztere bietet Berisa und Beer in unterschiedlichen Mustern an, mal Knöpfle, mal Würmchen. Oliver Volker Tress erklärt: „Im Grunde macht das kochende Wasser die Nudel zum Spätzle." Denn im Gegensatz zu Spaghetti und Co., wird der Teig durch die Spätzleform erst in kochendes Wasser gedrückt und dann getrocknet.

Der Fachmann weiß, dass es die Details sind, die für gute Produkte sorgen. Beispielsweise könne man auch mit den modernen, teflonbeschichteten Matrizen bissfeste Nudeln herstellen, wenn man schonend, mit wenig Druck arbeitet. Der Berisa und Beer-Mann verrät dann auch die neue Zielrichtung: Mit neuen Techniken, Erfahrung und hochwertigen Zutaten könne es möglich sein, Nudeln zu produzieren, die wie hausgemacht schmeckten. „Wir arbeiten gerne und täglich daran, die Entwicklung voran zu treiben." Man darf auf die geplanten Neuentwicklungen gespannt sein.

Mit Geschichte

Il Nuraghe in Fürth ist Importeur für Delikatessen und Weine aus Italien und beliefert den deutschen Handel aktuell mit 21 Bio-Nudelarten diverser italienischer Hersteller. Bislang führen nur Feinkostläden die Delikatessen à la Orecchiette aus Hartweizen, geröstete Cavatelli tostati, Lumacconi oder Linguine aus 100 Prozent Mais. Richard Retsch, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens, hofft jedoch auf weitere Kunden.

Retsch erkennt einen deutlichen Trend zu mehr Qualität in schönerer Verpackung, zu ausgefalleneren Formen und Nudeln mit einer Geschichte. In den letzten Jahren habe sich die Qualität der Bio-Produkte aus Italien verbessert, daher sei auch der Anteil bei Il Nuraghe gestiegen. „Wir entscheiden bei unserer Auswahl rein nach organoleptischen Kriterien: Wenn ein Produkt zusätzlich bio ist, um so besser!" sagt er.

Nudeln für besondere Ansprüche

Getreide, das nach den strengen Regeln des Demeter-Verbandes biologisch-dynamisch angebaut wird, ist der Rohstoff für die Nudeln von Campo Verde. Das Sortiment der Tochterfirma von NaturataSpielberger im konventionellen Einzelhandel besteht aus verschiedenen Dinkel- und Hartweizen-Nudeln mit Getreide aus Süddeutschland bzw. Italien. Gelistet sind die Artikel zentral bei der Edeka Südwest und gehen in inhabergeführte Einzelhandelsgeschäfte.

In Zusammenarbeit mit den jeweiligen Outlets unterstützt Campo Verde als Inverkehrbringer den Verkauf mit speziellen Schulungsveranstaltungen und Kundenabenden. Dabei lernen die Kunden zum Beispiel die Besonderheiten der Demeter-Richtlinien kennen, etwa dass die Bodengesundheit hier im Vordergrund steht, auf Fruchtfolge geachtet und nur mit biologisch-dynamischen Präparaten gedüngt wird.

Daneben stehen Verkostungsaktionen auf dem Programm, bei denen die Kunden beispielsweise erschmecken, dass die „gewürzten" Pasta Hartweizen-Bandnudel Bärlauch und Hartweizen-Bandnudeln Tomate-Chili allein mit etwas hochwertigen Öl angerichtet, eine vollwertige appetitliche Mahlzeit darstellen. Der Umsatz habe sich stetig entwickelt, heißt es bei Campo Verde. Daher sei man sehr zuversichtlich, dass sich im Markt für Premium Bio-Produkte im LEH weiterhin gute Zukunftschancen ergeben.

In Deutschland haben schätzungsweise fünf von 1.000 Menschen Zöliakie, die ebenfalls gerne Nudeln essen möchten. Weizenprodukte sind bei dieser chronischen Krankheit allerdings ein Leben lang tabu, denn das enthaltene Gluten greift die Dünndarmschleimhaut der Betroffenen an. Mittlerweise gibt es auch für diese Personengruppe viele leckere Lebensmittelalternativen – in Bio-Qualität.

Eco United aus Berlin stellte beispielsweise zur BioFach glutenfreie Pastaspezialitäten vor: Felicia Bio ist eine original italienische Pasta aus 100 Prozent Mais bzw. 100 Prozent Reis und frei von Zusatzstoffen. Die Rohstoffe werden schonend verarbeitet, wodurch die Pasta besonders fein, wohlschmeckend und bekömmlich sei, heißt es bei Eco United. Außerdem zeichneten sie sich durch eine gute Kochstabilität aus. Beide Produktreihen sind in vielfältigen Ausformungen erhältlich, von klassischen Spaghetti, über Penne, Fusili und Rigatoni bis hin zur Suppeneinlage.

Die Zertifizierung durch SGS nach den Richtlinien des italienischen Ministeriums und durch Ecocert Italia belegt Sorgfalt auf der gesamten Kette vom Anbau über Produktion bis zur Verpackung. Hergestellt wird Felicia Bio von Andriani Alimenti in Süditalien. Eco United übernimmt den Vertrieb in Deutschland. Die Berliner haben ein vielfältiges Sortiment an Produkten zur Ernährung bei nahrungsmittelbezogenen Allergien oder Unverträglichkeiten. Doch greifen auch zahlreiche Sportler und kreative Köche gern zu den Alternativen.

Außergewöhnlich sind die Nudeln der Natur Oase in Bernau, denn das Unternehmen produziert Produkte aus Hanf, der in Österreich ökologisch angebaut wird. Geschäftsführerin Veronika Ramsauer betont, dass sich die Nudeln durch ihren appetitlichen, nussigen Geschmack und hochwertige Inhaltsstoffe auszeichnen. „Wir möchten den Menschen die positiven Wirkungen des in Vergessenheit geratenen Hanfs wieder bewusster machen und damit zugleich etwas für die Umwelt tun", sagt sie.

Hanf besitzt unter anderem ein ernährungsphysiologisch günstiges Verhältnis von wertvollen omega-3- zu omega-6-Fettsäuren und ist glutenfrei. Allerdings werden die Nudeln nicht nur aus Hanfmehl, sondern vermischt mit Bio-Dinkel hergestellt. In nur vier Minuten sind sie gar. Bislang sind ihre selbstverständlich THC-freien Hanfnudeln in Naturkostläden, beim Claus Reformwaren Service Team, Bodan sowie Ökoring zu finden.

Daneben stellt die Natur Oase Bio-Eigenmarken des Handels her bzw. produziert für Dritte und hat auch Interesse am Vertrieb über den konventionellen Handel. Veronika Ramsauer: „Gescheitert ist das bislang, weil Hanfprodukte noch zu sehr in der Nische und noch zu aufklärungsbedürftig sind." Doch sie ist überzeugt, dass die leicht grünlichen Hanfprodukte eine willkommene Abwechslung bieten und einen fairen Preis wert sind.

Gesunde Schlemmerküche: Ravioli, Tortellini und Co.

So kann man die frischen und die semi-frischen Teigwaren überschreiben. Mit den gefüllten Varianten lassen sich in Minutenschnelle raffinierte Menüs zubereiten, mit denen sich nicht nur jede Köchin oder Koch, sondern auch der Handel profilieren kann. Mal sind sie mit, mal ohne Ei hergestellt, mal mit feinem Gemüse, Pilzen oder mit Fleisch gefüllt, wobei auch hier die Bio-Herkunft der Zutaten ein wesentliches Qualitätskriterium ist.


Die Produktion gestaltet sich sehr aufwändig, zum Beispiel wenn es gilt, raffiniert gewürzte Füllungen in zu Halbmonden oder Päckchen geformtem hauchdünnen Nudelteig unterzubringen. Frische Nudeln haben bei zwei bis vier Grad Celcius eine Haltbarkeit von einer Woche, die Ware muss sich also schnell drehen. Semi frische Pasta sind je nach Vorbehandlung und Verpackung etwa einen Monat im Kühlregal oder bis zu einem Jahr haltbar. Angeboten werden sie meist vakuumiert oder in modifizierter Atmosphäre.

Im Frischebereich wird noch deutlicher, wie viel sich auch bei einem etablierten Artikel wie der Nudel bewegt: Unter anderem hat die Bio-Zentrale das Interesse der Verbraucher aufgegriffen und bietet aktuell dreifarbige (gelb, grün, rot) Strozzapreti tris, tütchenförmige Ricotta Fagottini mit Basilikum und Tortellini mit feiner Füllung aus Bio-Spinat oder Bio-Käse an. Bei Alb-Gold sind es neun verschiedene Produkte aus Dinkel und Hartweizengrieß. „Die frischen Bio-Teigwaren werden immer beliebter. Neben den klassischen schwäbischen Formen wie Spätzle, Knöpfle oder Schupfnudeln bieten wir auch ausgefallene süditalienische Pasta-Formen an", sagt Mitarbeiter Matthias Klumpp. Neu hinzugekommen bei Alb-Gold ist außerdem ein Bio-Nudelteig, der sich sowohl für die Herstellung von schwäbischen Maultaschen als auch für sonstige gefüllte Nudeln wie Tortellini oder Ravioli eignet.

Zu den Spezialitäten des italienischen Familienunternehmens D’Angelo Pasta gehören semi-frische ungefüllte und gefüllte Pasta-Spezialitäten ohne Ei und Fleisch. Weder vorgekocht noch komplett getrocknet, sind sie dennoch ohne Kühlung neun bis zwölf Monate haltbar. In dem vor wenigen Jahren bezogenen Werk in Saarwellingen mit vollautomatischer Produktionslinie stellt D’Angelo ihre Pasta im schonenden Walzverfahren her. Zu den angebotenen Sorten gehören zum Beispiel Tortellini Champignon, Tortellini Gemüse, Tortellini Tofu und Strozzapreti Tris.

Die in einer Überdruck-Kammer keimfrei produzierten frischen Nudeln mit einer Mindesthaltbarkeitszeit von 40 Tagen ergänzen das geschmackvolle Sortiment. Safran verleiht den meisten Pasta einen satten Gelbton, denn schließlich soll das Auge mitessen. „Unsere Pasta schmeckt nach dem 3 G Prinzip: Gut, Gesund, Genuss. Denn wer nicht genießt, wird ungenießbar", zitiert Mitarbeiterin Nathalie Fritzen-Fertin den Sänger Konstantin Wecker. D’Angelo Pasta nutzt verschiedene Vertriebswege: .Die Giovanni Pasta gibt es als Marke für den Naturkostfachhandel und D’Angelo für Neuform und Reform. Für den LEH produziert der Hersteller Private Labels, ist aber auch mit der eigenen frischen Pasta di Giò vertreten.

Zur neuen Marktstrategie gehört, dass nach Deutschland, inklusive der Großküche, nun auch der ausländische Markt angesprochen werden soll. Auch nach dem plötzlichen Tod des Firmengründers in diesem Jahr bleibt das Unternehmen nicht untätig. „Im Herbst bieten wir im Gedanken an Giovanni d’ Angelo für kurze Zeit eine Sonderedition an", sagt Fritzen-Fertin. Erst jetzt habe man im Tresor von Giovanni die Rezepturen für die edlen mit Brokkoli und Käse gefüllten Cappelletti gefunden, die zunächst an den Fachhandel gehen sollen.

Der Tiefkühlkost-Spezialist Biogrande, bislang nur mit Pizzen im konventionellen Handel vertreten, hat ebenfalls frische Teigwaren angekündigt. Ab September sollen Feinschmecker-Ravioli mit Wildlachs, Ravioli Parmigiano Reggiano, Tortellini ai Gunghi und Tortellini mit Steinpilzen verfügbar sein. Für die frischen Teigwaren werden ausschließlich hochwertige Zutaten kontrolliert biologischer Herkunft verwendet, betont man bei Biogrande. Man hoffe, dass Verbraucher und auch Einkäufer wieder Wert auf Qualität legen. „Jetzt ist die Zeit reif, um mit Bio-Produkten auch auf den konventionellen Handel zuzugehen", meint Mitarbeiterin Stefanie Grehl. „Vorher wurde der Preis der Qualität vorgezogen. Hier ist eine richtige, positive Trendwende zu erkennen. Selbst Discounter wie Plus, Lidl und andere beschäftigen sich intensiv mit Bio."

Nudel-Marketing

Pasta sind eine Warengruppe, die kaum Verkaufshilfen nötig hat, es sei denn, es handelt sich um Spezialitäten wie Mais-, Soja- oder Hanfnudeln. Dennoch kann es nicht schaden, die Teigwaren so zu platzieren, dass der Kunde daneben gleich die passenden Bio-Saucen oder Öle im Blick hat. Um die Qualität der Bio-Produkte bewusst zu machen, setzen viele Unternehmen trotzdem klassische Verkaufshilfen ein, angefangen von Informations- und Rezeptbroschüren, über Zweitplatzierungen mit Displays, bis hin zu maßgeschneiderten Promotions.

Schulungen, Kundenabende, Ausstellungen auf Messen und Werbung in Fachzeitschriften sprechen primär eher den Händler an. Vorrangig zu Marketingzwecken für beide Zielgruppen betreibt Eco United einen Online-Shop mit Informationen über ihre glutenfreien Nudeln.

Auch Alb-Gold hat nicht nur einen neuen Katalog mit einer Übersicht der Bio-Produkte aufgelegt, sondern für die Vermarktung der Bio-Dinkelteigwaren sogar eigens eine Gesellschaft gegründet. Ziel dieses Projektes soll sein, den traditionell auf der Schwäbischen Alb beheimateten Dinkelanbau zu stärken. Zum ‚Schwäbischen Urkorn’ gibt es zudem eine Verbraucherbroschüre und einen eigenen Internet-Auftritt. Zugleich empfiehlt das Unternehmen, im Handel eine prominente Platzierung von Bioprodukten und regionalen Produkten anzustreben, denn nur so könne das Potenzial optimal ausgeschöpft werden.

Zwar mögen Ökotest und Stiftung Warentest urteilen, dass auch konventionelle Nudeln okay sind, sie berücksichtigen jedoch nicht die Vorzüge der Bio-Zutaten. Nachhaltiger Anbau ohne Gen-Weizen, Pestizide und synthetische Düngemittel, keine Eier aus Massen-Legebatterien, hochwertige Füllungen. Dazu kommen oft traditionelle handwerkliche Herstellungsmethoden in modernen, hygienischen Anlagen. Der Kunde schmeckt’s!

Bettina Pabel


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