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Bio-Genuss hat Zukunft

Kompetenzzentrum auf der Anuga zeigt Alternative zu GMO und Design-Nahrung

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Die Zukunft des Genusses malte Hanni Rützler vom Zukunftsinstitut in Kelkheim bunt wie die Konsumenten. Angehörige der Communities, Latte Macchiato-Fans, selbstbewusste junge Frauen, die Netzwerk-Familie, den grauhaarigen Modernen usw. stellte sie den Zuhörern im Bio-Kompetenzzentrum auf der Anuga vor. Die Ernährungswissenschaftlerin aus Österreich hatte viele Bilder unterschiedlicher Konsumenten parat.

Es fehlte der distinguierte beleibte Herr mit Fliege, der zum Gourmet-Tempel pilgert und sich an Kaviar und Stopf-Leber labt. Genuss kann Sache jeden Mannes und jeder Frau sein.
Genuss als Lebensziel gab bereits Epikur in der Antike aus. Der griechische Philosoph hat die sinnliche Wahrnehmung unterrichtet. Seine Lehre war auf Freude und Genuss ausgereichtet, nicht  auf Ausschweifung, wie teilweise überliefert wird. Er lehrte seine Schüler, die Welt durch riechen, schmecken und fühlen zu entdecken. „Die sinnliche Wahrnehmung ist heute unterentwickelt“, führte Rützler aus. Die Menschen müssen zurück in den Garten des Epikur, um die Sinne zu schulen und Speis und Trank neu zu erleben. Heute geschieht das durch Geschmacks-Schulungen.

Rützler propagierte Genuss als Lebensziel, das Lebensqualität spende. „Genuss stärkt das Selbstbewusstsein, hebt die Leistung, entspannt und wirkt anti-depressiv“, untermauerte die Österreicherin ihre These. Lustfeindlicher Verzicht auf alle Gaumenfreuden schlägt dagegen aufs Gemüt.

Genuss ist ein Sinnmarkt

Damit ist Genuss gesund und hat nichts zu tun mit Völlerei. „Es muss nicht das Teuerste sein und muss nicht tierquälerisch erzeugt worden sein“, erläuterte Rützler. Die gute Tasse Kaffe gemütlich und bewusst Schluck für Schluck getrunken, ist eine Freude bei einem ausgiebigen Wochenendfrühstück. Der Lebensstil des Genusses ist somit sinnvoll. Mit der Welt der Feinkost und der gehobenen Küche ist ein Sinnmarkt abgesteckt. Nachhaltiger Bio-Konsum zählt zu diesem Markt. {mosimage}

Supermärkte reagieren auf Esstrends

In der sich anschließenden Diskussion über „Esstrends verändern den Supermarkt“ führte Moderator Carol Haest aus, dass das gegenwärtige Lebensmittel-System in der Zukunft nicht funktioniere.  Das bestehende System gehe von unbegrenzter Verfügbarkeit von Energie und unendlicher Bodenfruchtbarkeit aus. Prämissen, die nicht mehr stimmen. Die Industrie schickt die grüne Gentechnik ins Rennen, um die Ernährungskrise zu lösen. Nano-food wird als Probemlöser gehandelt. Design Food wie das Microleave stellte Haest vor. Essen aus der Flasche mit vitaminisiertem Wasser ist ein Zukunftsmodell.

Alternative ist ein natürlicheres Essen mit weniger Fleisch und mehr pflanzlicher Nahrung. Ein neues Label in der Art einer Blume könnte dem Verbraucher die Dimensionen sozial, ökologisch und ökonomisch aufzeigen. Oder wird der Preiskampf zu einem komplett industrialisierten Lebensmittelmarkt führen? Der selbstständige Edeka-Händler Peter Wehrmann aus Spenge in Ostwestfalen weiß: „Der Preis spielt eine große Rolle. Es gibt aber Sortimente, die nicht über den Preis verkauft werden. Ein Teil der aufgeklärten Verbraucher gibt mehr aus als der Durchschnitt. Das ist abhängig von Bildung und Einkommen“.

Thomas Gutberlet, Vorstandsvorsitzender des mittelständischen Lebensmittelfilialisten tegut, warnte vor Preiskämpfen: „Entweder wir wirtschaften nachhaltig, oder es geht nicht mehr. Wir erleben aktuell den Niedergang der deutschen Landwirtschaft“. Dadurch sieht der tegut-Chef langfristig die Preise steigen: „Wenn es nur noch wenige Große gibt, werden wir erleben, wie teuer Lebensmittel sein können.“ Die Preisfrage wurde gestellt.

Um den richtigen Preis zu finden, ist die genaue Kenntnis der Wertschöpfungsprozesse notwendig. Bio-Berater Christoph Soika wies darauf hin, dass für eine vernünftige Kostenstruktur eine gewisse Quantität nötig ist: „Mehr Menge bringt bessere Preise“ Sinkende Preise bedeuten auf wachsenden Märkten nicht automatisch Verdrängungswettbewerb.

Der Sinnmarkt Bio-Bewegung hat sich jedenfalls in allen Teilen der Welt etabliert. „In Indien hat die Entwicklung spät begonnen, geht aber schnell voran“, berichtete Raj Seelam, Geschäftsführer von sresta. Das indische Unternehmen produziert Lebensmittel und betreibt eine kleine Handelskette. Auf der Sonderschau Voll Bio war er mit Fertiggerichten vertreten.
Der Genuss ist mit ein Grund für den weltweiten Vormarsch, wie Soika meinte. Für Lebensmittelkaufmann Peter Wehrmann ist  Bio-Fleisch „absolut besser“ als konventionelles. Allerdings 1:1 vergleichbar sind biologische und herkömmliche Erzeugung nicht. „Konventionelles Cola in Bio-Qualität nachzubauen, funktioniert nicht“, betonte Gutberlet. Bio bietet in seinen Augen eigene neue Geschmackswelten, wie er am Beispiel von Bionade anführte.  „Wer sich biologisch ernährt, fühlt sich mental und körperlich besser“, weiß Gutberlet.

Ernährungswissenschaftlerin Hanni Rützler sieht weiter gutes Potenzial für Bio. Sie rät zu Sortenvielfalt gegen konfektionierte Gleichförmigkeit. „Die Bio-Branche hat das know-how für die Führerschaft im Lebensmittel-Bereich“, gibt sich Rützler optimistisch.

Anton Großkinsky

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