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Weg frei für mehr Bio

Edeka Ueltzhöfer setzt auf Shop-in-Shop-Konzept mit naturTalent

Seit Februar bietet Edeka Ueltzhöfer in Heilbronn-Sontheim Bio-Lebensmittel unter dem Label naturTalent im Shop-in-Shop-Konzept an. Ihm folgte der neue Markt am Heilbronner Südbahnhof. „Diese Dachmarke ist ein Aushängeschild in der Region“, sagt Inhaber Steffen Ueltzhöfer. Mit Demeter-Bauer Walter Kress, der den Biomarkt naturTalent ein Jahrzehnt lang in Neckarsulm bis zur Schließung im vergangenen Jahr führte und die Marke in der Region etablierte, arbeitet er seit 2014 intensiv zusammen.

„Mit dem Shop-in-Shop-Konzept wollen wir den Fachhandelscharakter der Ueltzhöfer-Märkte stärker herausstellen. Das spezifische Sortiment geht sonst in der Marktfläche unter“, sagt Ueltzhöfer, der vor elf Jahren seinen ersten Markt in Sontheim eröffnete. Dort wurden neben der Obst- und Gemüseabteilung rund 200 Quadratmeter für 1.500 Produkte aus dem naturTalent-Dach freigeräumt. Dieselbe Anzahl an „Standard-Bio“ – darunter versteht Ueltzhöfer EU-zertifiziertes Bio – finde man nach wie vor überall im Laden. Die Fachabteilung naturTalent solle den Kunden mit Lebensmitteln von Demeter und Bioland sowie qualitativ hochwertigen Spezialitäten aus der Region eine noch bessere Qualität anbieten.

Dabei sei es nicht immer einfach, mit Verbänden, Erzeugern und Lieferanten ins Geschäft zu kommen. „Am einfachsten ist es mit den Bauern, schwieriger mit den Markenherstellern. Viele blocken ab. Bei der Biofach haben wir mit einigen Anbietern Aufträge gemacht, die bis heute nicht erfüllt wurden“, sagt Ueltzhöfer.

Zurzeit erhalte er seine Bio-Ware von 25 Herstellern. „Wir müssen noch viel Überzeugungsarbeit leisten.“ Deshalb habe er mit großem Aufwand und Engagement sein Bio-Dach naturTalent aufgebaut. Seine Mitarbeiter nehmen regelmäßig an Schulungen teil, unter anderem auch von Kress, die er auf seinem Haaghof in Hardthausen am Kocher anbietet. Dort lernten sie den lebendigen Boden als Grundlage des biologischen Landbaus kennen und sähen, wie Tiere artgerecht gehalten werden.

Ihre sinnlichen Erfahrungen könnten sie dann an ihre Kunden weitergeben, sagt Kress. Den Demeter-Handelsvertrag hat Ueltzhöfer mittlerweile in der Tasche. Künftig sind auch Veranstaltungen für Kunden bei Erzeugern vor Ort geplant, damit sie sehen, was sich hinter dem Namen auf dem Etikett verbirgt.

Ueltzhöfers 3.000 Bio-Produkte in Sontheim machen zehn Prozent des Umsatzes von über 15 Millionen Euro aus. Unter dem naturTalent-Dach befinden sich Wurstdosen und Fertiggerichte der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH) – auch in Demeter-Qualität – sowie ihre Ecoland-Gewürze.

Im Regal der Hülsenfrüchte findet man unter anderem Leindotteröl und Buchweizen von Alb-Leisa, Fränkischen Grünkern von Hofmann GbR und das Campo-Verde-Sortiment. Getreide, Mehle und Flocken liefert die Organisch Biologische Erzeugergemeinschaft Hohenlohe.

Verschiedene Saucen für Pasta und Reis werden von LaSelva, Campo Verde und BioGourmet angeboten, Dressings und Mayonnaisen von Emil. Vielfältig ist auch das Angebot an Nudeln von Alb-Gold, Zabler, Delverde und Byodo.
Unter den Produkten für Allergiker von Schär und Hammermühle befinden sich Zwiebäcke, Baguettes, Knäckebrote, Wraps und Kekse. Bio-Gebäck liefert Sommer. Salzgebäck bezieht Ueltzhöfer von Huober, Erdmannhäuser und Lisa’s.

Das Getränkesortiment umfasst verschiedene Voelkel-Säfte, alkoholfreie Seccos von Jörg Geiger sowie Bier und Seezüngle von Härle. Auch Gepa-Kaffee sowie Tee von Campo Verde und Yogi-Tea werden angeboten. Im Honigfach stehen Waren von Rigoni di Asiago und regionalen Demeter- und Bioland-Imkern. „Die Spezialitäten bekannter Erzeuger aus der Gegend sind gut für unser Image“, so Ueltzhöfer. „Wir wollen Qualitätsführer in der Region sein. Da müssen wir im Detail arbeiten und nicht nur an der Oberfläche.“

Vegane Produkte werden im Block präsentiert. In den Regalen stehen Pasteten von granoVita, Saucen und Suppen von Cenovis, Humus von BioGourmet, Mandel- und Haselnusmus von granoVita und Biovegan. Tortengüsse und Backfermente stammen ebenfalls von Biovegan. „Ich glaube nicht, dass vegan nur ein Trend ist, sondern dass sich daraus mehr entwickeln wird“, so Ueltzhöfer. „Deshalb haben wir auch in unseren Kühlregalen einen veganen Block eingerichtet und an der 20 Meter langen Bedientheke Platz für eine Vegithek geschaffen. Aber wir stehen erst am Anfang. Die Kooperation mit Veganz wird uns hier helfen.“

Auch Jogurt und Milch von Schrozberg befinden sich in einem separaten Block. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich die Milch besser verkauft, wenn sie im Regal neben den anderen Milchsorten steht. Deshalb haben wir sie dort zusätzlich platziert“, erklärt Ueltzhöfer. Bio-Milch von Schwarzwaldmilch befindet sich hier ebenfalls. Andechser und Schwarzwaldmilch sorgen für eine Auswahl an Bio-Butter und Jogurt. Verschiedene Eissorten liefert fresh five premiumfood.

In der Käsetheke werden mehrere Bio-Produkte angeboten, etwa von Söbbeke oder der Dorfkäserei Geifertshofen. Eine Auswahl an Biofleisch und -wurst, etwa von Rack & Rüther und der BESH bietet die Fleischtheke. Jeden Donnerstag kommt frisches Demeter-Geflügel vom Brunnenhof dazu. Kress liefert von seinem Haaghof Schinken und Fleischteile von Demeter-Weideschweinen, darüber hinaus drei Sorten Kartoffeln sowie Hokkaido-Kürbisse.

Das vielfältige Angebot an Bio-Obst und -Gemüse umfasst rund 50 Artikel und ist als Block angeordnet. Hier finden sich geschnittener Feldsalat, Rucola, verpackter Lollo bionda, Eisberg-, Kopf- und Römersalat, spanische Spitzpaprika, Tomaten-Mix, Champignons und weiteres Wurzel- und Feingemüse von Edeka Bio.

Das Obstsortiment zeigt sich abwechslungsreich mit Bananen, Kiwis, Maracujas, Ingwer, Ananas, Zitronen, Wasser- und Zuckermelonen, Orangen, fünf Sorten Äpfeln in Schalen, 1,5 Kilo-Verpackungen und als lose Ware sowie Birnen, abgepackt und lose. Das lose Sortiment ist mit Aufklebern bestückt, die sich jedoch schnell abziehen lassen. „Wir arbeiten noch an einer Lösung, wie wir Bio-Obst und -Gemüse so kennzeichnen können, dass die Kassierer sie von den konventionellen unterscheiden können“, so Ueltzhöfer. So werde künftig freitags und samstags im Frischebereich mit Bedienung gearbeitet.

Generell setzt Ueltzhöfer im gesamten Markt auf Regionalität, etwa mit der Edeka-Eigenmarke Unsere Heimat. Deren Etikett informiert die Verbraucher im Regionalfenster über den Erzeuger, das Bundesland und den Ort, an dem das jeweilige Produkt abgepackt wurde. Für seine vier Edeka-Märkte – zwei befinden sich in Neuenstadt am Kocher und Oedheim – gibt es zum Beispiel vier verschiedene regionale Apfellieferanten. Ein Drittel des gesamten Sortiments stamme aus der Gegend. „Für qualitativ hochwertige Produkte machen wir immer Platz. Wir haben deutlich weniger Fixprodukte als früher“, so der Betreiber. Für den naturTalent-Shop-in-Shop im Sontheimer Markt wurden die Non-Food-Artikel auf eine Fläche neben der Information vor dem Eingang ausgegliedert.

Aus Ueltzhöfers Sicht streben seine Kunden nach Natürlichkeit statt Massenproduktion. Sie wüssten seine Qualitätsbemühungen und -angebote zu schätzen. Das gelte auch für die 2013 angebaute Vinothek UniVinum, in der die Kunden vom angestellten Sommelier beraten werden. In diesem Jahr wurde sie als Deutschlands bester Getränkehändler ausgezeichnet. Die Obst- und Gemüseabteilung erhielt den Deutschen Fruchtpreis als Landessieger Baden-Württemberg.

Mit ihrer Kooperation wollen Ueltzhöfer und Kress Verbrauchern erlebbar machen, was gute und regionale Nahrungsmittel ausmacht. Eine solche Zusammenarbeit zwischen Lebensmitteleinzelhändler und Erzeuger sei auch in der Bio-Branche selten geworden, sind sich beide einig. Viele Biomarkt-Betreiber überließen die Kontaktpflege zum Erzeuger zu gerne den Großhändlern. Künftig könnten Ueltzhöfers Kunden auf dem Haaghof Bio-Landwirtschaft und Tiere hautnah erleben.

Die naturTalent-Oase werde dort ausgewählte Spezialitäten anbieten und solle ein „genussvoller Ort zum Verweilen werden“, sagt Kress. Dort, fernab von Stress und Druck, will er die Besucher durch Verkostungen auf den Geschmack der Natur bringen.

Sina Hindersmann


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