Start / Ausgaben / BioPress 59 - Mai 2009 / Was tut sich auf dem Bio-Getränkemarkt?

Was tut sich auf dem Bio-Getränkemarkt?

Der LEH verbuchte im ersten Halbjahr 2008 ein Umsatzplus von 200 Prozent

Nach Untersuchung von Agromilagro Research verbuchte der LEH im ersten Halbjahr 2008 mit Kaltgetränken ein Umsatzplus von 200 Prozent, mit Wein und Sekt 130 Prozent. Damit waren sie die erfolgreichsten Warengruppen im Trockensortiment. Obst und Gemüse stellen einen wesentlichen Beitrag für eine gesunde Ernährung dar. Das gilt auch für die flüssige Variante, von der es eine mannigfaltige Auswahl an Bio-Kompositionen gibt. Die meisten Anbieter führen mittlerweile sowohl Saft als auch Nektare und kohlensäurehaltige Schorlen. Teilweise versetzen sie die Säfte auch mit Gemüse oder vertreiben diese pur. Einige greifen den Trend nach
gesundheitsfördernden Säften auf, andere nach Smoothies, limonadenartigen Erfrischungsgetränken oder Mischungen mit Bier.

Die Früchte für Bio-Säfte stammen aus ökologischem Landbau, was zum einen dem Naturschutz dient und zum anderen Produkte ohne Pestizidrückstände garantiert. Überwiegend basieren sie nicht auf Konzentraten, sondern auf Direktsäften aus erntereifen, ausgesuchten Früchten.

Mit einem wachsenden Angebot an biologischen Säften, Nektaren und mehr ist beispielsweise Haus Rabenhorst auf dem Markt präsent. Unter dem Firmendach vereint das Traditionsunternehmen allein fünf Getränkemarken, die verschiedene Kundengruppen erreichen sollen.

Bio bringt Farbe ins Saftregal

Seit einiger Zeit beliefern sie nicht mehr nur Reformhäuser und Apotheken, sondern haben die Vertriebswege ausgedehnt: Alle Marken finden die Verbraucher jetzt auch im Naturkostfachhandel, die Rotbäckchen-Produkte im LEH sowie in ausgewählten Drogeriemärkten.

Gastronomiebetriebe und ausgesuchte Feinkostläden wiederum, werden mit der Linie Rabenhorst Selektion und Grüner Weinberg versorgt. Unterschiedlich sind auch die Vertriebswege. Während das Unternehmen an die Bioläden über Großhändler und an Reformhäuser über Logistikpartner liefert, können der LEH und Drogerien ihre Auswahl über Handelsstrukturen bekommen.

Im April hat Rabenhorst die Kindersaftklassiker Rotbäckchen, Rotbäckchen Ap-fel+Birne und die zwei Multisäfte um eine Bio-Direktsaft-Schorle erweitert.  Außerdem kann der Handel den Rotbäckchen Klassik und Rotbäckchen Multi rot im kleinen 200 Milliliter TetraPak beziehen. „Als zukunftsorientiertem Unternehmen, liegt uns die Entwicklung von neuen hochwertigen und gesunden Produkten am Herzen“, sagt Johannes H. Mauss, Leiter Marketing und Vertrieb Naturkost.

Damit spricht er zum Beispiel auf die neue Rabenhorst Selektions-Serie mit sechs exklusiven Säften für die gehobene Gastronomie und den Feinkosthandel an. Mit Rabenhorst-Smoothies reagieren sie auf die momentane Nachfrage. Die drei Sorten zeichnen sich jeweils durch einen bestimmten gesundheitsförderlichen Zusatz aus, etwa Acai bei Heidelbeer-Banane. Bewusst modern ist wiederum die Bioborn-Range gehalten und sorgt mit exotischen, prickelnden Erfrischungsgetränken und Cocktails für Abwechslung.

Zum Service für den Handel gehört eine Händler-Datenbank mit Produktabbildungen, wodurch Kunden Anzeigen individuell gestalten können. Endverbraucher profitieren unter anderem von einer Kundenhotline oder Aktionen für Kinder. So unterstützt Haus Rabenhorst die Live-Aufführungen von Kinderhörspielen der Süddeutschen Zeitung Edition.

Qualität plus Auswahl erwünscht

„Wichtig für den Erfolg ist ein interessantes Angebot aus Klassikern und Neuheiten. Es gilt, sich immer wieder selbst zu erfinden", sagt Mauss. Eine ähnliche Sortimentsgestaltung scheinen die reinen Bio-Hersteller Beutelsbacher und Voelkel zu verfolgen, deren Getränke schon seit Jahrzehnten die NFH-Kunden begeistern.

Beutelsbacher ist mit der Marke Eos auch im konventionellen Handel vertreten. In der Regel werden die rund 20 Obst- und Gemüsesäfte in Mehrweg-Glasflaschen über den Großhandel wie zum Beispiel bioVLog in Fulda geliefert. Beutelsbacher bezieht einen Großteil der Rohwaren von Demeter-Betrieben aus Deutschland.

Mit Ausnahme der Südfrüchte, die wie bei anderen Herstellern im Ursprungsland gepresst werden, erfolgen Entsaftung und energiesparende Abfüllung in der eigenen Kelterei. Dadurch bleiben wertvolle Fruchtinhaltsstoffe und der sortentypische Geschmack bestmöglich erhalten.
Dass auch diätetische Produkte in Öko-Qualität möglich sind, zeigt der neue Beutelsbacher Pflaume-Diätsaft. Das Unternehmen stellte ihn neben Blutorange- und Mango-Maracuja-Saft zur BioFach vor: Saft aus süddeutschen Frühzwetschgen und Elsässer Pflaumen wird hier mit Himbeerblättertee versetzt und mit Bio-Fructosesirup gesüßt.

Voelkel bedient unter der eigenen Marke den Fachhandel und die Gastronomie; unter Naturgarten die Reformhäuser. Sie bieten ebenfalls überwiegend Glasgebinde an. Einige der insgesamt 150 Kompositionen gibt es neuerdings aber auch in Elopaks, etwa Trauben-, Apfel-Mango- und den Kindersaft. Auch die Demeter-Auslobung für viele der Frucht- und Gemüsesäfte sowie Erfrischungsgeträn-ke findet man hier erneut.

Mit dem sortenreinen Apfelsaft ‚Holsteiner Cox’ und einem Rotkohlsaft hat Voelkel das Sortiment zur BioFach erweitert. Große Aufmerksamkeit erregte das Unternehmen hier mit der Zertifizierung von ‚Stop Climate Change’ für die ersten klimaneutralen Bio-Fruchtsäfte, einen Apfelsaft von Biostreuobstwiesen und einen Apfel-Mango-Saft. Das Label zeigt zum Beispiel an, dass Voelkel in umweltschützende Projekte investiert und sämtliche Emissionsquellen des Pro-duktes optimiert hat.

Da die Kelterei die selbst gepressten Säfte sofort abfüllt, entfällt zudem die Lagerung in Tanks und somit ein Erhitzungsschritt. Des Weiteren legen auch sie Wert auf samenfeste aromareiche Sorten, die zudem eine höhere Vitalität als Hybride haben.

Aktiv für den Naturschutz

Die Kelterei Elm von Harald Elm und Philip Friedberg hat insgesamt 13 Frucht- und Gemüsesäfte in 0,33 Liter und 0,75 Liter Gebinden im Sortiment. Hinzu kommen zwei Frucht & Tee-Getränke sowie Apfel-Schorle. Zu finden sind sie im LEH und im Fachhandel. Über zwei Drittel des Umsatzes erwirtschaftet der Familienbetrieb jedoch mit dem Auslandgeschäft und der Verarbeitung von Rohstoffen, beispielsweise für Bionade und Rhönsprudel.

Obwohl ihre nach modernen Techniken arbeitende Kelterei nach IFS zertifiziert sei, könne man die Erfahrung von Menschen nicht ersetzen. Da viele Kunden ungern Glas nach Hause trügen, hat Elm schon früh die Tendenz zu convenienten Verpackungen aufgegriffen. Insofern bieten sie viele Produkte im Elopak und einige Produkte neuerdings auch in Einwegglasgebinden an. Auf viel Werbung verzichtet man. Wie es heißt, solle das Produkt für sich sprechen und zum Wiederkauf anregen.

Doch kann man den Weg der Rohstoffe vom Baum bis in die Flasche bei manchen Getränken über die Initiative ‚Bio mit Gesicht’ im Internet zurückverfolgen. Entsprechend informiert, seien die meisten Verbraucher gern bereit, einen fairen und akzeptablen Preis zu zahlen. Diese liegen im Schnitt bei 1,99 Euro für Frucht- und 1,79 Euro für Gemüsesaft.

Apfelsaft ist nach wie vor der Umsatzträger. Das betont Josef Pölz von der Alztaler Fruchtsäfte GmbH, deren Sortiment Säfte und Nektare in Ein- oder Mehrwegflaschen umfasst. Mit Gemüse-, Rote Beete- und Sauerkrautsaft hat Pölz erfolgreich an der aktuellen DLG-Bioprüfung teilgenommen.

Bei der Qualitätsprüfung hatte auch Burkhardt Fruchtsäfte Erfolg und zwar mit Smoothies und kalorienreduzierten Getränken. Das Angebot der Firma reicht aber weiter, von Heimischem bis zu Exotik mit Mango oder Maracuja. Burkhardt gehört ebenfalls zu denen, die gezielt auch historische Obstsorten zu Saft verarbeiten und so ihren Fortbestand sichern.

Weiteres Beispiel ist Kumpf mit einer neuen Bio-Serie. Die Direktsäfte stammen aus den jeweils typischen Regionen, bevorzugt aus Baden-Württemberg. Zu der Serie gehören je vier Frucht- und Gemüsesäfte in 0,5 Liter-Flaschen als Einweg im zwölfer-Tray oder Mehrweg im sechser-Tray. Zwei Direktsaft-Schorlen mit stolzen 70 Prozent Frucht ergänzen das Angebot.

Außerdem haben Bauer und Pfanner aus Österreich den Bio-Dauertrend aufgegriffen und fördern den Verkauf durch diverse Aktionen. Bei Bauer gehören zur Bio-Range klarer Apfelsaft, Ananas- oder Apfel-Sanddornsaft, Nektare wie Heidelbeernektar, Gemüsesäfte, Apfelsaftschorle sowie Heißgetränke.

Dagegen setzt Pfanner ausschließlich auf Bio-Fruchtsaft und ist mit vier Sorten in Bio-Qualität im deutschen LEH und SEH sowie Drogeriemärkten vertreten. Unternehmen wie Bauer und Pfanner, die sowohl konventionelle als auch ökologische Getränke anbieten, müssen getrennte Produktionsströme nachweisen.

Einige Betriebe pressen deshalb nicht selber, sondern beziehen Säfte oder Konzentrate von speziellen Verarbeitern wie der Gemüsesaft GmbH. Diese bieten neuerdings sogar Erzeugnisse mit kundenspezifischer Zusammensetzung sowie aseptisch im Fass abgefüllte Direktsäfte an. Karotte, Rote Beete, Sellerie, Kartoffel, Sauerkraut und Schwarzkarotte seien bei ihnen am gefragtesten.

Säft mit Gourmet-Charakter

Perger konnte die Produktionsmenge durch Pflückmaschinen, eine automatische Presse und eine moderne Abfüllanlage auf fast zwei Millionen Flaschen jährlich steigern. Das Unternehmen hat Säfte pur und gemischt in verschiedenen Größen, Sirup, Limonaden und Schorle im Programm.

Mit diesen bedienen sie im Prinzip alle Absatzmärkte bis zu Gastronomie und Tagungshotels. 13 Produkte sind mit dem Logo ‚Echt Bayern’ gekennzeichnet, mindestens 80 der Rohstoffe kommen dann aus dem Bundesland. Und drei Produkte basieren auf Früchten von Streuobstwiesen, wobei die Mangos im Apfel-Mangosaft aus fairem Handel stammen.

Zum 60-jährigen Jubiläum hat die Bioland-Kelterei jetzt die Linie Lucullus in attraktiven Flaschen herausgebracht. Bei den momentan fünf Säften handelt es sich um charaktervolle Mischungen, die feine Nuancen der Speisen zur Geltung bringen sollen. Beispielsweise ähnle der Geschmack von Lucullus Aurelius aus Birnen- und Mandarinensaft einem Riesling oder Sauvignon Blanc und passe mit seinem milden, blumigen Aroma hervorragend zu Meeresfrüchten und Antipasti.

Auch die Kelterei Stadler beliefert den LEH und Gastronomen nicht nur mit Bio-Fruchtsäften, Schorlen, Limonaden und Gemüsesäften. Vielmehr kommen Schnäpse und Spezialitäten mit und ohne Alkohol hinzu, etwa ein feiner Waldbeer-Secco als Aperitif.

Gesund mit Trauben und Granatapfel

Alkoholfreien Genuss mit dem Flair von edlem Wein kann man schon seit einiger Zeit beim Demeter-Weingut Zwölberich und neuerdings beim Wein- und Sektgut Harteneck finden: Rebsortenreinen Traubensaft. Erstere bieten von weißem Riesling oder Kerner bis roten Dornfelder mittlerweile sechs Sorten an.

Hinter dem Konzept steht der Gedanke der Terroirbetonung, das heißt, Säfte lassen in ihrem Bukett ebenso wie Wein die Besonderheiten von Boden, Klima und Lage sprechen. Auf jeder Flasche ist angegeben, wo die Trauben gewachsen sind und wann sie gelesen wurden. Für Bio-Traubensaft spricht außerdem der hohe Gehalt an Polyphenolen, denn leckere Getränke mit Nutzen für die Gesundheit werden immer beliebter.

Granatapfel gilt schon seit Jahrtausenden als wahres Gesundheitselixier und Symbol für Fruchtbarkeit. Zahlreiche aktuelle Studien belegen das antioxi-dative Potenzial der ‚Paradiesfrucht’. Auch in flüssiger Form profitiert der Organismus davon, weshalb einige Hersteller Bio-Granatapfelsaft in ihr Sortiment aufgenommen haben.

Gesundheitsbewusste Verbraucher finden zum Beispiel bei Beutelsbacher natur-trüben Muttersaft, neuerdings sogar in der 0,75 Liter Flasche. Das junge Unternehmen Lifestone bietet den Bio-Vitalsaft dagegen im 0,33 Liter Elopak an, 1 x 8 und als Euro-Palette lieferbar. Der Handel kann den Grantapfelsaft über den Großhandel bioVlog aus Fulda beziehen. Der klare, karminrote Saft aus in Deutschland abgefülltem Fruchtsaftkonzentrat weist einen feinen, süß-säuerlichen Geschmack auf.

Bei Werner Ritter vom gleichnamigen steirischen Obsthof wird der Granatapfelsaft durch Fruchtperlenentsaftung hergestellt. Dabei soll eine besondere Entkernungs- und Presstechnik einerseits die gesundheitliche Wirkung verstärken, andererseits das Aroma fruchtiger machen. Fünf bis sieben Granatäpfel stecken in einer 0,33 Liter Flasche, hebt Retter hervor. Verwendet werden ausschließlich Granatäpfel aus kbA und aus Wildsammlung in Bosnien-Herzegowina.

Bekannt wurde der Anbieter von Natursäften und Edelbränden zudem durch seinen Einsatz für die steirische Hirschbirne. Diese alte Sorte hat zwar wenig Ertrag, aber eine große Aroma- und Nährstoffdichte. Als Saft in der Literflasche oder Muttersaft lässt sich die aromatisch duftende Frucht pur oder ver-dünnt genießen.

Der Granatapfelsaft scheint ebenso gut anzukommen. Apotheken in Österreich und Deutschland haben ihn auf Anhieb ins Sortiment aufgenommen. Ansonsten ist er in Delikatessen- und Feinkostgeschäften, Bio-Fachhandel und der gehobenen Gastronomie zu finden. Kleinere Mengen kann der Handel direkt bestellen.

‚In’ bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Immer mehr limonadenartige Erfrischungsgetränke in Bio-Qualität kommen auf den Markt – und haben Erfolg. Während konventionelle Limos den Geschmack meist aus naturidentischen Aromen ziehen und zugesetzte Zitronensäure oder farbgebendes Zuckercouleur enthalten, ist es bei den Bio-Varianten echter Saft.

Bionade und bios gehören zu den Varianten, die durch Fermentation von Malz und Wasser hergestellt werden. Anstelle von Alkohol entstehen bei dem natürlichen Prozess mil­de organische Säuren wie Milch- oder Gluconsäure.

Die weit verbreitete Bionade-Linie bestand bislang aus Holunder, Litschi, Ingwer-Orange und Kräuter plus der Sorte Aktiv mit doppeltem Calcium- und Magnesiumgehalt. Jetzt hat Peter Kowalsky die Sorte Quitte eingeführt, die feinherb fruchtig schmeckt und mit einer exotisch erfrischenden Note überrascht. Gekeltert wird sie von der Kelterei Elm.

Zu den umfangreichen Verkaufsförderungsmaßnahmen der Firma gehören klassische Kommunikationsmittel wie Plakate oder Funkspots, Verkostungen sowie Sponsoring. Bionade verfolgt den Ansatz, Bioanbau in der Rhön zu stärken.

Bios-Erfinder Nordmann, die in erheblichem Umfang auch Bionade verkaufen, engagiert sich dagegen gerade für eine Landwert-Hof-Initiative. Die vor wenigen Wochen eröffnete ökologische Musterlandwirtschaft liefert nicht nur das Getreide für bios. Vielmehr umfasst sie zudem eine Schau-Produktion verschiedener Bioerzeugnisse, einen Schulbauernhof sowie eine Genusskochschule.

Bios gibt es in vier Sorten. Noch im Frühjahr soll ein fünfter Geschmack dazukommen. Die kalorienarmen und isotonischen Getränke verdanken ihre Fruchtigkeit und leichte Süße ausschließlich dem enthaltenen Fruchtsaft.
Die Nordmann-Gruppe hat auch in anderen Bereichen den Bio-Boom aufgegriffen, etwa mit Apfelschorle und Bieren. Ebenso wie Bionade steht bios auch konventionellen Vertriebsschienen zur Verfügung, ist als junge Marke allerdings noch nicht so verbreitet. Zur Auswahl stehen Mehrweg-Glasflaschen, SixPacks und ein stapelbares, palettenartiges Roll Display.

Frucade nennt sich das Pendant von Rother Bräu, das jetzt das Angebot aus vier Öko-Bieren und dem Bier & Apfel ergänzt. Die Sorten Apfel-Birne, Holunder und Kirsche mit Malzextrakt und Bio-Zucker tragen das regionale Gütezeichen Rhön und werden wie die Biere in Mehrweg angeboten.

Nordmann, Rother Bräu, immer mehr Brauereien können die Einkäufer des Handel als Partner für Getränke mit und ohne Alkohol zugleich gewinnen. Pinkus bietet zum Beispiel neben Bier alkoholfreie Malzgetränke und seit neuestem Radler in Bioland-Qualität an. 30 Prozent des Handels fallen auf den Einzelhandel und Gastronomie.

Vergleichbar ist das Angebot vom Riedenburger Brauhaus. Der Handel kann Bierspezialitäten, alkoholfreies Weissbier und isotonische Vitalgetränke bekommen. Für diese haben die Brauer unter anderem alkoholfreies Dinkelbier mit Zitronenlimonade und Agave zu einer bekömmlichen Mischung vereint.
Neumarkter Lammsbräu produziert insgesamt 17 Sorten Bio-Bier. Während sich ihre Bierspezialitäten an alle Bierliebhaber richten, sind die alkoholfreien, ebenfalls isotonischen Biere durch die wertvollen Nährstoffe bei Sportlern beliebt. Auf der BioFach stellte Lammsbräu die neue Linie now vor. Die in zeitgemäßen modernen Flaschen abgefüllten Erfrischungsgetränke gibt es gleich in sechs Geschmacksrichtungen.

Neumarkter Lammsbräu beliefert regionale Einzelhändler, ist in der Bio-Gastronomie und Hotellerie aber auch national und über die Grenzen hinaus vertreten. Beliefert werden zudem der Naturkost- und Getränkegroßhandel sowie Biofilialisten. „Wir sind die einzige Bio-Brauerei in Deutschland, die eine eigene 100-prozentige Bio-Mälzerei betreibt“, sagt Geschäftsführerin Susanne Horn.  Auch mit dem Konzept der Erzeugergemeinschaft sei man Vorreiter und unterstütze dadurch den fairen Handel mit Bauern aus der Region.

Bio-Wein zieht ein – und an

Seitdem selbst im Discounter oft ein, zwei Bio-Weine stehen, öffnet sich auch der LEH verstärkt für das Thema. Eine lukrative Warengruppe, bei der momentan allerdings noch ein gut informiertes Personal zur Verfügung stehen sollte. Denn oftmals fragen Kunden danach, inwiefern sich die Rebpflege und Weinbereitung von der konventionellen Massenproduktion unterscheiden. Die Liste an Anbietern von erstklassigen Bio-Weinen ist schon jetzt groß, so dass hier nur einige wenige exemplarisch genannt werden sollen.

Das Wein- u. Sektgut Harteneck aus Südbaden beliefert den Groß- und Einzelhandel, die Gastronomie und den Fachhandel mit Rot- und Weißwein, Rosé und Sekt. Nicht zuletzt macht die VK-Preisspanne von sechs bis 15 Euro das Sortiment für die Abnehmer interessant.

Der Winzer betreibt eine bio-dynamische Weinbergspflege und hat sich auf die regionaltypischen Rebsorten Gutedel, Weißer- und Grauer Burgunder sowie Spätburgunder spezialisiert.

„Qualität entscheidet, nicht Bio“, meint Thomas Harteneck. „Dann werden Bio-Weine wie andere Bio-Getränke vermehrt den Weg in herkömmliche Absatzmärkte finden.“ Verkostungen könnten dem Handel und dem Kunden die Produkte näher bringen. Außerdem bestätigen gerade wieder einige Auszeichnungen ihre Qualität: Beim internationalen Weinpreis der BioFach gewann zum Beispiel der Spätburgunder Rotwein Hellberg die Goldmedaille und siegte damit gegen die starke internationale Konkurrenz.

Die Bio-Zentrale hat den neuen Markenauftritt dazu genutzt, ebenfalls alkoholische Getränke ins Sortiment aufzunehmen. Das Unternehmen empfiehlt die je zwei Rot- und Weißweine aus Frankreich zu verschiedenen Speisen. So harmonisiere der elegante Sauvignon Blanc unter anderem zu knackigen Salaten oder Fisch. Dagegen sei der fruchtbetonte, lebendige Merlot ein perfekter Allrounder, den man auch gut zu Käse servieren könne.

Ein Prosecco aus dem Veneto und zwei Apfelperlweine (weiß und rosé) ergänzen das Angebot. Die Apfelperlweine weisen mit zehn Prozent einen höheren Alkoholgehalt als üblicher Cidre auf. Zugleich sollen sie bekömmlicher als Sekt sein, da sie mit weniger Druck abgefüllt sind.

Die sieben Produkte geben sich mit dem frischen, grün-weißen Logo klar als eine Marke zu erkennen und stellen mit Preisen zwischen 4,99 für die Weine und 7,99 Euro für die Apfelperlweine ein attraktives Angebot dar.

Haus Rabenhorst will bei der Weinserie Grüner Weinberg dagegen mit unterschiedlichen Etiketten bewusst den individuellen Charakter der einzelnen Sorten unterstreichen. Aktuelle Neuheit im Programm ist der Macatela Garnacha, ein schwefelfreier Rotwein aus Kastilien. Für 6,49 Euro (UVP) ist er ebenso wie die anderen im Reformhaus erhältlich.
carpe vinum handelt mit Ökoweinen, Sekt sowie Feinkost und beliefert unter anderem auch den Einzelhandel. Nach Meinung des Unternehmens, ist die Produkttiefe bei Biogetränken mit Ausnahme von Spirituosen inzwischen erreicht: „Jetzt geht’s in die Breite.“ Die Lücke will zum Beispiel die Persephone Destillerie in München mit Bio-Gin schließen. Malz von einem bayerischen Biolandbetrieb, Hopfen, dazu 12 Kräuter und exotische Gewürze finden sich in dem aromatischen Drink.

Bettina Pabel

 

Bio-Getränke sind besser!

  • Konzentration des Pflanzenschutzes auf vorbeugende Maßnahmen

  • Erhalt der Artenvielfalt

  • Schonung der Energie- und Rohstoffreserven

  • Anstreben einer Kreislaufwirtschaft und Schwerpunkt auf regionale Rohstoffe

  • Transparenz vom Baum in die Flasche

  • Direktsäfte - 100 Prozent Frucht mit allen wichtigen Begleitstoffen natürlicher guter Geschmack, ohne künstliche Vitamine oder Aromen für das persönliche Wohlbefinden

  • Ökologische Landwirtschaft zum Schutz von Boden, Wasser und Luft

  • Verzicht auf mineralische Stickstoffdünger und Gentechnik

 

Ökologischer Weinbau

  • setzt auf lebendige Ökosysteme

  • hohe Qualität statt Quantität des Ernteguts

  • Pflege des anfälligen Weinbaus durch geeignete Maßnahmen, wie intakte Ökosysteme durch Förderung der natürlichen Bodenfruchtbarkeit

  • Mehrung der Artenvielfalt

  • Verzicht auf das Konservierungsmittel Sorbinsäure, Blauschönung, GVO-Hefen

  • Dauerbegrünung zur Bindung von Nährstoffe im Boden, als Erosionsschutz und Nahrungsquelle für Nützlinge

  • Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel

  • Keine genmanipulierten Pflanzen, Mikroorganismen sowie deren Erzeugnisse

  • Ohne rektifiziertes Traubenmostkonzentrat


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