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Gesundheit

Antibiotika-resistente Keime

Stern-TV weist Belastung von Bio-Fleisch nach

BÖLW, Berlin 29.2.2012  |  Nach den Beprobungen von konventionellem Fleisch auf Antibiotika-resistente Keime sowohl durch den Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat Stern-TV auch 38 Proben Bio-Fleisch auf die Belastung mit Antibiotika-resistenten Keimen untersucht. Das Fleisch wurde in verschiedenen Endverkaufsstellen gekauft. Auf 19 der 38 Proben wurden ESBL-Keime gefunden. Heute um 22:15, wird stern TV (auf RTL) das Thema Antibiotikaresistente Keime auf Bioprodukten thematisieren.

ESBL-Keime sind Bakterien mit besonderen Resistenzeigenschaften. Entero-Bakterien stammen sowohl aus dem Verdauungssystem von Menschen als auch von Tieren und kommen natürlicherweise in der gesamten Umwelt und damit auch auf Nahrungsmitteln vor. Auch Fleisch, das hygienisch einwandfrei ist, kann nicht keimfrei sein. Das ist der Grund, weshalb man Fleisch kühlen muss, um es vor Verderb zu schützen.

Das Besondere an ESBL-Keimen  ist, dass diese Bakterien gegen Antibiotika resistent geworden sind. Damit können Infektionen mit den entsprechenden Medikamenten nicht mehr behandelt werden. So können ESBL-Keime bei Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist, zu gefährlichen Krankheiten führen, vor allem, wenn die Antibiotika-Resistenz dieser Keime nicht sofort erkannt wird.

Da sich ESBL-Keime ausbreiten und sie  überall vorkommen können, ist die entscheidende Frage, wie ihre Antibiotikaresistenz entsteht. Die Haupt-Ursache dafür liegt in der übermäßigen  Verwendung von Antibiotika bei Menschen und in der Tierhaltung.

In der intensiven Tierhaltung werden große Mengen Antibiotika eingesetzt. Gründe dafür liegen im System der industriellen Tierhaltung: Hoher Tierbesatz, chronischer Stress, mangelnde Frischluft, Hitze und Hygieneprobleme überfordern die Tiere permanent und erhöhen deren Krankheitsanfälligkeit. In der konventionellen Tierhaltung in Deutschland liegt die durchschnittliche Zahl der Antibiotikabehandlungen pro Tier bei 5,9 (Schweine), 2,5 (Milchrinder) bzw. 2,3 (Mastkälber und Masthähnchen).

Das Risiko, dass normale Entero-Bakterien zu ESBL-Trägern werden, steigt mit jedem Antibiotikaeinsatz. Dies trifft insbesondere auf die Behandlung ganzer Bestände zu, bei der zwangsläufig auch die Tiere behandelt werden, die gar nicht erkrankt sind. Außerdem entstehen bei der Bestandsbehandlung Antibiotikastäube, die in niedriger Dosierung im gesamten Stallbereich auf die Keime der Umwelt wirken und dort die Resistenzbildung fördern.

Oberstes Ziel der Öko-Tierhaltung ist die Gesunderhaltung der Tiere durch angepasste Zucht, artgerechte Haltungsbedingungen, Fütterung und Betreuung. Erkrankungen und damit die medikamentöse Behandlungen von  Tieren soll die Ausnahme sein. Artgerechte Tierhaltungsbedingungen wie genügend Platz, Grünauslauf, tiergerechte Fütterung, Beschäftigungsmöglichkeiten und längere Mastzeiten wirken den Ursachen von Erkrankungen entgegen.

Erkranken Öko-Tiere trotz dieser Haltungsbedingungen und aller Vorsorge, müssen Bio-Landwirte zunächst auf natürliche Heilmethoden zurückgreifen. Nur wenn die Wirksamkeit alternativer Heilverfahren nicht ausreicht, sind Antibiotikagaben auch in der Öko-Tierhaltung erlaubt. Bei Tierarten, die weniger als ein Jahr alt werden (Mastgeflügel, Mastchweine), ist nur eine einmalige Antibiotikagabe erlaubt.

Bei den anderen Tieren sind maximal drei Antibiotika-Behandlungen pro Jahr erlaubt. Kommt es zu einer weiteren Erkrankung, die den Einsatz von Antibiotika erforderlich machen, dürfen die tierischen Produkte nicht als Bio-Produkte vermarktet werden.

Dass die Bio-Tierhaltung die Entstehung von antibiotikaresistenten Keimen nicht begünstigt, haben mehrere Studien gezeigt, wonach solche Keime in Bio-Ställen deutlich seltener vorkommen. Da es sich bei ESBL-Keimen aber um Erreger handelt, die in der gesamten Umwelt vorkommen, ist es trotzdem unvermeidbar, dass sie auch auf Bio-Produkten nachgewiesen werden können.

Dazu trägt auch bei, dass Ökologischer Landbau und Bio-Tierhaltung nicht vollständig von der konventionellen Land- und Lebensmittelwirtschaft getrennt stattfinden können. Entlang der gesamten Produktionskette existieren vielfältige Eintragswege für Keime: durch Abdrift gelangen Keime von mit Gülle gedüngten Nachbarfeldern auf die Weiden oder durch die Lüftungsanlagen in den Stall. Auch die Schlachtung, bei der konventionelle und Öko-Tiere zum Teil durch dieselben Anlagen gehen, kommt für eine mögliche Keimübertragung in Frage. Ebenso beim Transport oder Verkauf in denselben Transportfahrzeugen oder Verkaufsstätten können Keime auf Bio-Fleisch gelangen.

Um solche Eintrittspforten zu verringern, sind noch viele Forschungsanstrengungen erforderlich. Gemeinsam mit dem BUND und Neuland beteiligt sich der BÖLW daher an einem Projekt des Robert-Koch-Instituts, das zum Ziel hat, mehr Klarheit über diese Zusammenhänge zu erlangen.

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