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Ernährungswunder Pilze

Pilze sind wichtiger Bestandteil einer gesunden Ernährung

Ernährungswunder Pilze © pixabay / Capri23auto

Pilze sind reich an wichtigen Nährstoffen, enthalten kaum Kalorien und sollen zudem heilende Wirkungen haben. Was verbirgt sich hinter dem Ernährungswunder Pilze und welche Rolle können sie bei der Vorbeugung von Krankheiten spielen?

Pilze sind reich an essenziellen Aminosäuren. 100 Gramm enthalten durchschnittlich etwa 3,3 Gramm Eiweiß und übertreffen damit sonstiges Gemüse, sogar Erbsen und Bohnen, bei weitem. Besonders wertvoll sind sie deshalb für Vegetarier und Veganer, oder für Menschen, die auf purinhaltige Lebensmittel verzichten müssen. Immunmodulierende Proteine wirken zudem regulierend auf das Immunsystem – können also sowohl stimulieren als auch dämpfen. Spitzenreiter ist hier der Steinpilz mit 5,5 Prozent Proteinen.

Nährstoffe in Fülle

Auch an Vitaminen mangelt es Pilzen nicht. Vitamine der B-Gruppe sind besonders zahlreich in Champignons, Austernpilzen und Shiitake vertreten. Riboflavin (B2) und Niacin (B3) sind wichtig für den Stoffwechsel und Zellfunktionen und spielen eine bedeutende Rolle bei der Energiegewinnung. Panthothensäure (B5) und Biotin (B7) aktivieren als Koenzyme Enzyme und werden zur Bildung von Hormonen, Neurotransmittern und Hämoglobin benötigt. Pilze speichern außerdem Vitamin D aus UV-Licht und können so einem Vitamin-D-Mangel vorbeugen.

In Pilzen enthaltene Mineralien und Spurenelemente sorgen für ein gutes Immunsystem und einen gesunden Energiestoffwechsel. So ist Kupfer wichtig für die Produktion der roten Blutkörperchen, die als Bestandteil der natürlichen anti-oxidativen Enzyme wiederum die Abwehrkräfte stärken. Selen verhindert die Bildung Freier Radikaler im Körper und Phosphor unterstützt den Aufbau von Knochen und Zähnen. Für die Funktion unserer Muskeln und Nerven benötigen wir Kalium, das auch für den Erhalt unseres Wasser- und Elektrolyt- haushalts gebraucht wird. Zudem kann es den Blutdruck senken und so Bluthochdruck vorbeugen.

Sättigend und kalorienarm

Für ein lange anhaltendes Sättigungsgefühl sind neben dem Eiweiß die Ballaststoffe in Pilzen verantwortlich, die auch vor Darmkrebs schützen und das Herzinfarktrisiko senken. Als einer der Hauptbestandteile der Zellwand hat das Polysaccharid Chitin eine sättigende Wirkung. Andererseits kann es schwer verdaulich sein, was sich durch ausreichendes Kochen der Pilze beheben lässt. Spitzenreiter in punkto Sättigung ist der Trüffel mit 16 Prozent Ballaststoffen.

Zu guter Letzt enthalten Pilze fast kein Salz, sind cholesterinfrei, kalorien- und fettarm. 100 Gramm Pilze enthalten durchschnittlich nur 25 Kilokalorien – bei Champignons sind es sogar nur 15. Bei den in Pilzen vorhandenen Kohlenhydraten handelt es sich nicht um Stärke, sondern um Mannit – einer besonders für Diabetiker geeigneten Zuckerart. So ist der Glykämische Index von Pilzen auch sehr niedrig – ihr Verzehr hat also nur geringe Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel.

Heilung durch Pilze?

Seit 5.000 Jahren werden Pilze in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) zur Heilung von Krankheiten eingesetzt. Auch Gelehrte in der Antike schrieben bereits über die Heilwirkung von Pilzen. Was ist dran an den Versprechungen der Mykotherapie, also der Pilzheilkunde?

Eine besonders heilende Wirkung wird in der asiatischen Medizin dem Shiitake zugesprochen. Helfen soll er gegen Grippe und Erkältung, Entzündungen, Bluthochdruck, Lebererkrankungen und Allergien. In Japan wird sein Verzehr bei Magengeschwüren, Gicht, Verstopfung und Neuralgien empfohlen. Außerdem soll er in der Lage sein, ein Tumorwachstum zu bremsen, und findet im Kampf gegen Gebärmutterhalskrebs Verwendung. Eine Studie der Universität Weihenstephan hat eine antivirale Wirkung des Pilzes nachgewiesen.

Als ‚Elixier für Unsterblichkeit‘ wird in der TCM der Glänzende Lackporling angepriesen. Verabreicht in Form von Pulver und Extrakten soll er den Blutdruck senken, das Immunsystem aktivieren, Entzündungen verhindern sowie gut sein bei Bronchitis, Diabetes und Muskelkrämpfen. Auch dieser Pilz ist Forschungsgegenstand in der Krebstherapie.

Austernpilze sind laut der TCM gut, um Venen zu stärken und Sehnen zu entspannen. In China werden sie daher zur Heilung von Hexenschuss sowie Glieder- und Sehnenstarre eingesetzt. Gegen einen hohen Cholesterinspiegel werden die Pilze in Tschechien verwendet. Tatsächlich hat eine Studie der Leibniz Universität Hannover nachgewiesen, dass der Austern-Seitling den Blutfettspiegel positiv beeinflussen kann: Bei regelmäßigem Verzehr könne eine deutliche Senkung der Cholesterinwerte festgestellt werden. In Japan sollen Austernpilz-Extrakte bereits erfolgreich gegen verschiedene Tumore angewandt worden sein. Nach dem Research Institute of Nutrition in Bratislava zählt der Austern-Seitling zu den präventiven Heilmitteln in puncto Darmkrebs, da die Anzahl der erwünschten Darmbakterien nach dem Verzehr der Pilze zunehme.

Aber nicht nur ‚Exoten‘, sondern auch unsere geläufigen Champignons sollen eine krebshemmende Wirkung haben. Das haben Forscher vom Krebszentrum ‚City of Hope‘ bei Los Angeles herausgefunden. Laut einer Studie der australischen Wissenschaftler Jeong Koyyalamudi sowie Gerald Pang stärken die bei uns beliebten Speisepilze außerdem das Immunsystem. Demnach regen die Pilze die Bildung von Immunglobulin A im Speichel an, das als Antikörper die erste Abwehrkette des Körpers gegen Viren und Bakterien bildet.

Weitere Forschung nötig

Alles in allem haben Heilpilze in Deutschland bisher allerdings noch keinen Stellenwert in der Medizin oder speziell der Krebsbehandlung. Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum sei der Wissensstand immer noch mehr als lückenhaft und weitere Forschung notwendig. „Es fehlt an aussagekräftigen klinischen Studien zu Wirksamkeit und Risiken“, warnt auch die Verbraucherzentrale. So seien viele der vermuteten Wirkungen bisher nur im Labor oder in Tierversuchen nachgewiesen worden.

Beim Verzehr von Pilzen ist zudem Vorsicht geboten. Seit dem Reaktorunglück in Tschernobyl ist teilweise immer noch eine radioaktive Belastung von Wildpilzen möglich. Vor allem Maronenröhrlinge und Steinpilze gelten als besonders betroffen. Alle Wildpilze können außerdem giftige Schwermetalle wie Cadmium, Quecksilber und Blei enthalten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät deshalb dazu, pro Woche nicht mehr als 250 Gramm Wildpilze zu verzehren.

Lena Renner


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