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Editorial

Editorial Ausgabe 73/November 2012, 4. Quartal

Liebe Leserin, lieber Leser!

Die Aktion Natürlich Tafeln führt einen Dialog über gute Ernährung und nachhaltige Erzeugung von Lebensmitteln (www.Autostadt.de), koordiniert von Mövenpick. Weit über tausend Gastronomien und Caterer haben sich in den letzten Jahren Bio zertifizieren lassen. Zehn von 100 befragten Landwirten sind nach einer Umfrage des Deutschen Bauernverbandes umstellungswillig, plus zwei Prozent, die bereits fest entschlossen sind.

Über 60 Prozent der Schüler in einer von politisch Verantwortlichen durchgeführten Studie wünschen sich Kochunterricht, um selbst das eigene Essen zubereiten zu lernen. Auch erste Anzeichen tauchen auf, dass Supermärkte Lebensmittel nicht mehr nur anbieten, sondern aktives Kochen gestalten wollen, um die Kundenbeziehungen zu vertiefen und Kundenbindungen zu verstärken. Zusammen Kochen ist gefragter, denn je, warum nicht gleich im Supermarkt ein neues Rezept lernen?

Alles nur Träumereien, hätten wir vor zehn, ja vor fünf Jahren noch gedacht. Aber dies hier ist nur ein kleiner Auszug von vielen Nachrichten, die auf den bioPress-Redaktionstisch flattern. Die umstellungswilligen Bauern reagieren auf harte Realitäten. Sie haben ein Gespür dafür, was geht und wofür sie ihre Böden einsetzen.

Aktuell informiert die Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr (GfBK) über die Neuauflage ihrer Broschüre Ernährung und Krebsabwehr. Sie beschreibt, wie eine vollwertige und ausgewogene Ernährung antikrebs-aktive Pflanzenstoffe liefert. Nein, die GfBK ist keine neue Institution. Sie gibt es schon seit den 80er Jahren.

Neu ist jedoch, dass alte Erfahrungen heute wissenschaftlich gestützt werden. Was Chemoanalytisch nicht nachweisbar ist, zeigt sich dagegen wohl im elektrochemischen Verfahren. Energiereiche Lebensmittel sind besser! Durch Redox-Messung der elektrochemischen Lebensmittelqualität wurden Zusammenhänge zwischen Lebensmittelqualität, Ernährung und Gesundheit festgestellt.

Mittels Milli-Volt-Messungen kann jedes Schrott-Lebensmittel leicht entlarvt werden. Schön, dass Wissenschaft nicht nur gefällige Studien produziert, sondern auch von Neugierde getrieben wird. Klar, dass ich in diesem Zusammenhang behaupte, Bio ist besser!

In diesem Licht betrachtet wird deutlich, warum die Lebensmittelindustrie sich einstellt und umstellt, wenn auch vielfach nur in der Verwendung von Begriffen in ihrem Marketing. Nicht alles stimmt, was beschrieben wird.

Um gleich einen Eindruck zu geben: Studien werden missinterpretiert oder Schreckensbilder zusammengeschnitten und dem Publikum vorgeführt und öffentliche Diskurse inszeniert zu dem einen Zweck, die Erfolgsgeschichte der Vermarktung energiereicher gesunder und vollwertiger Bio-Lebensmittel zu diskreditieren.

Vor zehn Jahren wurde erkennbar, das Ende ist in Sicht. Es geht nicht mehr weiter mit immer billiger - immer besser! Und auch die Einfalt des immer mehr vom Gleichen zeigt ihre Schattenseiten. Die Grenzen des Wachstums wirken sich aus:

Alle Wünsche sind befriedigt mit bis zu 50.000 Artikeln in den Regalen, die Bäuche haben ein beschränktes Fassungsvermögen und Negativzins ist nur in einem wieder auf die Füße zu stellenden Kapitalmarkt denkbar - oder verschenkt jemand Essen? Es gab einmal die Zeit, da trug man zehn Scheffel Getreide in den Speicher. Neun konnte man dann wieder abholen. Sichern und Bewahren kostet Geld und vermehrt es nicht.

Immer billiger ist zu Ende. Und die Bewegung nach unten lässt sich nicht einfach nach oben drehen. Wer will schon mehr bezahlen für Billiges? Mit Verknappung durch Spekulation macht sich ein neuer Weg breit. Dagegen steht jedoch eine Masse von sieben Milliarden Menschen. Ob das dann gut gehen kann?

Wenn der Platz zur Ausdehnung fehlt, kommt die Zeit der inneren Werte: Qualität. Schön, dass wir hier der Igel sind und nicht der Hase. Bio ist schon da, die Nachfrage ungebrochen. Immer mehr Akteure kommen unter Dampf. Bleibt nur noch, dass die Pioniere sich mit den Newcomern zusammen tun und das Ganze immer mehr an Fahrt aufnimmt.

Erich Margrander
Herausgeber

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