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Mandarinen und besonderes Gemüse in Bio-Qualität

Bei Les Domaines Agricoles Agafay gibt es die Mandarinensorte Nadorcott in Bio

Mandarinen und besonderes Gemüse in Bio-Qualität

In Marokko ist die organische Landwirtschaft ein fester Teil der Entwicklungspolitik der marokkanischen Regierung. Dementsprechend baut der große Agrarproduzent Les Domaines Agricoles an einigen seiner Standorte auch zertifizierte Biowaren an. Vor allem die Mandarine Nadorcott in Bioqualität ist beliebt für den Export.

Les Domaines Agricoles ist der größte Produzent von Agrarlebensmitteln in Marokko. Ein Hauptgeschäftszweig sind Zitrusfrüchte, von denen jährlich rund 150.000 Tonnen produziert werden.

Das Unternehmen hat sich den nachhaltigen Umgang mit der Natur auf die Fahne geschrieben, doch für den größten Teil der Produktion heißt dies noch lange nicht Bio. Bisher können etwa drei bis fünf Prozent der Produkte ein Bio-Zertifikat vorweisen.

Die zugehörigen Produktionsstandorte sind dann auch Vorzeigestätten für das Unternehmen und wohl auch für den König, zu dessen Holdinggesellschaft Les Domaines Agricoles gehört und der im Jahre 2008 den Grünen Plan Marokko (Plan Maroc Vert) aufgesetzt hat. In diesem sind die Visionen für die weitere Entwicklung der Landwirtschaft in Marokko bis 2020 festgeschrieben, und Nachhaltigkeit spielt eine wichtige Rolle.

Les Domaines Agricoles in Bio

Am Standort Agafay werden etwa 35 von insgesamt 500 Hektar ökologisch betrieben. Den größten Teil der Fläche mit um die 20 Hektar nehmen Olivenbäume ein. Dann gibt es noch vor allem Zitrusbäume, in der Mehrheit Nadorcott-Mandarinen, eine besonders beliebte, fast kernlose und sehr süße Sorte, und ein kleinerer Teil Navel-Orangenbäume. An verschiedenem Gemüse kommen drei Hektar hinzu.

Auf Les Domaines Agricoles Agafay werden zwar konventioneller und Bio-Anbau auf einer Farm betrieben. Aber zwischen den verschiedenen Feldern liegen mehrere Kilometer, so dass es zu keinen Kontaminationen kommt.

Zusammenarbeit mit Pronatura

Der organische Teil der Farm ist Pronatura Marrakech angeschlossen. Die Exportware, das sind vor allem die Zitrusfrüchte, geht nach Frankreich. Von Agafay aus zum Beispiel um die 200 Tonnen Nadorcott im Jahr. Pronatura ist auch für Zertifizierung und Kontrolle zuständig.

Bis vor zwei Jahren war auf Agafay alles Ecocert-zertifiziert, inzwischen macht das der Zertifizierer CCPB aus Italien. Das Bio-Olivenöl bleibt im Lande und wird unter anderem in eigenen Märkten der Domaines Agricoles verkauft, vorwiegend in Casablanca, Marrakesch und Rabat. Spezielle Bioläden werden von Les Domaines Agricoles nicht betrieben.

Bio seit 15 Jahren

Der verantwortliche Manager für den Bio-Anbau in Agafay ist Addi Hamaoue. Seit zwölf Jahren arbeitet er für das Unternehmen, fast so lange, wie dieses überhaupt Bio betreibt, nämlich 15 Jahre. Hamaoue hat in Italien seinen Abschluss in Land- und Wasserressourcen-Management gemacht und ist damit der Richtige, um moderne Techniken des biologischen Landbaus zu implementieren. Er leitet das so genannte Green Team, diejenigen der insgesamt 102 Mitarbeiter, die nur mit Bio zu tun haben.

Es gibt ein großes Insektarium als Grundlage der hier praktizierten biologischen Schädlingsbekämpfung. Hier setzt die Förderung der marokkanischen Regierung ein, so werden die Pheromon-Fallen staatlich finanziert.

Veganer Kompost und Tröpfchenbewässerung

Auch beim für Marokko besonders wichtigen Thema Wasser zeigt sich die staatliche Unterstützung der Nachhaltigkeit. Nicht nur die wassersparende Tröpfchenbewässerung bezahlt der Staat. Auch die Pumpen für die staatlich lizensierten und überwachten Brunnen, mit denen auf Agafay 30 Prozent des Wasserbedarfs gedeckt werden. Dafür muss das verbrauchte Grundwasser bezahlt werden.

Die restlichen 70 Prozent des Wassers kommen aus drei großen Talsperren. Das Wasser aus ihnen ist nicht nur dreimal so billig wie das geförderte Grundwasser. Es enthält auch nur ein Drittel des Salzes und wird deswegen genutzt, um das relativ salzhaltige Brunnenwasser zu verdünnen.

Aufgrund des biologischen Landbaus kann der Boden das Wasser besser halten, wodurch der Wasserverbrauch im Bio-Teil um zehn bis 15 Prozent niedriger ist als beim konventionellen Anbau.

Die Plantage produziert seit über zwölf Jahren eigenen Kompost, der sich inzwischen sogar vegan nennen darf. Nachdem ganz am Anfang noch Mist eingemischt wurde, besteht er inzwischen aus 95 Prozent Holzabfällen und fünf Prozent des Alt-Komposts.

Mitarbeiter hoffen auf mehr Bio

Der Manager macht ganz klar: Wenn es nach ihm und seinen Kollegen ginge, dann würde Bio noch bedeutend weiter ausgebaut. Doch momentan bringt Bio bei gleicher Fläche und gleichem Aufwand etwa die Hälfte des Ertrags, ist aber nur 20 Prozent teurer zu verkaufen als konventionelle Ware. Und selbst das können sich die Marokkaner nur selten leisten. Dennoch schreibt das Unternehmen mit Bio seit drei Jahren schwarze Zahlen.

In Agafay hat der Manager das Glück eines besonderen Kunden. Im nahegelegenen Marrakesch befindet sich das älteste 5-Sterne-Hotel Marokkos, das Royal Mansour. Der dortige 3-Sterne-Koch Yannick Alléno kauft exklusiv die gesamte Bio-Produktion im Gemüsebereich und bestimmt auch mit, was angebaut wird.

Bio für die Sterneküche

Für den Küchenchef ist der Geschmack entscheidend, die Exklusivität spezieller Züchtungen und die Garantie, dass keine Pestizide beim Anbau verwandt wurden. Der Manager ist stolz auf die Geschmacksintensität seines Bio-Gemüses.

Im Experimentierfeld wachsen momentan etwa 120 verschiedene Produkte: von Kartoffeln, Zwiebeln, Tomaten, Feigen und Aprikosen bis zu Granatäpfeln und auch Kräutern wie Schnittlauch und Minze. Das Hotel verlangt Exklusivität, doch was auf dem Experimentierfeld gut läuft, kann dann an einem der anderen Standorte in größerem Stil angebaut werden.
Über alle Standorte zusammen genommen bietet das Unternehmen Les Domaines Agricoles eine sehr breite Auswahl an Bio-Produkten: außer den Zitrusfrüchten auch Obst und Gemüse wie zum Beispiel Aprikosen, Avocado, Tomaten oder Zucchini und auch Weizen, Linsen und Kichererbsen. Aromatische Pflanzen wie Argan, Rosen und Orangenblüten werden ebenfalls in Bio-Qualität angeboten.

Elke Reinecke

Die Sorte Nadorcott
Nadorcott-Mandarinen sind einfach zu schälen und leicht zu erkennen – die glatte und leicht abgeflachte Schale ist intensiv rötlich-orange mit einer Spur rosa, das Fruchtinnere ist tief leuchtend orange.
Nicht nur ihr sehr ausgeglichenes Aroma zwischen süß und sauer macht sie bei vielen Kunden beliebt; sie sind zudem so gut wie kernlos. Mit einem Durchmesser von durchschnittlich 58 Millimeter sind die Früchte in der Regel größer als Mandarinen der Sorte Nova oder Clementine.
Das Klima bei Marrakesch eignet sich gut für den Anbau dieser Sorte. Es ist warm im Sommer und im Herbst und Winter gibt es die kühlen Nächte, die notwendig sind, damit sich die knallorangene Färbung der Schale ausbilden kann.
Les Domaines Agricoles
Gegründet 1960 ist Les Domaines Agricoles der führende landwirtschaftliche Produzent in Marokko. Zum Unternehmen gehören zahlreiche landwirtschaftliche und agroindustrielle Produktionsstandorte, von Dakhla bis Berkane im Norden über die Regionen Souss, El Haouz, Saïss und Gharb. Les Domaines gehört der Holdinggesellschaft von König Mohammed VI.
Seit Ende 2014 gibt es die eigene Exportfirma Domexport. Sie vertreibt seit Ende 2014 Obst und Gemüse der landwirtschaftlichen Betriebe über ein diversifiziertes Vertriebsnetz (Großhändler, Hyper- märkte und Supermärkte sowie auf Frische spezialisierte Hypermärkte). Domexport ist in mehreren Regionen der Welt, in Kanada und in den Vereinigten Staaten, aber auch in Europa, im Nahen Osten, in Afrika bis in den Osten und in Russland vertreten.
 

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