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ANUGA 2009: Bio-Bewegung geht weiter

In Frankreich und Tunesien fördert der Staat den Anbau und Export

Die Bio-Bewegung lockt immer mehr Hersteller an. Die Lebensmittel-Export-Natio­nen aus dem Mittelmeer-Raum setzen verstärkt auf Bio, um ihren Produkten in der EU ein Gesicht zu geben und sie von Massenware abzugrenzen. Das gilt für Frankreich genauso wie für Tunesien oder Israel. Bio vereinigt dabei die großen Trends, wie Nachhaltigkeit, Artenvielfalt, Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und den lebenswichtigen Grundwasserschutz.

Auch kleine Länder wie Israel schicken sich an, immer mehr Bio-Produkte zu liefern. Sanlokal, der größte Konserven-Fabrikant in Israel, wie der Export und Import-Leiter Arieh Meirovitz erklärt, ist zertifiziert  und hat ein kleines Bio-Sortiment an Volumen-Produkten. „Der Markt in Israel ist klein und wir sind groß genug, um den Export von Bio-Produkten zu bewältigen“, betont Meirovitz. Mais, Erbsen, Bohnen und Tomatenpüree in Bio-Qualität gibt es in der Dose.

Mahroum aus Nazareth backt das erste biologische Baklava. „Wir haben lange daran gearbeitet“, teilt Marketing-Leiter Diab Mahroum mit. Weizenmehl, Rohrohrzucker, Walnüsse, Erdnüsse und Pistazien werden gebraucht für das orientalische Süßgebäck. Den Markt für Bio-Baklava sieht Mahroum in den USA und Europa. Starten will er im Feinkost- und Bio-Fachhandel mit seinem hochpreisigen Produkt.

Eis aus Sesam

SumSum ist ein Unternehmen des Elektroingenieurs und Unternehmensberaters Yoram Netzer. Er wartet  mit einer neuartigen biologischen Eiscreme auf. Der Grundstoff ist Sesam- oder Mandel-Mus, plus Zucker und Frucht. „Die Idee war ein Geschenk Gottes“, erzählt Netzer, der als Ingenieur auf jeden Fall den Erfindergeist mitbringt. Functional Food nennt er sein lactose, gluten, ei- und sojafreies Eis, das bei Unverträglichkeiten und Allergien gegessen werden kann. Die 18 Sorten sind sehr fruchtig, nicht übersüßt, aber natürlich nicht sahnig.

„Es ist eine große Herausforderung, das leichte, fettarme Produkt zu erklären“, so Netzer. Er sucht auf dem europäischen Markt einen Produzenten für eine Partnerschaft. Der Einzelhandel und der Außer-Haus-Markt sind für ihn gleichermaßen interessant. Das Produkt gibt es als Softeis, Eis am Stil und in der Familienpackung.

Effektiveat aus Israel ist seit 1995 am Markt und bietet von 25 Produkten fünf  in biologischer Qualität an. Knabberartikel mit gewürzten Saaten und Kernen und Salat-Toppings kommen von Eli Marad und Ofer Ben David.  In Amerika sind sie bei Tree of Life vertreten und hoffen, einen europäischen Importeur und Supermärkte zu finden für ihre Produkte. Effektiveat macht für seine Produkte eine Feinabstimmung des Geschmacksprofils auf die Vorlieben des jeweiligen Marktes. Außerdem können Gesundheitsvorteile, wie hoher Mineralienanteil ausgelobt werden. 

 „Die französischen Hersteller haben das Thema Bio spät aufgegriffen“ erklärt Isabelle ­Lacourtiade von Sopexa Deutschland. Sopexa ist die Agentur für den Export französischer Lebensmittel. Bevor das biologische AB-Siegel konzipiert wurde, waren in Frankreich bereits das Label Rouge, und die Regional-Siegel etabliert, mit denen sich die kleineren und mittleren Unternehmen ihre Marktposition sicherten. Alle Siegel werden vom Nationalen Institut für Herkunft und Qualität vergeben.

Die Käse-Hersteller setzten vor allem auf den Ursprungs-gedanken und nutzen die Regionalsiegel. Das Label Rouge ist vorwiegend auf Geflügel zu finden. Langsamwachsen-de Rassen werden hier eingesetzt für mehr Geschmack.

35 exportorientierte Aussteller mit Bio kamen zur Anuga. „Deutschland war ein Anreiz für die französischen Hersteller, sich dem Thema Bio zu widmen.“, erklärt Lacourtiade. Mit Feinkost, Patisserie, Flammkuchen und natürlich Käse und Wein gibt es Bio-Produkte, die mit Frankreich in Verbindung stehen. „Die französischen Produzenten stehen für Qualität und Genuss. Die Hersteller sind nicht preisorientiert“, betont Lacourtiade.

Frankreich fördert Bio

Der französische Regierung hat eine Bio-Offensive gestartet und will bis zum Jahr 2012 die französische Bio-Anbaufläche verdoppeln. Das ist nicht so ehrgeizig, wie es sich anhört: Erst zwei Prozent er Ackerfläche des Nachbarlandes wird biologisch bebaut. Österreich kommt auf 15 Prozent. 

Reviere aus Südfrankeich produziert unter der Marke Les Mets de Provence biologische Würzmittel, Soßen, Suppen und Mikrowellen-Fertiggerichte. Tapenade und Aioli sind typische Vertreter der mediterranen Küche, aber auch Ratatouile und gebratene Auberginen. Die Produkte sind im attraktiven Glas. Das Unternehmen sieht vor allem Supermärkte in Deutschland, Großbritannien und Skandinavien als mögliche Kunden für die mediterrane Convenience an.

Authentisches Frankreich ist eine Gruppe von kleinen Herstellern aus Südfrankreich, die sich für den Export zusammengeschlossen hat. „Die Hersteller bieten typische Produkte aus Südfrankreich an“, erklärt Isabella Deelen. Das sind zum Beispiel Auberginen, Kirchererbsen, weiße Bohnen, Ratatouille oder Oliven.

Brisson ist ein Spezialist für getrocknete Pflaumen. Das Unternehmen hat einen eigenen, 250 Hektar großen Anbau für Bio-Pflaumen, trocknet selbst und packt ab. In den Export kommen überwiegend  Private Labels. Brisson beliefert auch zwei deutsche Unternehmen, die im Naturkostfachhandel und LEH tätig sind. Bei Großverbrauchern sieht das Unternehmen Chancen für Bio-Pflaumenpüree als Zutat für Backwaren.

Delouis Söhne kann auf eine Firmengeschichte zurückblicken, die bis 1885 reicht und bietet ein Bio-Feinkostsortiment mit Soßen, Senfen, Essigen und Würzmitteln an. „Wir produziern Private Labels für Deutschland. Bei uns steht die entsprechende Menge dahinter“, weiß Sylvia Seifert-Jardin aus dem Verkauf.

Le Sauzet liefet Weine, Essige, Öle, Senf und Fruchtsäfte in biologischer Qualität. Am Tor der Provence, im Department Gard befindet sich das Weingut von Ezda und Christian Coste. Das Unternehmen ist zertifiziert durch Bio Suisse seit 1997. Biorgane aus Nimes hat grüne und schwarze Oliven im Glas und in der Tiefziehschale. Außerdem wird Arganöl angeboten.

Oliven und Datteln

Tunesien ist das Land der Dattel-Palmen und Olivenhaine. Von den jährlich 200.000 Tonnen Olivenöl sind 16.000 Tonnen bio-zertifiziert. Das entspricht immerhin acht Prozent. Allerdings  können nur 6.000 Tonnen biologisch vermarktet werden im Export.  Aber jährlich werden es mehr. „Bio wächst um acht bis zehn Prozent im Jahr“, weiß Lemia Chekir Thabet, Generaldirektorin bei Packtec.

Für Tunesien ist es nach Angaben der Generaldirektorin nicht schwer Biologisches Olivenöl  zu produzieren: „Wir haben bis zu 2.500 Jahre alte Bäume. Die Bauern benutzen keine chemischen Mittel.“ Das erleichtert  die Umstellung ungemein. „Der deutsche Markt ist wichtig für uns“, fährt Lemia Chekir Thabet fort. Tunesien ist dort im Bio-Bereich als Eigenmarke vertreten. 95 Prozent werden im Großgebinde exportiert.

Im nächsten Schritt will Tunesien selbst in Flaschen abfüllen und mit eigenen Marken auf den Markt kommen. Es gibt Staatliche Hilfen für den Export. Huil Nord hat die Rechte an zwei italienischen Marken erworben,  wie Vorsitzender Zied Neffati mitteilt. Mit einer Marke ist er in Bio-Qualität bereits auf dem US-Markt. Die zweite Marke ist für den deutschen Markt gedacht. Wir wollen und können ins Marketing investieren“, sagt er. Die deutsch-tunesische Industrie- und Handelskammer unterstützt die Unternehmen beim Marketing in Deutschland.
Bio-Datteln sind das zweitwichtigste tunesiche Bio-Produkt. Bondjebel und Horchani sind große Verarbeiter, die auch Bio anbieten und nach Europa exportieren. In Tunesien selbst gibt es keine Nachfrage für Bio.

Größter europäischer Bio-Produzent ist und bleibt Italien. Neben Pizza, Pasta und Pesto in Bio-Qualität  gibt es regionale Besonderheiten, die auch exportiert werden. Unterstützung gibt es dabei vom Italienischen Institut für Außenhandel (ICE).  

Anton Großkinsky

mehr Bio  auf der anuga 2009:

 


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