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Mit Bio-Tee die Welt verändern

Pukka hält nach der Unilever-Übernahme an eigener Mission fest

Mit Bio-Tee die Welt verändern © bioPress, LT

Der britische Hersteller Pukka Herbs steht seit seiner Gründung vor 17 Jahren für ein ethisches und nachhaltiges Geschäft mit ayurvedischen Bio-Tees und -Nahrungsergänzungsmitteln. Inzwischen gibt es die Produkte in mehr als 40 Ländern. Seit der Übernahme durch den Großkonzern Unilever im September sieht vor allem die Bio-Szene die Entscheidung der Gründer kritisch. Wird das Bio-Unternehmen seinen Werten weiterhin treu bleiben?

Die Erfolgsgeschichte von Pukka begann im Südwesten Englands, in Bristol. In ihren Wohnungen entwickelten der Kräuterspezialist und Pflanzenheilkundler Sebastian Pole und der ehemalige Marketingleiter Tim Westwell ihre ersten Kräuterteemischungen und wenig später Nahrungsergänzungsmittel in Bio-Qualität.

„Wir starteten zu einer Zeit, in der es sehr langweilig um das Tee-Angebot bestellt war. Mit Pukka wollten wir den Geschmack und die Kraft der Kräuter zum Leben erwecken“, sagt Pole. Denn nach Tausenden von Jahren sei ihre heilende Wirkung in Vergessenheit geraten. Stattdessen griffen die meisten Menschen bei Gesundheitsproblemen direkt zu Schmerz-mitteln und Antibiotika.

Pole: „Wir möchten die Menschen dazu ermuntern, ihr eigenes Leben in die Hand zu nehmen und ihr Bewusstsein zu ändern. Und das auf eine einfache Weise: mit einer Tasse Tee.“ Das Alleinstellungsmerkmal von Pukka sei nach wie vor der therapeutische Ansatz und die hohe Qualität der mittlerweile 200 verschiedenen Kräuter.

Konstantes Wachstum von 30 Prozent

In den letzten Jahren verzeichnete das Unternehmen ein konstantes Wachstum von 30 Prozent. Der Umsatz belief sich 2017 auf 40 Millionen Euro. Deutschland und Großbritannien sind die wichtigsten Märkte. Hierzulande beträgt der Verkaufsanteil 50 Prozent. Gründe dafür sind laut Westwell die Einführung neuer Tees und in 2017 auch erstmals Bio-Nahrungsergänzungsmittel. Weitere wichtige Märkte seien Skandinavien, die USA, Frankreich, Japan und Australien.

„Pukka ist ein indisches Wort und bedeutet ‚echt‘, ‚authentisch‘. Wir wollten immer echt und authentisch sein“, sagt Westwell. Umso größer war der Schock, als die beiden Geschäftsführer im September den Verkauf von Pukka an Unilever verkündeten. Nicht nur in der Bio-Szene, sondern auch bei den 110 Mitarbeitern, wie die PR-Verantwortliche Kate Willacy bestätigt. „Das Pukka-Team vertritt die ethischen Ansätze unserer Gründer. Viele sehen diese durch den Verkauf gefährdet.“ Inzwischen hätten Pole und Westwell aber die meisten von ihnen von der Notwendigkeit ihres Handelns überzeugen können.

Westwell: „Wir mussten vor einem Jahr feststellen, dass wir größere Investitionen benötigen, um weiterhin nachhaltig wachsen zu können. Dazu brauchen wir einen Partner, der uns unterstützt. Und gleichzeitig die Gewissheit, dass die Pukka-Mission auch in Zukunft weiterlebt.“
Die Suche nach dem richtigen Partner sei ein sorgfältig überlegter Prozess gewesen. „Es ist schließlich so, als würde man sein Baby jemand anderem anvertrauen. Wir wollten unserem Baby ein gutes Zuhause geben“, sagt er. Letztlich sei es doch so: „Kapitalismus und Konsum wachsen und entwickeln sich immer weiter. Wir können nur mehr Qualität in diesen Prozess einbringen, indem wir mit den großen Konzernen wachsen. Schließlich haben sie den größten Einfluss.“

Die Wahl sei auf Unilever gefallen, weil der Konzern ernstzunehmende Bestrebungen hin zu mehr Umwelt- und Klimaschutz habe. Seit 30 Jahren verfolge er einen Nachhaltigkeitsplan, in dem Ziele wie Kohlendioxid-Reduktion, Umstellung auf erneuerbare Energien und die Gleichstellung der Frauen festgeschrieben sind. Pole: „In der Oxfam-Studie ‚Behind the brands‘ belegte Unilever 2016 zudem den ersten Platz, unter anderem wegen seines Fokus‘ auf den Klimawandel und der Unterstützung von Kleinbauern.“

Perfekt sei der Konzern jedoch längst nicht. Pole betont, dass Pukka und Unilever sich ergänzen und voneinander profitieren könnten. Während sich Pukka mit Bio-Anbau auskenne und eine sehr gute Kräuter-Expertise habe, verfüge Unilever über die nötigen Ressourcen, eine gut ausgebaute Distribution und Erfahrungen mit Konsumgewohnheiten sowie dem Anbau von schwarzem Tee. „Unilever ist der größte Tee-Anbieter mit rund 100.000 Kleinbauern weltweit. Durch unsere Erfahrungen können künftig noch mehr ökologische Böden zertifiziert werden. Ich sehe auch die Möglichkeit, dass wir gemeinsam Kräuterforschung betreiben. Wir sind zuversichtlich, dass Pukka mit Unilever erfolgreich wachsen wird“, sagt Pole. 

Bio ist bei Unilever kein Fremdwort. In den letzten Jahren hat der Konzern bereits Unternehmen gekauft, die ebenfalls Bio-Marken anbieten. Zu diesen gehören Knorr, Hellmann’s und seit Oktober der brasilianische Produzent Mãe Terra. „Wichtig ist, dass wir nicht in den Unilever-Konzern integriert sind, sondern weiterhin selbstständig agieren können“, sagt Westwell. Ben & Jerry‘s sei ein gutes Beispiel dafür, dass diese Strategie funktioniere. Seit 17 Jahren gehöre der Eis-Hersteller zu Unilever. Seinen nachhaltigen und sozialen Projekten sei er weiterhin treu geblieben.

Pukka-Vorstand um zwei Unilever-Mitarbeiter vergrößert

Mit dem Kauf von Unilever hat sich der Pukka-Vorstand um zwei Mitarbeiter des Konzerns vergrößert. Leiter des nun fünfköpfigen Teams, das sich einmal pro Woche bei Pukka austauscht, bleibt Westwell. Als Schirmherr agiert James Force, der auch für Prinz Charles arbeitet.

„Wir haben vertraglich festgehalten, dass wir und unsere Nachfolger, die immer von den Pukka-Geschäftsführern bestimmt werden, für alle Zeit die leitende Funktion innehaben“, erklärt Westwell. Das sei auch im Interesse von Unilever. Einen Vorteil sehe er auch darin, dass die Mitarbeiter beider Unternehmen jung und engagiert seien und „intelligent genug, um zu begreifen, dass etwas verändert werden muss“.

„Um die Entwicklung von Pukka und unsere Mission weltweit voranzutreiben, möchten Sebastian und ich künftig noch mehr Menschen im direkten Gespräch über unsere Qualität informieren und uns mehr vom Tagesgeschäft zurückziehen. Deshalb wird mich demnächst ein Pukka-Mitarbeiter im Vorstand vertreten. Ich bleibe aber trotzdem involviert“, betont Westwell. Ein Kräuter-Direktor, der bei Abwesenheit für Pole einspringt, sei bereits im Vorstand. „Zusätzlich vertritt auch weiterhin ein Führungsteam die Werte von Pukka. Es besteht aus verschiedenen internen Komitees, in die sich jeder Mitarbeiter einbringen kann“, sagt er. 

Auch während des einjährigen Verkaufsprozesses hätten sich die beiden Geschäftsführer mehrfach abgesichert. Neben einem Finanzberater und Rechtsanwalt seien sie von Experten für Umweltangelegenheiten wie Jonathon Porritt von der Green Party beraten worden. Porritt habe Pukka unter anderem bestätigt, dass Unilever seinen Nachhaltigkeitsplan nicht nur auf dem Papier verfolge, sondern auch aktiv gegen Abholzung vorgehe und sich für eine nachhaltige Landwirtschaft einsetze.

Zurzeit gründe Porritt eine Mission-Gruppe unter seiner Leitung. Sie soll sich mit Themen wie Umwelt und soziale Qualität befassen und den gemeinsamen Austausch von Unilever- und Pukka-Mitarbeitern erleichtern. Auch die jeweiligen Nachhaltigkeitsmanager seien involviert. „Porritt ist ein kritischer Freund für beide Unternehmen“, sagt Pole.

Dass die Bio-Branche einen Widerspruch in Poles und Westwells Entscheidung sieht und sie kritisiert, sei verständlich, sagt Pole. „Aber um die Welt zu verändern, müssen alle Beteiligten an einem Tisch sitzen – sowohl Bio- als auch konventionelle Entscheider. Nur so können wir Bio zu einer größeren Verbreitung verhelfen. Pukkas Werte sind hinduistisch und indisch geprägt. Dazu zählen Respekt, Reinheit und Fleiß. Wir wollen voneinander lernen und Menschen ermutigen, die nicht so denken wie wir. Pukkas Werte bleiben immer dieselben.“

Pole betont: „Unsere Glaubwürdigkeit basiert darauf, wer wir sind. Wir wollen mit der wunderbaren Kraft von Bio-Kräutern eine gesündere, glücklichere Welt schaffen.“ Pukka stehe weiterhin für 100 Prozent Bio, sei die führende Fair-Wild-Marke in der Welt und kaufe 25 Prozent der Kräuter aus nachhaltiger Wildsammlung. Zudem sei Pukka Fair for Life-zertifiziert.
Und welche Erwartungen stellt Pukka an Unilever? „Paul Polman, der Vorstandsvorsitzende, geht mit seinen nachhaltigen Zielen den richtigen Weg. Natürlich sollte Unilever einen noch stärkeren Fokus auf Bio legen“, sagt Pole. „Wir sind sieben Milliarden Menschen auf der Welt. Zwei Milliarden bauen Lebensmittel an und werden von 400 Firmen kontrolliert. Um etwas in der Welt zu bewegen, müssen Konsumenten, Händler und Hersteller ihre Denkweise und ihr Kaufverhalten ändern. Mit dem Verkauf an Unilever leisten wir unseren Beitrag dazu.“

Sina Hindersmann

Einblick in Pukkas Tee-Labor

Barry Moore leitet das Kräuterlabor von Pukka und verantwortet die Qualitätssicherung der Rohstoffe. „Zu unseren Aufgaben zählt unter anderem die Kontrolle der Lieferproben. Wir haben rund 2.000 Bio-Anbauer und prüfen regelmäßig die Identität der Pflanzen. Denn verschiedene Sorten können einander sehr ähneln“, sagt er. Orientierung bieten neben dem Mikroskop und der Analysestation das Europäische und Britische Arzneibuch. Zusätzlich untersuchten die Partnerlabore Eurofins und Phytolab die Proben auf Schwermetalle und Pestizide.

Moore entwickelt mit seinem Team auch neue Teesorten und darauf abgestimmte Nahrungsergänzungsmittel – zurzeit gibt es 42 verschiedene. „Durch die ätherischen Öle sind unsere Tees besonders kraftvoll“, erklärt er. Das Test-Panel für neue Kreationen bestehe aus drei Pukka-Mitarbeitern. „Wir haben auch immer jemanden aus dem Verkaufsteam dabei, damit er einen Einblick in die Herstellung unserer Tees bekommt. Bis wir von einem neuen Rezept überzeugt sind, haben wir durchschnittlich 20 unterschiedliche Versionen getestet.“

Doch Moore ist auch außerhalb seines Labors aktiv. Er und zwei weitere Laborangestellte beraten mehrmals im Jahr Bio-Anbauer vor Ort. Unterstützt werden sie von 15 Beratern, die dauerhaft in den Anbauländern tätig sind. Im Frühjahr wird das Tee-Labor in den neuen Pukka-Standort in Bristol integriert.
 


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