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Ernährungsrevolution

Verpflegung in Schulen und Kitas

Bewusstsein für gesundes Bio-Essen steigt

Über zwei Millionen Kinder essen täglich in der Kita zu Mittag. Etwa 2,8 Millionen Schüler besuchen eine allgemeinbildende Schule mit Ganztagsbetrieb, wo in rund 80 Prozent der Fälle eine Mittagsverpflegung angeboten wird. Dadurch, dass sich die Ernährung aus den privaten Haushalten in Ganztags-Kitas und -Schulen verlagert, ergibt sich zunehmend eine staatliche Mitverantwortung für die Ernährung junger Menschen.

Im Februar 2017 wurde das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) eingerichtet. Teil davon ist das Nationale Qualitätszentrum für Ernährung in Kita und Schule (NQZ). Seine zentrale Aufgabe ist die Koordination und Weiterentwicklung von Maßnahmen und Initiativen rund um gutes Kita- und Schulessen in Deutschland.

Das Netzwerk ‚Besser essen in Kita und Schule‘ vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und den Bundesländern bündelt Präventionsangebote für gesunde Ernährung. Schwerpunkte sind dabei die Ernährungsbildung und die Kita- bzw. Schulverpflegung für Kinder und Jugendliche. So werden etwa von der Initiative Bio-Brotbox Hamburg zum Schulanfang mit Bio-Lebensmitteln gefüllte Brotdosen an Erstklässler verteilt.

Milch, Obst und Gemüse für Schulen und Kitas

Das EU-Schulprogramm, das im Oktober 2017 startete, soll Kindern und Jugendlichen Obst und Gemüse sowie frische Milch und Milchprodukte schmackhaft machen und eine gesunde Ernährung fördern. Die Kinder erhalten regelmäßig kostenlose oder vergünstigte Extraportionen an Obst, Gemüse und Milchprodukten, wofür die EU jährlich 250 Millionen Euro zur Verfügung stellt.

Allgemein ist das Thema gesunde Ernährung bei Kindern schon lange präsent. Bereits seit 2009/10 gibt es das Obst- und Gemüseprogramm – das Milchprogramm existiert sogar schon seit 1977. Im Jahr 2017/18 wurden die bestehenden Obst- und Milchprogramme dann zusammengelegt – es steht den Schulen und Kitas aber weiterhin frei, sich nur für einen Programmteil anzumelden.

Für die Teilnahme müssen die Bundesländer eine regionale Strategie bei der EU-Kommission einreichen und erklären, wie sie das Programm in den nächsten sechs Jahren ausgestalten wollen. Als zweite Säule neben der Versorgung sind begleitende pädagogische Maßnahmen wie Unterrichtseinheiten zur Ernährung oder Bauernhofbesuche vorgesehen, um den Kindern die landwirtschaftliche Produktion und Vielfalt nahe zu bringen.

Mittlerweile ist auch der Gesundheitsaspekt von Bio ins öffentliche Bewusstsein vorgedrungen. Das EU-Schulprogramm wird dem gerecht. Zehn der bisher 15 teilnehmenden Bundesländer haben sich dafür entschieden, Bio als Kriterium für die Auswahl der Lebensmittel aufzunehmen. Die Entscheidung für Bio-Qualität bei den Speisen ist für die teilnehmenden Schulen und Kitas ohne zusätzliche Kosten möglich. In Niedersachsen etwa beziehen mittlerweile 75 Prozent der Teilnehmer Bio-Obst und -Gemüse. In Schleswig-Holstein hat die Hälfte der ausgegebenen Milchprodukte Bio-Qualität. Insgesamt erhalten aktuell etwas mehr als 15 Prozent der Kinder im EU-Schulprogramm Bio-Obst und -Gemüse.

Vernetzungsstellen informieren und beraten

In allen 16 Bundesländern sind Vernetzungsstellen Schulverpflegung aktiv. Sie informieren über Themen rund um die Schulverpflegung und bieten in einigen Ländern auch unabhängige Beratung und Fortbildung an. Initiiert wurden sie 2008 als Maßnahme der In-Form-Initiative der Bundesregierung vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Bis heute wurde in zehn Bundesländern die Zuständigkeit der Vernetzungsstellen auf die Belange der Kitaverpflegung erweitert. Kritisch kann laut dem Ab- schlussbericht des Projekts ‚Essen in Hessen‘ des WWFs die häufig unzureichende finanzielle und personelle Ausstattung der Vernetzungsstellen bei einem doch umfassenden Aufgabenkatalog gesehen werden. Oft seien die Stellen über nur einjährige Projekte finanziert, sodass eine stetige Arbeit und Personalplanung nicht gewährleistet werden könne.

Gutachten empfiehlt Systemwechsel

Im August 2020 brachte der unabhängige wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE) das Gutachten ‚Politik für eine nachhaltigere Ernährung‘ heraus. Es empfiehlt einen Systemwechsel in der Kita- und Schulverpflegung. Schrittweise soll ein qualitativ hochwertiges und zudem beitragsfreies Essensangebot erreicht werden. Lernküchen sollen eingerichtet und Fächer wie Essenszubereitung und Gartenbau auf den Lehrplan kommen. Das Bundesinvestitionsprogramm ‚Top-Mensa‘ soll den quantitativen und qualitativen Ausbau der Kita- und Schulverpflegung unterstützen.

Lena Renner


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