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Regionalität ist unser Thema

Grell Naturkost erweitert Frischesortiment

Der Großhändler Grell Naturkost aus Kaltenkirchen bei Hamburg befindet sich im Umbruch. 3.500 Quadratmeter Lager werden für den Frischebereich angebaut. Hinzu kommen 1.000 Quadratmeter Bürofläche. In den Neubau, der in einem Jahr fertiggestellt sein soll, investiert Geschäftsführer Andreas Ritter-Ratjen sieben Millionen Euro. Der Schwerpunkt des Vollsortimenters soll in Zukunft noch mehr auf regionale Produkte gelenkt werden.

„Regionalität ist unser Thema“, sagt Ritter-Ratjen, der vor 25 Jahren als Auszubildender im Groß- und Außenhandel bei Grell Naturkost begann. Am wichtigsten seien die Landwirte und Gärtner. Ohne sie gäbe es schließlich keine Produkte. „Grell Naturkost sorgt dafür, dass Läden, die sich in der Nähe eines Produzenten befinden, auch dessen Produkte anbieten können. Wir wollen Vielfalt, Kleinteiligkeit und dass alle ihr Ein- und Auskommen haben.“ Der Anteil regionaler Produkte liegt saisonabhängig zurzeit bei 20 bis 25 Prozent. Ein Großteil davon sind Frischeprodukte.

„Unser Anspruch als Großhändler ist, dass die Ware im Lager zu 100 Prozent Bio ist und einem hohen Qualitätsmaßstab entspricht. Das bedeutet auch, dass man investieren muss. In neue Produktionshallen, Lagerhallen, Personal und eigene Qualitätssicherung“, sagt Ritter-Ratjen. Leergüter und Retouren werden von dem richtigen Lager getrennt, um sichere Abläufe beim Lagern und Kommissionieren zu ermöglichen. Gekühlt werden soll künftig mit Kohlendioxid, um klimaschädliche Treibhausgase zu vermeiden. Während der Bauzeit werden Obst und Gemüse, die rund 30 Prozent der Kühlprodukte ausmachen, in Hallen in der Nachbarschaft gelagert und kommissioniert.

Das Gesamtsortiment umfasst rund 9.000 Artikel. Es besteht zu 45 Prozent aus Trocken- und zu 55 Prozent aus Kühlprodukten. Grell Naturkost verzeichnet bei veganen Artikeln mittlerweile einen Zuwachs von 20 Prozent. Unter seiner Eigenmarke Grell Naturkost vertreibt der Großhändler 180 Produkte – hauptsächlich Hülsen- und Trockenfrüchte, Nüsse, Getreide und Müslis.

Ein externer Spediteur beliefert 600 Kunden. Das Liefergebiet entspricht einem Umkreis von 150 Kilometern um Kaltenkirchen: Von Schleswig-Holstein und Hamburg über Bremen und Hannover bis nach Schwerin.

Die Hauptkundschaft von Grell Naturkost sind Naturkostfachgeschäfte. Das soll auch weiterhin immer Bestand haben, auch wenn der Großhändler seit 25 Jahren konventionelle Einzelhändler wie Edeka mitbedient. Sie machen 20 Prozent der Kunden aus. „Wir sehen uns als Partner der Bio-Bewegung. Unser Ziel lautet: 100 Prozent Ökolandbau. Wenn wir das umsetzen wollen, müssen alle mithelfen. Wir können das nicht mit Ausgrenzung der konventionellen Einzelhändler schaffen. Erfolgreich läuft Bio aber nur bei denen, die hinter ihren Produkten stehen. Verbindlichkeit und Wahrhaftigkeit sind die wichtigsten Eigenschaften, die ein Kaufmann haben muss“, so Ritter-Ratjen. Grell Naturkost bietet Einzelhändlern ein Shop-in-Shop-Konzept mit Bioprodukten an und berät sie unter anderem beim Aufbau des Sortiments.

Mit Greenwashing  auseinandersetzen

Die Naturkostbranche müsse sich zwangsläufig auch mit Greenwashing auseinandersetzen. „Immer mehr konventionelle Unternehmen verleihen sich durch Werbung ein umweltfreundliches Image. Der Verbraucher vertraut darauf und greift mit gutem Gewissen zu.“ Entgegen dem konventionellen Lebensmitteleinzelhandel sei der Naturkostfachhandel mittlerweile schon bei rund 60 Prozent Nachhaltigkeit angekommen, habe aber nicht das Budget, das zu kommunizieren. Deshalb sei es wichtig, dass die Einzelhändler ihre Kunden informieren. „Es gibt genug Leute die nach der Herkunft der Produkte fragen. Vor allem die 20 bis 25-Jährigen interessieren sich dafür. Auf sie baue ich“, sagt Ritter-Ratjen.

„Grell Naturkost ist das Unternehmen, das am längsten in der Naturkostbranche aktiv ist“, sagt Ritter-Ratjen mit einem Augenzwinkern. Die Anfänge der ehemaligen Getreidehandelsfirma aus dem schleswig-holsteinischen Nortorf reichen zurück bis ins Jahr 1818. In den Achtzigern übernahm Gerd Godt die Firmenleitung und gründete einen Naturkostgroßhandel.

Seit 1997 ist der Standort in Kaltenkirchen. Durch den beginnenden Handel mit Frischwaren wurde Grell Naturkost ein Jahr später zum Vollsortimenter. Nach dem Tod von Godt 2014 wurden dessen Firmenanteile in Höhe von 64 Prozent in die C. F. Grell Nachf. Holding übertragen, deren alleiniger Gesellschafter die Gerd Godt-Grell Stiftung ist. Sie wurde 2001 mit dem Ziel ins Leben gerufen, den Bestand von Grell Naturkost auch in Zukunft zu sichern. Geschäftsführer Ritter-Ratjen vertritt 36 Prozent. Das Unternehmen hat 160 Mitarbeiter und einen Umsatz von 70 Millionen Euro.

Sina Hindersmann

 



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