Anuga
bioPress-Interview mit Peter Grothues
Bio ist auf der Anuga ein großes Thema
Bio-Lebensmittel sind mehr als ein Trend. Eine breite Bewegung sei die Bio-Branche geworden, wie Messe-Macher Peter Grothues im bioPress-Interview meinte. Grothues ist Geschäftsbereichsleiter Ernährung bei koelnmesse und hat dort in seiner langjährigen Tätigkeit die Anuga Organic mit aufgebaut.
bioPress: Welchen Stellenwert hat der Bio-Markt für die Anuga als weltweit größte Lebensmittelmesse?
Grothues: Das Thema Bio-Produkte und Bio-Vermarktung begleitet die Anuga schon seit mehreren Jahren und zwar zunächst im Rahmen einer Sonderausstellungsplattform. Seit 2007 bildet die Fachmesse „Anuga Organic“ unter dem Dach der Anuga das Bio-Segment kompetent ab. Neben der räumlichen Konzentration bietet die Anuga jedoch noch mehr für die Nachfrager nach Bio-Produkten: Mit Hilfe der Anuga-Datenbank ist es möglich, innerhalb aller Anuga-Fachmessen Bio-Anbieter zu ermitteln. Zum Beispiel Unternehmen, die ihre traditionelle Produktpalette mit Bio-Artikeln erweitern. Uns war es sehr wichtig, diese Angebotstransparenz aufzubauen. Gleichzeitig bleibt auch das Rahmenprogramm rund um das Thema Bio ein wichtiges Kommunikations- und Informationsinstrument. Ziel ist es in erster Linie, die Bioanbieter mit Nachfragern aus dem traditionellen Handel und dem Fachhandel zusammenzubringen. Hier liegt die Stärke der internationalen Leitmesse Anuga.
bioPress: Die erste Anuga Organic 2007 war ein Erfolg. Wie beurteilen sie die Aussichten für 2009?
Grothues: Die Anuga Organic wird 2009 mit einem leicht verbesserten Ergebnis an den Start gehen. Wir gehen von ca. 280 Anbietern in der Anuga Organic aus, die belegte Fläche wird um 10 Prozent wachsen. 2007 hatten wir in diesem Bereich 252 Anbieter. Mit Anmeldungen von Bio-Zentrale und Bionade, Voelkel, Lauretana, Bioland und Naturland sowie internationalen Bioverbänden und natürlich Ausstellern zeigt die Anuga Organic 2009 wieder ein sehr gutes Ausstellungsangebot.
bioPress: Wie ist die Tendenz bei den Bio-Herstellern: Fühlen sie sich eher in der Anuga Organic oder in den anderen Fachmessen wie Dairy oder Meat zuhause?
Grothues: Die Unternehmen reagieren hier sehr differenziert. Reine Bio-Hersteller fühlen sich sicher tendenziell in der Anuga Organic wohl – aber für einige ist es darüber hinaus wichtig, sich mit ihrer Biokompetenz nicht nur im Bioumfeld zu profilieren, sondern ganz gezielt auch im Gesamtumfeld ihrer Branche. Dies ist sicherlich in Segmenten, für die es spezielle Einkäufer gibt, durchaus sinnvoll, wie z. B. gerade bei Milch- und Molkereiprodukten oder im Fleischsektor.
bioPress: Wie findet der Messe-Besucher die Bio-Aussteller außerhalb der Anuga Organic? Hat er im Internet und Messekatalog die Möglichkeit gezielt zu suchen und zu finden?
Grothues: Unsere Datenbank listet derzeit bereits fast 1.500 Anbieter mit Bio-Produkten, verteilt über die gesamte Anuga. Die Information, wo auf der Anuga Bio zu finden ist, kann jeder Besucher im Vorfeld der Messe im Internet einsehen, hier ist es dann z. B. möglich innerhalb einer bestimmten Fachmesse zu recherchieren. Zur Messe selbst werden Broschüren ausliegen, die diese Aufgabe zusätzlich zur Homepage im handlichen Format übernehmen.
bioPress: Welchen Besucher spricht die Anuga Organic an? Wer sollte sich Zeit nehmen und durch die Ausstellung laufen?
Grothues: Die Anuga Organic ist für eine breite Zielgruppe interessant. Zum einen ist sie für alle, die sich mit der Beschaffung von Bio-Produkten befassen, ein Muss, egal ob sie aus dem Biofachhandel oder dem traditionellen Lebensmittelhandel stammen. Zum anderen ist sie auch für Einkäufer aus der Gastronomie und dem Food-Service relevant – immer mehr gastronomische Betriebe beschäftigen sich mit Bio-Angeboten – und auf der Anuga Organic haben sie dafür Kontakt zu kompetenten Partnern.
bioPress: Die Anuga bietet mit dem Bio-Kompetenzzentrum und der Sonderschau Voll-Bio ein Rahmenprogramm für Bio-Produkte. Was erwarten Sie von diesem Zusatzangebot?
Grothues: Das Rahmenprogramm vertieft die auf der Messe dargestellten Inhalte. Hier werden zentrale Fragen von Fachleuten beleuchtet und diskutiert. Themen wie Nachhaltigkeit und richtige Vermarktung stehen hier auf der Agenda. Auch die Sonderschau „Voll-Bio“ gibt zusätzliche Anregungen über Sortimentsgestaltung und Produktranges. Wir arbeiten hier schon seit vielen Jahren sehr erfolgreich mit bioPress, aber auch mit anderen Partnern, bei der Ausarbeitung des Rahmenprogramms zusammen. Zum ersten Mal findet übrigens im Rahmen der Anuga ein IFOAM-Forum mit internationaler Beteiligung statt.
bioPress: Wie wird Bio von der Anuga im Vorfeld kommuniziert?
Grothues: Unser Schwerpunkt liegt auf der fachlichen Kommunikation in den dafür zur Verfügung stehenden Medien. Wichtig sind uns die Fachzeitungen der Lebensmittelbranche – im In- und Ausland, aber auch die wichtigen Online-Plattformen, Newsletter, sowie unsere eigene Homepage.
bioPress: Wird das Partnerland Türkei ein Bio-Angebot mitbringen?
Grothues: Ja, auch das Partnerland Türkei beschäftigt sich mit dem Thema Bio. Im Rahmen des 3. Deutsch-Türkischen FoodForum DTFood 2009 werden sich Experten auch mit dem Thema „Herkunftssicherheit – Bio aus der Türkei“ auseinandersetzen. Es gibt im Übrigen auch einige Aussteller, die ihre Bio-Produkte zur Anuga vorstellen.
bioPress: Die Anuga wird mitgetragen von den Verbänden der Lebensmittelwirtschaft. Wie stark ist nach ihrer Meinung Bio dort verankert?
Grothues: Die Lebensmittelwirtschaft sieht Bio-Produkte und Bio-Vermarktung als wichtiges Standbein ihrer Mitglieder an. Gerade die Partnerverbände der Anuga, der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVL) und die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), beurteilen die Entwicklung des Biosektors positiv. Bio ist kein Trend mehr, sondern eine breite Bewegung geworden, diese Feststellung hat auch zum Aufbau des Biosegments innerhalb der Anuga geführt, unterstützt von den Verbänden. Allerdings darf man nicht außer Acht lassen, dass beide Verbände für ihre gesamte Branche sprechen, sie haben also vielfältige Aufgaben und Interessen zu vertreten. Von daher ist es sehr gut, dass die Biobranche eigene Interessenverbände aufgebaut hat, die sich teilweise auch im Rahmen der Anuga engagieren.







