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Amy’s Kitchen

Koch-Analphabeten wird mit Fertiggerichten geholfen

„95 Prozent unserer Kunden essen Fleisch“, erzählt Andy Berliner mit seiner Ehefrau Rachel Gründer des Familienunternehmens Amy‘s Kitchen. Das kalifornische Bio-Unternehmen  verarbeitet aber kein Fleisch zu Wurst. In Petaluma stellen fleißige Hände vegetarische Tiefkühlgerichte her. Die schmecken auch Fleischessern am Veggie-Day. Der Hersteller hat inzwischen eine Niederlassung in Großbritannien und wird nach wie vor von den beiden Gründern geführt.

1987 kam Rachels und Andys Tochter Amy zur Welt. Rachel konnte zwar kochen, war aber nach der Geburt nicht dazu in der Lage. Andy’s Kochkünste erschöpften sich in der Zubereitung von Kaffee. Also kaufte er im Supermarkt TK-Fertiggerichte, die den Neu-Eltern nicht mundeten. Sie beschlossen schmackhaftere TK-Gerichte in Bio-Qualität selbst herzustellen. Amy’s Kitchen wurde das nächste Baby von Rachel und Andy Berliner. Nach 27 Jahren ist Amy’s Marktführer in den USA bei biologischen TK-Fertiggerichten.

Menschen arbeiten für Menschen

Am Standort Petaluma werden Fertiggerichte produziert. Auffallend viele Menschen sind in der Produktionsstätte. „Viele Menschen und wenig Maschinen sehen sie bei uns. Hier arbeiten Menschen für Menschen. Das ist in den USA einzigartig.“, erläutert Rachel. Natürlich gibt es eine Backstraße für Tortillas, Mischer, Rührwerke und Kocher. Die Tortillas werden von Handgefüllt,  gefaltet und in Schalen gelegt. 1.000 Beschäftigte hat das Unternehmen allein im Heimatkreis. 1.900 Menschen arbeiten insgesamt für den Hersteller.

Rund 300 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet der Markenhersteller bei jährlichen Steigerungsraten von rund 30 Prozent. Private Labels produzieren die Kalifornier nicht. Die aktuelle Veggie-Welle bietet auch auf dem deutschen Markt gute Chancen. Das Angebot an TK-Fertiggerichten, Pizzen und Kuchen ist nicht so üppig als dass kein Platz für neue Produkte wäre. Amy’s betreibt Produktionsstätten in den USA und will auch in Europa herstellen. An einer Lösung wird gearbeitet.

Amy’s betreibt eine eigene Tofurei. „Wenn wir Tofu zukaufen ist er pasteurisiert. Das müssen wir hier nicht, weil wir ihn gleich weiterverarbeiten“, erklärt Export Manager Paul Schiefer. Besucher können den frischen warmen Tofu kosten. „Viele Menschen wollen gesund essen, können aber nicht kochen. Also kauft man TK-Gerichte sagt Andy.

Amy’s steckt sechs Prozent des Umsatzes in Werbung. Zwölf bis 15 Prozent sind üblich bei Lebensmitteln. „Wir investieren ins Produkt, und es bleibt trotzdem erschwinglich. Außerdem haben wir geringe Kosten, weil unsere Produkte fleischlos sind“, erklärt Geschäftsführer Andy. 30 Prozent des Sortiments sind vegan. Ei verarbeitet das Unternehmen ebenfalls nicht. Mit lactose- und glutenfreien Produkten wird eine spezielle Klientel bedient. Die Produkte sind entsprechend gekennzeichnet.

Internationale Esstrends in TK-Form

Amy’s Rezepte folgen den Ess-Stilen mexikanisch, asiatisch, italienisch und sind damit international. Die Quattro Formaggio und die Margherita gibt es zum Probieren. Für das Angebot auf dem deutschen Markt wären sie eine Bereicherung. Die asiatische Richtung ist vertreten mit Thai Red Curry. Die mexikanische Küche mit Burritos und Enchiladas ist in den USA populär. Zum Dessert gibt es Produkte wie lactosefreien Frozen Jogurt aus Kokosmilch. Insgesamt sind 230 Artikel im Sortiment, darunter auch Trockenprodukte wie Suppen-Konserven und Scho­ko-Riegel.

Die Soja-Bohnen für den Tofu werden in Nebraska angebaut. Jedes Jahr verbraucht der TK-Hersteller 1.500 Tonnen. Die Tomaten reifen in Kalifornien. Das Mehl für die Pizza stammt von einer Mühle aus Utah in Familienbesitz. Rund 12.000 Hektar Land werden gebraucht um die Erzeugnisse auf den Feldern anzubauen.

Nordamerika ist der Hauptmarkt, aber auch nach Südamerika wird mehr und mehr geliefert, Südostasien, und Europa sind weitere Märkte. Das Unternehmen hat den Ehrgeiz auf dem deutschen Markt eine Rolle zu spielen.

Anton Großkinsky


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