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Vorfahrt für Bio

Teigwaren-Hersteller Alb-Gold in der Region verwurzelt

Der Teigwaren-Hersteller Alb-Gold aus Trochtelfingen auf der Schwäbischen Alb setzt weiter auf Bio, Regionalität und GVO-Freiheit. Irmgard Freidler, die nach dem Ableben ihres Mannes im Juli die Geschäftsführung übernahm, bekräftigt: „Alb-Gold bleibt familiengeführt“. Das wird unterstrichen durch den Eintritt der beiden Söhne Oliver und André Freidler in die Geschäftsleitung. Die Juniorchefs betätigen sich in Marketing und Vertrieb des zweitgrößten deutschen Nudelherstellers. Zum Unternehmen gehört auch Teigwaren Riesa in Sachsen.

Irmgard Freidler mit ihren Söhnen André (li.) und Oliver (re.).{_umbruch_}Fotos: Alb-Gold

„Wir werden ein Familienunternehmen bleiben. Etwas anderes stand nie zur Debatte. Alb-Gold wird keinen externen Manager einstellen. Wir sind anders als die anderen“, erklärt die Unternehmerin Irmgard Freidler. Der Teigwaren-Spezialist lebt von Innovation und Inspiration. 30 Prozent beträgt der Bio-Anteil an der Produktion von rund 50 Tonnen am Tag im Werk Trochtelfingen. Ein Drittel der Bio-Menge geht wiederum in den Export. Nicht alle Bio-Nudeln, die produziert werden heißen Alb-Gold. Auch die Bio Marke Alb-Natur kommt aus dem Hause ALB-GOLD.


Mit Oliver und André Freidler tritt jetzt die dritte Generation an. Schwäbische Alb statt London und Paris ist bei den Junioren angesagt. Qualität, Regionalität, GVO-Freiheit und biologische Herstellung stehen auch bei ihnen ganz oben auf der Liste.

Alb-Gold ist, wie Firmenname und Marke anzeigen, regional auf der Alb im Landkreis Reutlingen verwurzelt. Das spiegelt sich in den Produkten wider. Die alten heimischen Getreidesorten Dinkel, Emmer und Einkorn werden zu Bio-Teigwaren verarbeitet. Der Hersteller hat dem Alb-Dinkel zu einer Renaissance verholfen. Zehn Prozent macht das regionale Bio-Getreide am Geschäft aus. Klingt wenig, ist aber viel. Nur wenige Nudelmacher beziehen Rohstoffe aus der Region.

Bio-Nudeln aus Ur-Getreide


Das Alb-Gold Betriebsgelände in Trochtelfingen mit dem Kräutergarten im Vordergrund.{_umbruch_}Foto: Alb-Gold
Bio-Emmer und -Einkorn sind Spezial-Nudeln aus Ur-Getreide, mit geringer Menge, da die alten Sorten schwierig im Anbau und schwach im Ertrag sind. Einen gewisse Menge bringt nur der Dinkel. „2011 war verregnet. Der Dinkel hat das besser überstanden als Raps und Gerste. Er ist historisch auf der Alb beheimatet“, erklärt Oliver Freidler. Die Innovationsfreude stößt aber an Grenzen. „Der Handel listet nur, was sich schnell dreht“, weiß Irmgard Freidler. Nur Spezial-Sorten lassen sich nicht vermarkten. Haupt-Rohstoff ist deshalb auch bei Bio-Teigwaren der Hartweizen mit appetitlicher Farbe und einem prima Kochverhalten. Die Bio-Variante wird aus Italien, wo ihn schon die alten Römer pflanzten, importiert.

Alb-Gold beteiligt sich auch an einem Projekt des Landwirtschaftsamtes Münsingen mit Bio-Gelbweizen. Auch hier wird eine alte Züchtung wiederbelebt. Für die ersten Backversuche mit Gelbweizen gab es Bestnoten von der Getreideforschungsanstalt in Detmold. Den Alb-Gold Bio-Spätzle gibt er eine hervorragende Färbung.


Aus Dinkel macht der Hersteller wertvolle Bio-Teigwaren.{_umbruch_}Foto: Alb-Gold
Regionalität ist aber nicht begrenzt auf das Produkt. Der Standort reduziert sich bei dem mittelständischen Unternehmen nicht zum Kostenfaktor „Wir übernehmen Verantwortung in der Region und gegenüber den Mitarbeitern. Wir sind hier verwurzelt“, macht Unternehmerin Freidler die Ausrichtung klar. Die Bekanntheit ist auch wegen des Kundenzentrums hoch. Täglich werden Besuchergruppen durch die gläserne Produktion geführt, können im Restaurant essen und im Lebensmittelmarkt einkaufen. Kochvorführungen und Kurse machen das Unternehmen zusätzlich bekannt.

England entdeckt Bio-Vollkorn

Beim deutschen Bio-Verbraucher bemerkt Alb-Gold einen Trend weg von Vollkorn. Beim Export nach Großbritannien geht es in die andere Richtung. Dort entdecken Verbraucher gerade das volle Korn, wie André Freidler berichtet. Ein Drittel der Bio-Produktion wird exportiert.


Bei der gläsernen Produktion können Besucher hinter die Kulissen schauen.{_umbruch_}Foto: Alb-Gold
Für den Vertriebskanal Fachhandel hat der Nudel-Hersteller 2008 mit Alb-Natur eine eigene Marke entwickelt. Das Getreide für die frischen und getrockneten Teigwaren für den NFH stammt aus Bioland-Anbau. 25 Sorten gibt es, da­von acht kühlpflichtige. 2010 sorgte die Naturkostmarke für Wachstum im Hause des Herstellers. „Auf der Biofach 2011 wird Alb-Natur prominent gezeigt“, kündigt André an. Die Linie wird der Schwerpunkt beim diesjährigen Messe-Auftritt sein.

Kompostierbare Materialien werden noch nicht eingesetzt. Bereits vor drei Jahren hat sich das Unternehmen damit befasst und Folie aus nachwachsenden Rohstoffen getestet. „Der Hersteller konnte nicht ausschließen, dass GVO-Mais eingesetzt wird. Das wollten wir nicht unterstützen“, antwortet Oliver Freidler. Aber der Markt für nachhaltige Verpackungen bewegt sich. Raum für Innovation bleibt.

Die Schwaben sind mit einem Umsatz von rund 60 Millionen Euro die Nummer zwei in Deutschland, wie Marktkenner schätzen. In puncto Nachhaltigkeit sind die Trochtelfinger durch biologische Produktion und regionale Rohstoffe der Konkurrenz einen Schritt voraus und damit gut aufgestellt für die Anforderungen des Marktes.

Anton Großkinsky

 

Trochtelfinger Tafelrunde

Zur Trochtelfinger Tafelrunde des Teigwaren-Herstellers Alb-Gold unter dem Motto „Natürliche Artenvielfalt und regionale Lebensmittel“ kamen rund 100 Gäste. Seit zwei Jahren finden die Tafelrunden in regelmäßigen Abständen mit unterschiedlichen Themen beim Nudelhersteller Alb-Gold statt. Entstanden ist diese Veranstaltungsreihe durch die Idee des im Sommer verstorbenen Firmenchefs Klaus Freidler.

Sein Sohn Oliver Freidler betonte, dass die Familie diese Tradition mit gleicher Leidenschaft fortsetzen wird. Information und Aufklärung sei wichtig für mündige Verbraucher und ein Grundrecht für die Menschen. Zusammen mit seinem Bruder André vertrat er das Familienunternehmen auf dem Podium.

Anhand zahlreicher Beispiele stellt Prof. Roman Lenz, Leiter des Instituts für Landschaftsplanung und Landschaftsinformatik an der Fachhochschule Nürtingen-Geislingen, die aktuelle Situation des rapide zunehmenden Artensterbens dar. Geht das Artensterben mit unverminderter Geschwindigkeit weiter, müsse das System früher oder später zusammenbrechen.


Sein wissenschaftlicher Kollege Andreas Bauer-Panskus vom Wissenschafts- und Projektbüro eipgen wies auf den Zusammenhang von Artensterben und neuen Technologien in der Landwirtschaft hin. Zum Beispiel durch die Aussaat gentechnisch veränderter Pflanzen komme es zur Kreuzung mit verwandten Wild- oder Unkrautpflanzen. Nach einem solchen Artensprung sind gentechnische Konstrukte nicht mehr rückholbar. In Brandenburg musste vor einigen Jahren Honig aus dem Verkehr gezogen, in dem Rückstände von gentechnisch veränderten Pflanzen gefunden wurden. Der Imker blieb auf dem Schaden sitzen.

Beim Podiumsgespräch erklärte André Freidler, dass im Kundenzentrum des Familienunternehmens das Interesse an der Gläsernen Produktion und an Informationen rund um die gesunde Ernährung ungebrochen sei. Die Leute wollen weg von den anonymen Lebensmitteln und die Gesichter hinter den Produkten sehen.

Mit der Lesung des Epilogs aus dem Buch „Allein unter Gurken“ wurde die Runde abgeschlossen. Das Fazit von Schauspieler Andreas Hoppe nach seinem einjährigen Selbstversuch, sich regional zu ernähren war einfach und klar: Jeder kann mit seinem eigenen Handeln zu mehr Vielfalt in der Natur und auf dem Teller beitragen. Für ihn haben die Erfahrungen während des Jahres dazu geführt, dass er die Natur, den Genuss und das Leben allgemein bewusster wahrnimmt und genießt.

Anton Großkinsky

 


Alb-Gold setzt Akzente

2010 überarbeitete Alb-Gold den Auftritt der Marke und die Verpackung. „Der deutsche Verbraucher liebt den Schlauchbeutel mit Sicht auf das Produkt“, sagt Irmgard Freidler. Bisher waren die Beutel mit einem Clip verschlossen und einem Anhänger etikettiert. Die Klarsichtbeutel werden jetzt mit einem Reiteretikett versehen. Der Durchblick bleibt erhalten.

Die Kid’s Pasta mit den drei Ausformungen Dino, Bauernhof und Safari bleibt weiterhin in der Faltschachtel, die vor Bruch und Licht schützt. „Mit den Nudeln können die Kinder auch spielen. So kann man die kleinen an Bio heranführen“, erzählt Irmgard Freidler.

Das angestammte Rot wurde durch Aubergine ersetzt. Das unterstreicht die Premium-Anmutung. Außerdem wurde ein Farbleitsystem eingeführt, damit der Kunde die Produkte leicht erkennt. Die Bio-Pasta erscheint jetzt mit einem Blauen Balken für die Linie ohne Ei. Bio-Urkornnudeln werden durch einen grünen Balken gekennzeichnet.

Mit dem goldenen Schriftzug und dem aus Sonne und Ähren bestehenden Wappen, hebt sich der neue Markenauftritt deutlich im Regal ab. Der farbliche Kontrast zwischen Verpackung und Produkt stellt die Premium-Teigwaren unverkennbar in den Vordergrund. Der Neuauftritt wurde von einer Plakat- und Radiokampagne begleitet. In Verpackung, Marketing und Werbung steckte Alb-Gold rund 1,5 Millionen Euro.


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