Start / Ausgaben / bioPress 86 - Januar 2016 / Hoher Anspruch für nachhaltige Qualität

Demeter

Hoher Anspruch für nachhaltige Qualität

Demeter-Felderzeugnisse entwickelte vor 20 Jahren die ersten Bio-TK-Produkte

Demeter-Felderzeugnisse aus Alsbach bei Heppenheim ist 1992 aus der weltweit ersten Erzeugergemeinschaft von 100 Bio-Landwirten hervorgegangen. Ihr Ziel: Die professionelle Vermarktung der von den Mitgliedern erzeugten Produkte. 1996 nahm das Unternehmen TK-Produkte ins Sortiment. Von dem anfänglich kritischen Echo aus der Naturkostbranche ist heute nichts mehr zu spüren. Der Fachhandel avancierte zum Hauptkunden. Heute macht das Unternehmen im Handel und beim Großverbraucher wie der Gastronomie einen Umsatz von je acht Millionen Euro.

  • © bioPress, EM
Marketing- und Vertriebsleiter Lazaro Campuzano

Ursprünglich war es Rohware wie Getreide und Kartoffeln, die Demeter-Felderzeugnisse direkt an die Industrie lieferte. „Als wir uns vor 20 Jahren für die Produktion von TK-Ware in Bio-Qualität entschieden, gab es viel Gegenwind aus der Bio-Branche“, erinnert sich Marketing- und Vertriebsleiter Lázaro Campuzano. „Wir waren die Ersten, die den Schritt gewagt haben. Die Kritiker glaubten, dass durch das Einfrieren Vitalstoffe verloren gingen. Dabei ist TK eine der natürlichsten Konservierungsmaßnahmen, da sie ohne Zusätze auskommt.“

Im Sommer, wenn die Nachfrage nach Frischware relativ schwach ist, weil viele im Urlaub sind oder ihr Gemüse selbst ernten, biete es sich geradezu an, die frische Ernte der Landwirte einzufrieren, um etwa Spinat, Erbsen oder Bohnen das ganze Jahr über bei gleicher Qualität anbieten zu können, so Campuzano. „TK-Produkte können so zu einem gleichbleibenden Preis angeboten werden und sind deshalb gut zu kalkulieren.“

Als das Angebot um Pommes frites erweitert wurde, habe es den nächsten Aufschrei in der Bio-Branche gegeben. Mit dem Produkt verbinde man als erstes immer Fastfood aus der Pommesbude, sagt Campuzano. Dabei würden ausschließlich Bio-Kartoffeln und bestes Öl verwendet.

„Wir haben uns von Anfang an immer an kleinere Hersteller gewandt, die unsere Qualitätsansprüche erfüllen und mit denen wir gemeinsam Produkte entwickeln können. Unser Ziel ist es, die ursprüngliche Qualität unserer Rohstoffe aufrechtzuerhalten. Deshalb kümmern wir uns auch um die Rohstoffbeschaffung und können sagen, dass wir wahrscheinlich der einzige Produzent sind, der weiß, woher jeder einzelne Rohstoff und jede einzelne Zutat stammt. Und das soll auch so bleiben.“

Eigenmarken

Aus der ursprünglichen Marke ‚Demeter Garten‘ wurde 2002 ‚Natural Cool‘ als Marke für Gemüse, Obst, Kartoffelprodukte, Pasta und Pizzen in Demeter-Qualität für den Naturkosthandel entwickelt. Zurzeit sind es insgesamt 80 Artikel. 2004 folgte die Marke ‚Bio-Landbauer‘, mit der TK-Fleischprodukte wie Frikadellen, Chicken Nuggets und Hackfleisch in Demeter-Qualität vermarktet werden. Ein Jahr später entstand die Marke ‚Wild Ocean‘ für Wildfische aus nachhaltigem Fang.

2007 kam ‚bio inside‘ auf den Markt, für deren Produkte auch Bioland-, Naturland- oder EG-zertifizierte Zutaten herangezogen werden. Das Sortiment aus 30 Artikeln umfasst neben Gemüse und Kräutern auch Lachs, Miesmuscheln, veganen Kebab und Pizza. „Auch bei dieser Marke ist es uns wichtig, den Landwirt, Züchter und Ort des Anbaus zu kennen“, ergänzt Campuzano.

Da sich anfangs kein Großhändler bereit erklärt habe, in ein TK-Lager für Bio zu investieren, musste Demeter-Felderzeugnisse seine Produkte zunächst selbst vermarkten. „Mit Top Frost 2000 Frisch- und Tiefkühlservice aus Heppenheim haben wir dann einen Logistiker gefunden, der an uns geglaubt hat. Er ist bis heute für die Lagerung, Kommissionierung und den Transport zuständig. Parallel zu den Großverbrauchern beliefert er für uns auch den Einzelhandel.“

Der Großhändler Naturkost Elkershausen und Alnatura seien die Ersten gewesen, die Interesse an den Bio-TK-Produkten gezeigt hätten. Es folgten Terra, Grell und Ökofrost, später Dennree und Weiling. Alnatura wird heute nicht mehr direkt beliefert. „90 Prozent unserer Kunden sind aus dem Naturkosthandel, zehn Prozent machen Tegut und einige einzelne selbstständige Edekaner aus. Mit diesen selbstständigen Einzelhändlern kommen wir sehr gut zurecht. Ob wir unseren Fokus in Zukunft weiter auf den Fachhandel legen, halten wir uns offen. Das wird sicherlich von der Entwicklung der zukünftigen Zusammenarbeit abhängen.“

Lachs aus nachhaltigem Wildfang

Als die Nachfrage von den Endkunden nach Bio-Fisch aufkam, insbesondere nach Lachs, habe Campuzano vor einer moralischen Frage gestanden. Lachs sollte aus seiner Sicht nicht in Bottichen gezüchtet und künstlich mit Fischmehl gefüttert werden, wie es auch bei Bio-Lachs üblich sei. „Ist das ökologisch und im Sinne der Schöpfung?“ Um aus dem Dilemma herauszukommen, machte er sich auf den Weg nach Alaska und nahm Kontakt zu Kleinfischern auf. „Dort wird Lachs noch mit Stellnetzen gefangen und mit Leinen geangelt“, sagt er mit Begeisterung.

„Die Richtlinien von Alaska sind die strengsten der Welt. Werden begrenzte Zeiträume zum Fischen nicht eingehalten, gibt es hohe Strafen.“ Ähnlich sei es in Island, wo es auch noch Kleinfischer gebe, die „am Tag 200 Kilo angeln und dabei vor Freude ein Leuchten in den Augen haben“.

Eine Zeitlang hatte Demeter-Felderzeugnisse Alaska-Lachs aus Wildfang im Sortiment. Da andere Anbieter kurze Zeit später nachzogen, habe sich das Geschäft nicht mehr gelohnt. „Diesen qualitativ hochwertigen Alaska-Wildlachs findet man heute bei keinem mehr. Es gibt nur noch Massenware. Der meiste Wildlachs wird in einer großen Bucht in Alaska abgefischt, wo er sich vor seinem Tod zum Laichen massenhaft zusammenfindet. Ob Discounter oder Fachhandel – der Wildlachs kommt aus derselben Bucht und hat meist dieselbe Qualität.“

Heute bezieht Demeter-Felderzeugnisse Kabeljau, Seelachs, Schellfisch und Eismeergarnelen aus Island und vertreibt sie über die Marke ‚Wild Ocean‘.

Fremdprodukte

Seit knapp 20 Jahren arbeitet Demeter-Felderzeugnisse mit der italienischen Eiskonditorei Rachelli zusammen. „Der Hersteller kontaktierte uns damals, weil die Qualität seines ursprünglich aus natürlichen Rohstoffen produzierten Eises abnahm und daher immer mehr Zusätze verwendet werden mussten. Zusammen entwickelten wir ein 100-prozentiges Bio-Eis mit der Demeter-Milch und -Sahne einer kleinen Molkerei im Allgäu. Uns wurde einmal mehr bewusst, dass erst gute Rohstoffe Qualität ausmachen“, so Campuzano.

Diese Eis-Qualität habe es auf dem ganzen Markt noch nicht gegeben. „Eis war zwar nicht unser Metier, jedoch hat es im Sommer einen Markt. Und da unser Gemüse zu der Zeit ein Tief hatte, entschlossen wir uns, dieses Eis mit ins Sortiment aufzunehmen.“

Auch mit der österreichischen Firma Hänsel & Gretel, die vegetarische Burger und Knödel produziert, und das für ihre Fischkonserven bekannte Pan do mar aus Spanien bestehe eine enge Partnerschaft, die sich durch eine gemeinsame Produktentwicklung auszeichne. Die Fremdmarken werden über den Großhandel vermarktet.

Insgesamt bietet Demeter-Felderzeugnisse 500 Artikel an, darunter 400 TK-Produkte. Und es werden stetig mehr. Campuzano: „Jeden Monat entwickeln wir zwei neue TK-Produkte, hauptsächlich für die Gastronomie. Unsere neuen Tortelloni mit Erbsenfüllung sind zurzeit der Renner.“

Sina Hindersmann



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