Start / Ausgaben / BioPress 66 - Februar 2011 / Malteser Orange in Bio noch unentdeckt

Malteser Orange in Bio noch unentdeckt

Biologischer Anbau von Zitrusfrüchten in Tunesien im Aufschwung

Die Erkenntnis, dass biologischer Landbau eine Möglichkeit darstellt, um Qualität, Nachhaltigkeit und Exporterlöse der Erzeugnisse zu steigern, hat sich in Tunesien längst herumgesprochen. Die erfolgreichen Ergebnisse der Saison 2010 und die Ausblicke auf 2011 geben den Bio-Befürwortern in Landwirtschaft, Agro-Industrie und Politik voll und ganz recht.


 

Mit dem gestiegenen Bewusstsein für das Potenzial des ökologischen Landbaus wächst die tunesische Fruchtproduktion durch Erschließung neuer landwirtschaftlicher Flächen seit Jahren stetig, aber in einem für Boden, Klima und Bevölkerung vernünftigem und nachhaltigem Maße. Daneben unterstützt ein staatliches Programm die Baum- und Bodenpflege bereits bestehender und neuer Orangenplantagen in der Region Cap-Bon. Gemäß den Anforderungen des Marktes werden der lückenlosen Nachverfolgbarkeit der Herkunft und der Kennzeichnung bei der Verpackung der Früchte große Bedeutung beigemessen. Zur Einrichtung solcher Systeme erhalten Produzenten technische Beratung und finanzielle Unterstützung durch die akkreditierten Kontrollinstitutionen.

Als einziges Produktions- und Exportland ist Tunesien vor allem auf eine autochthone, also einheimische Sorte besonders stolz. Von vielen Kennern wird die Halbblutorangensorte „Maltaise“ als „Königin der Orangen“ und eine der süßesten Sorten geschätzt. Das einzige Anbaugebiet weltweit ist die Halbinsel Cap-Bon, wo diese Sorte durch die dort vorhandenen klimatischen Bedingungen in Kombination mit dem traditionellen Wissen der Produzenten seine volle Qualität entfalten kann.

Neben dem typischen mittelgroßen Durchmesser, der ovalen Form und der sich leicht ablösbaren Schale überzeugt die „Maltaise“ vor allem mit ihrem ausgewogenem Geschmack, dem angenehmen Säuregehalt und ihrem zarten und saftigen Fruchtfleisch. Die Ernte, bei der die Orangen traditionell in Handarbeit gepflückt werden, beginnt Ende Januar und dauert bis Anfang April.

Neben den Tunesiern selbst wollen vor allem französische Konsumenten die Malteser Orange nicht missen und sind seit mehr als 50 Jahren Hauptabnehmer. Von Januar bis Mai 2010 konnte die Exportmenge um 15 Prozent auf 21.661 Tonnen erhöht werden. Der Durchschnittspreis beim Import blieb dabei mit 0,63 Euro/Kilogramm auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr.

Doch viele tunesische Produzenten und deutsche Urlauber sind sich einig, dass es höchste Zeit ist, auch Konsumenten in anderen Ländern in den Genuss der Malteser Orange kommen zu lassen. So haben sich Produzenten und Exportinstitutionen das Ziel gesetzt, ab 2011 verstärkt andere europäische Länder zu beliefern, vor allem den deutschen Markt. Zwei Exporteure, Bio Tunisie und Biolife, liefern bereits biologisch zertifizierte Malteser Orangen und andere Zitrusfrüchte.

Die Anwesenheit einer Grup­pe von Produzenten auf der Fruchthandelsmesse Fruit Logistica im Februar 2011 in Berlin bietet eine weitere Gelegenheit, dieser einzigartigen Sorte zu mehr Bekanntheit zu verhelfen. Dieser Aufgabe stellen sich die tunesischen Produzenten gemeinsam mit dem tunesischen Verband Groupement Interprofessionnel des Fruits (GIFruits) und der Deutsch-Tunesischen Industrie- und Handelskammer (AHK Tunesien).

 


 

Bio-Landwirtschaft auf dem Vormarsch

Die Förderung der biologischen Landwirtschaft Tunesiens von staatlicher und privatwirtschaftlicher Seite schla­gen sich bereits auf eine deutliche Steigerung der biologisch angebauten und zertifizierten Früchte nieder. Die Einführung eines eigenen Labels „Bio Tunisia“, die Anerkennung der tunesischen Bio-Reglementierung durch die EU, Werbekampagnen und Subventionen für Umstellung, Zertifizierung und Kontrollmaßnahmen sind nur einige Beispiele für die Unterstützung, die Produzenten durch die tunesische Regierung erhalten. So überrascht es kaum, dass Tunesien im letzten Country Report der Oxford Business Group als „Schlüsselstandort ökologischer Landwirtschaft“ bezeichnet wird und den an der biologisch bewirtschafteten Fläche gemessenen zweiten Rang in Afrika und die 24. Position weltweit einnimmt. Die mittlerweile 340.000 Hektar an biologisch bewirtschafteter Fläche sollen bis 2014 auf 500.000 erweitert werden.

Da Zitruspflanzen und Dattelpalmen die wichtigsten Baumbestände für die Exportproduktion sind, wird bei diesen Arten die Umstellung auf ökologischen Landbau besonders gefördert, so dass bereits auf 1.000 Hektar Dattelpalmen und 3.200 Hektar an sonstigen Fruchtbäumen biologisch zertifizierte Früchte geerntet werden. Vor allem die Produktion der biologischen Zitrusfrüchte soll nun konsequent ausgebaut werden. Sieben Produzenten haben den Zertifizierungsprozess erfolgreich durchlaufen und exportieren bereits Bio-Orangen und Zitronen.


Ticker Anzeigen