Bio-Palmöl

Orangefarbenes Gold aus Kolumbien

Kaum ein anderer Rohstoff wird in der Lebensmittelindustrie so vielseitig eingesetzt, kein anderer Rohstoff wird gleichzeitig so kontrovers diskutiert wie Palmöl. So sehr Lebensmittel- und auch Kosmetikhersteller die hervorragenden Verarbeitungseigenschaften schätzen, so stark kritisieren Umweltgruppen Urwaldrodungen für den Ölpalmenanbau. Dabei gibt es alternative Wege, wie ein Palmölhersteller aus Kolumbien zeigt.

Ein Landarbeiter bei der Ernte. {_umbruch_}Foto: Daabon


Oben und Mitte: Der Fruchtstand wird per Hand verladen und mit der Muskelkraft des Wasserbüffels abtransportiert. {_umbruch_}Unten: Die Palmfrucht im Querschnitt. {_umbruch_}Fotos: Daabon
Was wäre der sonntägliche Frühstückstisch ohne eine gut streichbare Nuss-Nougatcreme? Oder der Geburtstagskuchen ohne klebefreie Schokoladencouverture? Liebgewonnene Naschereien wie diese haben eines gemeinsam: Sie kommen ohne Palmöl nicht aus. Auch in Margarine, Brotaufstrichen oder Keksen findet sich Palmöl auf der Zutatenliste. Ebenso in Kosmetika wie Cremes, Lippenstiften oder Seifen. Selbst in Kerzen und Waschmitteln steckt das beliebte Pflanzenfett.

Palmöl ist ein Tausendsassa. Kein anderes pflanzliches Öl wird so breit und in solchen Mengen eingesetzt wie das Öl aus den Früchten der Afrikanischen Ölpalme. Verarbeiter schätzen das ungehärtete und von Transfettsäuren freie Öl und nicht zuletzt den einzigartigen Flächenertrag, der sich günstig auf den Preis auswirkt. Palmöl ist in vielen Industrien, vor allem aber bei der Lebensmittelherstellung, unentbehrlich geworden. Das belegen auch die rasanten Zuwachszahlen. Über 50 Millionen Tonnen Palmöl wurden in 2010 weltweit erzeugt (2004: 28 Millionen Tonnen). Allein Indonesien und Malaysia produzieren rund 85 Prozent des globalen Bedarfs.

Die Kehrseite der Medaille: Die steigende Nachfrage, zusätzlich angeheizt durch die Verbrennung von Palmöl in Blockheizkraftwerken, hat zu einem hemmungslosen Raubbau von Primärwäldern, vor allem in Südostasien, geführt. Laut Greenpeace wird in Indonesien pro Stunde Urwald mit der Fläche von 300 Fußballfeldern zum Anbau von Ölpalmen abgeholzt. „Palmöl vernichtet Urwald in Malaysia“, „Orang-Utans sterben für Palmöl“, so oder ähnlich überschreiben Journalisten ihre Palmöl-Beiträge.

Tatsächlich hält der Kahlschlag mit all seinen Folgen für Flora, Fauna und Klima bis heute an. Dass es so auf Dauer nicht weiter gehen kann, haben einige Akteure schon länger erkannt. Der WWF organisiert bereits seit 2004 federführend ein Projekt, das sich den nachhaltigen Ölpalmenanbau zum Ziel gesetzt hat. Unter dem Dach des RSPO (Roundtable on Sustainable Palm Oil) arbeitet daran eine Allianz aus Herstellern, Händlern und Umweltorganisationen.
Mit am Tisch sitzen auch einige große Lebensmittelkonzerne, die sich inzwischen verpflichtet haben, künftig nur noch Palmöl mit RSPO-Zertifikat einzusetzen. Noch sind nicht alle gesteckten Ziele erreicht, dennoch ist RSPO ein erster und notwendiger Schritt in Richtung eines nachhaltigen Anbaus.

Bio-Palmöl aus Südamerika


Im Hafen von Santa Marta wird das Palmöl verschifft. {_umbruch_}Foto: Daabon
Wie nachhaltiger Palmölanbau gelingen kann, das zeigen seit langem zwei Bio-Produzenten aus Südamerika: Agropalma aus Brasilien sowie Daabon aus Kolumbien. Weltweit liefern diese beiden Unternehmen als einzige nennenswerte Mengen Palmöl in Bio-Qualität. Im Gesamtmarkt spielt das Bio-Segment mit deutlich unter einem halben Prozent freilich nur eine Nebenrolle. Doch in den erfolgreichen Nischenmärkten Bio-Lebensmittel und Naturkosmetik ist das orangefarbene Gold (die Farbe des Rohöls entsteht aufgrund des hohen Carotingehaltes) nicht mehr wegzudenken.

Wichtigster Lieferant ist Daabon. Hinter dem Erfolg des Marktführers Daabon steckt eine in der Branche einzigartige Nachhaltigkeitsphilosophie, die frühzeitig unternehmerisches Handeln mit ökologischer und sozialer Verantwortung verband. Das weltweite Interesse an diesem Palmöl ist groß, die Nachfrage übersteigt das Angebot. Ein Grund für die knappe Verfügbarkeit: Die Plantagen sind mit 1.500 Hektar deutlich kleiner als konventionelle Palmölmonokulturen.

„Wir können unsere Anbauflächen nicht beliebig groß machen“, sagt Felipe Guerrero, Leiter Nachhaltigkeit bei Daabon. Auf Bio-Plantagen ist vieles Handarbeit, auch die Schädlingsbekämpfung mit natürlichen Mitteln stößt bei größeren Flächen an ihre Grenzen. Außerdem schreibt der Bio-Anbau statt Kunstdünger selbst erzeugten Kompost vor.

All das sind limitierende Faktoren für den ungebremsten Flächenanbau. Hinzu kommt eine Selbstverpflichtung des kolumbianischen Palmölerzeugers: Die Rodung von Wäldern ist für Daabon tabu. Neue Plantagen dürfen nur auf ehemaligem Weideland oder stillgelegten Reis- und Baumwollfeldern angelegt werden. Damit steht Daabon selbst im großen Kolumbien nur eine begrenzte Anbaufläche zur Verfügung. Diese Haltung unterscheidet das südamerikanische Unternehmen grundsätzlich von vielen konventionellen Palmölherstellern.

Rapunzel gab den Anstoß


Die Frucht wird in der Ölmühle angeliefert und zur Presse transportiert. {_umbruch_}Foto: Daabon{_umbruch_}
Bis vor ein paar Jahren war das Familienunternehmen Daabon nur Insidern ein Begriff. Mit zunehmender Berichterstattung über Palmöl rückt der weltgrößte Bio-Palmölhersteller nun immer öfter ins Rampenlicht. Manuel Dávila, der heutige Präsident der Firma, traf Anfang der 90er Jahre mit dem Einstieg in den großflächigen Bio-Anbau eine richtungsweisende Entscheidung – und avancierte gleichzeitig zum Bio-Pionier in Kolumbien. Der Aufstieg als Bio-Palmölhersteller ist eng verbunden mit dem Namen des deutschen Naturkostpioniers Rapunzel. Rapunzel war der erste deutsche Abnehmer von Bio-Palmöl.

Das vielseitige Fett spielt bis heute in 44 Rapunzel-Produkten eine wichtige Rolle. Traditionell legen Naturkosthersteller Wert auf langfristige Geschäftsbeziehungen mit ihren Lieferanten. Dazu gehören auch der persönliche Kontakt und die Qualitätsprüfung vor Ort. Barbara Altmann, Agrar-Ingenieurin bei Rapunzel, besucht regelmäßig die Plantagen und macht sich ein Bild von den ökologischen und sozialen Standards. Mittlerweile sind sämtliche Daabon-Ölpalmplantagen als Bio-Flächen anerkannt, und längst liefert Daabon das flüssige Gold aus dem Heimathafen Santa Marta in die ganze Welt, allein rund 15.000 Tonnen nach Europa.

Erfolgsmodell Allianzas


Wesentlichen Anteil an der Ausweitung der Bio-Flächen haben die von Daabon ins Leben gerufenen Allianzas. In diesen Kooperativen im Nordosten des Landes bewirtschaften die Bauern eigenes Land und handeln als eigenständige Unternehmer. Dennoch können sie auf das Know-how, die finanziellen Sicherheiten und die sozialen Leistungen von Daabon zählen.

Davon haben alle Partner etwas: Daabon garantiert die langfristige Abnahme der Ernte zu überdurchschnittlichen Preisen. Bei Existenzgründungen übernimmt Daabon sogar Bürgschaften und bietet Weiterbildungskurse an. Vor allem aber fördert Daabon fachlich und finanziell die Umstellung auf den ökologischen Landbau. Durch diese hohen Anreize motiviert, entscheiden sich immer mehr der rund 450 in Allianzas zusammengeschlossenen Kleinbauern für den ökologischen Landbau.

Allein 2009 wurden 137 Kleinbetriebe biozertifiziert und tragen so zur Ausweitung mit Bio-Palmöl bei. Daabon engagiert sich aber auch für den Aufbau der Infrastruktur. So gelang es einige ländliche Regionen an das öffentliche Wasser- und Stromnetz anzuschließen. Auch der Aufbau von Schulen und Gemeindezentren geht auf das Familienunternehmen zurück. Jüngst hat die Familie Dávila beschlossen, zusätzlich zu bereits 150 errichteten Häusern weitere 300 Unterkünfte für Landarbeiter zu bauen.

Hildegard Rickert von Daabon Deutschland und exzellente Kennerin der Verhältnisse vor Ort erläutert die Motivation für diese Leistungen: „Traditionell verbindet die Familie Dávila ein enges Verhältnis zu ihren bäuerlichen Mitarbeitern. Durch die Investition in Allianzas sichert sich Daabon nicht nur eine langfristige Versorgung mit hochwertigen Produkten, sondern trägt durch dieses Engagement auch zur wirtschaftlichen, sozialen und politischen Stabilität der Region bei.“ Ein Engagement, das in Kolumbien bitter nötig ist. Denn bis heute leidet gerade die Landbevölkerung unter den Folgen der Violencia, der jahrelangen Gewaltherrschaft von Drogenkartellen, Guerilla und Paramilitärs.

Eine ganz andere Erfahrung machte das Unternehmen dagegen im Landesinnern. Gestützt von den positiven Ergebnissen des Kooperativenmodells in den küstennahen Regionen wollte Daabon auch in neuen Regionen Palmöl-Plantagen aufbauen. Die gemeinsam mit einem Konsortialpartner 2007 erworbene Finca Las Pavas erwies sich jedoch bald als Stolperstein. Die dortigen Bauern erhoben Anspruch auf das Land.


Die moderne Palmöl-Raffinerie ist auf dem Stand der Technik. {_umbruch_}Foto: Daabon
Weder juristisch noch in einer begonnenen Mediation ließ sich eine Einigung erzielen. Immer deutlicher zeigte sich, dass dieser Disput, wie viele weitere dieser Art, stellvertretend für eine längst angekündigte, aber bis heute vom Staat nicht eingeleitete Landreform ausgetragen wurde. Für Daabon als privatwirtschaftliches Unternehmen war dieser Landkonflikt nicht lösbar. Folglich zog sich Daabon im Herbst letzten Jahres vollständig aus dem Projekt zurück.

Seitdem konzentriert sich Daabon wieder auf die angestammte Region Magdalena. In der Stadt Santa Marta befindet sich seit Beginn die Firmenzentrale, später kam die hochmoderne Raffinerie hinzu. Am Hafen hält Daabon seit einigen Jahren Anteile. Spätestens beim Besuch dieser Anlagen erklärt sich der Unternehmens-Slogan „From the soil to the market“: Von der Aufzucht der Bio-Palmschösslinge, über die Plantagen, eine Ölmühle und Raffinerie bis zum Transport per Schiff in alle Welt – Daabon hat eine vollständige, aus einer Hand gesteuerte Lieferkette für Bio-Palmöl aufgebaut.

Vom Erfolg lässt sich das Unternehmen freilich nicht zum Stillstand verleiten, vielmehr wird die ursprüngliche Nachhaltigkeitsstrategie konsequent fortgeführt. Für dieses Jahr plant Daabon erstmals die Erstellung eines CO2-Fußabdruckes für Palmöl. Damit würden die Kolumbianer die Messlatte für nachhaltigen Palmölanbau erneut ein Stück höher hängen.
Volker Laengenfelder

 


 

Unternehmensinfo: Die Daabon Gruppe

Das Familienunternehmen blickt auf eine lange Tradition im Anbau tropischer Früchte zurück. 1914 begann mit den ersten Bananenplantagen das landwirtschaftliche Engagement der Familie Dávila (später heiratete die Familie Abondano hinein, aus den jeweiligen Anfangsbuchstaben der Familien entstand der Unternehmensname Daabon). Heute leitet Manuel Dávila gemeinsam mit drei Brüdern und weiteren Familienmitgliedern das Unternehmen. Dem Bananenanbau folgen Kaffee und Kakao, in den späten 70ern schließlich die ersten Ölpalmen. 1990 erfolgt die Umstellung auf den ökologischen Landbau. Inzwischen sind alle Ölpalmflächen biozertifiziert. Das Unternehmen beschäftigt derzeit knapp 2.000 Menschen, die meisten davon auf den Plantagen und in der Weiterverarbeitung. Der Lohn der Landarbeiter liegt rund 20 Prozent über dem für vergleichbare Arbeiten im Lande. Das Unternehmen hat Handelsniederlassungen in Deutschland, USA, Japan und Australien. Die Firmenzentrale ist Santa Marta/Kolumbien.
www.daabon.com


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