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Dampfmohn, Goldstern und Kürbiskerne

Agasaat liefert Bio-Saaten mit hohem Qualitätsanspruch

Dampfmohn, Goldstern und Kürbiskerne

In Neukirchen-Vluyn bei Duisburg verarbeitet und verpackt der Importeur Agasaat Back-, Gewürz- und Keimsaaten in Fülle. Fast die Hälfte des Umsatzes wird über Bio-Saaten erzielt. Durch Qualität und Niveau im Anbau und als fairer Marktbegleiter der Erzeuger will der Familienbetrieb sich von Großkonzernen im Bio-Markt abheben. Dabei helfen technisches Know-How und Innovationsfreude.

Vor 30 Jahren, im Jahre 1992, gründete Werner Arts die agaSAAT GmbH. Heute hat sich der Betrieb zum reinen Familienunternehmen entwickelt: Neben Senior-Chef Werner Arts sind auch die Söhne Fabian und Tobias-Werner Arts in führende Positionen der Geschäftsleitung eingestiegen.

Seit Unternehmensstart hat sich Agasaat auch mit Bio beschäftigt und war somit Marktbegleiter der ersten Stunde. Bereits seit mehreren Jahren gibt es Produkte mit Naturland-Siegel im Sortiment. Seit 2006 verfügt der Familienbetrieb über ein IFS-Zertifikat auf gehobenem Niveau. Und seit 2016 garantiert auch ein QS-Prüfzeichen die Qualität der Produkte. „Gesicherte Lebensmittel zu produzieren und zu verkaufen war die Firmenvision von Beginn an“, meint der Senior-Geschäftsführer Werner Arts.

Mit 25.000 Tonnen Saaten, die pro Jahr gehandelt werden, erzielt Agasaat aktuell einen Umsatz im mittleren zweistelligen Millionenbetrag. 45 Prozent davon wird über Ware in Bio-Qualität erzielt, manches davon mit Naturland-Zertifikat. 55 Mitarbeiter sind heute von der Beschaffung bis zum Abtransport der Produkte für den Importeur und Rohstoffveredler aktiv.

Portfolio von eigenem Dampfmohn bis Bio-Senf

Produktfokus und Stärke des Unternehmens liegen im Bereich von Back- und Ölsaaten: Leinsaat, Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne und Sesam. Ein wichtiges Geschäftsfeld ist der Import von Kümmel, Schwarzkümmel, Koriander und Senf. Dazu kommen Keimsamen wie Sprossen, Radieschen und Kresse.

Die Haupt-Rohstoffquellen für die Bio-Abteilung sind eigene Anbauprojekte in der ganzen Welt, die von Agasaat direkt begleitet werden. 33 auditierte Landwirtschaftsbetriebe auf fünf Kontinenten versorgen den Importeur mit ihrer Ware. Es gibt Bio-Blaumohn aus Deutschland, Frankreich oder Belgien, Bio-Sesam aus einem Eigenanbauprojekt in Uganda, Bio-Leinsaat aus Deutschland, Ungarn, Kasachstan und Rumänien und vieles mehr. Insgesamt umfasst das Portfolio inzwischen über 50 verschiedene Bio-Produkte.

Eigene Produkt-Sorten des Unternehmens sind Agadampfmohn und Agagoldstern, beide DLG-prämiert und auch in Bio-Qualität erhältlich. Für den Dampfmohn wird Blaumohn mit einem kontrolliert niedrigen Morphingehalt von maximal vier Milligramm pro Kilo in einem schonenden Kristallmahlverfahren bearbeitet, bedämpft und stabilisiert. Dadurch sollen Bäcker eine naturbelassene Zutat mit mildem und nicht-bitterem Aroma sowie einer Mindesthaltbarkeit von sechs Monaten für ihre Kuchen und Stollen erhalten.

Der Agagoldstern ist eine eigens für Agasaat gezüchtete Leinölsaat, mit hohem Quellvermögen und hoher Tausendkornmasse (TKM). Das glutenfreie Leinmehl aus Agagoldstern soll über eine besonders gute Quell- und Klebefähigkeit verfügen, einen hohen Schleimstoffgehalt und viele Eiweiß- und Ballaststoffe.

Besonders stolz sind die Geschäftsführer auf ihre neuen Kürbiskernprodukte, Typ Steiermark. Aus einer Anbaufläche direkt am Niederrhein können jetzt Kürbiskerne in Bio-Qualität und wenn gewünscht auch in Naturland-Qualität geliefert werden – „aus der Region für die Region“. Die Bodenverhältnisse seien fruchtbar und das Projekt bisher vielversprechend.

Sichere Qualität durch Labortests und Besuche vor Ort

Agasaat-Vertreter aus Qualitätssicherung und Geschäftsführung machen selbst Besuche bei den Landwirten, um Anbau und Ware gut im Blick zu haben. Durch die Pandemie sei die Möglichkeit dazu zwar momentan eingeschränkt, der Kontakt werde aber durch den regelmäßigen Austausch via Videokonferenz bestmöglich aufrechterhalten.

In Laboratorien in Deutschland werden Bodenproben der Farmen untersucht. „Normalerweise werden sie dort auch freigeprüft“, meint Tobias-Werner Arts, der seit mittlerweile drei Jahren in der Geschäftsführung für Verkauf, Qualitätssicherung und Logistik verantwortlich ist. Nur wenn die Kriterien nicht eingehalten werden, etwa bei Pestizidrückständen, müsse die Firma ein Veto einlegen.

Der Ukraine-Krieg machte sich zum Zeitpunkt des bioPress-Gesprächs Anfang März bereits bemerkbar. Die Lieferungen von Weizen, Soja und Raps aus der betroffenen Region müssten nun anderweitig ausgeglichen werden, berichtet Senior-Geschäftsführer Werner Arts. „In der Kürze der Zeit ist es schwierig umzuswitchen.“

„Allgemein werden die Lieferketten aktuell mehr und mehr gestört“, ergänzt Sohn Tobias. Sowohl beim Transport über See als auch Land werde das Importgeschäft zunehmend schwieriger und zeitaufwendiger.

Wareneinfuhr, Veredlung und Mischung

Agasaat kümmert sich bei der Einfuhr der Ware um den gesamten Transport inklusive der Zollformalitäten. Über 1.000 Container pro Jahr werden zum Produktionsstandort am Niederrhein verschifft. Von dort aus wird die Fracht auf Paletten gepackt und in 25-Kilogramm-Säcke oder Big Bags mit einem Fassungsvermögen von bis zu 1.000 Kilogramm abgefüllt. Erst nach eingehender Prüfung durch die QS-Abteilung werde sie entsperrt und für den europäischen Markt freigegeben.

Der Agadampfmohn des Importeurs wird auch direkt vermarktet. Alles andere dient als Rohstoffkomponente zur Weiterverarbeitung. Agasaat beliefert den Großhandel und Verarbeiter: Müslihersteller, Backbetriebe, Gewürzmühlen oder Teehersteller in ganz Europa.

Die Rohstoffkomponenten Saaten und Haferflocken können schon in der eigenen Produktionsanlage für die Lebensmittelindustrie vorgemischt werden. Auch Rösten als Veredelungsprozess, um die Aromastoffe hervorzuheben ist Teil des Angebotsportfolios. Gerne gehe man bei den Mischungen auf individuelle Kundenwünsche ein.

Hoher Technikaufwand zur Qualitätssicherung

Vier verschiedene Reinigungslinien garantieren laut Unternehmensangaben eine besondere Produktqualität: Staubabsaugung, Groß- und Feinaussiebung und Steinauslesung; die Magnetprüfung auf metallische Fremdkörper; die Trommelsiebung über eine patentierte Keimreduzierungsanlage mit UV-C-Licht; und zu guter Letzt die Sortex-Farbsortierung mit Infrarottechnik. „Das ist gesünder, als eine Technik mit Röntgenstrahlen zu verwenden“, erklärt Fabian Arts, Geschäftsführer im Bereich der Produktion.

Beim Rösten bestehe aufgrund des hohen Ölanteils der Rohstoffe die Gefahr, dass sie durch Oxidation ranzig werden. Mit einem selbstentwickelten Verfahren habe das Unternehmen sichergestellt, dass dennoch eine möglichst lange Mindesthaltbarkeit garantiert werden kann.

Vor zwei Jahren hat Agasaat außerdem eine CO2-Druckentwesungsanlage installiert, um die absolute Freiheit von Schädlingen zu gewährleisten. Via Hochdruck werden dabei eventuelle Eiablagen von Motten und Insekten abgetötet. „Die Container stehen gerade ja teils länger im Hafen – das birgt ein erhöhtes Risiko für den Befall der Ware“, so Fabian Arts.

In puncto Technikaufwand sei das Unternehmen einzigartig in Europa und immer auf dem modernsten Stand, meint der Seniorchef. Jedes Jahr gebe es neue Investitionen. „Wir kennen keinen Weg zurück – nur nach vorne schauen.“

Neuer Logistik-Standort: Ziel CO2-Neutralität

Die bestehenden Kapazitäten der aktuell zwei Standorte der Agasaat am Firmensitz in Neukirchen-Vluyn reichten bald  für die mittlerweile erreichte Größenordnung des Betriebs nicht mehr. Daher wurde 2021 ein Neubauprojekt gestartet, das spätestens Ende des Jahres fertiggestellt werden soll, vielleicht schon im Sommer. Im neuen Hochregallager stehen dann 12.000 Palettenstellplätze in Aussicht.

Über Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach, mit denen auch die Akkus der Elektrostapler geladen werden können, und eine Wärmepumpe zur Heizung ist das Gebäude komplett CO2-neutral geplant. Die Produktionsfläche von 1.200 Quadratmeter verbleibt am Stammsitz in Neukirchen-Vluyn und bietet 7.000 weitere Palettenstellplätze im Hochregal – viel Raum für die zukunftsträchtige Bio-Saaten-Branche.

Lena Renner


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