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Überdurchschnittliches Öko-Wachstum in Niedersachsen

Marktdaten 2020 zeigen, was den Ökolandbau zum Wachsen bringt

Finanzielle Förderung des Öko-Landbaus, Verarbeitungsmöglichkeiten vor Ort und gute und stabile Erzeugerpreise – das sind Strukturen, die den Ökolandbau anwachsen lassen. Dies ist nach Meinung des Kompetenzzentrums Ökolandbau Niedersachsen deutlich in den aktuellen Marktdaten 2020 für ihr Bundesland zu erkennen.

Niedersachsen holt auf im Öko-Landbau: Aktuell sind zwar nur 4,7 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ökologisch bewirtschaftet, der Durchschnitt liegt bei 9,7   Prozent. Doch das Bundesland glänzte 2019 mit fast 13.000 Hektar neuer Öko-Fläche. Das ist der zweitgrößte Flächenzuwachs aller Bundesländer und 12 Prozent mehr als 2018. Nur in Bayern wurde noch mehr Hektar an Öko-Fläche zugelegt.

Es wurden 2.115 landwirtschaftliche Bio-Betriebe gezählt, 162 davon neu dazugekommen. Allerdings betrug der Anteil der Öko-Betriebe an allen landwirtschaftlichen Betrieben in Niedersachsen nur sechs Prozent, das ist deutlich weniger als der Bundesdurchschnitt.

Die durchschnittliche Betriebsgröße der Öko-Betriebe in Niedersachsen stieg um zwei Hektar an, auf jetzt 57 Hektar. Insgesamt waren die Öko-Betriebe im Durchschnitt rund 16 Hektar kleiner als der Durchschnitt aller niedersächsischen Betriebe. Etwa die Hälfte der Öko-Betriebe in Niedersachen war einem der Öko-Anbauverbände angeschlossen, von diesen knapp ein Drittel an Bioland.

Regionale Verarbeitung und finanzielle Anreize wirken

Insgesamt konnten die Marktdaten 2020 bestätigen, dass regionale Verarbeitungsmöglichkeiten sich erkennbar auswirken. Die Nähe zu Verarbeitungsbetrieben sei ein wichtiger Faktor für die Entwicklung des Ökolandbaus.

Auch stabile Erzeugerpreise wirken sich stark auf die Umstellungsbereitschaft aus. So hätten aufgrund stabiler Öko-Milchpreise zu Zeiten sinkender Preise für konventionelle Milch die Umstellungen bei den Milchbetrieben stark zugenommen. Als seit 2017 die Molkereien keine neuen Verträge für Biomilch mehr annahmen, fiel die Anzahl der Umsteller wieder auf früheres Niveau zurück. Genauso einen deutlichen Effekt zeigten die Anhebung der Öko-Flächenförderung in Niedersachen und die Umstellungsförderungen – allerdings dauere es bis zur Umsetzung der Umstellung rund drei Jahre.

Vermarktungsmöglichkeiten verändern Fruchtfolgen

Nach dem Kompetenzzentrum verändern sich die Fruchtfolgen der ökologischen Betriebe. Inzwischen treten stärker Vermarktungsaspekte in den Vordergrund statt pflanzenbaulichen, standortbedingten oder betrieblichen Kriterien.

Der Anbau von Körnermais, Futtertriticale und Roggen ging im Aussaatjahr 2020 zurück, während Dinkel und Hafer zulegten. Aufgrund des boomenden Hafermarktes habe es hier sogar eine Steigerung um 69 Prozent auf 2.232 Hektar gegeben. Auch der Anbau von Ackerbohnen, Erbsen und Lupinen legte zu. Diese seien als Eiweißträger für die Fütterung gefragt und die Preise über Jahre stabil. Beim Öko-Gemüse sind es vor allem die Zwiebeln, die stark zugelegt haben. Ihre Anbaufläche stieg um 42 Prozent auf 269 Hektar.

Chancen durch neue Vertriebswege

Es ändern sich auch die Vermarktungswege generell. Henning Niemeyer vom Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen machte besonders auf die Chancen des Online-Handels für den Bio-Absatz aufmerksam.
Er sieht die Chance, dem Zeitgeist zu entsprechen und einen einfachen Einkauf von Bio-Lebensmitteln über das Netz mit Information und Unterhaltung zu verbinden. So verzeichneten regional agierende Lieferdienste mit Bio- und Frischekompetenz in der aktuellen Zeit „traumhafte“ Zuwächse, allen voran die Abo-Kistenanbieter. Die herkömmlichen Vertriebswege verschwänden nicht – doch sie verlören an Bedeutung.

Elke Reinecke

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