Fairtrade
Fairtrade Afrika hat Nachholbedarf
Nur 27 Prozent der Prämien fließen zum schwarzen Kontinent
„Die Stimme der Produzenten darf nicht überhört werden. Wir müssen unseren Kurs selbst bestimmen können“, fordert Chief Adam Tampuri, Vorstandsvorsitzender des Produzentennetzwerks Fairtrade Africa. Anlässlich des 20-jährigen Bestehens von TransFair sind er und der Geschäftsführer Michael Nkonu zu Gast in Deutschland.
Fast 60 Prozent der Bauern und Arbeiter im Fairtrade-System leben auf dem afrikanischen Kontinent. Ihnen Gehör zu verschaffen ist existenziell, damit Hilfe zur Selbsthilfe funktioniert. „Die Produzentenorganisationen haben durch Fairtrade große Entwicklungsschritte gemacht“, erklärte TransFair-Geschäftsführer Dieter Overath.
Rund 700.000 Menschen arbeiten in Afrika unter Fairtrade-Bedingungen. Trotz des hohen Anteils fließt der Großteil der Fairtrade-Prämie nach Lateinamerika, wo die absatzstarken Kaffee- und Bananen-Kooperativen sitzen, nur knapp 27 Prozent der Prämien gehen nach Afrika.
„Kakaobauern aus Ghana oder der Elfenbeinküste können oft nur einen kleinen Teil ihrer Ernte zu Fairtrade-Bedingungen verkaufen, weil die Nachfrage nicht groß genug ist“, erläuterte Overath. Auch auf dem deutschen Markt fehlen noch große Markenartikler für Kakaoprodukte. In Großbritannien haben bekannte Markenartikler auf Fairtrade umgestellt. Das sichert Absätze für die Produzenten.
In Ländern wie Südafrika und Kenia etabliert sich zunehmend eine bürgerliche Mittelschicht und öffnet neue Absatzchancen für Fairtrade. Ende 2011 stellte Cadbury sein Vollmilch-Schokoladensortiment in Südafrika auf Fairtrade um. Anfang 2012 folgte die Umstellung in Kenia. Alle Produktionsschritte, vom Anbau über Verarbeitung bis zur Verpackung, finden auf afrikanischem Boden statt. „Die Umstellung ist ein wichtiger Schritt, um Verbrauchern in Afrika zu ermöglichen, Produzenten ihres eigenen Landes zu unterstützen”, erklärte Michael Nkonu.
Seit einem Jahr ist Chief Adam Tampuri Vorstand von Fairtrade Africa. Der Cashew-Bauer aus Ghana kennt die Probleme, denen Kleinbauern gegenüberstehen. Einen Tag vor Beginn des Klimagipfels Rio+20 appellierte Tampuri an die Entscheidungsträger, schnell zu handeln, um den Klimawandel zu bremsen und Entwicklungsländern bei der Anpassung zu helfen: „Durch die lange Dürre im vergangenen Jahr mussten alle Bauern in der Region, in der ich lebe, starke Ertragsverluste hinnehmen. Das hat uns und unsere Familien in eine sehr verletzliche Position gebracht.“
Für ihn ist ökologische Nachhaltigkeit nur Hand in Hand mit Armutsbekämpfung erreichbar. Ein Instrument dafür ist die Fairtrade-Prämie. Sie ermöglicht Produzentenorganisationen in Umweltschutz und ressourcenschonende Anbaumethoden zu investieren, darunter Wasser-Aufbereitungsanlagen, Erosionsschutz- oder Aufforstungsprojekte. Zum elften Mal findet in Deutschland vom 14. bis 28. September die Faire Woche statt. Mit Verkostungen und Mitmach-Aktionen rufen die Veranstalter zu fairen Handelsalternativen auf.







