Anuga
ANUGA 2009: Bewusste Bio-Esser
Der moderne Verbraucher will von seinen Lebensmitteln mehr als satt werden
Nachhaltigkeit, Sicherheit, Genuss, Wohlbefinden, Esstrends, Ökodrinks, Gentechnik, Bio-Produktion und -Marketing waren Themen im Bio-Kompetenzzentrum der Anuga 2009. koelnmesse, der bioPress Verlag und das IFOAM Trade Forum organisierten Vorträge und Diskussionen mit Experten zur Entwicklung auf dem Bio-Markt. Vertreter aus Handel, Herstellung und Wissenschaft diskutierten und referierten über die Zukunftsthemen. Seit 2001 gibt es das Rahmenprogramm zum Thema Bio-Markt auf der Anuga.

Eike Wenzel vom Zukunftsinstitut in Kelkheim 
Ulrike Detmers von Mestemacher
Den Begriff der Nachhaltigkeit füllte Ulrike Detmers aus der Mestemacher-Geschäftsleitung mit Leben. Detmers bezeichnete Nachhaltigkeit als Prinzip für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. In der ökologischen Landwirtschaft ist sie ein eherner Grundsatz. Bodenfruchtbarkeit, Trinkwasserschutz, artgerechte Tierhaltung und Erzeugung gesunder Lebensmittel bedeuten nachhaltiges Wirtschaften.
Es folgt dem Leitbild einer gerechten Gesellschaft, in der jede Generation ihre Probleme selbst löst und der nachfolgenden keine Alt-Lasten auferlegt. Diesen Leitsätze folgt die Bio-Bewegung. Nach Meinung der Wirtschaftsprofessorin Ulrike Detmers wirkt Bio zu wenig in die Politik hinein. Als Strategie empfiehlt sie eine Effizienzsteigerung der Lobby-Arbeit. „Die industrielle Agrarchemie arbeitet effizient und mischt sich professionell in die Politik ein“, erklärte sie.
Kommunikationsstrategie in der Bio-Branche ist geprägt vom Low-Budget. „Bio braucht mehr Glamour und Glanz. Bio ist viel mehr als gesund“, betonte die Marketingexpertin. Das müsse mit einer Zunge in Richtung Verbraucher verkündet werden. „Die heterogene Bio-Gemeinschaft verhindert aber, dass mit einer Stimme gesprochen wird“, bemerkte Detmers.
Partnerschaft ist nachhaltig

Georg Eysel-Zahl von der Sarah-Wiener-Stiftung Zu einer nachhaltigen Lebensmittelproduktion zählen für Detmers Wertschöpfungs-partnerschaften von Landwirten, Verarbeitern und Handel zur Sicherung der Beschaffung und Qualität. Die Nutzung regenerativer Energie zählte die Managerin ebenfalls dazu. Die Förderung der Frauen gehören für die Frauenrechtlerin Ulrike Detmers ebenfalls zu einer Nachhaltigkeitsstrategie dazu. Das weibliche Geschlecht ist in Deutschland in den Führungsebenen unterrepräsentiert.
Die Diskussion uber die Mehrwerte Sicherheit, Genuss und moderierte Ulrich Köpke. Urs Niggli vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FibL) in der Schweiz stellte klar, dass die Mehrwerte von Bio nicht weg zu diskutieren seien: „Die Mehrwerte sind messbar. Das hat die QLIF-Studie der EU, an der 30 Institutionen in der EU beteiligt waren, gezeigt.“ Mehr sekundäre Pflanzenstoffe, mehr Antioxydantien machen Bio- Lebensmittel wertvoller. Er erinnerte an die ursprüngliche Idee des Bio-Landbaus durch Verzicht auf die Agrarchemie die ursprüngliche Qualität der Lebensmittel zu bewahren. Das dient zusätzlich dazu, die Bodenfruchtbarkeit und die Artenvielfalt zu erhalten.

Urs Niggli vom FiBLDiese Mehrwerte werden in Zukunft nachgefragt. „Das Essen tritt in die Phase der Reflektion“, bemerkte Eike Wenzel vom Zukunftsinstitut und Autor der Studie „Sinnmärkte – Der Wertewandel in den Konsumwelten“. Der Verbraucher fragt heute verstärkt, wo sein essen herkommt und wie hoch der CO2 Fußabdruck ist. Regionalität wird nach Meinung Wenzels wieder an Bedeutung gewinnen. Die Menschen erden sich über den Genuss regionaler Produkte und erleben Authentizität, wenn der Bauer im Markt sein Produkt persönlich vertritt. „In den nächsten Jahren werden wir über die Qualität des Essens reden. Das hat etwas mit der Lebenseinstellung zu tun“, betonte Wenzel. Er machte das am Einkaufsverhalten in Bio-Supermärkten fest. Dort sei die Verweildauer länger, weil die Kunden das Gespräch mit dem Personal suchen.
Dieses Bio + muss dem Verbraucher auf der Verpackung mitgeliefert werden. Das sprechende Etikett informiert den Kunden und ermöglicht ihm nachhaltigen und verantwortungsvollen Konsum „Das ist ein Dschungel für den Verbraucher. Bio-Siegel, Verbandssiegel, klimaneutral, fair: Solche Auslobungen werden aber kommen“, ist sich Urs Niggli sicher.

Moderator Ulrich Köpke
Gesunde Ernährung für Kinder
Die Sarah Wiener Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, benachteiligte Kinder an sinnvolles Essen heranzuführen. „Bei vielen spielt richtige Ernährung keine Rolle. Die Leute wissen nicht mehr, dass man Sellerie schälen muss. Teilweise gibt es in den Familien keinen Esstisch mehr“, berichtet Georg Eysel-Zahl, Vorsitzender der Sarah-Wiener-Stiftung. Er holt die Kinder und Jugendlichen in den sozialen Brennpunkten ab. „Die sitzen zuhause vor dem PC“, sagt Eysel-Zahl. Also hat die Stiftung ein Computerspiel entwickelt über vernünftiges Essen und Trinken.
Ulrich Köpke forderte mehr Nähe zum Kunden durch Regionalität und einen Auftritt mit Aura. Die Verpackung muss für den Inhalt sprechen. Die Produkte wiederum müssen mehr sein als der Inhalt einer Verpackung, eine Ausstrahlung haben und ein Lebensgefühl vermitteln.
Anton Großkinsky
mehr Bio auf der anuga 2009:







