Start / Ausgaben / BioPress 72 - August 2012 / Süß oder herzhaft, zart oder knackig...

Süß oder herzhaft, zart oder knackig...

Bio-Süßwaren drängen in die Supermarkt-Regale

Das emotional und sensorisch immer stärker werdende Angebot an Bio-Süßwaren und Knabberartikeln birgt viel Potenzial. Während Süßwaren ganzjährig gefragt sind, boomt die wachsende Schokoladenwelt besonders in der kälteren Jahreszeit. Chips, Sticks und Co. florieren hervorragend als Eventbegleiter. Es lohnt sich, Platz in den Regalen zu machen.

Laut Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie wurden in Deutschland im vergangenen Jahr Süßwaren im Wert von über 12,5 Milliarden Euro produziert. Allein auf Schokoladenerzeugnisse entfielen 4,94 Milliarden (ohne Halberzeugnisse und kakaohaltige Zubereitungen). Zuckerwaren folgten mit über 1,6 und Knabberartikel mit 0,8 Milliarden.

Der Bio-Anteil ist dabei finanziell gesehen zwar noch unterrepräsentiert, doch erfreut sich diese vielseitige Warengruppe wachsender Beliebtheit. So meldet die Fachbranche für 2011 ein Umsatzwachstum von rund fünf Prozent. Ein großer Anteil am Zuwachs bei Schokolade entfiel dabei auf Fairtrade-Produkte.

Auch der LEH macht oft höheren Umsatz mit Bio-Süßwaren als erwartet. Hier ist es schwierig, an nach Warengruppen aufgeschlüsselte Zahlen zu kommen, doch spricht vieles für diese Aussage. Unter anderem die stichprobenartige Befragung einiger Einzelhändler.

Matthias Füchtner von Edeka Staufers bestätigt durchaus eine große Nachfrage, wobei in ihren Märkten Bio-Regalstopper und Impulsplatzierungen den Absatz positiv beeinflussen würden. Holger Frischkorn, Zentraleinkäufer bei tegut zeigt sich gleichfalls recht zufrieden mit dem Absatz, vor allem von Schokoladenprodukten und Keksen.

Ein Grund für die positive Entwicklung dürfte das allgemein stärkere Bewusstsein für gesunde Ernährung und eine verträgliche, faire Herkunft der Ware sein, von dem auch das Genusssortiment profitiert. Der zweite, vermutlich überwiegende Grund ist sicherlich der Premiumcharakter, den ein Großteil der Bio-Produkte verkörpert. Ein paar Beispiele aus verschiedenen Untergruppen mögen das verdeutlichen:

  • Schokoladenprodukte - oft kompletter Verzicht auf Emulgatoren oder sonst auf Sojalecithin, überwiegend Rohstoffe aus fairem Handel

  • Confiserie, Saisonware: hochwertige Zutaten, etwa Trüffel mit frischer Sahne, und echte Marzipanmasse statt Persipan, sowie aufwändige Manufaktur-Herstellung

  • Zuckerwaren, Frucht- und Schaumgummi: Saftkonzentrate statt Aromen, keine raffinierte Zucker, oft vegan und glutenfrei

  • Feingebäck, Getreidewaffeln, Frucht-Getreideriegel: bevorzugt Dinkel und Hafer, echte Butter, innovative Zutaten wie Ingwer oder Amaranth, alternative Süßungsmittel wie Honig oder Agavensirup, oft glutenfrei

  • Chips und Knabbereien: Kartoffeln mit nährstoffreicher Schale, überwiegend Meersalz, Knabbergebäck gern aus Dinkel, Verzicht auf Glutamat und andere Geschmacksverstärker

Der hohe Qualitätsanspruch von Bio-Süß- und Knabberwaren führt zwangsläufig zu höheren Preisen. Doch scheinen die Verbraucher das zu erwarten und akzeptieren es auch. Dazu kommt, dass die Hersteller durch eher kleinere Verpackungseinheiten die preisliche Hemmschwelle senken. Alternativ und derzeit recht erfolgreich laufen Mehrpackeinheiten wie Doppel- oder 3er-Packs.

Während der Bio-Großhandel im Allgemeinen schon länger gut auf die Nachfrage eingestellt ist, könnte es für den konventionellen Einzelhandel eventuell noch Engpässe ge­ben. Wie auch sonst, dürfte eine regelmäßige Nachfrage durch den Kaufmann rasch Abhilfe schaffen und neben Delikapur weitere Händler auf den Plan rufen. Bis dahin lassen sich die Produkte in der Regel auch direkt beim Hersteller bestellen.

Schoko-Lust auch im LEH / SEH

Mit Schokolade und Gebäck haben Süßwaren ihren Einzug in den Handel begonnen. Erstere stellt nach wie vor die bedeutendste Produktgruppe dar. Allerdings reicht das Angebot längst von Tafelschokoladen über Praliné- oder Knusperschokoriegel bis hin zu einer enormen Auswahl an schokolierten Früchten und Nüssen. Saisonale Hohlfiguren wie Nikoläuse, Schokoladenfiguren wie Glückskäfer oder Lollis kommen ergänzend hinzu.

Bei den klassischen Tafelschokoladen überzeugen die Bio-Hersteller zum einen mit einer erstaunlichen Vielfalt an ebenso kreativen wie geschmackvollen Sorten, teils gefüllt und teils ungefüllt. Zum anderen spricht die sehr gute Qualität für Bio-Schokolade, die je nach Sorte mit ihrem weichen Schmelz oder einem knackigen Biss punkten. Und der Biss (Kaueindruck) ist bei Schokolade genauso wichtig wie der Geschmack.

Durch langes, schonendes Conchieren können viele Bio-Hersteller sogar auf Emulgatoren wie Sojalecithin verzichten, was zum Beispiel Vivani, Liebhart’s Gesundkost, Naturata und Chocolat Schönenberger betonen. Der Geschmack wiederum, profitiert vom Einsatz hochwertigen Kakaos, der für die intensive Schokoladennote sorgt.

Trends kommen und gehen, das gelte auch für Schokolade, meint Christoph Thewes von Schönenberger aus der Schweiz. Die klassischen Sorten blieben mit Abstand vorn, wobei die 100 Gramm-Tafel vermehrt durch kleinere Größen begleitet oder abgelöst werde. Ansonsten seien derzeit exotische Zutaten und Themenschokoladen wie Geburtstags- oder Spruchverpackungen ein Trend.

Wo geht die Reise hin?

Durch immer wieder neue attraktive Kompositionen zeichnen sich zum Beispiel die umfangreichen Sortimente von Zotter, Vivani, Naturata, Rapunzel, Liebhart‘s Gesundkost und der gepa aus. Von 15 Sorten bis zu weit über 20 reicht die Auswahl.

Zotter aus Österreich, die in diesem Jahr 25-jähriges Bestehen feiern, spricht gar von über 300 Produkten. Dabei umfasst das Portefolio neben Schokoladen-Kleintafeln auch verschiedene andere Formen. Nicht nur bei den genannten Firmen, sondern generell, dürfte für die Wintersaison wieder mit interessanten Neuheiten zu rechnen sein.

Einen Vorgeschmack werde es auf den kommenden Bio-Messen im Herbst geben, kündigen zum Beispiel Schönenberger, Liebhart’s und Styx an. Bereits auf der BioFach konnte man neue Schokoladenprodukte probieren, unter anderem Vivanis neue Vollmilch Waldbeer-Crunchy, Edel­bitter-Cranberry oder die gerade DLG-prämierte Weiße Vanille. Alce Nero zeigte Vollmilchschokolade mit Acaï und kubanischem Kakao sowie Edelschokolade mit Ingwer als Erweiterung ihrer Fairtrade Schokoladen, und Maestrani aus der Schweiz hatte Bananasplit mit echter Banane dabei.

Die Kombination Bio & Fairtrade setzt sich im Schokoladenbereich immer mehr durch, meist beim ganzen Schokosortiment wie bei BioArt aus Österreich, Schönenberger, Maestrani und natürlich Fair Handelsunternehmen wie gepa und el Puente. Manchmal gilt die Kombination bislang für eine Auswahl wie bei Naturata oder Bonvita aus Holland, und manchmal sind Fairtrade Zutaten in Planung, etwa bei Pural und bei Styx aus Österreich.

Die vielen sinnvollen Projekte, die damit verbunden sind, lassen die Anbieter konkret werden. Mal auf oder in der Verpackung (z.B. gepa), mal auf der Homepage (z.B. Rapunzel) oder mal in Kundenmagazinen (z.B. Zotter), soll der Verbraucher die Menschen hinter dem Kakao kennen lernen. Fairtrade heißt nun aber nicht unbedingt, dass die Schokoladen das Fairtrade-Logo tragen.

So baut die Fachhandelsmarke Rapunzel auch bei Schokolade auf das eigene Hand-in-Hand-Logo. Hergestellt werden die Produkte schon seit 25 Jahren von Mae­strani, bei denen die Privat-Label-Produktion seit langem die eigene, auch in Deutschland vertriebene Mar­ke ergänzt.

Die Gepa hat jetzt ebenfalls ein eigenes fair+ Siegel für die neuen ansprechenden Verpackungen kreiert. Dazu kommt bei den Vollmilchschokoladen das Naturland Fair-Siegel, welches den bio-fairen Bezug der Milch garantiert.

Beim Thema Milch sollte noch erwähnt werden, dass die Unternehmen die Milch bevorzugt nahe des Herstellungsortes beziehen. Beispielsweise kommt die Milch für die Naturata-Schokolade aus der Schweiz, wo auch die Produktion stattfindet.

Am Beispiel von Naturata lässt sich noch ein weiterer Bio-Pluspunkt ansprechen und zwar die bewusste Auswahl von Kakaosorten bestimmter Provenienzen. Die dadurch entstehenden Nuancen im Schokoladenaroma nutzt Naturata, indem sie neben der Chocolat- und der gefüllten Praliné-Linie eine Reihe von Herkunftsschokoladen anbieten.

Außen und innen hui!

Ebenfalls stark zunehmend ist die Nachfrage nach veganen und laktosefreien Schokoladenartikeln. Naturata kommt dem zum Beispiel mit drei Sorten Reismilchschokolade entgegen, welche zusätzlich das myclimate Siegel tragen und damit die Kompensation des bei Herstellung und Transport freigesetzten CO2-Ausstoßes bestätigen.

Während Bonvita ihre Schoko-Range aus Tafeln, Riegeln, Reiswaffeln und Keksen ebenfalls mit Reismilchprodukten (sieben Tafeln und zwei Riegel) erweitert hat, führen BioArt, die Minderleinsmühle und andere Hersteller von Schokolade- und Konfiserieartikeln Schokolade mit laktosefreier Milch.
Statt „frei von“, heißt es „mit…“, wenn andere Anbieter weitere Zusatznutzen kommunizieren. Das beginnt bei Vivani, die den Gesundheitswert eines hohen Gehalts an Polyphenolen im Kakao so­wie den Vitamingehalt der eingesetzten exotischen Beeren betonen können.

Hier setzen auch die vereinzelten Anbieter von Rohschokolade an, wo die Kakaobohnen zum Schutz der wertvollen Antioxidatien nicht über 42Grad Celsius erhitzt werden.

Love Choc bietet dabei aktuell drei fruchtige Schokoladenriegel an (u.a. Gojibeere-Orange), die mit mildem Kokosblütenzucker gesüßt sind. Zum umfangreichen Rohkost-Sortiment von Lifefood, die bislang überwiegend auf den online-Handel gesetzt haben, gehören dagegen fünf verschiedene Tafelschokoladen, von 80 Prozent Kakao bis zu Kirsch-Nuss.

Dass es den Chocolatiers nicht an Ideen mangelt, beweisen außerdem die Yogi Schokoladen von Pronatec aus der Schweiz mit typischen Yogitee-Gewürzen, die mit Edelbränden gefüllten Kleintafeln und Riegel von Styx oder die angekündigten echten Trüffelschokoladen von Liebhart’s.

Selbst Duftschokoladen, die nach den Gesetzen der Aromatherapie konzipiert sind, und zwar vom Lagerhaus an der Lauter, die damit ihr kleines aber feines Confiserie-Sortiment ergänzen.

Wie erwähnt, spielt ein attraktives Erscheinungsbild der Bio-Schokoladen durchaus eine große Rolle. Einerseits animiert es zum Spontankauf, andererseits trägt es zum Wiedererkennungswert und Markenimage bei.

Beispiel par exellence sind in diesem Zusammenhang Vivani, deren künstlerische Verpackungen jede Galerie bereichern können, oder die kreativ-witzigen Cover von Zotter. Das setzt sich fort mit einem individuellen Bruch, so wie bei Zotters Schoko-CDs oder den raffinierten ziegelartigen ChocoRoc-Riegeln von Schönenberger.

Die Schweizer gehören außer­dem neben Rosengarten zu den Anbietern von dekorati­ven Bruchschokoladen. Ge­nau genommen handelt es sich um handgeschöpfte Frischschokoladen, die in große Platten gegossen und auf Kundenwunsch in der Chocolaterie gebrochen werden. Meist weisen die Sorten durch Nüsse und Saaten zusätzlich eine äußerst aparte Oberfläche auf.

Wiederum abgepackt, aber sehr auffällig, sind zudem die Choc’Fleurs-Tafelschokoladen von Guilleminot aus Frankreich, die mit essbaren Blüten, Hanfsaat und Gewürzen verziert sind.

Zielgruppe: Genießer

Mit der kalten Jahreszeit kommen regelmäßig diverse Winter- oder Weihnachtsschokoladen und weitere Saisonprodukte auf den Markt. Nennen lassen sich hier unter anderem die Hohlfiguren der gepa (+ Adventskalender), Liebhart’s, Vivani / i-Choc, Schönenberger, Rosmarin Bioback und die Minderleinsmühle mit der Marke Rosengarten.

Der Übergang zu Confiserieartikeln beziehungsweise Süßwaren aus Ölsaaten wird fließend. Das zeigt sich bei den Praliné-Riegeln von Allos oder Rapunzel, die jedoch nur im Fachhandel zu finden sind.
Confiserieartikel wie Pralinen, Marzipan, Nugatprodukte, Lebkuchen und anderes sind wärmeempfindlich und haben traditionell in der kalten Jahreszeit ihre Hoch-Zeit.

Während die Pralinen von Wood­shade (siehe Seite 56), Zotter oder neuerdings auch Männl’s Naturkostbackstube noch relativ wenig bekannt sind, haben die edlen, handgefertigten Produkte von Lanwehr, Rosengarten und Rosmarin Bioback schon einen guten Namen.

Bei Ingo Karrasch von Rosmarin Bioback finden die Kunden neben Eiswaffeln und Gebäcken zum Beispiel eine große Auswahl an Confiserieartikeln und Saisonware. Immer wieder frischen Neuheiten dabei das Sortiment auf, so wie jüngst Mandelspitzkuchen, ein Traditionsgebäck mit saftigem Lebkuchen und Mandelstücken in Vollmilchschokolade.

Die Marke Rosengarten, die primär im Naturkost- und Reformhaushandel zu finden ist, hat mit ihrem neuen, frischen Markenauftritt viel Lob auf der BioFach bekommen. Auch das diesjährige große Weihnachtssortiment dürfte davon profitieren, wobei sogar ein laktosefreier Weihnachtsmann erhältlich ist. Daneben umfasst das Angebot Gebäck- und Confiserieartikel wie scho­kolierte Früchte und Nüsse, Marzipan-Pralinés oder Nugatbarren.

Lanwehr schließlich, bei denen Bio bislang den kleineren Teil im gesamten Sortiment ausmacht, fertigen ebenfalls Pralinen, Marzipan, Krokant-Blättchen, Sahnetrüffel, Nugat sowie ein wechselndes Weihnachtssortiment.

Pralinen Krämer aus Landshut wartet mit handgemachten Bio Nugat- und Marzipan-Busserl auf. Die Füllung wird mit Vollmilch- oder Zartbitterschokolade umhüllt. Firmen können die Verpackungen mit dem eigenen Logo (Bild u.) versehen lassen und so ihre individuellen Pralinen bekommen.

Abgerundet wird das Bio-Angebot durch diverse Qualitäts-Lebkuchen von Leupold, Marzipan und Nugat, zum Beispiel von Biokorntakt, sowie Dominosteinen, Lebkuchenherzen und Co., etwa von Dr. Quendt und Flemming.

Bettina Pabel


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