Start / Ausgaben / BioPress 66 - Februar 2011 / Bio-Feinkost funktioniert

Bio-Feinkost funktioniert

Neuhoff im Donaueinkaufszentrum profiliert sich mit Frische, Vielfalt und Beratungskompetenz

Seit zehn Jahren ist der Biomarkt Neuhoff nun schon im Donaueinkaufszentrum (DEZ) in Regensburg. Der Standort ist nicht alltäglich für eine Bio-Verkaufsstelle. Frische, Feinkost und Bedienung ist das Thema der Familie Neuhoff. Durch eine ansprechende Präsentation finden die 6.500 Bio-Artikel ihre Käufer-Gemeinde. Herausragend ist die Käsetheke. Schlicht und übersichtlich gestaltet besticht sie mit einem glänzenden Sortiment. Standortbedingt ist der Markt keine Familien-Einkaufsstätte.

Bio-Supermarkt-Betreiber Bernhard Neuhoff ist zufrieden.{_umbruch_}


Eine große Obst- und Gemüseabteilung trägt zum hohen Frische-Anteil bei.{_umbruch_}
Die Neuhoffs sind Quersteinsteiger in den Naturkosthandel. Er Fernmeldetechniker, sie technische Zeichnerin hatte das Paar weder mit Handel, noch mit Lebensmitteln etwas zu tun. Vollwertkost für den Eigenbedarf und Bekannte machte den Anfang. Dann öffneten sie 1989 ihr eigenes Haus in der Landgemeinde Nittendorf bei Regensburg für die Nachbarn. Die Verkaufsfläche im eigenen Haus betrug sieben Quadratmeter. Die Neuhoffs dehnten sie auf Kosten der Wohnfläche immer weiter aus.

Dann kam die Entscheidung für einen Laden im Zentrum Nittendorfs. Bernhard Neuhoff verabschiedet sich von der Telekom und ging noch einmal in die Lehre beim örtlichen Edeka-Händler. „Die waren dem Naturkosthandel in Ladenbau und Warenpräsentation 100 Jahre voraus“, erzählt Neuhoff von seinen Lehrjahren.

Moderne Präsentation von Bio


Bei Bio-Wurst und -Fleisch vertraut der Bio-Markt Neuhoff auf Herrmannsdorfer.{_umbruch_}
Die Bio-Supermärkte haben mächtig aufgeholt. Seit 2008 betreibt Neuhoff auf 630 Quadratmeter einen modernen Markt. Für die Inszenierung der Bio-Produkte hat er in die Ladeneinrichtung investiert. In Abstimmung mit dem Ladenbauer Sperl aus Cham in der Oberpfalz erstellte Bäro eine individuelle Lichtplanung.

„Wir wollten eine helle, freundliche Einkaufsatmosphäre für unsere Kunden schaffen. Neben den frischen Farben und dem modernen Design unseres Mobiliars spielt dabei auch die Beleuchtung eine sehr wichtige Rolle. Außer der positiven Lichtwirkung lag mir bei steigenden Strompreisen vor allem die Energieeffizienz sehr am Herzen“, erklärt Betreiber Neuhoff. Das ist gelungen, 700 Kunden betreten täglich den Verkaufsraum. Im DEZ müssen sie nicht zu Neuhoff. Sie haben noch 140 weitere Geschäfte zur Auswahl.

Für die Präsentation wählte der Betreiber mit Wanzl-Regalen die S-Klasse. Die Gänge sind großzügig bemessen, so dass zwei Wagen im Gegenverkehr einander passieren können. Die Kassen sind eine Eigenentwicklung mit kürzerem Band, speziell auf die Bedürfnisse des Marktes zugeschnitten.

Regensburg ist Bio-Hochburg mit sieben Verkaufsstellen und somit ein umkämpfter Markt. „Wir haben hier die höchste Bio-Ladendichte in Deutschland. Wir haben drei Supermärkte, zwei mittlere Naturkostläden und einen kleinen. Wir sind hier in der Oberpfalz, dem Armenhaus von Bayern. Die Oberpfälzer sind konservativ und sparsam. Wir haben allerdings Vollbeschäftigung durch die Industrie“, beschreibt der Bio-Händler das Umfeld.

Hauptlieferant ist der nationale Naturkostgroßhändler Dennree aus Töpen. Vom regionalen Großhändler Ökoring aus Bayern wird ebenfalls Ware bezogen. Dazu kommen noch einige regionale Erzeuger. Eier kommen von einem Hühnerhof aus der Umgebung. Ein anderer Bio-Bauer liefert frische Milch.

Neuhoffs Konzept lautet Frische und Bedienung. Obst und Gemüse (15 Prozent), Molkereiprodukte (15), Backwaren (12) und Wurst (11) machen schon mehr als die Hälfte des Umsatzes aus.

Getränke von der Palette sind hier nicht zu verkaufen, obwohl es 3.500 kostenlose Parkplätze gibt. 250 Meter müssten die Kunden einen vollen Einkaufswagen zum ebenerdigen Außen-Parkplatz schieben. Das ist zu weit. „Wir haben viel Frequenz und einen kleinen Bon“, nennt der Inhaber die Konsequenz. Für 2,8 Millionen Euro kaufen die Oberpfälzer jährlich in dem Bio-Markt ein. Das Einkaufszentrum hat ein Einzugsgebiet von 100 Kilometer um Regensburg.

Großzügige Bedientheken


Backwaren, Käse, Feinkost, Fleisch und Fisch gibt es in Bedienung. „Wir haben das größte Brotangebot aller Naturkostläden in Regensburg“, ist Neuhoff stolz. Im Moment liefern drei Bäcker die frischen Backwaren, darunter die Hofpfisterei und Gottschaller aus München. In ganz Regensburg gibt es keine Bio-Frischebäcker. „Unser Brot reist mindestens 170 Kilometer“, berichtet der Bio-Einzelhändler. Das wird sich bald ändern. Neuhoff Junior, seines Zeichens Bäckermeister, eröffnet dieses Jahr einen Bio-Betrieb.

Fleisch und Wurst wird auf 2,5 Meter in Bedienung präsentiert. Hermannsdorfer Landwerkstätten aus Bayern beschickt die Theke: „Das ist der Mercedes. Wir haben schon andere getestet“. Mit rund 60 Sorten besteht bei der Wurst reichlich Auswahl. Beim Fleisch dominieren Rind und Lamm. Entgegen der allgemeinen Vorliebe ist Schwein hier nur auf Platz drei in der Kunden-Beliebtheit.

Umsatzbringer Käsetheke


Die Käsetheke ist das Prunkstück des Marktes. Auch England ist vertreten mit Stilton, Wensleydale usw.{_umbruch_}
Die Käsetheke ist hier ein Umsatzbringer. Sie zählt zu den besten im ganzen Land. Der Käse wird von mehreren Großhändlern beschafft, darunter Jürgen Würth aus Bayern. „Von Dennree beziehen wir nur die Premiumlinie. Das Standard-Angebot ist nicht das Richtige für uns“, bemerkt Neuhoff.

250 bis 300 Sorten liegen auf 7,5 Thekenmetern aus. Während eine durchschnittliche Käsetheke rund vier Prozent zum Umsatz beiträgt sind es hier mehr als doppelt soviel. Nur fünfzehn Prozent des Käses werden im deutschen Handel an der Theke abgesetzt. „Bei uns ist es umgekehrt. Wir verkaufen in Bedienung weit mehr als in SB“, sagt der erfahrene Kaufmann.

Die europäischen Käsenationen Österreich, Schweiz, Italien, Spanien, Niederlande, Dänemark, Deutschland und Großbritannien versammeln sich in der Frischetheke in der Oberpfalz. Die Five of the Best aus England kombinieren fünf Käse in einem. In verschiedenen Schichten sind sie vereint. Für einen Wensleydale mit Cranberry muss der deutsche Verbraucher in der Regel ein Feinkost- oder Käsefachgeschäft aufsuchen; oder den Bio-Markt Neuhoff Regensburg. Ein fünf Jahre alter Parmesan der Käserei St. Rita wird geführt. Standardsorten sind in der Theke nicht vertreten. In einem Wandregal hinter der Theke gibt es einige davon. 5 Käse sind täglich wechselnd in der Verkostung. Von 1,30 bis 4,80 Euro/100 Gramm reicht die Preisspanne.

Die Präsentation ist schlicht und einfach ohne Deko. Dafür wird den einzelnen Käsen viel Raum gelassen. Das ist übersichtlich und kundenfreundlich. Allein der Leuchtturm Käsetheke ist es wert, die Verkaufsstätte aufzusuchen. „Unsere Feinkost-Abteilungsleiterin macht das hervorragend“, lobt der Chef.

Bio-Fisch von Deutsche See

Eine Fischtheke wird im Bio-Fachhandel nur selten betrieben. Neuhoff tut es. Von Mittwoch bis Samstag verkauft er Bio-Fisch von Deutsche See. Seit Ende vergangenen Jahres hat der Bio-Markt um Frischfisch mit dem MSC-Siegel erweitert. Neuhoff ist eines der ersten Naturkostfachgeschäfte, die sich von MSC zertifizieren lassen, um mit den zusätzlichen Wildfischen mehr Auswahl im Fischsortiment anbieten zu können. „Die Fisch Logistik ist teuer, und der Bio-Fisch ist ebenfalls teuer“, bemerkt Neuhoff. Das macht den Einkauf an der Fisch-Theke doppelt teuer.


Optisch gut in Szene gesetzt ist der Wein.
Obst und Gemüse mit 120 Artikeln ist ein wichtiger Bestandteil. 15 Prozent trägt das Teilsortiment zum Gesamtumsatz bei. „Der Ursprung der Ware ist immer gleich. Die Frage ist, wie geht der Großhandel mit der empfindlichen Ware um?“ erläutert der Naturkosthändler. Nicht 100 Prozent kommt optisch einwandfrei an. Der Bio-Händler sortiert deshalb aus. Ein Apfel mit Druckstellen soll nicht im Regal liegen. Mit der Kalkulation im denn’s Handzettel würde er deshalb nicht hinkommen. Den niedrigsten Bio-Preis der Stadt macht Neuhoff nicht. Stattdessen setzt er auf Auswahl und Qualität. Randartikel wie Schwarzwurzel, Topinambur oder Beifuß sind zu haben.

O + G mit Schönheitsfehlern werden im Bistro verkocht. Seit der Neueröffnung 2008 ist die Gastronomie ein Bestandteil des Marktes und hat sich bewährt. Die Frequenz stimmt. Um die Mittagszeit sind die 30 Plätze besetzt. „Das Essen wird nicht als Bio ausgelobt, weil wir nicht bio-zertifiziert sind. Aber wir streben die Zertifizierung an“, betont der Inhaber.

Das Trockensortiment orientiert sich an Feinkost. Das Kaffee-Regal beherbergt alles, was Rang und Namen hat: Mount Hagen, Sonnentor, Rapunzel, Naturata und Gepa. Hinzu kommen Vergnano und Maria Sole im oberen Preissegment. Der über Olivenholz geröstete Maria Sole zu 9,50 Euro für 250 Gramm läuft hervorragend „Wir verkaufen mehr, als wir bekommen können“, erzählt Neuhoff.

Ein glutenfreies Sortiment wird ebenfalls angeboten. Demeter-Hersteller Bauckhof. Pionier Werz, Felicia Pasta, Schnitzer Brot und Rosengarten sorgen dafür, dass auch Zölliakie Allergiker genießen können.


Die Naturkosmetik ist ebenfalls ein Glanzstück im Bio-Supermarkt der Familie Neuhoff.
Die Naturkosmetik-Abteilung führt alles vom Einstiegs- bis zum Premium-Produkt. „Der Preiseinstieg läuft bei uns nicht“, heißt die positive Nachricht. Denn die Oberklasse funktioniert umso besser. Zwei Naturkosmetikerinnen arbeiten in der Abteilung. Auch Behandlungen werden angeboten. Die Kundinnen entwickeln dadurch höhere Ansprüche an die Produkte und sind bereit mehr auszugeben. Nicht alle Käufer wollen mehr Quantität, Neuhoff-Kunden verlangen mehr Qualität.
Anton Großkinsky

Ticker Anzeigen