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Ernährung

Ayurveda Kochkunst und Ernährung in Europa

Wie können hierzulande die Grundsätze des Ayurveda umgesetzt werden?

Ayurveda Kochkunst und Ernährung in Europa

Die über 3.000 Jahre alte Lehre des Ayurveda unterscheidet sich wesentlich von unserer westlichen Ernährungslehre. Sie teilt die Menschen in drei sogenannte Konstitutionstypen ein. Jeder dieser Gruppen entsprechen bestimmte Lebensmittel, die für sie besonders empfehlenswert und bekömmlich sind.

Ayurveda, auch ‚Mutter der Medizin‘ genannt, ist eine alte überlieferte Medizinlehre aus Indien und Sri Lanka. Die Lehre besteht seit mehr als 3.000 Jahren und wird als ‚Wissen von langem und gesundem Leben‘ übersetzt.
Sowohl Ernährungsweise als auch Kochkunst werden als wohltuend und lecker empfunden. Denn sich nach einem Essen leicht, wach und angenehm gesättigt zu fühlen sind nur einige von vielen positiven Wirkungen im Bereich der Ernährung und Lebensweise. Hierfür sind eine für einen selbst richtige Wahl und Kombination der Nahrungsmittel sowie eine optimale Verdauung der Speisen entscheidend.

Ayurveda als personalisierte Ernährung

Wie unterscheidet sich die asiatische Lehre von unserer westlichen Ernährungslehre? Der Mensch wird ganzheitlich als eine individuelle Einheit aus Körper, Geist, Seele und Sinnesorganen mit unterschiedlichsten Bedürfnissen betrachtet. Verallgemeinerungen, wie zum Beispiel „Butter ist für den Körper ungesund“ oder „Rohkost ist gesund“ kennt Ayurveda nicht.
Was dem einen gut tut, kann für einen anderen unzuträglich sein. Denn der Ayurveda ist sich der unterschiedlichen Wirkung von Nahrung, Lebensweise, Jahreszeiten, Alterszyklen usw. auf den Einzelnen bewusst.

Die Typenlehre des Ayurveda

Doch wie wissen wir, welche Nahrungsmittel wir vertragen können und welche nicht? Ayurveda bietet ein System und teilt Menschen in drei sogenannte Konstitutionstypen ein.

Die Basis der Typenlehre bilden die drei Doshas Vata, Pitta und Kapha mit ihren Eigenschaften, Geschmacksrichtungen und ihrer Thermik. Doch was genau sind die Doshas? Doshas sind Funktionen des Körpers und sie regeln Abläufe. In jedem Menschen finden sich die drei Doshas, treten jedoch auf unterschiedlichste Weise zutage. Erkennen können wir sie an ihren Eigenschaften, die sich in unserem System zeigen.

Die Eigenschaften des Vata

Das feinstofflichste Dosha, Vata, ist für Bewegungsabläufe im Körper verantwortlich. Die Eigenschaften dieses Dosha sind: fein, leicht, subtil, trocken, kalt, rau, beweglich, wenig nahrhaft und klar. Der bittere, scharfe und adstringierende (zusammenziehende) / herbe Geschmack erhöhen Vata.
Vata steuert unseren Blutkreislauf, Herzrhythmus, Impulse des zentralen Nervensystems, Tastsinn, unsere Atmung, Gefühle, Ausscheidung, Sprache, Empfindungsfähigkeit, unser Gehör und die beiden anderen Doshas. Zudem tendiert Vata auf Grund seiner Mobilität dazu, den Körper abzubauen.

Ist Vata im Gleichgewicht, dann sind wir auf der psychischen Ebene kreativ, flexibel, leicht, glücklich und voller Freude. Bei einer Störung treten Furcht, Nervosität, Angst und Zittern auf. Auf der körperlichen Ebene fühlen wir uns, wenn wir im Gleichgewicht sind, leicht, beweglich und klar. Im Ungleichgewicht jedoch neigen wir zu starker Trockenheit, sind wenig geerdet und unruhig.

Nahrungsmittel für Vata

Ausgleichen können wir ein zu hohes Vatadosha mit warmen Speisen zum Beispiel Getreidegerichte und hier können vor allem nährende Getreidesorten wie Dinkel, Weizen, Reis u.a. verwendet werden.

Eintöpfe und Gemüsegerichte/-suppen außer Kohlsorten kann ein Vata-Typ zubereiten, süße-saure Obstsorten,  und von den Hülsenfrüchten ist Mung-Dal am idealsten. Nussmuse oder Nussmilch, Getreidemilch, Kakao oder Öle eignen sich ebenfalls für diesen Menschen und letzten Endes alle Nahrungsmittel und Gewürze, die süß, sauer und salzig schmecken.

Die Eigenschaften des Pita

Pitta ist von seiner Stofflichkeit das mittlere der beiden Dosha und von feuriger Natur. Seine Eigenschaften sind heiß, scharf, penetrierend, nicht schleimig, leicht fettig/ölig, hell, beweglich, sich gut verteilend, flüssig und schlecht riechend. Scharf, sauer und salzig sind die Geschmacksrichtungen die Pitta erhöhen.

Das Pitta-Dosha reguliert unseren Stoffwechsel und Wärmehaushalt und damit unsere Durst- und Hungerempfindungen. Ist Pitta im Gleichgewicht, dann sind wir gut konzentriert, sprechen klar, sind mutig und stark. Wir haben eine lebendige Ausstrahlung und sind herzlich und gütig.

Was dem Pitta-Typus gut tut

Bei einer Störung sind wir fordernd, ärgern uns schnell und regen uns ständig auf. Auf der körperlichen Ebene können häufiger Entzündungen auftreten, Sodbrennen und Säuresymptome. Pitta können wir mit z.B. Salaten/Rohkost ausgleichen aber auch mit Milch oder Getreidemilch, Kokosnussprodukten, Kokosöl, süßen Obstsorten, Getreidegerichten, Gemüsesorten und Nahrungsmitteln mit bitterem, süßem und astringierendem/ zusammenziehendem Geschmack.

Die Eigenschaften des Kapha

Kapha gibt unserem Körper Struktur, Form und Halt. Die Kraft dieses Dosha baut den Körper auf, was besonders in der Kindheit bis zur Zeit der Pubertät für das Wachstum des Körpers wichtig ist. Seine Eigenschaften sind schleimig, ölig, langsam, träge, schwer, kalt, unbeweglich, statisch, stabil und starr. Geschmacksrichtungen, die sich auf das Kapha-Dosha auswirken und dieses erhöhen sind süß, sauer und salzig.

Bei einem ausgeglichenen Kapha sind wir stabil, wohlproportioniert, schön und vergebend, haben viel Geduld, eine gute Selbstkontrolle, lang dauernde Beziehungen, ein gutes Immunsystem, sind pflichtbewusst und aufrichtig. Ein Zuviel führt zu Trägheit, Gleichgültigkeit, Geiz, Dumpfheit und Übergewicht, fettiger Haut, Allergien und langsamer Verdauung.

Empfehlungen für Kapha

Kapha verträgt am Besten leicht zu verdauende Nahrung, leichte Getreidesorten wie Hirsesorten, Gerste, Buchweizen, bittere, zusammenziehende Gemüse,  wenig Obst. Am Besten sind Quitten oder aber sehr gut sind Trockenfrüchte aller Art, bei der Wahl von Gewürzen dürfen Kaphatypen gerne scharf konsumieren.

Eine wichtige allgemeine Empfehlung im Ayurveda ist einmal täglich alle sechs Geschmacksrichtungen zu verspeisen.  Wenn wir das regel- mäßig beherzigen, dann können wir das Gleichgewicht der drei Doshas wenigstens über die Ernährung in der Balance halten. Guten Appetit !

Martina Kobs-Metzger

 

zur Person
Martina Kobs-Metzger ist Autorin mehrerer Bücher über Ayurveda (‚Ayurvedaküche – leicht und schnell‘, pala-Verlag Darmstadt, 2004, ‚Die Fünf-Elemente-Küche Indiens. Überlieferte Weisheit des Ayurveda: Gesunde und vitale Ernährung für mehr Lebensqualität‘, Bohmeier Verlag 2007, ‚Ayurveda aus der Wunderküche‘ ein Kochbuch für Thermomixbesitzer, edition hoch drei verlag 2013.)
Als Inhaberin der Ayurveda Kochschule Cuisine Vitale in Hamburg unterrichtet sie seit über zwanzig Jahren das Wissen der indischen Gesundheitslehre in Koch- und Ernährungsseminaren und Kursen sowohl für Profi- als auch Hobbyköche (http://www.ayurveda-kochschule.de).
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