GLS-Bank profitiert von Finanzkrise
Schulden-, Euro- und Bankenkrise sind derzeit die bestimmenden Themen im Politikgeschäft. Wir wollten wissen, ob auch Geldinstitute mit sozial-ökologischer Ausrichtung betroffen sind und ob die Krise Auswirkungen auf die Finanzierung der Bio-Branche hat. Dazu fragten wir auf der BioNord Fred Heinsohn, Kundenberater der GLS-Bank. Das Interview führte Horst Fiedler.
bioPress: Herr Heinsohn, sind alternative Banken wie die GLS-Bank auch in den Strudel der weltweiten Finanzkrise geraten?
Fred Heinsohn: Nein, wir beteiligen uns ja bekanntlich nicht wie andere Banken an spekulativen Geschäften. Wir beschäftigen uns nur mit der Realwirtschaft, d.h., wir finanzieren nur Sachen, die man anfassen kann und mit Menschen verbindet.
bioPress: Bankgeschäfte ohne sogenannte faule Papiere klingen in der heutigen Zeit fremd. Wie wirkt sich dieser Verzicht auf die Entwicklung der GLS-Bank aus?
Heinsohn: Auf keinen Fall negativ, im Gegenteil. Wir haben Wachstumssteigerungen im Einlagebereich von 30 bis 35 Prozent. Die Finanzkrise spielt uns in die Hände. Wir werden überrannt von Anlegern, die wissen wollen, was mit ihrem Geld geschieht. Unsere Kunden wollen auch häufiger mitbestimmen, wie ihr Geld konkret angelegt wird.
bioPress: Wenn Sie so viele vorsichtige Anleger haben, müssten Sie bei der Vergabe von Krediten ebenfalls besondere Vorsicht walten lassen. Muss ein Bioladen-Betreiber, der seinen Laden erweitern will, mindestens eine Schwiegermutter mit einem Schloss als Bürgin mitbringen?
Heinsohn: Ein Schloss wäre natürlich ideal als Sicherheit. Aber wir beurteilen die Bonität nicht nur nach nackten Zahlen, sondern schauen uns auch die Menschen an: wie sie auftreten, wie qualifiziert und authentisch sie sind. Entscheidend ist das Gesamtbild.
bioPress: Würde die GLS-Bank auch jemanden wegen solcher weichen Faktoren ablehnen?
Heinsohn: Ja, zum Beispiel wenn ein Idealist zu sehr Idealist ist und zu wenig Kaufmann. Oder wenn’s der falsche Mann für das richtige Produkt ist. Im Zweifelsfall empfehlen wir den Kunden auch, jemanden zu beteiligen, der mit seinen Fähigkeiten eine sinnvolle Ergänzung für das Geschäft ist.
bioPress: Hat sich durch die Finanzkrise die Vergabepraxis nach monetären Kriterien geändert? Müssen Sie noch strenger auf die Bonität der Antragsteller achten?
Heinsohn: Nein, es gelten weiterhin die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die alle Banken zu beachten haben. Ansonsten sind Kreditvergaben Einzelfallentscheidungen.
bioPress: Die GLS-Bank gehört mit einem Bilanz-Volumen von rund 1,8 Milliarden Euro zu den kleinen Geldinstituten. Können auch Kreditwünsche von Bio-Produzenten erfüllt werden, die in die Millionen gehen - zum Beispiel, wenn eine neue Produktionsanlage finanziert werden muss?
Heinsohn: In der Regel haben solche Unternehmen gewachsene Bankverbindungen, die in Anspruch genommen werden. Aber auch wir können die größeren Bio-Produzenten grundsätzlich bedienen. Wer auch Wert auf Nachhaltigkeit im Kreditgeschäft legt, hat mit uns eine gute, passende Alternative.







