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Nachhaltigkeit

Laser statt Plastik

Ecomark bietet Bio-Kennzeichnung in Hochgeschwindigkeit

Laser statt Plastik © EcoMark

Abfallende Etikette, Plastik im Bio-Müll und vielfach vollgeklebte Bananen: Das Labeln von Obst- und Gemüse-Artikeln bleibt ein Ärgernis für Kunden, Verkäuferinnen – und die Umwelt. Eine Möglichkeit, lose Bio-Ware unverwechselbar, dauerhaft und plastikfrei von den konventionellen Pendants abzugrenzen, wurde mit der Laserkennzeichnung Natural Branding geschaffen. Highspeed-Beschriftung ohne Abfall verspricht die EcoMark GmbH aus Rheinland-Pfalz.

„Das Spektrum an Lebensmitteln, bei denen Natural Branding gut funktioniert, wächst immer weiter“, so Ecomark-Geschäftsführer Richard Neuhoff. „Von Apfel und Avocado über Ingwer, Kürbis und Zucchini bis hin zu Backwaren ist die berührungslose Beschriftung per Laser inzwischen nicht nur nachhaltiger, sondern auch günstiger als herkömmliche Kennzeichnungsmethoden.“

In Frankreich gilt ab diesem Jahr bereits ein Verbot von Plastikverpackungen und -stickern für viele Obst- und Gemüse-Artikel. Bis 2026 soll es dort gar keine Plastikverpackung mehr im O+G-Regal geben. Zum Umweltfaktor und der sich ändernden Gesetzeslage kommen für Bio-Lieferanten die Kosten der Verpackung, die oft diejenigen des eigentlichen Produkts übersteigen.

Bewährte Technik wird massentauglich

Die Firma Ecomark aus dem rheinland-pfälzischen Neuwied ist bereits seit knapp zehn Jahren in der Herstellung von Lasermaschinen aktiv und seit 2018 auf Serienmodelle für die Obst- und Gemüse-Industrie spezialisiert. Noch im selben Jahr wurde die Erfindung auf der Messe FruitLogistica vorgestellt. Seit 2013 ist die Technik von der EU-Kommission zugelassen, in den USA und Neuseeland wurde Natural Branding schon zuvor getestet.

Der niederländische Bio-Importeur Eosta war Entwicklungspartner der Innovation und Vorreiter beim Ausprobieren, zeitgleich mit Landgard und Edeka. Rewe und Penny starteten 2017 erste Pilotprojekte zum Verkauf von Bio-Produkten mit Laser-Logo, etwa bei Avocados und Süßkartoffeln. Edeka hat seit 2018, Aldi seit 2019 gebrandete Frische-Ware im Sortiment und testen weiter die Tauglichkeit des Verfahrens.

Neu ist die Geschwindigkeit, mit der die Maschinen die Ware labeln können. Wurden 2017 noch 400 Früchte pro Minute beschriftet, so lässt sich ein Stück oder Gebinde heute laut Ecomark in bis zu 0,05 Sekunden kennzeichnen – das ergibt 1.200 Früchte pro Minute, also die bis zu dreifache Menge.

Dazu verspricht die Natural Branding-Anlage inzwischen bei einem Durchsatz von 50.000 Früchten pro Stunde Investitionskosten von weniger als 0,1 Cent pro Stück, inklusive der laufenden Kosten von fünf Jahren. Mittels 3D-Kamera und einer intuitiven Software, basierend auf Windows 10, würden die Produkte automatisch erkannt, Personalaufwand und Rüstzeiten auf ein Minimum gesenkt.

CO2-Laser mit langer Lebensdauer und flexibler Anpassung

Für die Beschriftung verändert der CO2-Laser Ecomarks die Farbpigmente in den obersten Schichten der natürlichen Schale und prägt so einen beliebigen Schriftzug oder ein Logo als Negativbild ein. Zusätzliche Farbe wird dafür nicht gebraucht; in die eigentliche Frucht dringe der Laser nicht ein, sodass Geschmack, Qualität und Haltbarkeit erhalten bleiben. Mit einer Lebensdauer von 50.000 Arbeitsstunden sollen mit der Maschine über zehn Jahre hinweg ohne Leistungsabfall Kennzeichnungen vorgenommen werden können.

Zwei verschiedene Arten des Kontrasts kann der Laser erzeugen: Ein helles Branding, bei dem das Laserlicht die Farbpigmente der obersten Schalenschicht abträgt, etwa für Mangos; ein dunkles Branding, bei dem eine leichte Verbrennung der oberflächlichen Zellen eine Rußbildung auslöst, etwa für Kiwis und Kokosnüsse.

Auch das Förderband der Maschine kann an bestimmte Produktgruppen angepasst werden: Mulden für größere, runde Früchte wie Melonen oder Schlitze für Gurken. „Ob die zu beschriftenden Lebensmittel einzeln, geordnet, lose oder in Kisten auf das Band gelegt werden, spielt für uns keine Rolle“, erklärt Neuhoff. Der Laser könne zudem auf unterschiedliche Produkteigenschaften wie Reifegrad, Wassergehalt und Alter eingestellt und in bestehende Anlagen integriert werden.

Standardmodelle für Obst, Gemüse und Gebäck

Mit einem modularen System setzt das Maschinenbau-Unternehmen möglichst viel auf Standard-Modelle, die dann an die entsprechenden Anforderungen angepasst werden können. So gibt es je nach Lieferanten-Bedürfnis grundsätzlich vier verschiedene Natural Branding-Maschinen im Angebot, mit:

  • 30 Watt Laser (NB 3003)
  • 60 Watt Laser (NB 6003)
  • zwei 60 Watt Lasern (NB 12003)
  • zwei 80 Watt Lasern (NB 16003)

Über den Daumen gerechnet verdopp-le sich die Durchsatzzahl proportional zur Laserkraft. Als Spitzenreiter sei bereits eine Maschine im Einsatz, die bis zu 100.000 Pfirsiche pro Stunde kennzeichnen kann. Das Preisspektrum der Standardmaschinen liege zwischen 70.000 und 200.000 Euro. Bei Sonderlösungen variiert der Preis je nach Komplexität der Kundenanforderungen.

Auch für die Belaserung von Backwaren werden die genannten Modelle verwendet, im Obst- und Gemüse-Bereich haben die Ecomark-Maschinen jedoch bislang mehr Anklang gefunden. Wegen der staubigen Umweltbedingungen müssen Laser und Maschine bei der Beschriftung von Gebäck stärker geschützt werden und zur Kennzeichnung ist eine höhere Laserleistung nötig.

Die Skepsis schwindet

Bei rund 30 Kunden sind die Natural Branding-Maschinen aus Neuwied aktuell in Betrieb. Neben Genossenschaften oder großen Händlern wie Eosta und Landgard seien auch kleinere Landwirte mit nur ein oder zwei verschiedenen Produkten im Sortiment darunter.

Mit Mangos, Avocados, Kiwis, Kürbissen oder Süßkartoffeln werden momentan weiterhin vor allem Früchte belasert, bei denen die Schale nicht mitgegessen wird. Auf diese Weise könnten sich Konsumenten langsam an das Branding gewöhnen. Mit belaserten Bio-Gurken seien bereits in größerem Rahmen Produkte in Umlauf, bei denen die Schale mitgegessen wird. Für besonders sensible Produkte wie Äpfel und Zitrusfrüchte entwickelt Ecomark aktuell spezielle Anwendungen.

Die Nachfrage variiere bei den verschiedenen Handelsketten stark, aber insgesamt befinde sich die Laserkennzeichnung im Aufwind.
„Das Bewusstsein hat sich verändert und es wird mehr und mehr kommuniziert, dass es sich um einen natürlichen und auf Licht basierenden Prozess handelt“, erklärt Vertriebsleiter Julius Knopp. Vor allem bei jüngeren Menschen werde gebrandete Ware bereits sehr gut angenommen. Mit einer selbstlernenden Maschine will Ecomark neue Wege gehen. Ein erster KI-betriebener Prototyp sei schon im Einsatz.

Lena Renner


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