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Energiekrise

Özdemir: Lebensmittelhandwerk muss von Energiepreisdämpfung profitieren

„Ein Putin bestimmt nicht, wer bei uns im Land Brötchen backt“

Energieintensive Betriebe des Lebensmittelhandwerks wie etwa Bäckereien, Metzgereien und Brauereien sollen künftig von dem Energiekostendämpfungsprogramm (EKDP) der Bundesregierung profitieren. Dafür plädieren das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) sowie das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Hierzu laufen nun entsprechende Gespräche mit den anderen Ressorts, um eine einheitliche Position innerhalb der Bundesregierung zu erzielen.

Nach den Corona-bedingten Einbußen ist das Lebensmittelhandwerk durch die aktuell explodierenden Energie- und Rohstoffpreise erneut wirtschaftlich massiv unter Druck geraten. Bislang waren die Betriebe im Rahmen des Energiekostendämpfungsprogramms nicht antragsberechtigt, weil sie nicht einer in der sogenannten KUEBLL-Liste vermerkten Branche zugerechnet werden konnten.

Dazu erklärt der Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, Cem Özdemir: „Ich bin meinem Kollegen Robert Habeck für seinen Einsatz für das Lebensmittelhandwerk sehr dankbar! Unser gemeinsames Ziel ist es, Vielfalt und Stärke der handwerklichen und mittelständischen Lebensmittelverarbeitung in Deutschland zu erhalten und zu fördern. Putin wird es mit seinem verbrecherischen Angriffskrieg nicht schaffen, die Ukraine in die Knie zu zwingen, und mit seinem Energiekrieg wird er unser Lebensmittelhandwerk in Deutschland nicht kaputtmachen! Um es klar zu sagen, ein Putin bestimmt nicht darüber, wer bei uns im Land Brötchen backt und wer nicht.“

Die handwerkliche Herstellung von Lebensmitteln ist in Deutschland eine wichtige Säule für die regionale Wirtschaft. Das Bäckerhandwerk umfasst fast 10.000 Betriebe mit insgesamt 241.000 Mitarbeitern und macht einen Gesamtumsatz von rund 14,89 Milliarden Euro. Dem Fleischerhandwerk werden fast 11.200 Betriebe mit rund 133.400 Mitarbeitern zugerechnet und es setzt jährlich 17,57 Milliarden Euro um.

Im Wettbewerb mit Supermärkten und Discountern können handwerkliche Betriebe wie Bäckereien oder Metzgereien allerdings ihre gestiegenen Nebenkosten nicht einfach weitergeben, weil sie sonst riskieren, dass ihre Kundschaft nach günstigeren Alternativen sucht.

Özdemir: „Mich haben in den letzten Wochen viele Schreiben unter anderem von Bäckereien, Brauereien oder Fleischereien erreicht, die ihre teils dramatische Lage geschildert haben. Für viele geht es da um ihre wirtschaftliche Existenz, manche stehen nach jahrzehntelanger Arbeit vor der Betriebsaufgabe. Es ist deshalb eine gute Nachricht an die Branche, dass auch diese mittelständischen Betriebe jetzt vom Energiekostendämpfungspaket profitieren sollen. Schließt ein Betrieb erst einmal, macht er im Zweifelsfall nicht mehr auf – und das gilt es in jedem Fall zu verhindern. Das Lebensmittelhandwerk gibt vielen Menschen Arbeit und es bereichert Gemeinden, Städte und Regionen mit seinen hochwertigen Produkten.“

Wichtig seien jetzt schnelle Hilfen und eine unbürokratische Umsetzung, die die Strukturen gerade auch von Kleinst- und Kleinbetrieben berücksichtigt. „Ich bin zuversichtlich, dass wir zeitnah eine gute Lösung vorstellen können“, so der Minister.  


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