Anuga
ANUGA 2009: Bio-Interesse ungebrochen
Koelnmesse-Geschäftsbereichsleiter Peter Grothues beeindruckt von Resonanz auf Bio
Bei der Lebensmittelmesse Anuga 2009 mit 6.522 Ausstellern aus 97 Ländern erwiesen sich Bio, Nachhaltigkeit, Fairtrade und Regionalität neben Convenience als beherrschende Themen. Auf der Fachmesse Anuga Organic waren 275 Unternehmen vertreten. Insgesamt stellten in den elf Hallen 2.000 Unternehmen Bio-Produkte aus. 2007 waren es noch 1.500. Das Interesse an Bio ist bei den Herstellern also ungebrochen.

Die Anuga spürt die Krise nur wenig, so wie das die Lebensmittelbranche bisher nicht hart getroffen wurde. So machten die Verbandsoberen wie Dirk Frauen, Jürgen Abraham und EU-Kommissar Günter Verheugen gute Stimmung. BVL-Präsident Dirk Frauen beklagte bei der Eröffnung ein Auf-und -Ab der Preise. Der Marktmacht der Discounter, die in diesem Jahr schon zehn Preiskampfrunden hinter sich haben, sei das im Wesentlichen zu verdanken. Das zieht zum Teil auch Bio-Preise nach unten. Gesundheit, Sicherheit, Qualität forderte Koelnmesse-Geschäftsführer Oliver P. Kuhrt in der Begrüßungsansprache. Der scheidende EU-Kommissar Günter Verheugen fügte in seiner Eröffnungsrede noch den Geschmack hinzu. Das sind Nutzen, die alle Marktteilnehmer vor allem in Bioprodukten sehen.
Auf der Anuga Organic waren 275 überwiegend reine Bio-Unternehmen anzutreffen. Über mangelnde Resonanz konnten sich die Aussteller nicht beklagen. In den Hallen aller Fachmessen meldeten insgesamt rund 2.000 Aussteller Bio-Produkte an. Das kräftige Plus von 30 Prozent gegenüber 2007 spiegelt das wachsende weltweite Interesse der Konsumenten an gesunden, ökologisch einwandfreien Bioprodukten.
Sonderschau Voll Bio ein Magnet
Die Sonderschau „Voll Bio“ der Kölnmesse in Zusammenarbeit mit dem bioPress-Verlag war einer der Magneten in der Halle. Auf 200 Quadratmeter wurden rund 1.200 Bio-Produkte von 90 Herstellern gezeigt. Die Schau bot ein konzentriertes Bild der Bio-Angebote auf der Anuga. Dabei wird eine Vielfalt und Fülle sichtbar, die beim Gang durch die elf Hallen nur schwer zu erkennen ist. Das Vollsortiment steht allen Vertriebsschienen des Handels offen und nicht nur dem Bio-Fachhandel.

EU-Kommissarin Mariann Fischer-Boel im Gespräch mit Erich Margrander.
Die Aussteller auf der Sonderschau zielen damit vor allem in Richtung qualitätsorientierte Supermärkte und den Export. Alle Warengruppen von Nähr- über Würzmittel bis zu Hülsenfrüchten und Teigwaren wurden gezeigt. Das fing an bei Obst und Gemüse, Mopro und ging über TK-Produkte, SB-Fleisch, frischen Lachs, Wein, Bier, Säfte, Limonaden, bis hin zu Süßwaren, Feinkost, Aufstriche, Gewürze und Würzmittel.
Neben Handel und Herstellern registrierte in diesem Jahr auch die Politik erstmals den Stellenwert von Bio-Lebensmitteln. Die dänische Landwirtschaftsministerin Eva Hansen, der kanadische Minister Jean-Pierre Blackburn und EU-Kommissarin Mariann Fischer-Boel besuchten auf ihren Rundgängen die konzentrierte Bio-Show. Dabei vergaßen sie die im Terminplan vorgegebenen Zeiten.
Das kanadische Staatsministerium für Landwirtschaft hatte den bioPress Verlag im September nach Kanada auf eine Bio-Rundreise eingeladen und verstand den Ministerauftritt auch als Gegenbesuch. Ein Fragenkatalog war vorbereitet, der umfänglich abgearbeitet wurde. Vor allem die Sicherheit bei Lebensmitteln lag Blackburn am Herzen und die weltweite Angleichung der Bio-Kriterien. Ein Thema, dem bereits auf der Anuga 2001 beim Bio-Kongress eine Fachdiskussion mit rund 100 Teilnehmern gewidmet war. Kommissarin Fischer-Boel wollte es genauer wissen: Was ist gesünder an Biolebensmitteln? Fünf am Tag, wie es deutsche Krankenkassen fordern, ja, aber bitte „ungedopt“! Ein Bioapfel muss nicht geschält werden! Nur so kann er seine Gesundheitswirkung voll entfalten, die zwischen Schale und Fruchtfleisch verborgen liegt. Ohne Doping werden Obst, Gemüse und Getreide nicht ins Schnellwachstum getrieben. So haben sie Zeit Geschmack, Nährstoffe und gesunde Inhaltsstoffe in wirkungsvoller Weise auszubilden.
Schaukochen mit Bio-Spitzenköchen
Im Rahmen der Sonderschau Voll Bio gab es ein Schaukochen der Bio-Spitzenköche Alfred Fahr und Konrad Geiger. Vor den Augen der Besucher zauberten die Köche aus Bio-Zutaten stündlich Lachs, Steaks, Gulasch und kreative vegetarische Gerichte. „Die Schau soll zur Umstellung animieren“, erklärt Geiger. Die Bio-Spitzenköche machen Konzepte für Großküchen und begleiten die Einführung. Problem ist nach wie vor die Convenience in Bio-Qualität zu beziehen.
Front-Cooking dient nicht nur der Schau auf Messen und im Fernsehen, sondern funktioniert in der täglichen Praxis, wie Bio-Spitzenkoch Alfred Fahr betont. „Der Koch ist direkt am Gast und damit besonders glaubwürdig“, nennt Fahr die Vorteile. Damit ist es natürlich bestens geeignet, den Gast an die Bio-Küche heranzuführen.
Der Stand wurde vom Verbraucherministerium finanziert im Rahmen des Ökolandbau-Programms. „Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung hat deutlich gemacht, wie Bio in der Gemeinschaftsverpflegung umgesetzt werden kann“, erklärte Dr. Burkhard Kape von der BLE in Bonn. Dabei wurde auch die neue Broschüre „Mit einfachen Schritten zum Bio-Zertifikat“ vorgestellt. Kape konnte auf der Sonderschau viele ermutigende Beratungsgespräche führen. Der Berater vom Ökolandbau-Programm registrierte vielfaches Interesse und bezeichnet den Anuga-Auftritt als erfolgreich.
Der bildende Künstler Friedrich Meis von der Initiative Kulturserver NRW hat eine Spendenaktion für Sozialeinrichtungen organisiert. Mit den „Überbleibseln“ der Sonderschau versorgte er schwächere Gesellschaftsgruppen, die sonst nicht in den Genuss von Bio-Produkten kommen: das Obdachlosenrestaurant Vringstreff, die Obdachlosen-Einrichtung Johanneshaus, den Kindergarten Brehmstrasse, die Küche der Grundschulbetreuung Blaues Haus und das Altenheim Herz Jesu in Köln-Dünnwald.
Nach 18 Uhr, wenn täglich die Messe schließt, ist noch nicht Schluss. Dann geht es weiter mit Einladungen und Empfängen. 120 Gäste trafen sich beim Bio-Büffet auf der Anuga. Sterne-Koch Reiner Hensen aus Heinsberg zeigte, was möglich ist. Vier Kartoffel-Salate aus unterschiedlichen alten Sorten wie Bamberger Hörnchen und Heideniere, gefülltes Carpaccio, Tafelspitzsuppe, gefüllte Putenbrust, Apfelstrudel mit Vanillesoße. Die weite Fülle des Genusses aus Zutaten, die Sponsoren beigetragen hatten, zelebrierte der Bio-Spitzenkoch mit seiner Mannschaft. „Bio muss man mit Überzeugung machen. Sonst wird das Nichts“, legte Hensen ein Bekenntnis ab. Bio-Backspezialist Siegfried Schedel und Süßwaren-Hersteller Georg Rösner waren begeistert. Die Weine von Costes Cirques aus Frankreich überzeugten nicht nur die Weinkenner unter den Gästen. Der IFOAM Senior Manager Thomas Cierpka brachte es in seiner kurzen Begrüßungsrede auf den Punkt, hervorragende Bio-Produkte in allen Vertriebswegen ist die Chance der Zukunft.
Peter Grothues, Bereichsleiter Ernährung bei koelnmesse, und Anuga-Projektleiter Eiden zeigten sich überzeugt von der Resonanz auf das Bio-Angebot. Bei der Koelnmesse gibt es nun Überlegungen, die Halle 5.1 im Jahr 2011 komplett mit der Fachmesse Anuga Organic zu belegen.
Zabler zeigt Bio-Sortiment
Markenartikler Zabler rückte bei seinem ersten Anuga-Auftritt die biologische Pasta-Linie in den Vordergrund. „Wir haben in Deutschland zehn Prozent Marktanteil bei Bio-Teigwaren. Unsere Premium-Produkte sind flächendeckend erhältlich, und die Akzeptanz wächst weiter“, erklärt Marketingleiter Philip Schmidt. Das Unternehmen ist durch seine Hochzeitsnudeln bekannt. Auf dem internationalen Markt liegt der Fokus auf der eifreien Bio-Linie, die mit den Argumenten Geschmack und cholesterinfrei überzeugen soll.
Auf dem Stand von Golden Temple waren 18 Sorten Bio-Tee im Ausschank. 18.000 Besucher wurden verkostet. „Golden Temple hat sich aus der Nische bewegt und sich neuen Zielgruppen geöffnet. Aus dem Ausland sind viele interessante Anfragen gekommen: Asien, Arabische Länder, Kanada und auch Australien. Obwohl „Bio momentan nicht im Fokus der Handelsstrategen“ liegt, hat sich der konventionelle Handel in Deutschland auch interessiert gezeigt“, erklärte Hans-Christian Schulz.
Die ehemalige Hexerküche hat auf Lord Of Tofu umfirmiert als Ergebnis einer Neuorientierung. Dörte und Freddy Ulrich aus Lörrach konzentrieren sich künftig auf den Vertriebsmarkt klassischer Lebensmitteleinzelhandel. Die Verpackung wurde den Bedürfnissen der Supermärkte angepasst und ist verkaufsstärker geworden, wie Freddy Ulrich sagt. Sein Erfolgsrezept ist genussreiche Qualität. Erste Erfahrungen im Handel zeigen, dass mehr als nur biologische Rohstoffe gefragt sind. Handwerkliche Qualität verspricht ein zusätzliches Plus.
„Die Anuga war für uns sehr exportlastig, insbesondere der osteuropäische Handel fragt nach. Da ist unsere Marke Rosengarten gefragt.“, erklärte Birgit Bieng von der Minderleinsmühle. Der deutsche LEH hat mehr Interesse an Private Labels.
Kobima hat ein Eigenmarken-Konzept entwickelt mit täglicher Belieferung. Das Sortiment besteht aus Nüssen, Kernen, Trockenfrüchten, Mischungen und Müsli. Durch eine Mindestabnahme von nur einem Karton ist das Sortiment auch für kleinere Unternehmen interessant. Das Unternehmen startete vor einem Jahr und wurde von der Anuga mit dem taste 09 ausgezeichnet.

Appetitlicher Bio-Lachs von Followfish. Bio-Fisch bekommt Auftrieb
Bio-Fisch gewinnt durch die Aufnahme in die EU-Ökoverordnung an Bedeutung. Abrahams Räucherei aus Zetel-Neuenburg in Niedersachsen verzeichnet eine starke Nachfrage nach geräuchertem Bio-Lachs, wie Prokurist Wilfried Wehrmann erklärte.
Fish & More aus Friedrichshafen hat unter der Marke followfish vor kurzem ein TK-Sortiment aufgelegt. Bio-Lachs, -Tilapia, -Kabeljau werden unter anderem geliefert. „Wir bieten mit einem Tracking-Code volle Transparenz bis ins Wasser. Der Verkaufspreis liegt rund 30 Prozent über dem konventionellen“, erklärt Benjamin Epler vom Marketing.
Für die Antersdorfer Mühle haben sich die Erwartungen erfüllt. „Ich bin mit realistischen Erwartungen hier her gekommen. „LEH und SEH haben uns besucht. Aber auch viele Leute, die etwas verkaufen wollen, von Verpackungsherstellern bis Werbeagenturen“, berichtet Geschäftsführer Johann Priemeier.
„Die Anuga war sehr gut für uns. Samstag und Sonntag war wenig Betrieb, aber Montag und Dienstag waren unsere Kunden da und auch potenzielle Neu-Kunden“, zog Bernd Schmitz-Lothmann, Geschäftsführer der Bio-Zentrale, Bilanz.
Anton Großkinsky
mehr Bio auf der anuga 2009:







