Start / Business / Themen / Gesellschaft / Aufatmen nach EHEC im sächsischen Bio-Auenhof

Aufatmen nach EHEC im sächsischen Bio-Auenhof

Acht Salatsorten auf einer Fläche von ca. 5500 Quadratmetern hat der Auenhof Niederlützschera durch EHEC verloren. Hinzu kommen noch Umsatzrückgänge bei Radieschen und Rucola. Insgesamt beläuft sich der Schaden auf etwa 25 000 Euro.

„Nachdem die Regierung empfohlen hat, keine Gurken, Tomaten und Salat zu essen, war unser Absatz im Mai völlig eingebrochen“, sagt Katrin Leipacher, die mit ihrem Mann Oliver zusammen den Biohof in Ostrau führt. Sie bauen auf 13 Hektar Ackerfläche Salate, Radieschen, Kräuter, Fenchel und Kohlrabi, Kürbis und verschiedene Kohlsorten an. „Die Leute waren völlig verunsichert und unser Gemüse blieb in den Bioläden liegen“, so die Gärtnerin. „Es war ein Schock!“

Richtig funktioniert habe nur die Direktvermarktung. Auf dem Markt in Dresden stieg sogar die Nachfrage. Da bewährte sich der enge Kontakt zwischen Kundenstamm und Auenhof-Personal. „Die Leute wussten, woher das Gemüse kommt und hatten deshalb Vertrauen.“ Das konnte jedoch nicht ausgleichen, was über den Großhandel nicht mehr abgesetzt werden konnte und so musste ein Salatfeld komplett durchgefräst werden.
 
Das Lebensmittelüberwachungsamt der sächsischen Landesregierung war vor Ort und hat den Biohof überprüft. Es wurden keine Erreger gefunden, auch das Wasser hat Trinkwasserqualität und ist nicht infiziert, sagt die Landschaftsarchitektin Leipacher weiter. „Die Lage hat sich entspannt – auch nervlich.“ Immerhin stand die Arbeit von 15 Jahren auf dem Spiel. Inzwischen hat die Landesregierung zugesagt, einen Schadensausgleich zu zahlen. Der Antrag ist bereits gestellt.

Die Nachfrage nach Gemüse ist wieder gestiegen und Gurken, Tomaten oder Salate vom Auenhof sind nicht nur in Sachsen, sondern auch in Sachsen-Anhalt, Thüringen oder Nordbayern begehrte Ware. Dort werden sie über den Bio-Großhandel Naturkost Erfurt an Bio-Läden, Bio-Caterings, Gaststätten oder Waldorfeinrichtungen verteilt. „Wir hätten den Auenhof in der schweren Zeit gerne mehr unterstützt“, sagt Bio-Großhändler Thomas Hölscher. „Aber wir können nur ordern, was auch bei uns bestellt wird. Es hat keinen Sinn, wenn das Gemüse in unseren Hallen verwelkt.“  Auch Hölscher war in dieser Zeit verunsichert und freut sich, dass sich Nachfrage wieder normalisiert hat.

Die Leipachers sind froh, dass zumindest der finanzielle Schaden aller Voraussicht nach, zu einem gewissen Teil ersetzt werden wird. „Viel schlimmer ist der Imageverlust von Obst und Gemüse“, sagte Katrin Leipacher. Die Mutter von drei Kindern weiß, wie wichtig Äpfel, Möhren oder Salat für eine gesunde Ernährung sind. „Aber das scheint nach EHEC sehr in Frage gestellt.“ Sie glaubt, dass es dauern wird, bis Obst und Gemüse wieder den Stellenwert in den Köpfen der Menschen haben wird, wie es vor EHEC der Fall war.

Weitere Informationen: www.biogemuese-sachsen.de

[ Artikel drucken ]

Ticker