Start / Ausgaben / BioPress 68 - August 2011 / Bester Bio-Paprika

Gewürze

Bester Bio-Paprika

Ecoland Herbs & Spices gibt Bauern in Serbien eine Perspektive

2005 startete Bio-Bauer Rudolf Bühler aus Schwäbisch Hall mit 20 Kleinbauern in der Vojvodina in Serbien ein Bio-Paprikaprojekt. Er gründete die Erzeugergemeinschaft ECO-Telecka für das rote Gold der Region. Der Gewürzpaprika wird seitdem nach ökologischen Grundsätzen angebaut und nach Deutschland exportiert. Die Bio-Bauern pflanzen, trocknen, mahlen und liefern das Pulver an Ecoland Herbes & Spices in Schwäbisch Hall. Weitere Bio-Landwirte werden gesucht und neue Bio-Kulturen für den Export angebaut. Auf einer Serbienreise gab Bühler Einblick in das Projekt.


Valeria Balint und Rudolf Bühler bei der Lektüre der serbischen Agrarzeitung.
 

Die BESH suchte Anfang des letzten Jahrzehnts besseren Paprika für die eigene Wurst. „Ein Mitarbeiter aus Ex-Jugoslawien erzählte, bei uns gibt es den besten Paprika auf der Welt“, berichtet Bio-Bauer Rudolf Bühler. Er fragte nach, wo das genau sei. 2004 machte er sich auf den Weg in die Vojvodina im Norden Serbiens. In Telecka stieg er aus dem Auto. Das Dorf zählt 1.500 Einwohner: Eine Kirche, eine Schule, einen Laden, einen Kiosk gibt es. Ein Hotel, eine Disco, ein Restaurant, eine Polizeistation und Arbeitsplätze gibt es nicht.


Telecka, eines von 15 Dörfern im Umland der 60.000 Einwohner-Stadt Sombor, liegt in der Pannonischen Tiefebene mit äußerst fruchtbarer schwarzer Erde (Tschernosem). „Keiner der Bauern dort wusste, was Bio ist, als wir hier ankamen“, erklärt Agraringenieur Bühler. Er bringt Erfahrung mit aus Projekten in Indien, Afrika, Russland, der Ukraine und seiner Heimat Hohenlohe. Umstellungspläne, organische Düngung, Zertifizierung  und Erfassung der Ernte waren die Schritte zum Erfolg.

„Ihre Zukunftsperspektive ist der Bio-Anbau in einer Erzeugergemeinschaft mit Marktzugang“, betont Bühler. Der Weltmarktpreis ist zu niedrig für Klein-Bauern. Besondere Produkte, in bestechender Qualität, mit klarer Herkunft erzielen bessere Preise.

2005 bauten die ersten Bauern Bio-Paprika an. Inzwischen ist die Erzeugergemeinschaft auf 32 Bio-Betriebe angewachsen. Als Zertifizierer wurde die SGS France geholt, bis eine funktionierende lokale Struktur aufgebaut ist. Projektträger Ecoland Herbs & Spices importiert bis zu 15 Tonnen rotes Gold als Bio- und Umstellungsware unter der Marke Gewürzpaprika aus der Vojvodina nach Deutschland.

Vor Ort leitet die ortsansässige Agraringenieurin Valeria Balint das Projekt. Gleichzeitig ist sie Vorsitzende der Erzeugergemeinschaft Eco-Telecka und des 2011 gegründeten Anbauverbands  Ecoland.SR, einer Schwester des Anbauverbands Ecoland Deutschland, dessen Gründer und Vorsitzender wiederum Rudolf Bühler ist. Eine Ecoland-Zentrale mit Büro, Paprikamühle, Lager und Maschinenpark wird in Telecka gerade gebaut.

Bio-Chance für Kleinbauern


Die historische Steinmühle der Paprika-Anbauer in der Voijvodina.
„Bei uns sind alle Bauern. Wir sind Ungarn und sprechen auch ungarisch“, erzählt Projektleiterin Balint. Die autonome Provinz Vojvodina ist Heimat verschiedener Völker. Die kleinen Bauern mit zwei bis fünf Hektar Land leben als Selbstversorger: „Für Essen geben wir kein Geld aus. Das haben wir selbst“, erzählt Balint. Die Menschen halten Hühner, schlachten Schweine, kochen Marmelade ein, brennen Schnaps.

Der Standort Vojvodina hat natürliche Öko-Vorteile. Viele Schädlinge überstehen die strengen Winter in der Tiefebene nicht. In der trockenen Sommerhitze haben Pilze wenig Chancen.

Der Bio-Paprika wird im Mai gesät, nicht gepflanzt. Das macht ihn robuster. Bewässert wird ebenfalls nicht. Das spart Arbeit und Geld, steigert aber die Qualität. „Wir haben in trockenen Jahren weniger Ertrag, aber der Paprika schmeckt besser und hat eine kräftige Farbe“, betont Projektleiterin Balint. Qualität kommt vor Quantität. Geerntet wird im September von Hand. Das ist schonender als mit Maschinen.


Getrocknet wird zuerst an der Luft und vor dem Mahlen nochmals im Ofen. In einer alten Steinmühle wird aus den getrockneten Schoten feines Pulver. Die Mühlsteine garantieren eine kalte Verarbeitung und damit den Erhalt der ätherischen Öle. „Das kann man im Labor messen. Pulver aus Metallmühlen enthalten nur etwa 0,2 Prozent an ätherischen Ölen. Auf Steinmühlen beträgt der Gehalt ein bis 1,5 Prozent“, erläutert Bühler. Das ist beste Praxis. Auch die Farbe verliert in den Metallmühlen an Intensität.

Guter Preis für gutes Pulver


Ein sanierungsbedürftiges Gebäude wird zur Zentrale von Ecoland.rs umgebaut.
„Wer Bio machen will, muss fleißig sein. Es haben schon einige probiert und wieder aufgehört“, sagt Balint. Das Schwitzen in der sengenden Sonne der Vojvodina wird belohnt. Für ein Kilo Bio-Paprika-Pulver zahlt Ecoland Herbes & Spices zehn Euro. Der Preis liegt  100 Prozent über dem lokalen Markpreis. Ebenso gibt Ecoland eine Abnahmegarantie.

Bei einem Hektar Ertrag von 800 bis 1.200 Kilo nimmt ein Bio-Bauer gut und gerne 10.000 Euro im Jahr ein. Der Durchschnittsnettolohn liegt gerade mal bei 350 Euro pro Monat. „Das kann jemand allein mit seiner Hände Arbeit verdienen. Dies ist die einzige Zukunftschance für die Kleinbauern der Region, dass sie die örtlichen Potenziale in Wert setzen und mit ihren besten ökologischen Produkten ein ordentliches Grundeinkommen erzielen können“, erläutert Bühler. Bei einem Preisindex von 52 Prozent im Vergleich zur EU ist das Geld hier immerhin doppelt soviel Wert.

Die Ecoland-Mutter BESH verwendet den hochwertigen Bio-Paprika in der eigenen Metzgerei. Caterer wie Aramark, Gewürz-Händler, Delikatess-Geschäfte und selbstständige Einzelhändler (SEH) beziehen den edelsüßen und Rosen-Paprika in Bio-Qualität. „Wir können noch mehr Bio-Paprika absetzen“, ruft Bühler die Bauern zum Umstellen auf.

Der Landwirt Attila Kollar hat 50 Hektar Feld. Für die Verhältnisse in Telecka ist das ein großer Hof. „Nächstes Jahr bin ich dabei“, erzählt er. Kollar setzt noch auf Handarbeit. Verschulden will er sich für eine Mechanisierung nicht. „Kein Kredit“, sagt er kurz und klar. Bei der Ernte helfen Familienmitglieder oder Saisonkräfte.

Das Projekt ist sechs Jahre nach dem Start in eine neue Phase eingetreten. Weitere biologische Marktfrüchte für den Exportmarkt werden angebaut. Brauner und schwarzer Senf, Mohn, Kräuter, Mais, Hartweizen und Soja in Bio-Qualität sollen künftig kultiviert werden. „Wir müssen weg vom Soja aus Südamerika“, gibt Bühler als Parole aus. Abholzung des Regenwaldes für Futtermittel und Gentechnik (GMO) hat keine Zukunft in einer ökologischen Landwirtschaft. Die Vojvodina ist noch GMO frei. „Ohne Gentechnik ist ein großes Potenzial für die Zukunft“, bewertet Bühler.
Anton Großkinsky

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