Start / Ausgaben / BioPress 59 - Mai 2009 / Bio-Company mit City-Format

Bio-Company mit City-Format

Größter Bio-Filialist Berlins mit neuem Auftritt

In Kreuzberg vis-a-vis der Marheineke Markthalle hat die Bio-Company einen Supermarkt mit 350 Quadratmetern nach einem modernen City-Konzept eröffnet. „Hier hat in den 70-ern die Bio-Bewegung begonnen. Die Naturkost ist hier zuhause. Ein Teil der alten Läden mit der Ur-Ideologie existiert noch“, berichtet Robert Erler von der Bio-Company. Zwei Märkte betreibt Berlins größter Bio-Filialist in dem Stadtteil, einen am Kottbusser Tor und einen in der Bergmannstraße. Der Bio Company Bergmannstraße, zweitjüngster der 13 Berliner Märkte, ist seit einem Jahr am Netz. Parkplätze sind hier Fehlanzeige. Der Markt fungiert als Nahversorger. 16 Verkaufsstellen betreibt der Bio-Filialist insgesamt, darunter eine in Potsdam und zwei in Hamburg.

In der Bergmannstraße in Berlin-Kreuzberg erprobte Geschäftsführer Georg Kaiser ein neues City-Konzept auf kleiner Fläche. „Der Markt lebt vom Charme der Kleinheit“, erklärt Corinna Garschke aus der Marketingabteilung. Vor zehn Jahren hat die Bio Company den ersten Markt eröffnet. In den letzen Jahren wurden die Flächen größer. 500 bis 700 Quadratmeter hat heute ein Bio-Company-Markt. Spartanisch war bisher der Ladenbau, der auf ein treues und grünes Publikum zielte.

Zu den neuen G-Zielgruppen, die Gesundheit und Genuss in den Vordergrund stellen, hat der überkommene Ladenbau eher Barrieren aufgebaut. Ein neues Erscheinungsbild, das dem Selbstverständnis der Bio-Company und dem Markt des 21. Jahrhundert Rechnung trägt, wurde entwickelt. Einfachheit und Funktionalität sind die Grundlagen, nach denen Architektin Anja Herold vorging. Neutrale Erd- und Sandtöne lassen die Waren in den Vordergrund treten. Die Holz-Verblendungen an den Regalen sind aus brandenburgischer Kiefer. Die Verkaufsmöbel für Aktionen wurden ebenfalls aus heimischer Kiefer gebaut. Die Bodenhaftung und die Verbindung zu den regionalen Lieferanten ist damit hergestellt.

Beleuchtungskonzept spart Strom

Natürlich ist es verkaufsentscheidend, in welchem Licht die Bio-Produkte erscheinen. Deshalb hat der Filialist ein Beleuchtungskonzept erstellen lassen. Die Bio-Produkte werden so ins rechte Licht gerückt, zudem wurde durch die gezielte Planung noch Energie gespart, gegenüber dem früheren Vorgehen.

Naturkosmetik wird natürlich besonders hochwertig inszeniert. Mit einer verspiegelten Rückwand werden die Produkte ins Blickfeld gerückt. Nur was im Regal ansprechend präsentiert wird, macht in den Augen der Kunde auch schön.
„Viele Stammkunden denken, das muss viel gekostet haben und fragten in E-Mails, ob sie jetzt für das Laden-Design bezahlen müssen statt für Ware“, berichtet Robert Erler, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Vornehm wirkt die kleine, schicke Filiale. „Der Markt wurde mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Das Ganze geschah aber ökologisch und kostenorientiert“, ergänzt Erler. Kostspielig war der Ladenbau nicht, denn Kiefer gehört nicht zu den Edelhölzern. Eine soziale Komponente ist ebenfalls enthalten: „Die Holzarbeiten wurden an eine Behindertenwerkstatt vergeben“.

Der Zugang in den Bio-Supermarkt ist schrankenlos. In der schlichten Cafeteria im Eingangsbereich gibt es täglich wechselnde kleine Mahlzeiten von Gorilla, dem Berliner Bio-Caterer. Die Tagessuppe wird für 2,95 Euro offeriert. Nudelsalat, Couscous, Tofu und Blattsalate werden außerdem von Gorilla geliefert. Seit 2008 erledigt der Caterer, was die Bio Company vorher in Eigenregie tat. „Wir haben unsere Küche aufgegeben. Wir sind Händler und kümmern uns um Ware. Das beherrschen wir. Für die Zubereitung von Essen nehmen wir Profis, die das besser können als wir“, erklärt Erler.

Frische wird groß geschrieben

Der Kundenlauf beginnt mit den Backwaren in Bedienung. Ein Teil der Kundschaft versorgt sich mit dem täglichen Brot oder einem belegten Brötchen und verabschiedet sich wieder. Die Bio-Company fungiert hier als Bäckerladen. Drei Berliner Bäckereien und eine Konditorei liefern die frischen Backwaren.

Wurst und Käse gibt es nur in SB. „Der Markt ist zu klein für eine Fleischtheke“, nennt Erler den Grund. Frische wird auch hier großgeschrieben, wie das lange Kühlregal mit einem umfangreichen Angebot an Wurst, Mopro und Soja-Produkten zeigt. Das Gemüse wird gekühlt, damit es länger frisch bleibt. Das ist ein Aufwand, den sich nicht jeder Händler leistet.

Eine Eigenmarke mit 40 Artikeln führt die Bio Company inzwischen auch. Sie trägt den Namen des Unternehmens Sekt und Kaffee sind darunter. Zusätzlich gibt es Dauerniedrigpreise für rund 300 der 5.000 im Markt befindlichen Produkte. „Für Artikel, die sich über Jahre als Renner erweisen, machen wir einen günstigeren Preis als die Konkurrenz. Der Preiseinstieg ist in jedem Fall wichtig für den Verkaufserfolg“, erläutert Erler die Strategie. Grundnahrungsmittel sollen erschwinglich sein. „Subventioniert werden sie aber nicht“, stellt er klar.

Zur Profilierung setzt die Bio Company auf Marken und Regionalität. So werden Hersteller am Regal mit Bild personalisiert und durch die Nennung der Internet-Adres­se bekannt gemacht. Söbbeke, die Gläserne Molkerei, Davert, La Selva, Lebensbaum und der Heidehof zählen zu den privilegierten oder regionalen Partnern, die auf Aktionsflächen mit Verkostung und Verkaufsförderungen vorgestellt werden.

 Dass Kreuzberg schon von Bio überflutet ist, glaubt Erler nicht. Gegenüber liegt die Marheinecke Markthalle mit zahlreichen Bio-Ständen. „Die Eröffnung unseres Marktes hilft den Ständen in der Markthalle und die Markthalle hilft uns“, so Erler. Was er hier nicht bekommt, holt der Kunde dort und umgekehrt.

Anton Großkinsky


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