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Gentechnik

Biobauern finden Gen-Papayas auf eigener Plantage

Schwache Argumente für grüne Gentechnik

Honolulu (pte/30.05.2006/06:05) - Die vor vier Jahren erstmals ausgesetzten genetisch veränderten Papaya-Pflanzen in Hawaii sind in der Zwischenzeit auch dort gefunden worden, wo sie eigentlich unerwünscht sind: Nämlich in einer Papaya-Plantage eines Biolandbauers. Der Honolulu Advertiser http://thehonoluluadvertiser.com berichtete davon, dass am Wochenende Freiwillige in Schutzanzügen die Genpflanzen beseitigt haben.

Die Geschichte der Gen-Papayas in Hawaii ist seit Beginn der ersten Auspflanzung eine einzige Katastrophe. Schon im September 2004 hatten zahlreiche Bauern am Campus der University of Hawaii in Hilo gegen eine Freisetzung protestiert. Sie fürchteten bereits damals das, was nun traurige Wirklichkeit geworden ist: eine Kontamination durch die genveränderten Sorten "SunUp" und "Rainbow". Der Grund für die Aufregung ist einfach, denn auf zahlreichen Übersee-Märkten werden die genveränderten Varianten der vitaminreichen Frucht kaum goutiert. "In Europa und in Japan wollen Konsumenten keine Gentech-Papayas", lautete die übereinstimmende Meinung der Bauern. In Japan, das 40 Prozent der hawaiianischen Papayas kauft, dürfen die Gentech-Sorten nicht eingeführt werden.

Die Gentech-Befürworter konterten schon seit Jahren mit dem Argument, dass ohne veränderte Papayas der Markt ohnehin zusammen gebrochen wäre, denn das so genannte Ringspot-Virus PRSV hat der gesamten Papaya-Industrie schwere Verluste gebracht. Das Virus ist erstmals 1992 in Puna/Hawaii aufgetreten, wie Jan Lucht von der Schweizer Internutrition http://www.internutrition.ch gegenüber pressetext bestätigt. Behauptet wurde von den Wissenschaftlern, dass eine virusresistente Sorte mit konventionellen Methoden nicht gezüchtet werden konnte. Tatsächlich hatte die Cornell-University gemeinsam mit der University of Hawaii eine gentechnisch veränderte Sorte entwickelt, die dem Virus trotzte. Mit Unterstützung des US-Landwirtschaftsministeriums konnten auch die notwendigen patentrechtlichen Lizenzen vom damals neu gegründeten "Papaya Administrative Committee" PAC gesichert werden. Im Jahr 2000 wurden in Hawaii wieder rund 800 Hektar Papayas angebaut. Die Geschichte liest sich damit wie ein Märchen der "grünen Gentechnologie".

Tatsächlich gibt es allerdings einige Schönheitsfehler wie auch der Experte Werner Müller von Global2000 http://www.global2000.at gegenüber pressetext erklärte: "Es gibt sehr wohl Methoden, um diese Erkrankungen auch mit konventionellen Mitteln zu bekämpfen". Eine davon sei die Vorsorge, dass das Pflanzenmaterial virusfrei sein müsse. "Auf diese Art ist es zum Beispiel gelungen, die Sharka-Virose, die ebenso wie das Ringspot-Virus zu den Potyviren zählt, in Europa zurück zu drängen", so Müller. "In Österreich sind nur noch 0,2 Prozent der Marillen[1] von dieser Erkrankung befallen." Müller weist zudem darauf hin, dass es in der Zwischenzeit mehrere 100 virusresistente konventionelle Sorten gebe. Das Beispiel in Hawaii mache wieder einmal deutlich, dass mit transgenen Pflanzen nicht zu spaßen sei, kritisiert Müller. "Zudem haben zahlreiche transgene Pflanzen unter Hitze eine schlechte Performance gezeigt." Der Experte argumentiert auch, dass durch die Veränderung des Genoms diese Pflanzen anfälliger für andere Erkrankungen werden.

Terri Mulroy, Eignerin der Papaya-Plantage, hat ihre 3,6 Hektar große Farm erst vor eineinhalb Jahren erstanden. Aller Wahrscheinlichkeit nach dürften die genveränderten Papaya-Samen mit Vögeln auf ihre Farm gekommen sein. Was die Biobauern so sehr stört ist die Tatsache, dass sie durch die genetische Verunreinigung ihre Zertifikate verlieren könnten. "Gentechnisch veränderte Papayas machen unseren Markt für die hochpreisigen Biofrüchte komplett kaputt, vor allem dann, wenn sie plötzlich in unseren Plantagen wachsen", so die Bio-Bäuerin Melanie Bondera. Gegenüber dem Honolulu Advertiser bestätigt auch Bondera den Fund von Gentech-Papayas auf ihrem Land.

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