Start / Ausgaben / BioPress 68 - August 2011 / Die Ölfliege – mosca olearia

Die Ölfliege – mosca olearia

Oder der Schrecken der Olivenanbauer

Die ÖlfliegeBactrocera Oleae – stellt mit ihren Art-Verwandten im ganzen Mittelmeerraum, in Südafrika und in anderen Kontinenten, und dies nicht erst seit heute, eine kaum zu bewältigende Plage dar. Wohl dem, der seine Olivenhaine oberhalb von 400 Meter Meereshöhe liegen hat, denn dort ist die Fliege nicht mehr anzutreffen. Sie greift zwischen Juli und November in mehreren Wellen die Oliven an, um in ihnen ihre Eier zu legen – mit verheerenden sensorischen und sonstigen Negativfolgen für das noch zu gewinnende Öl. Ist die Ölfliege drin, fliegt das Öl unumstößlich raus aus den Hitlisten.

Aus Römischer Zeit ist überliefert – so die Agrarexperten Plinius, Cato, Columella und Varro – dass es auch schon damals Probleme mit Ungeziefer in der Landwirtschaft, bei Ölbäumen und bei der Produktion von Öl gab. Plinius verwendet das Wort teredo, was mit Wurm, Holzwurm, Motte oder Made übersetzt werden kann. Zur Bekämpfung dieser Ungeziefer solle man mit der amurca, dem Fruchtwasser der Olive, die Schädlinge besprengen (contra teredines ac noxia animalium amurca aspergi). Die Olive enthält zirka 20 Prozent Öl, 60 Prozent Wasser und 20 Prozent Trestermasse. In der amurca erblickte man medizinische Wirkstoffe und wandte sie deshalb bei Mensch, Tier und bei Ölbäumen (!) an. Wie dies im Einzelnen damals praktiziert und hierbei auch die Ölfliege bekämpft wurde, ist Thema eines Forschungsprojektes. Ebenso inwieweit heute die verschiedenen Nebenprodukte der Ölherstellung, also auch die amurca gegen die Mosca Olearia eingesetzt werden können.

Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es noch nicht die Begriffe biologische, ökologische oder konventionelle Landwirtschaft. Bis dahin war alles Biologisch, und es war die Natur, die bis zum Zeitalter der Chemieindustrie – Ende des 19. Jahrhunderts - das Leben (bios) bestimmte und nicht der Mensch.

Konventionelle Methoden

Der Aufwand zur Bekämpfung der Fliege ist enorm. So werden Fallen aufgehängt, die einen Duftstoff der weiblichen Fliege enthalten. Die Männchen, ja, sie fallen darauf rein. Sind die ersten sichtbar, muß der Bauer sofort seinen Olivenhain mit chemischen Sprühmitteln wie Dimetoato oder Rogor behandeln. Nach zirka 20 Tagen muß er erneut tätig werden, dann wieder und so fort. Regnet es zwischendurch, dann unmittelbar danach, da mit wiederholten Angriffs – Wellen der Fliege gerechnet werden muß.

Es gibt auch Klebefolien, die an jedem Baum anzubringen sind und Fallen, in die möglichst alle Fliegen hinein fliegen sollen. Die Jagd- Ergebnisse gelten als hervorragend. Dazu kommt, dass man schon seit Jahrzehnten Chemikalien benutzt, die Wasser löslich sind und im Normalfall im Olivenöl keine nennenswerten Giftmengen hinterlassen. Diese wären dann im Fruchtwasser anzutreffen. Allerdings darf bis 20 Tage vor der Ernte das letzte Mal gesprüht werden, danach nicht mehr.

Die Biologischen Methoden

Erheblich schwieriger und auch kostenträchtiger ist die Situation für den Bio-Bauern. So muß er ganzjährig die ihm von der Überwachungsstelle für Bio-Anbau auferlegten Regeln befolgen. Diese betreffen die Düngung und die Pflege seines Olivenhains, seine Ernte- und Herstellungsmethoden sowie die Aufbewahrung seines Öls in seiner Ölmühle.

Seine chemischen Waffen sind zum Teil dieselben aber erheblich schwächer und somit auch weniger wirkungsvoll im Kampf gegen die Ölfliege. So darf er auch zum Beispiel das Dimetoato benutzen, aber in einer sehr schwachen und mit dem Bio-Siegel versehenen Dosierung. Je nach Wetterlage werden trotz seines Eingreifens 30 bis 35 Prozent der Oliven befallen. Er muß erneut aktiv werden, jetzt aber bereits alle zwei Wochen und dies bis zum Erntezeitpunkt ab Mitte Oktober. Er kann aber auch Glück haben mit dem Wetter. Ist der Sommer zu heiß, wird die Haut der Olive fast Leder artig und bietet so einen guten Schutz gegen die Fliege. Auch verhindern häufig heftige Winde besonders im Küstenbereich das Erscheinen der Fliege.

Versuche mit KALK

Wer im Sommer mit seinem Wagen auf den schmalen und sandigen Wegen durch einen Olivenhain fährt, hinterlässt oft so gewaltige Staubwolken, dass ein nachfolgendes Fahrzeug völlig an der Sicht gehindert wird. Der aufgewirbelte Staub legt sich auf die Olivenbäume am Wegrand und überzieht Zweige, Blätter und Früchte mit einer dicken Staubschicht. Dort kann man kaum Ölfliegen antreffen. Sie haben keine Chancen, die Oliven anzustechen und ihre Eier zu legen.

Seit Jahrtausenden weiß man, dass Kalk Ungeziefer jeglicher Art abhält. So weißten die Bewohner des Mittelmeerraumes nicht nur aus Ersparnisgründen mit Kalk ihre Häuser, sondern, um alles, was da kriecht, krabbelt und fliegt an Käfern, Spinnen, Skorpionen oder Insekten, fern zu halten. Auch schützt der weiße Kalk vor der Sonnenhitze.

Kalk (Calcit: CaCo3) gibt es überall und ist billig und jeder Bauer oder Handwerker stellt sich seinen Verputz meist aus ungebranntem, aber im Wasser gelösten (gelöschten) Kalk selber her.

Man kam dahinter, dass ein Besprühen von Pflanzen mit Kalkwasser denselben Effekt hatte wie der Staub. Einmal aufgesprüht, überzieht ein dünner und natürlicher Kalkfilm die Oberfläche der Pflanzen. Im Olivenhain sprüht man den gelöschten Kalk in der Regel im Winter, wo er als Desinfektionsmittel gegen Schädlinge und Krankheitserreger eingesetzt wird. Auch hier erweist sich der Kalk als wirksamer Schutz gegen zu große Sonnenhitze und verhindert so Sonnenbrand bei Pflanzen und bei Früchten.

Brennt man den Calcit, verwandelt sich das CaCo3 in CaO (Calciumoxid), den Brandkalk und das CO2 entweicht. Versetzt man dann das CaO mit Wasser (H2O), dann entsteht Calciumhydroxyd (Ca(OH)2) der Löschkalk. Entsprechend mit Wasser verdünnt, kann auch der Löschkalk zum Sprühen eingesetzt werden. Allerdings geht die Wirkung schnell verloren bei zu hoher Luftfeuchtigkeit und bei Regen. In diesen Fällen muß die Behandlung wiederholt werden. Besonders ermutigende Erfolge im Kampf gegen die Ölfliege konnte man jedoch bisher noch nicht erringen.

Inzwischen wendet man andere Methoden an, die erheblich bessere Wirkungen erzielen. Die eine arbeitet mit Kaolin, und die andere mit In Salz eingelegten Sardinen.

Die KAOLIN (Caolino)- Methode

Eine Studie (Claudio Cantini, Graziano Sani, Nuovi strumenti di difesa dalla mosca olearia. Risultati di trattamenti a base di caolino, Follonica 18.9.2008) im Sommer 2007 brachte in der Bekämpfung der Ölfliege mit Kaolin hervorragende Ergebnisse.

Kaolin ist ein Ton, der aus Kaolinit (Aluminium-Silicat-Mineral), einem Verwitterungsprodukt aus Feldspäten im Granit, besteht. Durch Sieben wird zunächst die Grobfraktion vom Feingranulat abgetrennt und dann durch Schlämmen des nochmals gemahlenen Feingranulats im Wasser das gewünschte Kaolinit gewonnen.

Kaolin leitet seinen Namen von dem Buddhistischen Mönchskloster Shaolin in der chinesischen Provinz Henan am Berg Songshan ab. Die Mönche gehören dem kriegerischen Kung-Fu-Orden an. In der Nähe befinden sich große Tonlagerstätten aus Kaolinit, das zur Herstellung von chinesischen Porzellans verwendet wird.

Für das Experiment wählte man 20 verschiedene Olivensorten wegen ihres unterschiedlichen Verhaltens aus. Dabei ergab sich sehr Erfreuliches. Bei unbehandelten Oliven lag der Befall durch die Fliege bei einigen Sorten zum Teil bei über 80 Prozent, während die behandelten fast bei Null Prozent lagen. Auch waren die behandelten Oliven größer und brachten mehr Gewicht. Die Oliven waren mit einem aus Mineral-Partikelchen bestehenden Film überzogen, der sich als wirksame Schutzfolie gegen die Fliege erwies. Auch wurde gleichzeitig die Fotosynthese gefördert und die Einwirkungen von ultravioletten und infraroten Strahlen reduziert.

Im Sommer 2008 waren die Ergebnisse noch befriedigender. Ein Problem, ein potentielles, ist eine zu hohe Feuchtigkeit im Anbaugebiet und natürlich der Regen. Dann muß die Behandlung wiederholt werden. Empfehlenswert ist zudem eine ständige Kontrolle wegen der häufigen bis in den Oktober andauernden Angriffswellen der Fliege.

Auch gibt es den bösen Nachbarn, der konventionell anbaut, also chemische Substanzen einsetzt. Dann ist es der Wind, der diese Substanzen zum Bio-Olivenhain herüberweht. Oft zählen daher im Bio-Olivenhain die äußeren Olivenbäume zu den konventionellen Beständen und nur der innere Kern gehört zum Bio-Bereich.

Diese Biologische Kaolin-Methode kann von jedermann, sei er Landwirt oder Hobbist, in kleinen und großen Olivenhainen mit einfachsten Mitteln angewandt werden. Kaolin oder Caolino ist im Handel erhältlich (Engelhard Corp.BASF; 4 Kg Kaolin auf 100 l Wasser).

Die Methode der gesalzenen Sardinen in Flaschen

In den Jahren 2005 und 2006, jeweils Anfang August, wurde von der Universität Palermo (Sezione di Entomologia, Acarologia e Zoologia, V. Caleca, M. Maltese, Effectiveness of mass trapping by bottle traps baited with salt sardines to control BACTROCERA OLEAE/GMELIN) ein ungewöhnliches Experiment zum Schutz gegen die Ölfliege gestartet. Forschungsobjekt war ein biologischer Olivenhain der Olivensorte Cerasuola bei Trapani.

Den Olivenhain teilte man in drei Gruppen auf:

• in eine Zentralgruppe,
• eine Randgruppe und
• in eine unbehandelte Baumgruppe.

In der (1) Zentralgruppe hängte man an jeden zweiten Ölbaum eine Zwei-Liter-Polythen-Flasche. Im oberen Teil mach­te man zwei Löcher mit einem Durchmesser von zwei Zentimeter. Die Flasche füllte man zu zweidrittel mit Was- ser, in das man eine gesalzene Sardine gab. War das Wasser verdunstet, goß man nach.

In der (2) Randgruppe wurde in der einen Hälfte des Olivenhains jeder Baum mit einer Flasche versehen. Die Bäume der anderen Hälfte wurden mit einer Kupfer-Hydroxyd-Lösung besprüht.

Die (3) dritte Gruppe blieb ohne Intervention.

Die Ergebnisse können als gut bis befriedigend bezeichnet werden. Immerhin waren in der (1) Zentralgruppe nur 23 Prozent der Oliven von der Ölfliege befallen. In der (2) Randgruppe bei den Bäumen mit Flasche jedoch immerhin 36 Prozent und bei den mit Kupfer-Hydroxyd behandelten schon 53 Prozent befallen. Bei den (3) unbehandelten Bäumen der dritten Gruppe waren es sogar 68 Prozent, die von der Fliege befallen waren.

Um nun eine dauerhafte Sicherheit vor der Ölfliege bis zur Ernte im Oktober zu bekommen, ist eine ständige Kontrolle der Flaschen und ihres Inhaltes, der Ölsardinen, dringend erforderlich. Daher gilt weiterhin, wohl dem, der seine Ölbäume oberhalb von 400 Me­ter Meereshöhe stehen hat. Dort darf man sich vor der MOSCA OLEARIA in Sicherheit wiegen.

Horst Schäfer – Schuchardt


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