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Bio in und aus Polen

Der polnische Nischenmarkt wächst weiterhin schnell

Bio in und aus Polen

Bio in Polen ist im Wachstum: Der ökologische Landbau entwickelt sich dynamisch, es gibt einen anwachsenden heimischen Bio-Markt. Dem Trend entspricht eine seit Jahren zunehmend starke Präsenz dieses Landes auf der Biofach-Messe.

Der privaten ökologischen Handelskammer PIZE nach steigt die Nachfrage der Bevölkerung nach Bio-Produkten konstant an. Allein in den letzten drei Jahren haben die Verkäufe um zirka 30 Prozent zugenommen – obwohl sie wesentlich teurer als konventionelle Waren sind. Paradox: 70 Prozent der Bio-Produkte seien importiert, gleichzeitig würden rund 70 Prozent der in Polen erzeugten Bio-Lebensmittel ausgeführt. Hier gehöre Deutschland zu den wichtigsten Abnehmern.

EU-Eintritt als Schub für Bio

Polens Eintritt in die EU vor knapp 15 Jahren gab der ökologischen Landwirtschaft einen gehörigen Schub. Die finanziellen Beihilfen bewirkten, dass die Zahl der Bio-Betriebe rasch anstieg. Bewirtschafteten im Jahr 2004 noch 3.705 Landwirte 82.730 Hektar ökologisch, so gab es im Folgejahr mit 7.200 Bauern und 166.300 Hektar Anbaufläche fast eine Verdoppelung. 2013 war mit zirka 26.600 Betrieben und knapp 669.970 Hektar ein Maximum erreicht.

Inzwischen ist der Trend wieder rückläufig: Ende 2017 waren es 494.978 Hektar (davon 111.733 in Umstellung). Experten wie Dr. Urszula Soltysiak von PIZE begründen das vor allem mit der Verlagerung von Subventionen auf den Pflanzenanbau für Bioenergie oder Flächenstilllegungen.
Polens Bio-Betriebe sind größtenteils klein oder mittelgroß: 65 Prozent bewirtschaften Flächen von fünf bis 20 Hektar. Bei einem Fünftel sind es 20 bis 50 Hektar, ein Zehntel von ihnen besitzt 50 bis 100 Hektar Anbaufläche. Nur fünf Prozent der Betriebe beackern über 100 Hektar.

Bio noch Nischenmarkt in Polen

Konstant um durchschnittlich 30 Prozent stiegen die Verkaufszahlen von Bio im Handel in den letzten Jahren an. Der derzeitige Gesamtumsatz wird auf 250 Millionen Euro geschätzt. Noch handelt es sich um einen Nischenmarkt. So lägen die Pro-Kopf-Ausgaben für Bio-Lebensmittel in Polen mit seinen 37,96 Millionen Einwohnern aktuell bei gerade mal vier Euro. Dies dürfte an den hohen Endverbraucherpreisen liegen.

Bio-Produkte seien im Fachhandel um 20 bis zu 100 Prozent teurer, sagt Marktkennerin Soltysiak. Bio-Eier könnten im Winter sogar das Dreifache kosten. Preiswerter böten konventionelle Supermärkte und Drogerien ihre Bio-Produkte an. Hier handele es sich nur um eine begrenzte Auswahl und verpackte Trockenware. Aber so kämen auch Menschen außerhalb der großen Städte mit Bio-Produkten in Kontakt und könnten die Qualität schätzen lernen, so Soltysiak.

Aufklärung über Bio-Kriterien nötig

In Polen fehle es an Wissen über die Hintergründe und die definierten Kriterien für Bio-Produkte. Viele hielten polnische Lebensmittel per se für Bio. Die Aufklärung der Menschen darüber, was Bio eigentlich heißt, gelte allgemein als eine der größten Aufgaben für die Weiterentwicklung des Marktes.

Bettina Pabel

Fast 100 Jahre Bio in Polen
Der ökologische Landbau Polens kann auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurückblicken. So war es auf einem Landgut nahe Breslau, wo der Anthroposoph Rudolf Steiner 1924 seinen landwirtschaftlichen Kurs hielt und damit den bio-dynamischen Landbau ins Leben rief. Auf dessen Ideen beruhen die Prinzipien des Demeter-Verbandes. Unterbrochen durch Kriege und erschwert durch die sowjetische Vorherrschaft verfolgten einige polnische Landwirte die Ideen weiter.
Einen Schub für die Demeter-Bewegung in Polen gab es jedoch erst 1982 wieder; 1989 wurde Ekoland Polen als erster Bio-Verband in diesem Land gegründet. Auch heute sind vorwiegend Landwirte hier organisiert, zertifiziert entweder nach Demeter oder EU-Bio. Mit Demeter polska gibt es einen separaten, reinen Demeter-Verband. International als Vorzeigebetrieb für bio-dynamische Landwirtschaft gelte die Juchowo Farm (www.juchowofarm.org/de). Dieser Demeter-Betrieb umfasst mehrere Dörfer und ist mit 1.600 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche der größte Europas.
Bio-Kontrolle und Bio erkennen
Das Bio-Kontrollsystem in Polen ist komplex. Akkreditierungen für Zertifizierungsstellen werden durch das Polish Centre for Accreditation vorgenommen, danach erfolgt eine Zulassung durch das Ministerium für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung. Die Kontrolle obliegt der Agricultural and Food Quality Inspection (GIJHAR-S), die auch die Untersuchung von gemeldeten Missständen koordiniert. Derzeit gibt es elf akkreditierte polnische Zertifizierer.
Im Handel tragen die meisten Bio-Produkte das europäische Bio-Siegel, teilweise aber auch einheimische Verbandssiegel. Zwar spielen die polnischen Bio-Verbände insgesamt eine geringere Rolle als etwa in Deutschland, doch Ekoland, Polska Ekologia, PTRE (Polskie Towarszystwo Rolników Ekologicznych) und Demeter Polska sind recht bekannt.

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