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Erfolgsgeschichte Dänemark

Landwirtschaftsminister Rasmus Prehn im Interview mit bioPress

Erfolgsgeschichte Dänemark
dänischer Landwirtschaftsminister Rasmus Prehn

Seit November 2020 vertritt Rasmus Prehn von den dänischen Sozialdemokraten als Minister für Lebensmittel, Landwirtschaft und Fischerei den Agrar- und Lebensmittelsektor Dänemarks. Er setzt sich für ökologische Grundsätze ein und spielte eine wichtige Rolle bei der Einigung des Parlaments auf die verbindliche Reduzierung der CO2-Emissionen in der Landwirtschaft. Für bioPress beantwortete er Fragen  über die Entwicklung von Bio in Dänemark.

bioPress: Die EU will bis 2030 einen Anteil von 25 Prozent Ökolandbau. Dänemark ist bei Bio Spitzenreiter. Was halten Sie von diesem Ziel?

Prehn: Es ist sehr positiv, dass die Kommission einen ehrgeizigen Aktionsplan für den ökologischen Landbau in der EU veröffentlicht hat. Dies wird hoffentlich den Übergang zu mehr ökologischer Produktion und ökologischem Konsum beschleunigen. Dänemark hat seit langem große Ambitionen, was den ökologischen Landbau angeht, und wir streben derzeit eine Verdoppelung der ökologischen Anbaufläche, des Verbrauchs und der Exporte in Dänemark bis 2030 an. Aufgrund der Klimakrise überdenken viele Verbraucher ihr Verhalten und verlangen nach nachhaltigeren Produkten. Dies kann der ökologischen Erzeugung einen neuen Impuls geben.

bioPress: Im dänischen Parlament gibt es viele verschiedene Parteien. Sind sie alle pro Bio?

Prehn: Die meisten Parteien im dänischen Parlament stehen ganz hinter dem ökologischen Landbau. Dies spiegelt sich in der kontinuierlichen finanziellen Unterstützung für die Umstellung von landwirtschaftlichen Flächen wider. Die Regierung und die Parteien, die die Regierung unterstützen, haben auch Mittel für Innovationen bereitgestellt, zum Beispiel für ein neues Innovationszentrum für den Ökolandbau.

Anfang Oktober 2021 haben wir in Dänemark eine breite politische Einigung über den Beitrag des Agrarsektors zur Reduzierung der Klimaemissionen erzielt. Dazu gehört auch, umfangreiche Mittel für die Entwicklung und Produktion von pflanzlichen Lebensmitteln bereitzustellen, insbesondere von Bio-Produkten. Die Produktion von pflanzlichen Lebensmitteln aus ökologischem Anbau wird unserer Natur, der Umwelt, der biologischen Vielfalt und dem Klimaschutz zugutekommen.

bioPress: Bio kann in vielen/allen Supermärkten in Dänemark gekauft werden. Gibt es politische Unterstützung für die Bio-Vermarktung?

Prehn: Es gibt einen sehr starken Bio-Sektor in Dänemark und drei von vier dänischen Verbrauchern kaufen jede Woche Bio-Lebensmittel. Die Ausrichtung der Einzelhändler auf Bio ist auf die Nachfrage der Verbraucher und die Marktbedingungen zurückzuführen. Es gibt politische Unterstützung für Informationskampagnen über die ökologische Produktion im Allgemeinen. Außerdem werden spezifische Initiativen wie das Branding des offiziellen Bio-Kennzeichnungssystems und die Förderung von Bio-Produkten in der Gas- tronomie finanziell unterstützt. Dies geschieht zusätzlich zum Marketing, das Einzelhändler und Einzelhandelsketten für Bio unternehmen.

bioPress: Was konnten politische Entscheidungsträger tun, um das Angebot an Bio-Produkten in Kantinen und in der Außer-Haus-Verpflegung zu erhöhen?

Prehn: Der Verpflegungssektor ist sehr wichtig, wenn es um die Steigerung der Bio-Nachfrage geht. Die Dänen nehmen ihre Mahlzeiten zunehmend außer Haus ein. In Dänemark unterstützen wir die Umstellung von Profiküchen, indem wir die Fähigkeiten des Küchenpersonals sowohl im öffentlichen als auch im privaten Gastronomiebereich verbessern.
Außerdem haben wir mit großem Erfolg ein Bio-Küchen-Siegel eingeführt, ein staatlich garantiertes Label, das den Bio-Anteil in Restaurants zeigt. Es gibt drei Stufen: Bronze (30-60 Prozent), Silber (60-90 Prozent) und Gold (90-100 Prozent). Damit wird den Verbrauchern signalisiert, dass eine Küche in Sachen Bio ehrgeizig ist.

bioPress: Wie hoch ist der Anteil von Bio in der Landwirtschaft, in der Vermarktung (Umsatz) und in der Außer-Haus-Verpflegung heute? Können Sie uns Zahlen nennen?

Prehn: Der Bio-Anteil in der dänischen Landwirtschaft liegt bei 11,7 Prozent. Im Jahr 2020 lag der Anteil der Bio-Verkäufe im Einzelhandel bei 12,8 Prozent und der Bio-Anteil in der Gastronomie bei zwölf Prozent. Der Verkauf von Bioprodukten an den Lebensmittelsektor belief sich auf mehr als zwei Milliarden DKK. Möglicherweise aufgrund der Corona-Pandemie, bei der Gaststätten im Jahr 2020 teilweise nicht in der Lage waren, Essen zu servieren, ist der Verkauf von Lebensmitteln im Einzelhandel gestiegen – sowohl von konventionellen als auch von ökologischen. Allerdings ist auch im Jahr 2020 die Zahl der staatlich kontrollierten Bio-Küchenlabels für private und öffentliche Großküchen gestiegen.

bioPress: Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Bio-Sektors in Dänemark?
Prehn: Als eine echte Erfolgsgeschichte. Der dänische Bio-Sektor ist und bleibt einer der weltweiten Vorreiter. Das ist einer der vielen Gründe, warum ich stolz darauf bin, den dänischen Agrar- und Lebensmittelsektor zu vertreten. In den letzten fünf Jahren ist die ökologische Anbaufläche in Dänemark um fast 73 Prozent gewachsen. Seit 2007 hat sich die Fläche mehr als verdoppelt, und die dänische Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 sowohl die ökologische Anbaufläche als auch den ökologischen Verbrauch und Export zu verdoppeln.


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