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Anuga: Bio-Kompetenzzentrum VII

Piwis gehört die Zukunft

Der Begriff Piwi ist selbst Weinkennern nicht geläufig. Es ist die Abkürzung für pilzwiderstandsfähige Sorten. Paulin Köpfer vom Bio-Weingut Zähringer diskutierte als Vertreter von Ecovin im Bio-Kompetenzzentrum mit Weinexperten über das Potenzial.

Der Mehltau und der falsche Mehltau kamen Mitte des 19. Jahrhunderts aus den USA nach Europa. Die klassischen Rebsorten hatten keine Resistenz dagegen ausgebildet. Für die europäischen Weinberge war dies Anfang des 20. Jahrhunderts das Ende. Von Frankreich bis Ungarn starben die Reben.

Die Weinbranche entwickelte zwei Konzepte. Das Erste heißt Reben züchten, die gegen die  Pilze resistent sind. Die zweite Möglichkeit heißt, die Pflanzen chemisch behandeln. Diese Variante hat sich durchgesetzt. Im Bio-Bereich sind Spritzmittel mit Kupfer, Schwefel und Backpulver erlaubt. Die synthetischen Mittel sind hier verboten.

 „Langfristig ist nur das Konzept der Piwis wirksam. Spritzen kann nur eine Übergangslösung sein. Volker Jörger vom Staatlichen Wein- bauinstitut in Freiburg ist hier aktuell der Züchter“, sagt Paulin Köpfer.

Nur auf einem Prozent der konventionellen Rebfläche stehen Piwis. Im Bio-Weinbau sind es fünf bis zehn Prozent. „Der entscheidende Punkt ist, ob die Piwis den Konsumenten schmecken. Es funktioniert nur, wenn der Konsument überzeugt werden kann“, formuliert Köpfer.

Das Weingut Schaffner bebaut 20 Prozent der Flächen mit Piwis. Bio-Winzer Thomas Schaffner aus dem Marggräfler Land weiß aus Erfahrung, dass es keine 100prozentige Resistenz gibt. Ein-, zweimal muss er in nassen Jahren Kupfer spritzen. Bei seinen klassischen Sorten muss er zehnmal und öfter aktiv werden.

„Piwis sind im Anbau einfacher. Unsere Steillagen sind bei Regen ohnehin nur schwer zu befahren. Die Piwis Johanniter und Helios baut er an. „Das gibt sehr gute Weine. In der Vermarktung haben wir aber schon Lehrgeld bezahlt“, berichtet er.

Sommeliere Melanie  Panitzke vom Restaurant Wein am Rhein in Köln sieht es genauso: „Piwis haben keinen Bekanntheitsgrad. Der Weintrinker ist fixiert auf seine Rebsorte.“ Sie lehnt sie aber nicht ab: „Wenn mir ein Piwi gefällt nehme ich ihn. Wenn ich ihn auf der Karte verstecke, bestellt ihn niemand. Da muss Werbung dahinter stehen. Piwis sind aber nur eine Ergänzung“.

Wein-Berater Philippe Carnoy, ein Franzose aus Berlin, gibt sich optimistisch: „In Deutschland ist es nicht schwer, eine neue Rebsorte bekannt zu machen. In Frankreich ist das schwieriger. Dornfelder war früher nur ein Färber. Dann hat er einen Boom erlebt. Deutschland ist offen für eine Provokation“.                   

AG

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