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Herausforderungen und Hindernisse für den Marktzugang

Mariia Makhnovets vermittelt als unabhängige Vermarktungsexpertin Kontakte zu ukrainischen Anbietern.

Der Großteil des aktuellen Bioangebotes sei auf den Export von unverarbeiteten Rohstoffen  für die Futter- und Lebensmittelherstellung ausgerichtet. „Weizen, Dinkel, Mais, Gerste, verschiedene Erbsensorten, Sonnenblumenkerne, Raps und Soja“ sind die wichtigsten Artikel, so ihre Übersicht. Großes Potential besteht für bisherige Nischenartikel wie Leinsamen, Hafer, Senfkörner, Hirse, Lupinen, Buchweizen mit Blick auf den wachsenden Markt für vegetarische Lebensmittel. „Beerensorten haben ein hohes Exportpotential und die Bioproduktion wächst von Jahr zu Jahr“, ergänzt Makhnovets.

Laut Mariia Makhnovets haben die von der EU lancierten Maßnahmen nach der Einführung in erster Linie zu einem Rückschlag für die Bioproduktion gerade bei Schlüsselrohstoffen wie Sonnenblumen und Sojaprodukten geführt. „Die Exporteure beklagten sich über die EU-Mitgliedstaaten, teilweise gebe es sogar unterschiedliche Interpretationen regionaler Behörden in den einzelnen Ländern.“ Die Situation habe bereits viel Schaden angerichtet und zu Lieferverzögerungen oder dem Abbruch der Geschäftsbeziehungen insgesamt geführt. Für diese Rohstoffe müssten nun andere Beschaffungsmärkte gefunden werden, etwa aus China. „Nicht die beste Alternative“, so das Fazit von Mariia Makhnovets.

Mit Blick auf die aktuelle Situation und die Zukunftsperspektiven ist Mariia Makhnovets vorsichtig optimistisch. Als einen von vielen Meilensteinen Richtung nachhaltiger Verbesserung erwähnt sie die Konferenz  „Improving Integrity of Organic Supply Chains”, welche im September 2017 in Odessa stattfand. Die spezifischen EU-Auflagen für Importe aus der Ukraine, Kasachstan und Russland bildeten ein wichtiges Tagungsthema. 

„Ukrainische Exporteure traten hier gemeinsam mit Importeuren aus der EU auf und kritisierten gemeinsam die mittlerweile aus der Praxis gut belegbaren technischen und rechtlichen Handelshemmnisse und forderten gemeinsame Verbesserungen der Rahmenbedinungen”, berichtet Mariia Makhnovets.

Das gemeinsame Engagement blieb nicht ohne Wirkung. Ende 2017 wurde in Zusammenarbeit mit der Branche und den Biozertifizierungsstellen eine revidierte Version der ,Guidelines on additional official controls on products originating from Ukraine, Kazakhstan and Russian Federation‘ eingeführt, welche nun auch für 2018 Grundlage für den Biohandel mit der EU bildet.

Ein weiteres wichtiges Element zur Absicherung der Bio-Qualität entlang der Wertschöpfungskette bildet das ebenfalls 2017 eingeführte Rückverfolgbarkeitssystem TRACES. Das System fasst alle für die Biozertifizierung relevanten Informationen in einer gemeinsamen Datenbank zusammen. Das neue IT-Tool wird insbesondere für Bio-Importe in die EU die Verlässlichkeit und Sicherheit weiter erhöhen. Wichtig ist dabei, dass solche Verbesserungen insgesamt die Abläufe auch effektiver machen und sich idealerweise die Prozessaufwände sogar vereinfachen lassen.

Eine wichtige Bedeutung kommt der aktiven und koordinierenden Rolle der ukrainischen Behörden zu. Im ,Reforms Support Team des Ministry of Agrarian Policy and Food of Ukraine‘ unter der politischen Leitung von Staatsekretärin Olga Trofimtseva (Deputy Minister of Agrarian Policy and Food of Ukraine) werden beispielsweise die Anforderungen für die ukrainischen Biozertifizierungsabläufe festgelegt und koordiniert. Zu den wichtigen Aktivitäten der ukrainischen Behörden und Vertretungen der ganzen Biobranche gehört seit einigen Jahren der gemeinsam Auftritt an internationalen Messen und Kongressen, namentlich der Biofach in Nürnberg.

Ukraine-Europa: Gutes Zukunftspotential trotz allem

Attraktives Zukunftspotential bietet daher nach wie vor der europäische Raum. Bei allen Schwierigkeiten und trotz Verbesserungen teilweise noch immer bestehender Zusatzauflagen zieht Mariia Makhnovets eine grundsätzlich positive Zwischenbilanz: „Der Biohandel mit der EU und weiteren europäischen Ländern hat sich zur wichtigen ‘training platform’ für die allermeisten ukrainischen Bioproduzenten entwickelt.” Die Biozertifzierung gemäß den Vorgaben der EU ermöglicht den Zugang zum Biomarkt und darüber hinaus. Als zusätzlicher Mehrwert gewinnen die privatrechtlichen Labelanforderungen wie Naturland oder Bioland an Bedeutung, was weitere Absatzkanäle erschließt und das ukrainische Commitment zu hohen Biostandards unterstreicht.

Gute Erfolgschancen zeigen sich hier für langfristige Kooperationen auf der Grundlage hoher Bio-Qualitätsstandards. Beim Export in die Schweiz müssen beispielsweise die Bio Suisse-Anforderungen der Knospe, der wichtigsten Schweizer Biobranchenorganisation, erfüllt sein. Coop als wichtigster Schweizer Biovermarkter, setzt für das ganze Sortiment unter der Eigenmarke Coop-Naturaplan auf die Bio Suisse-Anforderungen und setzt damit das Qualitätslevel für Bioqualität im ganzen Schweizer Biomarkt.

Starkes Ausbaupotential außerhalb der EU

Angesichts der Handelshemmnisse und Zusatzauflagen der EU hat die ukrainische Biobranche aktiv alternative Vermarktungskanäle erschlossen, allen voran in die USA. Die USA bildet seit längerem einen wichtiger Handelspartner für konventionelle Agrarprodukte. Als global größter Biomarkt gewinnt derzeit auch die Biovermarktung an Bedeutung, zumal die US-Biolandwirtschaft die wachsende Nachfrage nicht decken kann. Mariia Makhnovets zur aktuellen Ausgangslage: „Heute sind bereits 44 ukrainische Bioanbieter gemäß dem US-Biostandard NOP (US National Organic Program) zertifiziert. Für den erfolgreichen Markteinstieg in die USA braucht es jedoch viel Know How und gute Handelsbeziehungen. Zudem bringt die Logistik große Anforderungen mit sich.”

Ukraine als Vorbild für Osteuropa?

Angesichts des erfolgreichen Aufbaus der Biovermarktung in der Ukraine stellt sich die Frage nach dem Potential in den benachbarten Ländern, wobei die Ausgangslage in den EU-Mitgliedsstaaten Bulgarien und Rumänien wesentlich einfacher ist, als etwa in Moldawien, Russland oder weiteren Nachbarländern der ehemaligen Sowjetunion.

Toralf Richter schätzt das Potential grundsätzlich positiv ein: „Die Aufgeschlossenheit der Produzenten gegenüber Bio als Marktperspektive ist groß. Eine Ablehnung des Biolandbaus aus ideologischen Gründen, wie in Westeuropa immer noch häufig beobachtet, gibt es in Osteuropa eigentlich nicht.“ Meist fehle es jedoch zu Beginn an Know-how zum Biolandbau, allgemein und den spezifischen betrieblichen Anpassungen. So sei vielen Interessierten nicht bewusst, dass sich eine Bio-Umstellung nicht auf den Ersatz durch die im Biolandbau zugelassenen Inputs beschränke.
Gerade Importeure müssten daher verlässliche Kooperationen mit  einer langfristigen Perspektive angehen, so das Fazit von Toralf Richter: „Erfahrungsaufbau benötigt sicher fünf bis zehn Jahre auf einem neuen Biobetrieb.“

Peter Jossi

 

Biozertifizierung und Beratung in der Ukraine: 
Wer macht was?

Das ukrainische Zertifizierungssystem basiert auf den Anerkennungs- und Vollzugsabläufen der EU. Neben den lokalen Zertifizierungsstellen stehen zudem lokal verankerte Beratungsdienstleistungen zur Verfügung. 
Links:
www.ukraine.fibl.org/en/ua-about-project.html 
www.fibl.org/de/mitarbeiter/richter-toralf.html, Organic Market Development in Ukraine (Phase 2) 
www.ques.com.ua 
www.organictradeukraine.com/index.php 
www.bioc.info/ 

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